Über die Seele der Natur

von Hans-Dieter Mutschler

Hans-Dieter Mutschler

Hans-Dieter Mutschler

Professor für Natur- und Technikphilosophie bei Philosophisch-pädagogische Hochschule Ignatianum
Dr. Hans-Dieter Mutschler ist Professor für Natur- und Technikphilosophie an der philosophisch-pädagogischen Hochschule Ignatianum in Krakau, Polen, Dozent für Naturphilosophie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen und Lehrbeauftragter an der Universität Zürich. Neben Philosophie ist Mutschler qualifiziert in Physik sowie Theologie und durch zahlreiche interdisziplinäre Publikationen hervorgetreten.
Hans-Dieter Mutschler
Hans-Dieter Mutschler Der Naturalismus ist entweder immer oder nie wahr!

Hans-Dieter Mutschler: Der Naturalismus ist entweder immer oder nie wahr!

Hans-Dieter Mutschler

Der Zusammenhang des Lebendigen – Über die Seele der Natur

Vortrag auf der Tagung “Abschied von der Seele?“, Weingarten 23.-24. Juni 2007

Fasst man den Begriff der ‚Seele’ im Sinn von Aristoteles als dasjenige Prinzip der Lebewesen, das ihre spezifischen Leistungen ermöglicht, dann kann man von einer ‚Beseeltheit der Natur’ sprechen, die natürlich graduell sein wird. Lehnt man ein solches Konzept ab, dann ist nicht ersichtlich, wie der Mensch mit seinem emergenten Eigenschaften aus der Natur hervorgegangen sein soll. Er müsste in diesem Fall durch ein analogieloses Mirakel ins Dasein getreten sein.

Ausführlicher

Die Frage, ob die Natur beseelt sei, scheint etwas weit hergeholt. In der heutigen Leib-Seele-Debatte geht es darum, ob der Mensch emergente Qualitäten hat, die über das hinausgehen, was die Naturwissenschaften beschreiben.
Viele bejahen diese Frage, glauben aber, dass der Rest des Existierenden rein naturwissenschaftlich behandelt werden kann. Allerdings gibt es seit einiger Zeit eine lebhafte Diskussion um den ‚Geist der Tiere’. Auch wenn man auf der Differenz zwischen Mensch und Tier besteht, so scheinen doch zumindest die empfindsamen Lebewesen Eigenschaften wie Gefühle zu haben, von denen man nicht sieht, weshalb sie beim Menschen unreduzierbar sein sollten, beim Tier aber nicht.
Fasst man den Begriff der ‚Seele’ nicht zu prätentiös, etwa im Sinn einer ‚Unsterblichkeit der Seele’, sondern im Sinn von Aristoteles als dasjenige Prinzip der Lebewesen, das ihre spezifischen Leistungen ermöglicht, dann kann man auch mit Aristoteles von einer ‚Beseeltheit der Natur’ sprechen, die natürlich graduell sein wird.
Lehnt man ein solches Konzept ab, dann ist nicht ersichtlich, wie der Mensch mit seinem emergenten Eigenschaften aus der Natur hervorgegangen sein soll. Er müsste in diesem Fall durch ein analogieloses Mirakel ins Dasein getreten sein.

Dieser Beitrag ist Teil der Tagung “Abschied von der Seele?“.

Die Beiträge der Tagung in voller Länge:

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Annahme einer Seele bei Aristoteles keineswegs einen Dualismus impliziert. Aristoteles wendet sich ausdrücklich gegen die dualistische Konzeption Platons und lehnt sowohl die Annahme einer unspezifizierten geistigen Substanz als auch die einer konkreten geistigen Entität ab.

Die Frage, ob wir uns angesichts der modernen Wissenschaften von der ‚Seele’ verabschieden müssen, zielt allein auf die Geistseele. An der Antwort auf diese Frage hängt nichts Geringeres als der Sinn von Religion überhaupt. Ich möchte daher den Indizien nachgehen, die meiner Meinung nach auch heute noch für eine Geistseele sprechen.