Theodizee – naturwissenschaftliche, philosophische, theologische Aspekte

von grenzfragen

Meteor glowing as it enters the Earth's atmosphere. Elements of this image furnished by NASA

Dokumentation der Tagung “Die Übel der Welt, das Leiden Jesu und der gute Gott – Wie man begründet mit Hoffnung leben kann”, 1.-2. April 2017, Tagungszentrum Stuttgart-Hohenheim

© Vadimsadovski – fotolia

Die Naturwissenschaft kann in der Natur per se keinen Sinn ausmachen, nicht selten entdeckt sie eher ihre grausamen Seiten: Plattentektonik löst Tsunamis aus, Meteoriteneinschläge haben Massensterben zur Folge, die Evolution trägt einen (Wett-)Kampf ums Dasein aus. Verschärft die Naturwissenschaft damit die schwierige Frage, wieso ein guter Gott Übel und Leid zulassen kann?

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Gerhard Haszprunar: “Zufall bedeutet nicht Sinnlosigkeit!”

Im Gegenteil! Als Naturwissenschaftler bietet Gerhard Haszprunar neue Antworten auf eine Frage, die spätestens seit Hiob zum Klassiker geworden ist. Zur Erhellung der Theodizee-Frage greift Haszprunar auf den Indeterminismus in Quantenphysik und Evolutionsbiologie sowie auf die Freiheit des Menschen zurück: Leid als Preis der Freiheit und des Indeterminismus.

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Holm Tetens: “Eine rationale Theologie kommt zu ähnlichen Einsichten, wie das Buch Hiob”.

Als Philosoph fragt Holm Tetens nach vernünftigen Gründen, die es rechtfertigen, dass Gott die Übel und Leiden in der Welt zulässt, obwohl er sie verhindern könnte und er sie auch nicht will. Am Ende stellt Tetens heraus: Wenn Gott die Menschen als freie selbstverantwortliche Wesen schaffen und zugleich über das Sterbenmüssen der Menschen die Heilssouveränität über seine Schöpfung wahren will, muss er die materielle Welt so schaffen, wie wir sie mit ihren Übeln und Leiden kennen.

Martin Kirschner

Martin Kirschner: “Wunder sind überraschende, unableitbare Ereignisse, die ein neues Verhältnis zur Wirklichkeit ermöglichen”.

Der Theologe Martin Kirschner greift die Beiträge von Gerhard Haszprunar und Holm Tetens auf und ergänzt diese um christologische Aspekte. Wunder und Auferstehung würden dabei nicht verstanden als Mirakel und feststellbares Durchbrechen von Naturgesetzen, sondern als Erfahrung von etwas Neuem, das aus dem Bisherigen nicht ableitbar sei, überkommene Kategorien sprenge und zugleich alles in ein neues Licht rücke.

Die anschließende Podiumsdiskussion führte die Ansätze von Haszprunar, Tetens und Kirschner zusammen, indem sich – verkürzt gesagt – das Christusereignis als Emergenz in einem evolvierenden Universum verstehen ließe.

    Naturwissenschaft, rationale Theologie und Christologie angesichts der Übel der Welt

    Die Beiträge der Tagung in Video und Text