Zur Methode und Reichweite der Physik

von Stefan Bauberger

Stefan Bauberger

Stefan Bauberger

Professor für Naturphilosophie, Grenzfragen der Naturwissenschaft und Wissenschaftstheorie bei Hochschule für Philosophie München
Dr. habil. Stefan Bauberger SJ ist Physiker und Philosoph, Professor für Naturphilosophie und Wissenschaftstheorie sowie Zenmeister, spiritueller Leiter des Hauses Nordwaldzendo und Priester.
Stefan Bauberger

Zur Methode und Reichweite der Physik

Vortrag auf der RSNG-Jahrestagung “Methode und Reichweite der Naturwissenschaften”, 28.-30.09.2012
Tagungszentrum Stuttgart-Hohenheim

      Einige Thesen des Vortrags

      Der Glaube an eine einheitliche und einfache, mathematisch beschreibbare Grundstruktur der physikalischen Wirklichkeit hat sich bewährt. Man kann begründet vermuten, dass die heutigen physikalischen Theorien nahe an einer vollständigen Beschreibung der grundlegenden Wirklichkeit sind.

      Aber: „Wir fühlen, dass, selbst wenn alle wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind.“ (Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus 6.52)

      Innenperspektive ist von der physikalischen (empirisch-wissenschaftlichen) Beschreibung (Außenperspektive) kategorial verschieden.

      Zwei Perspektiven-Modelle:

      1. Innen- versus Außenperspektive
      2. Kontinuum von Perspektiven

      – Objektivität und Allgemeinheit in einem Kontinuum mit Subjektivität und Besonderheit
      – Intersubjektive Erkenntnis und Wissenschaft gibt es auch in den Perspektiven, die nicht vollständig objektivierbar und verallgemeinerbar sind: hermeneutische Wissenschaften, Psychologie, Philosophie, Religion, Ästhetik, etc.
      – Objektivität und Verallgemeinerbarkeit sind nicht die einzigen Ideale der Erkenntnis.

      Fazit:

      1. Erfolg der Physik
        – Instrumentalistisch: Erfolg der objektivierenden und verallgemeinernden Methode
        – Ontologisch: Blick auf die Wirklichkeit, die Welt?
      2. Kompatibilität mit anderen Perspektiven der Betrachtung
        – Subjektivität und Besonderheit nicht als Erkenntnisdefizit, sondern als alternative Form der Erkenntnis

      Beiträge der Tagung

      Nach William Grassie muss die neue evolutionäre Kosmologie (die "große Geschichte") frühere religiöse Kosmologien ersetzen. Diese können nach wie vor metaphorisch und metaphysisch interpretiert werden, nicht jedoch buchstäblich als Schilderung realer Ereignisse. In der "Großen Geschichte" findet Grassie phantastische Anknüpfungspunkte für Transzendenz.