Hoffnung auf christlich grundierte Werte in unserer Gesellschaft

Ein Abend mit dem Risikoforscher Prof. Dr. Dr. Ortwin Renn

von Dr. Martin Barth, Generalsekretär der Görres-Gesellschaft

Gefragt, was ihm Hoffnung mache in einer Welt zunehmend systemisch werdender Risiken, antwortete der Potsdamer Risikoforscher Prof. Dr. Dr. h.c. Ortwin Renn unter anderem, dass es die noch immer christlich grundierten Werte seien, die unsere Gesellschaft kulturell speisen und in die Lage versetzen würden, Krisen zu begegnen. 

Renn war am Dienstagabend, dem 24. Juni 2025, zu einem Vortrags- und Diskussionsabend unter dem Titel «Gefühlte Angst oder echte Bedrohung? Risikobewältigung in Zeit der Polykrisen“ (die Vortragsfolien finden Sie hier) an der Akademie zu Gast, eine Veranstaltung in Kooperation mit der Görres Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaften. 

Zunächst hatte er über grundsätzliche Fragen der Risikoforschung berichtet und eine Unterscheidung zwischen aleatorischen und epistemischen Unsicherheiten getroffen, diese in der Folge eingehend mit Beispielen unterfüttert und ihre gesellschaftliche Brisanz aufgezeigt. „Je sicherer die Menschen leben, desto mehr Sorgen machen sie sich um Sicherheit und Risiko“, hob er einen Trend dieser Tage hervor. Im mangelnden Vertrauen z.B. in Institutionen, sah Renn die gestiegene Risikowahrnehmung breiter Teile der Gesellschaft. 

Besondere Bedeutung räumte Renn den systemischen Risiken ein, beispielsweise den ökologischen Bedrohungen, den Steuerungsdefiziten in Wirtschaft und Gesellschaft sowie den sozialen und kulturellen Modernisierungsrisiken. Diese seien im Jahr 2025 sehr viel realer als noch vor zehn Jahren, als er mit seinem Buch „Das Risikoparadox“ in die breitere Öffentlichkeit trat. Wurde damals noch von Pseudobedrohungen (Handystrahlungen u.ä.) gesprochen, würden heute z.B. die Auswirkungen des Klimawandels sehr viel spürbarer: „Die Katastrophen kommen näher, es gibt objektive Bedrohungen kollektiver Art“, so konstatierte er. 

Umso positiver war, dass er zum Abschluss zu einem optimistischeren Resümee fand und betonte, dass er nach wie vor glaube, dass die Gesellschaft lerne, den Risiken besser begegnen zu können. Dies habe sich in der Vergangenheit gezeigt, etwa bei sinkenden Unfallzahlen oder einem gestiegenen Gesundheitsbewusstsein. „Auch im Umgang mit systemischen Risiken werden wir Wege finden“, so sein Plädoyer zum Abschluss. 

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