Die Allgegenwart Gottes – Vom Versuch, Unsterblichkeit zu denken

von Regine Kather

Regine Kather

Regine Kather

Lehrtätigkeit seit 1985 an der Pädagogischen Hochschule Freiburg, u. a. in der Erwachsenenbildung. Veröffentlichungen u. a.: Was ist Leben? Philosophische Positionen und Perspektiven (2003); Person - Die Begründung menschlicher Identität (2007).
Regine Kather

      Unsterblichkeit denken

      kather_kl1Gegen eine naturalistische Weltsicht, wonach eine Sphäre der Transzendenz, so es sie denn gibt, keinen Einfluss auf das Leben in der Welt ausüben könne, wandte sich die Philosophin Regine Kather (Freiburg). Soll die Welt nicht sinnlos werden, dann müsse sich Geist auch in materiellen Strukturen zum Ausdruck bringen können. Der Dualismus von Geist und Materie führe dabei nicht zur Weltverneinung, vielmehr habe man bis zur Renaissance die Welt nie als Lebensziel betrachtet, sondern immer nur als Weg oder als „Brücke, die man überschreitet, aber auf der man kein Haus baut“. Kernfrage aller Religionen sei noch bei Cusanus die Frage nach der Unsterblichkeit des Menschen.

      Eine panentheistische Auffassung, wonach alles, was ist, von Gott durchdrungen sei, ohne mit ihm identisch zu sein, vertraten in der Neuzeit Giordano Bruno (1548–1600) und Baruch de Spinoza (1632–1677). Angestrebt wird die Erhaltung und Entfaltung des diesseitigen Lebens – Materie und Geist gehörten untrennbar zusammen –, ohne Zeit, Raum und Materie als Grundlage ‚ewigen Lebens’ zu überschreiten. Demgegenüber habe der für die Mystik einflussreiche Platoninterpret Plotin (3. Jh.) das unteilbare Eine als unerschöpfliches, unbegrenztes Vermögen gedacht, das nicht nur die Vielfalt der Lebewesen aus sich entlässt, sondern diesen auch eine „Art Geistmaterie“ als ideale Struktur zuspricht, weil eine nicht geistige Materie als Individuationsprinzip wie bei Aristoteles eine individuelle Unsterblichkeit undenkbar macht. Nur wenn das menschliche Leben durch seine Selbstüberschreitung in seinen transzendenten Grund zu charakterisieren ist, könne – so Kather – Unsterblichkeit im Sinn eines ewigen, der Zeit enthobenen Lebens gedacht werden. Für Nikolaus von Kues erschafft Gott durch sein ‚Sehen’ (‚visione dei’) alles, was ist, in seinem idealen Sein als der innerste Grund des Menschen und der transzendente Ursprung des Kosmos, wobei er als der „Nicht-Andere“ wirkt. Der Mensch könne erst wirklich frei sein zu den Dingen, wenn er ihre wirkliche Bedeutung kenne, womit sich Kather für einen positiven Sinn von Askese und ‚Entweltlichung’ aussprach. Alle Dinge und Ereignisse nach unseren Vorstellungen, Wünschen und Interessen zu bewerten, sei hingegen eine Art Fesselung (vgl. Platons Höhlengleichnis).

      Der Vortrag ist Teil der Tagung “Im Diesseits gefangen?“, 23.-24. Juni 2012, Tagungszentrum Hohenheim.

      Die Beiträge der Tagung