Wenn Gott würfelt

von Gottfried Kleinschmidt

Gottfried Kleinschmidt

Prof. Dr. Gottfried Kleinschmidt ist Schulpädagoge im Ruhestand aus Leonberg

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Wenn Gott würfelt – Oder wie der Zufall unser Leben bestimmt Book Cover Wenn Gott würfelt – Oder wie der Zufall unser Leben bestimmt
Leonard Mlodinow
Rowohlt Verlag Reinbek
2009
320

DEN GESETZEN DES ZUFALLS AUF DER SPUR «Ich hoffe, dass Sie nach dieser Reise durch die Welt des Zufalls das Leben mit anderen Augen betrachten und ein tieferes Verständnis für die Rolle von Zufall und Wahrscheinlichkeit in unserem Alltag gewinnen:» LEONARD MDODINOW «Leonard Mlodinow gibt dem Leser mit diesem Buch einen wunderbar lesbaren Wegweiser an die Hand, der aufzeigt, wie die mathematischen Gesetze des Zufalls unser Leben beeinflussen:» STEPHEN HAWKING «Unser Leben mag vom Zufall bestimmt sein, doch es wird auch durch Wissen bereichert – durch die Art von Wissen, die dieses faszinierende Buch Ihnen vermittelt.» THE GUARDIAN

Der bekannte Physiker lehrt Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik an dem renommierten California Institute for Technology (Caltech) in Pasadena. Im Prolog zu dem vorliegenden Werk wird selbstkritisch eingeräumt, dass die Übersetzung des amerikanischen Titels „The Drunkard’s Walk“ (eigentlich „Das Torkeln des Trunkenbolds“) mit “Wenn Gott würfelt“ sehr wenig präzise ist! Ziel des Buches ist es, die Rolle des Zufalls in der Welt um uns herum darzustellen und sein Wirken zu erfassen. Dabei kann die Wahrscheinlichkeitsrechnung hilfreich sein. Das tiefere Verständnis für die Rolle des Zufalls und der Wahrscheinlichkeit soll gleichzeitig unseren Alltag erhellen. Die Schlüsselbegriffe der zehn Kapitel sind: die verborgene Rolle des Zufalls, Wahrheit und Halbwahrheit, Möglichkeiten und Wirklichkeit, Erfolg und Misserfolg, Maß, Zahl und Wahrscheinlichkeit, Erwartungen und Trugschlüsse, Messungen und das Gesetz des Irrtums, Ordnungsgesetze im Chaos, Regelmäßigkeiten bei Zufallsereignissen, Zufall und Kausalität (wie der Zufall unser Leben bestimmt). Es kommt nicht von ungefähr, dass L. Mlodinow sein Buch mit einem biographischen Rückblick beginnt und mit einem biographischen Ausblick abschließt. In beiden Fällen spielt das Naziregime eine „zufällig tragische Rolle“. Er hebt hervor: „Die Theorie des Zufalls ist im Grunde eine Kodifizierung des gesunden Menschenverstandes. Doch sie ist zugleich ein Feld mit vielen Feinheiten, ein Feld, auf sich schon große Experten famos blamiert und berüchtigte Glücksspieler den richtigen Riecher hatten“.
Nicht nur auf juristischem Gebiet kann ein besseres Verständnis für den Zufall verborgene Schichten der Wahrheit freilegen, dies gilt allerdings nur für diejenigen, die die nötigen Werkzeuge besitzen und dazu gehört Cardanos „Buch der Glücksspiele“ (1576).
L. Mlodinow zeigt an verschiedenen Phänomenen, dass es in jeder Kette von Ereignissen, in der sich jedes Glied mit einer gewissen Unsicherheit entfaltet, eine fundamentale Asymmetrie zwischen Vergangenheit und Zukunft gibt. Dies gilt auf der Ebene der Molekularbewegung ebenso wie für die Änderungen des Wetters in einer bestimmten Erdregion. Ein weiteres Phänomen ist die Börse. Eine große Verlagsgesellschaft hat nur mit Teilerfolgen für die pädagogische Software Einjahres-, Dreijahres- und Fünfjahrespläne entwickelt. Zwei weitere Felder betreffen die Geschichte und die Politik. Der Autor stellt fest: „Das Studium des Zufalls sagt uns, dass der ’Kristallkugelblick’ auf Ereignisse leider erst nach Eintritt besagter Ereignisse möglich ist.“ Der Weg vieler erfolgreicher Menschen ist von zufälligen Einflüssen und unbeabsichtigten Konsequenzen gekennzeichnet. Dies betrifft nicht nur die Karriere, sondern auch viele private Bereiche (etwa Liebe, Hobbys und Freundschaften). Exemplarisch wird hier Bill Gates erwähnt. In einem kühnen Experiment beschäftigte sich der Psychologe David L. Rosenhan mit der „Macht der Erwartung bei der Feststellung von Krankheiten“.
Wichtig für uns Menschen ist, dass wir das allgegenwärtige Wirken von Zufallsprozessen erkennen. Die wahre Macht der „Theorie der Zufallsprozesse“ liegt jedoch in der Tatsache, dass mit der Einsicht in die Bedeutung der Zufälle eine neue Sichtweise entsteht, d.h. wir nehmen die Ereignisse in unserer Umwelt anders wahr. Der Autor ist davon überzeugt, dass unser Denken im Angesicht der Ungewissheit eine neue „Organisation“ erhalten kann. Hier erzählt L. Mlodinow die traurige Geschichte der Schwester seiner Mutter, die zusammen mit ihrem Mann in einer Gaskammer der Nazis umgekommen ist. Das Schicksal dieser Frau (Sabina) führte dazu, dass die Mutter stets davor gewarnt hat anzunehmen, man könnte die Zukunft vorhersagen oder kontrollieren! Zufallsereignisse können uns Glück und Kummer bringen. Sie bestimmen unser Leben. Entscheidend ist, dass wir die „Abwesenheit von Unglück“ schätzen lernen, d.h. die Abwesenheit von Ereignissen, die uns niederdrücken können, Ereignisse wie Krankheit, Krieg, Hungersnot und Katastrophen! „Wenn Gott würfelt und die Zufälle das menschliche Leben bestimmen“, so hat dies erhebliche und weitreichende Konsequenzen für sein Glauben, Hoffen und Lieben!