Außerirdisches Leben: Herausforderung für die Theologie?

von Linus Hauser

Linus Hauser

Linus Hauser

Linus Hauser Philosophie, Sozialkunde und katholische Religion und ist seit 1996 Professor für Systematische Theologie an der Justus-Liebig Universität in Gießen.
In seinen Publikationen legt er seinen Schwerpunkt auf das Phänomen der Neomythen.
Von 2011 bis 2013 war er Vorsitzender der Christlich-Ezidischen Gesellschaft für Zusammenarbeit in Forschung und Wissenschaft (e.V.).
Linus Hauser

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Abbildung von Boris Štromar, CC-BY 3.0

Abbildung von Boris Štromar, CC-BY 3.0

Pater George Coyne, Direktor der Vatikanischen Sternwarte, stellt in einem Interview am 8.1.2002 fest: “Derzeit gibt es keinerlei wissenschaftliche Anhaltspunkte für außerirdisches Leben. Aber es häufen sich Beobachtungen, die auf eine solche Möglichkeit hindeuten könnten. Das Universum ist so groß, dass es absurd wäre, zu sagen, wir sind eine Ausnahme. Die Debatte ist eröffnet und ist sehr komplex”

In diesem Artikel vertritt Linus Hauser drei Thesen, die mit der Frage nach außerirdischem intelligentem Leben gegeben sind:

These 1: Der Glaube an außerirdisches intelligentes Leben wird kulturell virulent zum einen durch das Bild eines in die Ferne rückenden, zunehmend unpersönlich erfahrenen Gottes und kompensiert zum anderen die kopernikanische, die darwinische, die freudianische und die androidische metaphysische Orientierungsaufgabe der Moderne.

These 2: Die Frage nach der theologischen Bedeutung von außerirdischem intelligentem Leben ist ein Spezialfall der Frage nach der Heilsbedeutsamkeit der nichtchristlichen Religionen und der anderen Weltanschauungen.

These 3: In irgendeiner Weise muss der universale Heilswille Gottes überall dort, wo im Kosmos intelligentes Leben entstanden ist, mehr als nur in der Form einer transzendentalen Ahnung präsent werden, ohne dabei die Einmaligkeit des irdischen Christusereignisses aufzuheben. Die Art und Weise, wie diese heilschaffende Manifestation Gottes sich auf anderen Planeten zugetragen haben könnte, wie dann die Einmaligkeit des irdischen Christusereignisses gewahrt werden kann und wie diese vielen, uns unvorstellbaren Manifestationen Gottes eschatologisch zueinander finden werden, ist für uns nicht erörterbar.

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