Wahrheit in Begegnung – Ein theologischer Versuch

von Alexandre Ganoczy

Alexandre Ganoczy

Alexandre Ganoczy

Professor em. für Dogmatik bei Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Dr. Alexandre Ganoczy hatte von 1972 bis 1996 den Lehrstuhl für Dogmatik an der Universität Würzburg inne. In seine Schöpfungslehre ließ er naturwissenschaftliche Erkenntnisse aus Physik, Chaostheorie und Evolutionstheorie einfließen.
Alexandre Ganoczy
Nach Thomas von Aquin ist Wahrheit die "Entsprechung der Sache und des Verstandes"Abbildung gemeinfrei

Nach Thomas von Aquin ist Wahrheit die “Entsprechung der Sache und des Verstandes”
Abbildung gemeinfrei

Der wissenschaftlich arbeitende Theologe sieht von der Problematik nicht ab, die allen Konzeptionen von Wahrheit gemeinsam ist, nämlich dass sie (a) nicht eindeutig definierbar ist und (b) eher adjektivisch als substantivisch gebraucht wird (z. B. ein wahres Wort, ein wahrer Freund). Das zeigt die Schwierigkeit, von Wahrheit abstrakt zu reden, deutlich an.

Ferner teilt die Theologie das Los anderer Wissenschaften darin, dass sie auch Ihre Kriterien für Wahr- bzw. Falschsein in letzter Deutlichkeit nicht zu benennen vermag. Was die bei den “Exaktwissenschaften” üblichen Verfahren der Verifikation und der Falsifikation anbelangt, so kann sie die Theologie nicht unbesehen übernehmen. Das liegt schon an der Analogielosigkeit ihres hauptsächlichen Gegenstandes, der die Gottheit Gottes ist. Diese verlangt gewiss nach einer anderen Bewährungsweise als etwa eine physikalische Beobachtung oder eine logische Schlussfolgerung. Insofern nämlich das Thema “Gott” über die Kategorien der Tatsächlichkeit, der Empirie, des schlussfolgernden Denkens und sogar des Seins unendlich hinausgeht, muss es in entsprechender Weise seine eigenen Bewahrheitungskriterien haben.

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