Die große Geschichte – Grundlage eines sinnvollen Engagements zwischen Religionen und Naturwissenschaften

von William Grassie

William Grassie
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Executive Director bei Metanexus Institute
Dr. William Grassie ist Religions- und Politikwissenschaftler mit internationalen Lehraufträgen; Gründer und geschäftsführender Direktor des Metanexus Instituts, New York City, Autor von The New Sciences of Religion: Exploring Spirituality from the Outside In and Bottom Up (Palgrave, 2010)
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Die große Geschichte – Grundlage eines sinnvollen Engagements zwischen Religionen und Naturwissenschaften

Vortrag auf der RSNG-Jahrestagung “Methode und Reichweite der Naturwissenschaften”, 28.-30.09.2012
Tagungszentrum Stuttgart-Hohenheim

Gliederung des Vortrags

  1. Der Stand der modernen Naturwissenschaften
  2. Die Vielfalt religiöser Ausdrucksformen
  3. Zum Verhältnis von Naturwissenschaft und Religion unter globaler Perspektive

Auszug aus dem Vortrag

William Grassie: "Angesichts der Einsichten der modernen Naturwissenschaften fühle ich mich von Ehrfurcht und Staunen erfüllt."

William Grassie: “Angesichts der Einsichten der modernen Naturwissenschaften fühle ich mich von Ehrfurcht und Staunen erfüllt.”

Die Naturwissenschaft selbst erscheint als eine Art Epos, das wir als ‚Große Geschichte‘ bezeichnen. Es handelt sich um eine Erzählung, die unsere regionalen religiösen, nationalen und ethnischen Geschichten relativiert, indem sie sie in einen größeren Kontext einbettet.

Die neue evolutionäre Kosmologie muss daher frühere religiöse Kosmologien ersetzen. Diese können nach wie vor metaphorisch und metaphysisch interpretiert werden, wir können sie jedoch nicht mehr buchstäblich als Schilderung realer Ereignisse verstehen. Heilige Schriften wie ein naturwissenschaftliches Buch zu lesen bedeutet, einen riesigen, unverzeihlichen Kategorienfehler zu begehen.

Nicht nur selektiv einzelne Aspekte der Wissenschaften zu interpretieren, sondern sie als Ganze zu berücksichtigen, bedeutet einerseits, die mythische Natur unserer heiligen Schriften und Geschichten zu akzeptieren; andererseits gilt es zu bedenken, dass es Menschen aufgrund ihrer Natur schwer fällt, den neuen Universalismus, den die Naturwissenschaften mit ihrem globalen Anspruch fordern, zu begreifen. Die strengeren religiösen Glaubensrichtungen und Kulte schlagen die liberalen Strömungen oft aus dem Feld. Denn empirische, rationale und kritische Werte und Fakten haben nur eine begrenzte Anziehung auf dem globalen Markt der Religionen und Ideologien.

Den kritischen Realismus von Naturwissenschaft und Geschichte gar nicht einzubeziehen würde jedoch bedeuten, in ‚eine von Dämonen bevölkerte Welt‘ (,The Demon Haunted World’) zu geraten, wovor Carl Sagan in seinem letzten Buch eindringlich warnt:

„Wir haben eine globale Zivilisation errichtet, in der die meisten entscheidenden Elemente in hohem Maß von Naturwissenschaft und Technik abhängen. Gleichzeitig haben wir die Dinge so arrangiert, dass fast niemand Naturwissenschaft und Technik versteht. Daraus entsteht ein Rezept für Katastrophen. Wir könnten für eine Weile davon kommen, doch über Kurz oder Lang wird diese explosive Mischung aus Ignoranz und Macht auf uns selbst zurückschlagen.“

pdf-LogoGesamter Vortrag als pdf-Datei

Beiträge der Tagung

Nach William Grassie muss die neue evolutionäre Kosmologie (die "große Geschichte") frühere religiöse Kosmologien ersetzen. Diese können nach wie vor metaphorisch und metaphysisch interpretiert werden, nicht jedoch buchstäblich als Schilderung realer Ereignisse. In der "Großen Geschichte" findet Grassie phantastische Anknüpfungspunkte für Transzendenz.