Klimaneutral bis 2030?

von grenzfragen

Das ehrgeizige Ziel der Erzdiözese Freiburg, bis 2030 klimaneutral zu werden, war Anlass und Motto für die diesjährige Nachhaltigkeitsexkursion. Vor Ort konnte man mit den Hauptakteuren hinter die Kulissen dieses Konzepts blicken und weitere ökologisch beispielhafte Institutionen kennen lernen, wie die Freiburger Akademie, die Solarsiedlung, das berühmte Heliotrop sowie das Pelletwerk der Schellinger KG im Schwarzwald.

Gliederung

Zu Gast bei der Freiburger Akademie

Die Kath. Akademie Freiburg hat es möglich gemacht: Nach dem Corona-Lockdown wurden die Türen wieder geöffnet für Präsenzveranstaltungen und Übernachtungen. Der Weg war also frei für unsere Exkursion.

Martin Immenschuh machte Nachhaltigkeit nicht als rigiden Verzicht, sondern als „Spielart von Lebenskunst“ schmackhaft.

Dabei ist die Akademie nicht zufällig gewählt worden. Als erstes kirchliches Bildungshaus wurde sie 1999 nach dem anspruchsvollen europäischen Umweltmanagementsystem EMAS zertifiziert. Seit Jahrzehnten ist sie Vorreiterin für nachhaltiges Management und in besonderem Maße glaubwürdig, da sie praktisch umsetzt, was sie in Umwelttagungen theoretisch diskutiert. Martin Immenschuh, der Akademiebeauftragte für Umweltmanagement, verstand es, anderen Institutionen Mut zu machen, ihre jeweiligen Einrichtung nachhaltig zu gestalten – auch wenn dies nicht zum Nulltarif zu haben sei. Verhaltensänderungen und der Einsatz von finanziellen und personellen Ressourcen wollen erst einmal gegen Widerstände erstritten werden.

Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen:

  • Verkehr: Abschaffung der Dienstwagen, Nutzung von Car-Sharing, Einrichtung eines Stellplatzes direkt vor dem Haus
  • Energie: Stromerzeugung durch gasbetriebenes Blockheizkraftwerk; Wärmerückgewinnung in Lüftung und Klimatechnik, Photovoltaikanlage auf dem Dach
  • Abfall: Konzept der Mülltrennung konsequent angewandt
  • Büromaterial und Verbrauchsmaterialien: soweit als möglich ökologisch-fair beschafft
  • Reinigungsmittel, Waschmittel: nach ökologischen Gesichtspunkten optimiert
  • Verpflegung: hauptsächlich Biozutaten, regional und fair gehandelt
  • Ausstattung und Materialien für Wäsche und Betten: möglichst Biobaumwolle aus fairem Anbau

(Quelle)

Praktisch und theoretisch unterstützt damit die Akademie Freiburg auch die Klimaziele ihrer Heimatdiözese.

Dr. Heinz-Hermann Peitz (re) eröffnet die Diskussion um die Klimaziele der Erzdiözese Freiburg, vorgestellt durch Eva Jerger und Dr. Reinhold John

Erdiözese Freiburg: Klimaneutral bis 2030? Oder später?

„Die Erzdiözese Freiburg ist als erstes Bistum in Deutschland im Jahr 2030 beim Energieverbrauch klimaneutral.“ Mit diesen Worten wird Erzbischof Stephan Burgers ambitionierte Vision zitiert, mit der er bei der Verleihung des Umweltpreises 2018 für Aufbruchsstimmung gesorgt hat. Mitverantwortlich für die Umsetzung ist die Diözesanstelle für Schöpfung und Umwelt, deren Leiter, Dr. Reinhold John, vorrechnen konnte, was dies konkret bedeutet, und an welchen Stellschrauben intensiv gedreht werden muss:

  • Änderung des Mobilitätsverhaltens
  • deutliche Reduzierung des Gebäudebestandes
  • Ertüchtigung und Sanierung der zukunftsfähigen Gebäude
  • Austausch aller Heizungen (dabei Ablösung von Heizöl und Erdgas durch Biomethan o. ä.)
  • massiver Ausbau gebäudenaher Photovoltaik (v. a. auf Kirchendächern)
  • der verbleibende CO2-Ausstoß von 10% des Ausgangswertes muss kompensiert werden

(Quelle)

Bezüglich des massiven PV-Ausbaus meldete sich mit Dr.-Ing. Franz Hein eine kritische Stimme aus dem Publikum. Es reiche nicht, nur auf die Energieausbeute der PV-Anlagen zu blicken. Meist werde das Ausregeln der immensen Schwankungen der Einspeisung (und des schwankenden Bedarfs) vergessen, kurz gesagt: “Nachts scheint keine Sonne”. Nur mittels Pufferung im Kurzzeitbereich und Energiebevorratung für größere Zeitbereiche könne die Energiewende gelingen. Und gegen die gefürchteten, immer wahrscheinlicher werdenden längeren und flächendeckenden Netz-Ausfälle (blackouts) helfe nur eine Notversorgungsfähigkeit, z. B. durch inselnetzfähige Systeme. Kirchen – so Hein – könnten hier Vorreiter sein.

Dass die Herausforderungen selbst ohne die angemahnten Puffermöglichkeiten gewaltig sind, veranschaulicht allein die Fläche des geplanten PV-Ausbaus: Sie entspräche der Fläche von über 90 Fußballfeldern! So lasse sich das ausgerufene Klimaziel bis 2030 zwar rechnerisch darstellen, man komme aber realistisch zu dem Urteil, “dass eine Realisierung fast nicht möglich ist” – offene Worte, inzwischen auch auf der Website nachzulesen. Wenn die 2030er Marke nur unwesentlich überschritten werden soll, wird es neben finanziellen Mitteln viel Überzeugungsarbeit und – man denke auch an das Mobilitätsverhalten – das Mitmachen aller bedeuten. Entsprechend titelt die Website: “Wir haben uns viel vorgenommen! Großes geht nur gemeinsam“.

Eva Jerger will Haupt- und Ehrenamtliche begeistern

Zum Mitmachen lädt auch Eva Jerger ein, Leiterin des Referats Fair-Trade-Diözese. Das Klimaschutzkonzept umfasst nämlich nicht nur Bau und Mobilität, sondern auch den Bereich “Beschaffung”. Hier wird das Ziel verfolgt, dass sich möglichst viele kirchliche Einrichtungen und Gruppierungen an der Initiative “fair.nah.logisch” beteiligen und nach öko-fairen Kriterien einkaufen. Dazu steht den Kirchengemeinden u. a. die Einkaufsplattform wir-kaufen-anders.de zur Verfügung.

Diözese Rottenburg-Stuttgart: Klimaneutral bis 2050? Oder früher?

Bewährtes Info-Modul der Exkursion: Aktuelles aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart, vorgestellt von Hubert Hiller und Rebecca Liedtke

Gegenüber der Erzdiözese Freiburg mutet das Klimaziel der Diözese Rottenburg-Stuttgart eher bescheiden an, beansprucht aber, in der Umsetzung realistisch zu sein. Mit dem 2017 veröffentlichen Klimaschutzkonzept hatte sich die Diözese ausdrücklich hinter das Klimaschutzabkommen von Paris und das Ziel weltweiter Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 gestellt. Absehbar sei aber inzwischen, dass das Klimaziel nach-justiert werde, da die Diözese nicht hinter dem neuen Ziel der Bundesregierung „Klimaneutralität 2045“ zurückbleiben wolle – so Rebecca Liedtke, neue Klimaschutzmanagerin im Bischöflichen Bauamt. Dazu ist als verlässliche Berechnungsgrundlage für das Jahr 2022 zunächst eine Evaluation mit der Aktualisierung der CO2-Bilanz der Diözese geplant. Im Ziel-Vergleich der Klimaneutralität scheint also die eine Diözese ihre Prognose nach hinten, die andere nach vorn zu verschieben. Vielleicht trifft man sich ja in der Mitte.

Konkret steht der Diözese Rottenburg-Stuttgart für die Jahre 2021/22 wie beim letzten Doppelhaushalt wieder der Betrag von 15 Mio. Euro zur Verfügung. 12 Mio. sind für den Klimaschutz an kirchlichen Gebäuden vorgesehen, 3 Mio. für die „kleinere Maßnahmen“, darunter auch Elektromobilität.

Dezember 2021 startete ein ökumenisches Schulungsprogramm zum Energiesparen und Klimaschutz für Multiplikatoren, und mit neuaufgelegten Broschüren, Materialien und Arbeitshilfen wurde Bewusstseinsbildung in der Breite betrieben.

Ein eigenes Gewicht wird der Artenvielfalt zuerkannt. So sind für die Verpachtung kirchlicher Flächen in der Landwirtschaft strengere Umweltauflagen vorgesehen. Symbolisch mit Vorbildfunktion: Der Biodiversitätsgarten auf dem Dach des Bischofshauses zeigt, dass auch die Diözesanleitung hinter dem Thema Artenvielfalt steht.

Der 2022 in Stuttgart stattfindende Katholikentag hat sich zu einem weiteren Arbeitsschwerpunkt des Fachbereichs Umwelt entwickelt. Er soll klimaneutral werden, und der Themenbereich Nachhaltigkeit/Klimaschutz wird eines der Schwerpunktthemen sein.

In der Diskussion zeigte sich, dass bei der Kommunikation mit der Basis durchaus noch ‘Luft nach oben’ sei. Zum Beispiel wurde bei den Wahlen der Kirchengemeinderäte im Jahr 2020 zwar die Bildung von Ausschüssen bzw. die Benennung von Beauftragten für Klimaschutz/Nachhaltigkeit angeregt. Inwieweit dies aber umgesetzt wurde, sei nur unvollständig bekannt. Meldungen im Fachbereich Umwelt sind daher herzlich willkommen.

Genau das, nämlich eine missionarische “Kirche von unten” zu fördern, habe sich der “Diözesane Ausschuss (DA) für Nachhaltige Entwicklung” als ein Ziel vorgenommen, so Hubert Hiller, Mitglied des Diözesanrats und des Verbands der Verwaltungszentrumsleiterinnen und -leiter in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Rückblickend habe die Diözese in den letzten Jahren auf Anregung des “DA Nachhaltige Entwicklung” einige Maßnahmen umgesetzt:

  • Stellen für Klima-Management und Kümmerer für das Projekt „Faire Gemeinden“ und Faire Beschaffung
  • Ratgeber und Hilfen für Gemeinden
  • Exkursionen in Hotspots der Nachhaltigkeit

Künftig möchte sich der Ausschuss folgenden Aufgaben widmen:

  • Zeugnis ablegen in der Nachfolge Jesu Christi – Zeichen der Zeit erkennen und deuten
  • Kernaufgabe: Anwalt, Berater, Impulsgeber für eine nachhaltige, d.h. schöpfungsfreundliche Entwicklung in der Diözese, auch als pastorale Herausforderung
  • „Hören auf den Schrei der Ausgestoßenen und der Mutter Erde.“
  • Stichworte: Elektro-Mobilität, CO2-Bepreisung, Pilgerweg der Nachhaltigkeit, klimaneutrale Diözese werden, „Faire Kirchengemeinden“; dabei nicht nur auf faire Beschaffung achten, sondern auch auf Müllvermeidung und Recycling
  • Zusammenarbeit mit Erzdiözese Freiburg und ev. Landeskirchen (BW) und Dialog mit politischen Parteien

Die Diözese zeigt sich insgesamt lernoffen und prüft aufmerksam, welche erfolgversprechenden Ansätze anderer Diözesen oder Institutionen übernommen werden können – etwa im Bereich der regenerativ betriebenen Heizungen oder der Photovoltaik. Die Exkursion bot mit dem Besuch der Freiburger Solarsiedlung und eines nahe gelegenen Pelletwerks auch dazu exemplarisches Anschauungsmaterial.

Klassiker: Heliotrop und Solarsiedlung

Die „Solarsiedlung am Schlierberg“ war ein EXPO-2000-Projekt

1994 schafft der Solararchitekt Rolf Disch mit dem weltweit ersten Plusenergiehaus, dem sog. Heliotrop, den Durchbruch. Daraufhin erstellt Disch 2006 die nahe gelegene Solarsiedlung mit 60 Plusenergiegebäuden, die – quasi als Vorgeschmack auf das Heliotrop – zunächst auf dem Programm stehen. Seit 2006 ist dort Dr. Tobias Bube zuständig für Pressearbeit und Projektentwicklung. Er konnte aus erster Hand Einblicke in die Solarsiedlung geben.

Sämtliche Häuser sind Plusenergiehäuser, d. h. sie produzieren im Jahr mehr Energie als sie für den Eigenbedarf brauchen. Sie sind in Holzbauweise und mit ökologischen Baustoffen erstellt und erwirtschaften die Energieausbeute durch Photovoltaikmodule. Bis heute bilden sie in Deutschland die Siedlung mit der größten dachintegrierten Photovoltaik-Anlage. Die Wärmedämmung erfolgt nach Passiv­hausstandard, die dezentrale Lüf­tungsanlage arbeitet mit Wärmerückgewinnung. Dank der Tiefgarage im zugehörigen Dienstleistungsgebäude und einem durchdachten Car-Sharing-Konzept kann das Siedlungsgelände autofrei bleiben. Die Finanzierung der Solarsiedlung erfolgte durch eine eigens gegründete Bauträgergesellschaft.

Vielfach preisgekrönt: Das Heliotrop®

Nach der Siedlungsführung wartete mit dem bereits erwähnten Heliotrop ein Klassiker auf uns. Das weltweit erste Plusenergiehaus wurde 1994 als Pionierprojekt des Solarachitekten Rolf Disch gebaut und bietet auch nach 27 Jahren noch die angezielte Funktionalität und Wohnqualität.

Hannah Lehmann, übrigens bis 2016 Umweltbeauftragte der Katholischen Akademie und Studienleiterin, bewohnt das Heliotrop mit Rolf Disch und wird auch nach all den Jahren nicht müde, in zahlreichen Führungen dieses Modellprojekt der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Das Besondere dieses Hauses: Oberhalb des Sockels kann sich das ganze Haus je nach Bedarf drehen. Dreht sich die spezialverglaste Vorderseite im Winter zur Sonne, gewinnt das Haus ein Maximum an Energie und Licht, kehrt sich im heißen Sommer die isolierte Rückseite der Sonne zu, bleibt es angenehm kühl. Unabhängig von dieser Drehbewegung kann sich die zweiachsig nachgeführte Photovoltaik-Anlage auf dem Dach immer optimal auf die Sonne ausrichten und gegenüber einer fest installierten PV-Anlage einen Mehrertrag an Energie ernten. CO2-neutral wird dadurch ein Vielfaches des Eigenverbrauchs generiert.

    Ein Haus, das sich mit der Sonne dreht

    Kollektoren an den Balkonbrüstungen sorgen für warmes Wasser und Heizung. Die Waschmaschine nutzt Regenwasser, zum Einsatz kommt eine Trockenkomposttoilette und das Abwasser wird in einer Schilfkläranlage gereinigt.

    Hannah Lehmann in ihrem Element. Im Hintergrund: Wenn geheizt wird, dann mit Holzpellets!

    Von Beginn der Führung an merkt man sofort, wie Hannah Lehmann für dieses Haus und die Themen Ökologie und Nachhaltigkeit brennt. Nicht umsonst wurde ihr 2019 für Ihr Engagement das Bundesverdienstkreuz verliehen. Dabei lässt Lehmann keinen Zweifel daran aufkommen, dass man kein Solarpionier und keine Bundesverdienstkreuzträgerin sein muss, um wirkungsvoll für die Umwelt einzutreten: Jeder kann seinen Beitrag leisten. Und diese Änderung des Lebensstils – dafür ist Hannah Lehmann ein authentisches Beispiel – ist kein Verlust, sondern ein Gewinn, auch hier eine „Spielart von Lebenskunst“.

    Wer das nebenstehende Foto aufmerksam betrachtet, findet im Hintergrund eine umweltfreundliche Pelletheizung. Was es mit Holzpellets auf sich hat, erklärte uns eindrücklich der Besuch des Pelletwerkes im nahe gelegenen Buchenbach.

    Mit Holzpellets in die ökologische Zukunft?

    Der ökologisch gute Ruf von Holzpellets und die steigende Nachfrage war Anlass genug, einmal hinter die Kulissen eines Pelletwerkes in der Nahe von Freiburg zu blicken. Im schönen Schwarzwälder Buchenbach empfängt uns das Pelletwerk der Schellinger KG mit Peter Helmreich, Vertriebsleiter der Schellinger KG, Dr. Michael Leenen, Leiter des Pelletwerks, Josef Kaltenbach, ehem. Produktionsleiter des Sägewerks, und Carsten Döhring, Geschäftsführer der Dold Holzwerke, die auf dem gleichen Werksgelände Hand in Hand mit dem Pelletwerk zusammenarbeiten.

    Die Führung war methodisch professionell, inhaltlich hochkompetent und demonstrierte überzeugend, warum Holzpellets auch in ökologischer Hinsicht so gefragt sind. Ein Infofilm macht aus Sicht der Schellinger KG Gründe für Pelletnutzung, deren Herstellung und die ökologischen Ansprüche der Firma anschaulich:

      Was also spricht für die hier produzierten Holzpellets?

      • Zu 100% regional: Die Pellets werden ausschließlich aus (Nebenprodukten von) heimischem, zertifiziert nachhaltig gewonnenem Schwarzwaldholz hergestellt
      • Wertschöpfung: bleibt ebenfalls in der Region
      • Transparenz der gesamten Produktionskette: von der Herkunft der Rohstoffe über Produktion, Vertrieb bis zur Lagerung beim Kunden
      • Kurze Wege: Der Rohstoff entsteht direkt vor Ort beim kooperierenden Sägewerk nebenan, das die Nebenprodukte (frische Späne etc.) aus der Schnittholzproduktion liefert
      • CO2-neutrale Herstellung: Strom und Wärme zum Trocknen der Späne stammen aus dem eigenen Biomasse-Heizkraftwerk
      • Keine externen Bindungsmittel: Die Späne werden durch das holzeigene Lignin und Harz dauerhaft zusammengehalten, nicht durch Presshilfsmittel wie Stärkemehl
      • Wenig Lagerraum: wegen der hohen Energiedichte
      • Klimafreundliche Verbrennung:  es wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie der Baum zuvor der Atmosphäre entzogen hat

      Gründe genug, um auch als kirchlicher Bauherr eine Pelletheizung in Erwägung zu ziehen. Vorerfahrungen dazu gibt es: So hat die Kath. Kirchengemeinde St. Gallus in Tettnang seit 2008 auf Pellets umgestellt. Die obige Auflistung zeigt auch, dass viele Kritikpunkte, die gegen Holzpellets ins Feld geführt werden, auf den hier demonstrierten Herstellungsprozess nicht zutreffen (z. B. Benutzung von Stärke, Verwendung von Tropenholz, Pellettrockung durch Verbrennung von Palmöl etc.). Es wird sich zeigen, inwieweit das besuchte Pelletwerk als best-practice-Beispiel auch international Nachahmung findet; es wird sich ebenfalls zeigen, wie sich die Ökobilanz verschiebt, wenn der rasant steigende Pellettrend dazu führen sollte, dass das in Jahrzehnten vom Baum gebundene CO2 in kürzester Zeit freigesetzt wird. Aber welche Energieform wirft keine kritischen Fragen auf? Wir danken jedenfalls für die eindrucksvolle und ökologisch glaubwürdige Werksführung.

      Abendliche Stunde im Freiburger Münster

      Bei Akademieveranstaltungen, Exkursionen inklusive, ist Nahrung für den Kopf garantiert. Wie gut tut es da, wenn der Abend mit allen Sinnen, Herz und Seele ausklingen kann. Das “Klingen” kann man dabei wörtlich nehmen, da die informativen und meditativen Worte von Michaela Elbs und Susanna Czech-Lepold durch den Münsterorganisten Jörg Schwab mit eindrucksvoller Musik der imposanten Orgel umrahmt wurden – exklusiv für unsere Gruppe.

      Die Leitung des Münsterforums, Michaela Elbs (rechts) und Susanna Czech-Lepold (2. von rechts) hat uns zusammen mit Münsterorganist Jörg Schwab (links) einen unvergessenen Abend im Freiburger Münster geboten

      Wenn es dunkel wird lassen seit 2017 sparsame LED-Leuchten das Münster in neuem Licht erstrahlen

      Das Freiburger Münster – so konnten wir erfahren – ist ein nationales Kulturdenkmal mit dem „schönsten Turm auf Erden“ (Kunsthistoriker Jacob Burckhardt) und gehört zu den wenigen gotischen Großkirchenbauten, die noch im Mittelalter vollendet wurden und die zahlreichen Kriege nahezu unversehrt überstanden. Die Bauzeit des Münsters umfasst über 300 Jahre (um 1200 bis zu den letzten Arbeiten im Chorumgang 1536). In dieser Zeit wurde Sandstein aus verschiedenen Steinbrüchen in und um Freiburg gewonnen, in diesem regionalen Sinne also ein frühes Beispiel für ökologisches Bauen – und eine unerwartete Brücke zu unserem Exkursionsthema.

      Beim mobilen Spieltisch werden die Register und Spielhilfen der Orgeln über zwei Touch-Monitore bedient

      Eine der Besonderheiten des Münsters ist die Orgel, besser gesagt, die Orgelanlage. Mit ihren vier Orgeln, 166 Registern und über 10.195 Pfeifen ist die Anlage eine der größten in Deutschland und Europa. Die Orgeln können separat, aber auch gemeinsam von zwei Spieltischen (einer im Chorraum, ein zweiter mobil) aus angesteuert werden. Im Zusammenspiel mit der eindrucksvollen Akustik des großen Kirchenraumes konnte die Spielkunst des Münsterorganisten den Orgeln einen Klang entlocken, der in Erinnerung bleiben wird.

       

      Rückblicke

      Die erste Nachhaltigkeitsexkursion führte 2009 zum Kloster Münsterschwarzach, es folgte 2010 ein Besuch in der Vinzenz von Paul-Klinik in Rottenmünster, 2011 eine Exkursion zum Diözesan-Caritasverband in Eichstätt, 2012 ein Klausurwochenende im Kloster Heiligkreuztal, 2013 eine Exkursion zum Kloster Beuron, 2014 eine Fahrt ins Kloster St. Ottilien in Eresing, 2015 in das Energiedorf Wildpoldsried, 2016 nach Schönau (Schwarzwald), 2017 auf die Schwäbische Alb, 2018 ins Kloster Benediktbeuern, 2019 zum Kloster Plankstetten und 2020 zum Umwelt-Campus Birkenfeld.

      Veranstalter der Exkursionen

      Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
      Diözesanausschuss „Nachhaltige Entwicklung“
      PV-Anwendernetzwerk der Diözese Rottenburg-Stuttgart
      Umweltbeauftragter der Diözese Rottenburg-Stuttgart
      Verband der Verwaltungszentrumsleiterinnen und -leiter in der Diözese Rottenburg-Stuttgart (Arbeitskreis „Energie und Umwelt“)

      Credits

      Sämtliche Fotos © Beate Schnarr, Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart

      Text: Dr. Heinz-Hermann Peitz, Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart