Gotteshauch oder künstliche Seele. Der Geist im Blick verschiedener Disziplinen

von Regine Kather

Regine Kather

Regine Kather

Lehrtätigkeit seit 1985 an der Pädagogischen Hochschule Freiburg, u. a. in der Erwachsenenbildung. Veröffentlichungen u. a.: Was ist Leben? Philosophische Positionen und Perspektiven (2003); Person - Die Begründung menschlicher Identität (2007).
Regine Kather
Abbildung gemeinfrei

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Woher der menschliche Geist stammt, welche Bereiche der Wirklichkeit sich ihm erschließen und wie er mit dem Leib verbunden ist, hat Theologen, Philosophen und Naturforscher zu allen Zeiten bewegt. Bis zur Neuzeit war man sich einig, daß der Geist ‘lebendig macht’ und unser bewußtes Denken und Wollen übersteigt. Der göttliche Geist, davon waren so unterschiedliche Autoren wie Platon, Cusanus, Leibniz und Spinoza überzeugt, sei der Seinsgrund der Welt und des Bewußtseins, des Erkennbaren und des Erkennenden. Doch seit Descartes wurde der Geist immer mehr zu einem Synomym für das menschliche Bewußtsein. Dieses, so die These vieler Wissenschaftler heute, sei eine Systemeigenschaft des Gehirns und lasse sich aus neurophysiologischen Prozessen ableiten.

Ist es also bloß eine Illusion, wenn wir uns selbst als Akteure unserer Entscheidungen und Handlungen erleben? Bestimmt, so darf man in freier Abwandlung eines Gedankens von Marx fragen, das Sein der Materie das Bewußtsein eines Menschen? Dann wäre es allerdings sinnlos, noch an die Verantwortung des Einzelnen zu appellieren und ihm die Schuld für einen Fehler oder ein Verbrechen zuzuweisen. Interessen und Motive, Absichten und Entscheidungen würden von neuronalen Prozessen gesteuert und ließen sich kausal aus physiko-chemischen Prozessen erklären. Unser subjektives Gefühl, zumindest in begrenztem Umfang die Akteure unserer eigenen Taten zu sein, würde einer wissenschaftlichen Analyse nicht standhalten.

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