Kreatives Universum – Der Mensch als Teil der kosmischen Entwicklung

von Arnold Benz

Arnold Benz

Arnold Benz

Professor em. für Astrophysik bei ETH Zürich
Professor em. für Astrophysik an der ETH Zürich; Forschungsschwerpunkte: Sonnenphysik, Sternentstehung und Hochenergie-Astrophysik. Publikationen u.a. „Die Zukunft des Universums: Zufall, Chaos, Gott?“ (2011), „Das geschenkte Universum: Astrophysik und Schöpfung“ (2009).
Arnold Benz

“Die Erde ist Teil der kosmischen Entwicklung, die im Urknall angefangen hat und noch weiter geht. Im Staunen wird uns die Eigentümlichkeit der Erde und der biologischen Evolution wie zu einer Ikone, in der wir Gottes Wirken erahnen können.” Arnold Benz

Bei der Tagung “Sind wir allein im Kosmos?” fragten der Astrophysiker Arnold Benz und der Fundamentaltheologe Armin Kreiner nach dem Menschsein in den Weiten des Kosmos. Neben die naturwissenschaftliche Abschätzung, wie wahrscheinlich außerirdische Intelligenzen (ETI) sind, tritt die theologische Herausforderung:

– Was bedeutete es, wenn wir die einzigen Intelligenzen im Universum sind? Wäre der schier unglaubliche kosmische Aufwand nur für den Menschen ein Tremendum, oder ein Faszinosum, etwas Bedrohliches oder etwas Fesselndes?
– Was bedeutete es wiederum, wenn es noch zahlreiche andere Intelligenzen gäbe? Spräche das nicht eher für einen kreativen Schöpfer, wenn er das Universum so konzipiert hätte, dass es ein geradezu idealer Nährboden für Intelligenz an vielerlei Orten ist. Welche theologischen Konsequenzen hätte dies?

Arnold Benz: Kreatives Universum

      Kreatives Universum – abschließende Thesen

      1. Die Erde ist Teil der kosmischen Entwicklung, die im Urknall angefangen hat und noch weiter geht. Planeten entstehen in Akkretionsscheiben von Protosternen. Diese bilden sich in aus Wolkenkernen von Molekülwolken. Molekülwolken entstehen aus Gasen in Galaxien. Diese wiederum bilden sich in Ansammlungen von Dunkelmaterie. Galaxien entwickeln sich, weil das Universum infolge der Dunklen Energie expandiert.
      2. Etwa 75% der Sterne in unserer Nähe haben Planeten. Es gibt mehr Planeten in unserer Galaxie als Sterne.
      3. Erdähnliche Planeten mit fester Oberfläche bilden sich, wenn Staubkörner, die mit einem Mantel aus Wassereis umgeben sind, aneinander haften. Gasriesen wie Jupiter entstehen durch Selbstgravitation im Gas der Scheibe, eventuell infolge eines festen Kerns. Im Innern von protoplanetaren Scheiben bilden sich organische Moleküle, vor allem Kohlenwasserstoffe.
      4. Die Prozesse, welche die Erde hervor gebracht haben, finden auch an anderen Orten statt.
      5. Exoplaneten und extrasolare Planetensysteme überraschen durch ihre Vielfalt.
      6. Die Eigenschaften der Erde sind für die Entwicklung des Lebens ausgesprochen günstig.
      7. In genügend Details betrachtet, ist die Erde einzigartig im Universum, aber das Leben könnte vielleicht auch unter bei etwas anderen Bedingungen entstehen.
      8. Die Entwicklung zu einzelligen Lebewesen verlief innerhalb von weniger als 500 Millionen Jahren nach dem Grossen Bombardement. Es ist viel wahrscheinlicher, dass es extraterrestrische Bakterien als extraterrestrische Intelligenz gibt.
      9. Es ist möglich, dass die Erde der einzige Planet im Universum mit Leben ist. Dies könnte jedoch nie bewiesen werden.
      10. Auch wenn die Erde der einzige Planet im Universum wäre, auf dem Leben entstehen konnte, wäre damit der Beweis für eine göttliche Schöpfung nicht erbracht.
      11. Die Diskussion über Exoplaneten und Leben auf anderen Planeten führt nicht zum Schöpfungsgedanken, weil Gott mit naturwissenschaftlichen Mitteln nicht wahrgenommen werden kann.
      12. Als Schöpfung erkennen wir etwas Lebenswichtiges, das wir staunend als ein Geschenk wahrnehmen.
      13. Im Staunen wird uns die Eigentümlichkeit der Erde und der biologischen Evolution wie zu einer Ikone, in der wir Gottes Wirken erahnen können.

      Die Beiträge der Referenten