Gott und die Wissenschaften – Versuch eines konstruktiven Panentheismus

von Philip Clayton

Philip Clayton

Philip Clayton

Professor für Philosophie und Theologie bei Claremont Graduate University
Studium der Philosophie und Theologie in Yale und München; Professor für Philosophie und Theologie an der Claremont Graduate University und an der Claremont School of Theology. Forschungsschwerpunkte: Religionsphilosophie, Naturphilosophie, Metaphysik, Dialog zwischen Religion und Naturwissenschaft. Veröffentlichung u.a. Mind and Emergence, Oxford University Press, 2004. The Oxford Handbook of Religion and Science. Oxford 2005. Panentheism across the World's Traditions (zus. mit Loriliai Biernacki), Oxford 2014.
Philip Clayton
Clayton

Ich bezweifle sehr, dass Gott eine externe kausale Kraft ist.

Der Tagungsbeitrag von Philip Clayton stellt eine Fundierung dessen zusammen, was dieser als Panentheismus stark machen möchte. Für Clayton ist Panentheismus die These, dass die Welt in Gott ist, aber Gott auch mehr als die Welt. Zu einem solchen Panentheismus gelangt Clayton vor allem über das Konzept der gegenseitigen Immanenz, das er über Naturwissenschaft, Philosophie und Theologie als Grundprinzip der Wirklichkeit auszuweisen versucht.

Von den Naturwissenschaften zeige besonders die Biologie mit ihren Systemen gegenseitiger Abhängigkeiten und Kooperationen, dass diese nicht nur auf kausal-externe, sondern auch auf interne Weise miteinander in Beziehung stehen: Die Deutlichkeit der Psychosomatik zeige sich dabei analog auch auf Zellebene.

Bei der Suche nach ähnlichen Formen systemischer Bezogenheit im philosophisch-theologischen Bereich stößt Clayton zunächst auf A. N. Whitehead und F. H. Bradley, beide Vertreter einer Philosophie der Beziehungen – und zwar nicht nur externer, sondern v. a. interner Beziehungen. Dinge seien nichts ohne ihre Beziehung, vielmehr durchdringe mit Bradley „jede Relation … wesentlich das Sein ihrer Bezugspunkte“. Und mit Whitehead verlange „das Zusammensein der Dinge nach einer Lehre gegenseitiger Immanzenz“.

Mit der gegenseitigen Immanenz sei dann theologischer Boden vorbereitet. Wenn es stimmt, dass „Relationen nur in einem und durch ein Ganzes existieren“ (Bradley) liege zunächst einmal zumindest eine Art Panpsychismus nahe.

Die Frage klärt sich bei der Abschlussdiskussion

Die Frage klärt sich bei der Abschlussdiskussion

An dieser Stelle stellt Clayton in einer Randbemerkung die offene Frage, ob seine Position ebenfalls als Panpsychismus bezeichnet werden könne. Dagegen spreche zwar, dass für ihn leblose Dinge keine Psyche hätten und er sich deshalb für einen starken Emergentismus ausspreche. Aber könne er nicht „emergenter Panpsychist“ sein?

Wie auch immer: Wenn man Panpsychismus mit gegenseitiger Immanzenz kombiniere, erhalte man eine Auffassung, „in der alle Dinge zu verflochtenen Teilen einer einzelnen allumfassenden Realität werden, aber ohne dass sie ihre jeweils ausgeprägte Individualität verlieren“.

Als letzten Gewährsmann greift Clayton auf das neueste Buch des Theologen John F. Haught zurück, der zwar auch den zentralen Stellenwert der Innerlichkeit betont, nun aber als emergentes Phänomen: Die Dimension von Innerlichkeit „ist koextensiv mit der gesamten Geschichte der Natur“. Damit ermögliche schließlich „die Emergenz reflektierenden Denkens in der menschlichen Spezies dem Universum, sich seiner selbst bewusst zu werden“; mehr noch: sie ermögliche einen „Sinn für das Unendliche“, „eine vereinheitlichende unendliche Transzendenz“.

Clayton verknüpft diese Emergenz menschlicher Innerlichkeit mit der göttlichen Innerlichkeit, wobei sich auch hier das Konzept gegenseitiger Immanenz bewährt: „Würde die Welt aus einer riesigen Menge unabhängiger Substanzen bestehen, müsste Gott womöglich in einem externen Sinn auf sie bezogen sein. Aber wenn die Welt von internen Relationen durchzogen ist, so dass Alles gegenseitig immanent in Anderem ist, so wäre es nur natürlich, die Gott-Welt-Beziehung auf dieselbe Weise zu konzipieren“.

Ein solcher Panentheismus, der Gott nicht als externe kausale Kraft versteht, bilde einen Rahmen, in dem die Debatte zwischen Religion und Naturwissenschaften neu justiert werden kann, denn eine Theologie gegenseitiger Immanenz stehe in keiner Weise im Widerspruch zu naturwissenschaftlicher Forschung. Nicht, dass andere Rahmensysteme falsch wären, „sie sind nur theologisch weniger fundamental“.


Bei der Tagung hat Godehard Brüntrup die Position Philip Claytons kritisch gewürdigt. Die abschließende Podiumsdiskussion hat Unterschiede und Konvergenzen zwischen Brüntrup und Clayton deutlich werden lassen:

      Tagungsübersicht und Beiträge der Tagung