Templeton-Preis 2010 an Francisco Ayala

von grenzfragen

Francisco Ayala Fotograf: M. Finkenstaedt; mit freundlicher Genehmigung der Templeton-Foundation

Francisco Ayala
Fotograf: M. Finkenstaedt; mit freundlicher Genehmigung der Templeton-Foundation

Am 25. März wurde das Geheimnis gelüftet: Den diesjährigen Templeton-Preis erhält Francisco J. Ayala, ein Evolutionsgenetiker und Molekularbiologe für sein “energisches Eintreten gegen die Vermischung von Wissenschaft und Religion und für den gegenseitigen Respekt zwischen beiden”. Die Bekanntgabe des Preises wurde in der amerikanischen National Academy of Sciences zelebriert und war (inzwischen nicht mehr) zum Nacherleben bestens dokumentiert.

Die unten zusammen gestellte Reaktion der Presse reichte von positiver Würdigung bis zu harter Kritik von naturalistischer Seite. Wen wunderts?

Ayalas Grundeinstellung

Wie in der Dankesrede deutlich wurde, sind für Ayala Wissenschaft und Glaube keine Gegensätze, sondern zwei unterschiedliche Zugangsweisen zur Welt, die man sauber auseinander zu halten habe. Ein Zeitungsbericht titelt daher nicht unzutreffend mit “Science-Faith Separator”. Dies erinnert an das NOMA-Prinzip Stephen Jay Goulds (Non-overlapping magisteria, Nicht-überlappende Reiche).

Zu Konflikten komme es nur bei illegitimen Grenzüberschreitungen – beider Seiten, versteht sich. Wie in seiner Publikation “Darwin’s Gift” wirft Ayala der einen Seite, sprich Dawkins, einen Kategorienfehler vor, wenn dieser alles Wissen außerhalb der Grenzen der Wissenschaft als minderwertig oder verdächtig ansehe. Eine wissenschaftliche Weltsicht sei “hoffnungslos unvollständig”, da sie Wert- und Sinnfragen gar nicht umfassen könne. Ayala attackiert gleichermaßen die andere Seite, das Intelligent Design (ID) – in wissenschaftlicher, aber auch theologischer Hinsicht: Die Übel der Natur ließen sich gut evolutiv, aber schlecht mit einem intelligenten Designer begründen.

Kritische Stimmen

Richard Dawkins Foto von David Shankbone CC-BY 3.0

Richard Dawkins
Foto von David Shankbone CC-BY 3.0

Dass Richard Dawkins kein Freund des Dialogs mit der Theologie, kein Freund der Interdisziplinarität und damit der Templeton-Stiftung ist, kann man sich denken und weiß man spätestens seit Dawkins “Gotteswahn”. Zwei Tage vor Bekanntgabe des Preises postete er auf seiner Homepage: “Schande für die National Academy” und beklagt sich über deren Kooperation mit der Templeton-Stiftung. “Das ist genau das, wonach Templeton unablässig angelt: Anerkennung unter echten Wissenschaftlern. Und sie setzen ihr Geld schamlos ein für die totgeweihten Gelüste nach wissenschaftlicher Anerkennung”.

Erstaunlich zurückhaltend äußerte sich PZ Myers, der sonst seine naturalistischen Keulen nur allzu gern gegen Religiöses schwingt. Francisco Ayala sei “politisch eine brillante Wahl”, schließlich sei Ayala ein “exzellenter und angesehener Wissenschaftler”. Offenbar habe die Stiftung jemanden gesucht, der seinen Ruf als Wissenschaftler, nicht als Apologet erworben hat. “Das ist eine schlaue Bande, diese Schlingel – sie haben offensichtliche Angriffsflächen vermieden und sich jemanden herausgepickt, dem gar nicht so leicht zu trotzen ist”.

Einer von Myers Gefolgsleuten konnte es dann aber doch nicht lassen und hat flugs den Wikipedia-Artikel über Ayala manipuliert – mit den stolzen Worten “I have updated the Wikipedia article appropriately”. Ein Blick in die Historie des Ayala-Artikels zeigt, was bei dem “passenden Update” herausgekommen ist:

ayala_wikipedia

Die Aussage, Ayala sei “wegen seines ständigen Strebens, glaubensbasierte Mythologie in das wissenschaftliche Weltbild hineinzubugsieren” geehrt worden, verkehrt natürlich Ayalas separierende Einstellung böswillig ins Gegenteil (siehe oben). Ein Trost: Das “passende Update” ist inzwischen korrigiert worden. Hoffentlich nachhaltig.

Pressereaktionen

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