Kriterien für gelingenden Dialog

von Heinz-Hermann Peitz

Heinz-Hermann Peitz
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Heinz-Hermann Peitz

Dr. Heinz-Hermann Peitz, geboren 1958, Studium der Biologie, Theologie und Pädagogik an der Ruhr-Universität Bochum. Dissertation in Theologie zum Dialog zwischen Naturwissenschaft und Theologie. Seit 1993 an der Akademie zuständig für das Referat Naturwissenschaft – Theologie. Arbeitsschwerpunkte: Wissenschaftstheorie und Naturphilosophie zwischen Theologie und Naturalismus; Seitenblick: Bioethische Grundsatzfragen
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becker_diewaldl_155Ergänzung zu:

Heinz-Hermann Peitz – Kriterien und Bedingungen für einen gelingenden Dialog

Aus: Patrick Becker, Ursula Diewald (Hg.), Zukunftsperspektiven im theologisch-naturwissenschaftlichen Dialog, Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht, 2011, 385-408

Benchmarktest für interdisziplinäre Texte

Methodisch-technisch verspielte Naturen können die im Buchartikel entfalteten Kriterien in einem Benchmarktest zur Anwendung bringen und interdisziplinäre Veröffentlichungen mit Gewinn vergleichen. Dieses Verfahren eignet sich auch für (evtl. kontrovers argumentierende) Arbeitsgruppen und Seminare. Dazu einigt man sich zunächst auf eine Liste von Kriterien; mein Vorschlag mag dafür eine Grundlage sein. Die Sammlung wird thematisch sortiert und ggf. geclustert. Anschließend wählt man die wichtigsten aus, indem wie beim Metaplan-Verfahren die Kriterien bepunktet werden (jeder Teilnehmer erhält sechs Punkte, die er auf die Kriterien verteilen kann). In einem nächsten Schritt wird bestimmt, mit welcher Gewichtung das jeweilige Kriterium in die Gesamtbeurteilung einfließen soll (mit Punkten von 1 bis 5). So wird das Kriterium „Legitimität von Pluralität und Eigenständigkeit der Diskurse“ wichtiger sein (5 Punkte) als das Kriterium „Auflösbarkeit von (sekundären) Widersprüchen“ (2 Punkte). Abschließend wird mit Punkten von 1 bis 10 abgeschätzt, wie eine zu bewertende Publikation auf jedem Kriterium abschneidet. Multipliziert mit der jeweiligen Gewichtung ergeben die Einzelbewertungen aufsummiert die Gesamtwertung. Die absolute Zahl ist dabei wenig aussagekräftig, solange nicht zwei Veröffentlichungen untereinander in einen Wettstreit eintreten und vergleichend analysiert werden. Üblicherweise verwendet man ein Referenzobjekt, mit dem andere Objekte jeweils verglichen werden. In unserem Zusammenhang seien zwei fiktive Bücher, ein kreationistisch angehauchtes und eines aus der Feder eines neuen Atheisten, miteinander verglichen und in einer Tabellenkalkulation den Kriterien zugeordnet:

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Grafisch visualisiert zeigen sich auf einen Blick die Stärken, Schwächen und Unterscheide der beiden Positionen:

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Freilich führt ein solches quantitatives Verfahren aufgrund mancher Ermessensspielräume nicht zu eindeutigen Bewertungen. Aus Erfahrung des Autors heraus führt aber die Auswahl der Kriterien, ihre Gewichtung und das Bepunkten der Veröffentlichungen zu hoch interessanten Diskussionen, die Kontroversen auf Wesentliches lokalisieren können.