Übel und Leid – theistische vs. naturalistische Deutung

von Holm Tetens

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Holm Tetens

Holm Tetens

Prof. für Theoretische Philosophie bei Institut für Philosophie der FU Berlin
Studium der Philosophie, Mathematik und Soziologie. Professor für Philosophie in Göttingen und Paderborn, von 1994 bis 2015 an der Freien Universität Berlin. Schwerpunkte seiner Arbeit sind neben der Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte die Philosophie des Geistes sowie Logik und Argumentationstheorie. Veröffentlichung u.a.: Gott denken : Ein Versuch über rationale Theologie (2015)
Holm Tetens

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Vortrag “Gott denken angesichts von Übel und Leid – Antwortversuch einer rationalen Theologie” im Rahmen einer Tagung in Stuttgart-Hohenheim. Holm Tetens erarbeitet die Denkmöglichkeit eines Grundes, der es rechtfertigt, dass Gott Übel und Leiden in der Welt zulässt. Im Video ist die Argumentation (unter Rückgriff auf das handout) entfaltet.

    Tetens: Übel und Leid - theistische vs. naturalistische Deutung

      Der Rechtfertigungsgrund für die Zulassung des Leids ist also: Wenn Gott die Menschen als freie, selbstverantwortliche Wesen schaffen und zugleich über das Sterbenmüssen der Menschen die Heilssouveränität über seine Schöpfung wahren will, muss er die materielle Welt so schaffen, wie wir sie mit ihren Übeln und Leiden kennen.

      Der Argumentation liegen 4 Prämissen und die Konklusion (5) zugrunde:

      1. Prämisse: Gott will und schafft uns Menschen als zwar endliche, aber gleichwohl vernunftbegabte und partiell selbstbestimmte und selbstverantwortliche Ich-Subjekte.
      2. Prämisse: Wenn Gott das will, muss er Rand- und Anfangsbedingungen schaffen und Naturgesetze in Geltung setzen, die es uns ermöglichen, zielgerichtet in der materiellen Welt zu handeln, uns als geistige Ich-Subjekte intersubjektiv mitzuteilen und miteinander zu kommunizieren und zu interagieren.
      3. Prämisse: Damit Gott trotz der immer wieder auftretenden Weigerung der Menschen, ihre Endlichkeit und damit ihr Geschöpfsein vorbehaltlos anzuerkennen und mit Gott bei der Vollendung seiner Schöpfung zu kooperieren, die Heilssouveränität über seine Schöpfung wahrt, muss er Rand- und Anfangsbedingungen für das physikalische Universum schaffen und Naturgesetze in Kraft setzen, die bei jedem Menschen irgendwann erst einmal zum Tode führen.
      4. Prämisse: Die in den Prämissen 2 und 3 genannten Anforderungen legen die Rand- und Anfangsbedingungen und die Naturgesetze logisch-begrifflich auf das uns bekannte physikalische Universum fest.
      5. Konklusion: Also schafft Gott das uns bekannte physikalische Universum mit seinen moralischen, aber auch mit seinen physischen Übeln und Leiden.

      Die uns bekannte Welt inkl. ihrer Übel ist also dann gerechtfertigt, wenn Prämisse 4 wahr ist. Genau dies wurde in der Diskussion zum Vortrag (ab Minute 47) hinterfragt.

      Die Zusammenfassung des Vortrags als pdf-Datei

      Die Beiträge der Tagung