Aufmerksamkeit – Ein Bindeglied zwischen der Welt und Gott bei Simone Weil

von Regine Kather

Regine Kather

Regine Kather

Lehrtätigkeit seit 1985 an der Pädagogischen Hochschule Freiburg, u. a. in der Erwachsenenbildung. Veröffentlichungen u. a.: Was ist Leben? Philosophische Positionen und Perspektiven (2003); Person - Die Begründung menschlicher Identität (2007); Die Wiederentdeckung der Natur (2012).
Regine Kather
Simone Weil: "“nur die Spitze der Aufmerksamkeit tritt mit Gott in Berührung"Abbildung gemeinfrei

Simone Weil: “Nur die Spitze der Aufmerksamkeit tritt mit Gott in Berührung”
Abbildung gemeinfrei

‘Aufmerksamkeit ist eine elementare Voraussetzung für intelligentes Verhalten’, so heißt es im Glossar einer Zeitschrift über Bewusstsein. Zur Aufmerksamkeit nicht fähig zu sein bedeutet dann umgekehrt, dass die Wirklichkeit nur oberflächlich wahrgenommen wird, Probleme nicht durchdacht und Zusammenhänge nicht erkannt werden. Es fehlt die Ausdauer, um sich in etwas zu vertiefen; an ihre Stelle tritt eine assoziative Reaktion auf Reize, die sich leicht fesseln, aber ebenso leicht wieder ablenken lässt.

Erst die Aufmerksamkeit verleiht dem Bewusstsein eine Richtung, durch die unter der Vielzahl der Informationen, die unablässig auf einen einströmen, eine Auswahl getroffen wird. Es vollzieht sich eine Konzentration auf die Informationen, die im gegenwärtigen Augenblick wichtig sind, während der Hintergrund nur unscharf mit wahrgenommen wird. Will man sich in einem Café mit jemandem unterhalten, müssen das Geklapper von Geschirr, die Stimmen der anderen Leute und ihr Kommen und Gehen abgeblendet werden. Aufmerksamkeit ist nicht einfach eine Reaktion auf Reize, sondern der Ausdruck einer seelischen Ausrichtung, einer Intention, die sich der Außenwelt ebenso zuwenden kann wie dem eigenen Inneren.

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