«Gott hat uns mit allen seinen Geschöpfen verbunden. Allerdings kann uns das technokratische Paradigma von der Welt um uns herum isolieren» (Franziskus, Laudate Deum 66; Darstellung via Midjourney)

Acht Jahre nach seiner viel beachteten Umwelt-Enzyklika «Laudato Si» lässt den Papst die Umweltkrise nicht los. Mit deutlichen, empirisch fundierten Worten kritisiert Franziskus Klimawandel-Leugner, er benennt schuldige Akteure wie Lebensstile und mahnt erneut zum Handeln. Und: Er wendet sich damit nicht nur an die katholische Kirche. Erfreulich auch, dass bei der Pressekonferenz zum neuen Schreiben «Laudate Deum» auch die bekannteste deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer mit einer beeindruckenden Rede das Wort ergreifen kann.

«Hören wir endlich auf mit dem unverantwortlichen Spott, der dieses Thema als etwas bloß Ökologisches, „Grünes“, Romantisches darstellt, das oft von wirtschaftlichen Interessen ins Lächerliche gezogen wird.» (Franziskus, Laudate Deum, 58)

Zentrale Aussagen des Schreibens:

Ich sehe mich gezwungen, diese Klarstellungen, die offenkundig erscheinen mögen, aufgrund bestimmter abschätziger und wenig vernünftiger Meinungen vorzunehmen, die ich selbst innerhalb der katholischen Kirche vorfinde. Aber wir können nicht mehr daran zweifeln, dass der Grund für die ungewöhnliche Geschwindigkeit dieser gefährlichen Veränderungen eine unbestreitbare Tatsache ist: die gewaltigen Entwicklungen, die mit dem ungezügelten Eingriff des Menschen in die Natur in den letzten zwei Jahrhunderten zusammenhängen.» (Franziskus, Laudate Deum, 14)

Theologisch-Anthropologische Konkretionen

Die «Krone der Schöpfung», die der Natur mit dem «Herrschaftsauftrag» gegenübersteht, kann für den Papst nicht länger das dominierende Narrativ sein. Nur die Wertschätzung aller Lebewesen und die Verwobenheit mit ihnen sind ihrem Eigenwert angemessen und ökologisch not-wendig. Insgesamt scheint Franziskus weg von einem reinen Anthropozentrismus hin zu einem mitfühlenderen, demütigeren und umfassenderen Verständnis des Menschen in der Mitwelt zu gehen. Das heißt:

«Wenn wir als Menschen eines unter Beweis stellen konnten, dann ist es die unvergleichliche Macht, mit der wir uns die Welt unterworfen haben.» (Julia Enxing)

Die Dokumentation der Tagung «Anthropozentrik am Ende?» wird die Konsequenzen einer «deep incarnation» mit Julia Enxing weiter entfalten.