Gerufene Freiheit – Der Mensch als Geschöpf und seine Geschichte aus christlicher Sicht

von Jörg Splett

Jörg Splett

Jörg Splett

em. Professor für Philosophie bei Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen
Dr. phil. Dr. theol. h. c. Jörg Splett ist Professor em. für Philosophische Anthropologie, Religionsphilosophie sowie Geschichte der Philosophie. Er lehrt über seine Emeritierung hinaus an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Sankt Georgen in Frankfurt sowie an der Hochschule für Philosophie in München.
Neben der universitären Lehrtätigkeit arbeitet Splett in der Erwachsenen-, Lehrer- und Priesterfortbildung.
Veröffentlichungen u. a.: „Dienst an der Wahrheit“, Paderborn : Schöningh, 2013; „Theo-Anthropologie“, Würzburg : Echter, 2006; „Gotteserfahrung im Denken. Zur philosophischen Rechtfertigung des Redens von Gott“, Institut zur Förderung der Glaubenslehre : München 2005.
Jörg Splett

      Schöpfung als Gewollt- und Geliebtsein

      Jörg Splett

      Jörg Splett: „Dem Menschen ist sein Leben nichts mehr wert, wenn ihm nichts mehr wert ist als sein Leben.“

      Der Religionsphilosoph Jörg Splett (Frankfurt/M.) unterstrich, dass Schöpfung christlich als Werk der Liebe verstanden werde. Der Mensch werde nicht zum Opfer und Nahrungsgeber für die Götter erschaffen (wie in Mesopotamien), sondern um seiner selbst willen als von absoluter, freigebiger Freiheit „aus Nichts ins Sein gerufene Freiheit“ zur Liebe, nicht zum Beliebigen (Kant: Ein freier Wille und ein Wille unter sittlichen Gesetzen ist einerlei). Diesem Ruf könne sich der Mensch aus misstrauischem Kleinglauben verweigern und Gottes Freundschaft verwerfen (Urfall). Real befindet sich der Mensch so zwischen Überheblichkeit und Selbsthass (Pascal). „Wären wir von Natur aus so, wie wir sind, gäbe es keine Hoffnung auf Erlösung, sondern nur auf Erlösung von uns.“ Umgekehrt: „Dem Menschen ist sein Leben nichts mehr wert, wenn ihm nichts mehr wert ist als sein Leben.“ Tapferkeit sei die entscheidende menschliche Tugend. Es gehe bei der Schöpfung nicht nur um das Heil des Menschen, sondern vor allem um Anbetung, Ehre und Lob Gottes. Das christliche Konzept von Erlösung sei ebenfalls von der Liebe her zu denken, wobei durch die Sünde aus der ursprünglich gemeinten „Hochzeit von Himmel und Erde“ jetzt eine „Bluthochzeit“ werde. Christus sei kein „Tugendlehrer“ (Kant, Hegel) und Christsein nicht dasselbe wie menschlich (anständig) sein, sondern bestehe im Bekenntnis zu Jesus als dem Herrn der Welt, der zugleich dient (Fußwaschung). „Sich lieben zu lassen“ (Medium statt aktiv oder passiv) sei die biblisch geforderte Grundhaltung oder das „Wagnis des Glaubens“. Der Mensch, so Splett, habe das Wort, um zu antworten. „Wir haben, was wir haben, um es schenken zu können; wir haben, was wir nicht haben, um es geschenkt zu bekommen.“ Dabei müsse der Zweifel von der Anfechtung unterschieden werden: „Wer das Vertrauen aufgibt, zieht den Zweifel ins Vertrauen.“ Wer zweifelt, storniert sein Vertrauen, „bis du dich gerechtfertigt hast“. Die entscheidende Frage sei: Lassen wir uns erlösen oder nicht? Ohne Gott könne der Mensch sich nicht selbst verstehen, sein Geheimnis als „Heimat in Ihm“.

      Der Vortrag ist Teil der Tagung “Im Diesseits gefangen?“, 23.-24. Juni 2012, Tagungszentrum Hohenheim.

      Die Beiträge der Tagung