Am Anfang war das Hirn

von Christian Hoppe

Christian Hoppe

Christian Hoppe

Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Klinik für Epileptologie bei Universität Bonn
Dr. rer. nat. Christian Hoppe hat katholische Theologie und Psychologie studiert und ist seit 2011 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Klinik für Epileptologie an der Universität Bonn
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Christian Hoppe Ist also das Gehirn der Schöpfer Gottes und sitzt Gott mithin in der Falle der Hirnforscher?

Christian Hoppe:
Ist also das Gehirn der Schöpfer Gottes und sitzt Gott mithin in der Falle der Hirnforscher?

Vortrag von Christian Hoppe auf der Tagung “Der Leib gehört zu meinem Wesen“.

Aus der Einleitung des Vortrags

Sämtliche großen Wissenschaftsmagazine haben in den vergangenen Monaten über die aktuelle Erforschung von “Gotteserfahrungen” durch Neurowissenschaftler berichtet. Selten waren in den vergangenen Jahrzehnten Spiritualität und Wissenschaft so nah beieinander, selten fand die Innenseite der Religion so viel öffentliche Aufmerksamkeit. Unter welchen neuronalen Bedingungen entstehen religiöse, mystische und paranormale Erlebnisse? Lassen sich solche Erlebnisse vollständig auf natürliche Ursachen zurückführen oder sogar im Experiment induzieren? Ist also das Hirn der Schöpfer Gottes und sitzt Gott mithin in der Falle der Hirnforscher? Die noch sehr junge experimentelle Neuropsychologie religiösen Erlebens kann bereits so erstaunliche Befunde vorweisen, dass die Medien sie “Neurotheologie” nennen. Eine apologetisch-defensive Reaktion durch die Theologie, die nur auf methodische Schwächen oder begriffliche Unschärfen abhebt, kann den eigentlichen Schock dieser Befunde nicht ernst nehmen.

Ich schlage eine offensiv geführte, konstruktive Auseinandersetzung vor. Voraussetzung hierfür ist eine sorgfältige Unterscheidung zwischen den drei “Welten” des abstrakten Wissens, der alltäglichen Erfahrung und des konkret-sinnlichen Erlebens jetzt in diesem Augenblick. Das unmittelbare Erleben wird im Alltag meist übersehen oder leichtfertig übergangen. Aber in der unbezweifelbaren Tatsächlichkeit und in der alle Wörter übersteigenden lebendigen Fülle dieses Augenblicks sowie in der reinen Gegenwärtigkeit des sinnlichen Erlebens zeigt sich die “mystische” Grundstruktur der Wirklichkeit: Das unmittelbar Nahe ist das Reich der Himmel, dies-hier-jetzt ist Gott. In lebendiger Gegenwärtigkeit realisiert sich das ursprüngliche Wesen des Menschen: Den “wahren Menschen vor seiner Geburt”, von dem der Zen-Buddhismus spricht, nennt das Christentum “Christus” und erkennt und bekennt darin, dass “dies-hier-jetzt”, der lebendige Gott selbst, unser wahres Wesen ist.

Folie7Vortrag als pdf-Datei

Die Beiträge der Tagung in voller Länge:

Wer die Welt, die er erlebt, und sich selbst zu einem Konstrukt erklärt, der kann zwischen wahrer und illusionärer Erkenntnis nicht mehr unterscheiden und gibt damit seine eigene Aussage auf. ... Fühlen, Denken und Handeln können weder das Gehirn, noch die Seele, noch der Geist: Es ist der ganze Mensch, der fühlt, denkt und handelt.