Die Abgründe der menschlichen Natur – Das Vermächtnis Elie Wiesels

von Reinhold Boschki

Reinhold Boschki

Reinhold Boschki

Professor für Religionspädagogik bei Universität Tübingen
Reinhold Boschki studierte Katholische Theologie und Sozialwissenschaften in Tübingen, Münster und Boston (USA). In seiner fundamentaltheologischen Dissertation beschäftigt er sich mit der Frage nach Gott angesichts von Auschwitz, in seiner religionspädagogischen Habilitation mit dem praktisch-theologischen Leitbegriff der Beziehung. Er ist Professor und Leiter der Abteilung Religionspädagogik, Kerygmatik und kirchl. Erwachsenenbildung an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Seine Forschungsschwerpunkte sind u. a. religiöse Identität, religiöse Bildung, interreligiöses und erinnerungsgeleitetes Lernen.
Reinhold Boschki

„Wir haben die dunkle Seite des Mondes erforscht, aber nicht die dunkle Seite des menschlichen Herzens.“ (Elie Wiesel)

Der “Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus” ist ein Anlass, die Erinnerung Elie Wiesels an den Holocaust und die dunklen Abgründe der menschlichen Natur durch einen bewegenden Vortrag von Reinhold Boschki wieder aufleben zu lassen.

    Boschki: Nacht – Abenddämmerung – Morgengrauen. Licht und Dunkel im Werk von Elie Wiesel

    Elie Wiesel hat nach einer lichtvollen Kindheit in seiner jüdischen Familie als Jugendlicher die absolute Dunkelheit erlebt: das Todeslager von Auschwitz. Seinen späteren Bericht über die Zeit in den Lagern nennt er „Nacht“, die Lager der Nazis bezeichnet er immer wieder als „Königreich der Nacht“. In seinen mehr als 50 Büchern, die tief von der jüdischen Tradition geprägt sind, kommt er oft auf Licht- und Dunkelheitsmetaphorik zu sprechen. Aber es ist nicht einfach so, dass der Überlebende aus der Finsternis zum Morgengrauen und dann in das Tageslicht getreten sei. Die „Nacht“ bleibt – sie umhüllt selbst die „Funken der Erlösung“.

    Im Kontext dieses Forums ist die Frage aufgeworfen, wie der Mensch angesichts derartiger Abgründe noch als liebenswertes Geschöpf Gottes verstanden werden kann.