Die Vielfalt menschlicher Erfahrung. Der Psychologe und Philosoph William James

von Regine Kather

Regine Kather

Regine Kather

Lehrtätigkeit seit 1985 an der Pädagogischen Hochschule Freiburg, u. a. in der Erwachsenenbildung. Veröffentlichungen u. a.: Was ist Leben? Philosophische Positionen und Perspektiven (2003); Person - Die Begründung menschlicher Identität (2007).
Regine Kather
William James

William James
Abbildung gemeinfrei

William James, der ein bedeutender Vermittler zwischen angelsächsischer und kontinental-europäischer Geistesgeschichte werden sollte, wurde im Jahr 1842 in New York geboren. Die Familie wechselte häufig ihren Wohnort, so dass William nicht nur in New York, sondern auch in Paris, London, Genf, Boulogne und Bonn zur Schule ging. Dies legte den Grundstein für seine kosmopolitische Haltung.

Die Grundgedanken einer kosmopolitischen Haltung formulierte zum ersten Mal die stoische Philosophie vor etwa 2000 Jahren: Die verschiedenen Nationen sehen die Welt jeweils anders. Schon im Temperament unterscheiden sich Völker und Rassen oft tiefgehend. Geschichtliche Entwicklungen, klimatische und geographische Verhältnisse verstärken die Besonderheiten der Lebensgewohnheiten, Bräuche und religiösen Vorstellungen. Diese Verschiedenheit der Individuen und Völker drückt für die Stoiker den Reichtum der Welt aus. Die Erde wäre arm, wenn alle Nationen dieselbe Lebensweise hätten. Es würde der Anreiz fehlen, sich mit Neuem und Fremdem auseinanderzusetzen. Jenseits dieser Verschiedenheit sehen die Stoiker eine tiefe Verbundenheit aller Menschen.

Der Logos, der sich in der Fähigkeit zu denken und zu sprechen ausdrückt, ist allen Menschen gemeinsam. Alle unterstehen denselben Gesetzen der Natur und des Kosmos, die sie miteinander verbinden. Kein Mensch könnte abgetrennt von der Gemeinschaft der Menschen existieren; er gliche einem Zweig, der von einem Baum abgeschnitten wurde, wie die Stoiker nicht müde werden zu betonen. Das Wissen um die Gemeinsamkeit aller Menschen ermöglicht wirkliche Toleranz gegenüber ihrer Verschiedenheit. Einprägsam formulierte der römische Kaiser Marc Aurel, der von 121 bis 180 lebte, diesen Gedanken: “Staat und Vaterland ist für mich als Antoninus Rom, für mich als Mensch die Welt. Was diesen Staaten nun nützlich ist, das allein ist für mich gut.”

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