Teilhard de Chardin

von grenzfragen

Der Jesuit, Paläontologe und Anthropologe Pierre Teilhard de Chardin (1881-1955) bemüht sich u. a. in seinem Hauptwerk „Der Mensch im Kosmos“ um eine Synthese von Evolutionstheorie und christlicher Heilsgeschichte. Sein christlicher Pantheismus (=Panentheismus) denkt nicht in separaten von außen in die Welt eingreifenden Schöpfungsakten, sondern fasst die sich selbst organisierende Evolution als Weg der Schöpfung. Der prägnante Merksatz „Gott macht, dass die Dinge sich selber machen“ nimmt sowohl die Autonomie der innerweltlichen Ursachen ernst (die Dinge machen sich selbst), als auch ihre Herkünftigkeit von Gott (Gott macht). Er nimmt damit visionär vorweg, was heute weitgehender Konsens ist.

In diesem Sowohl-als-auch von Evolution und Schöpfung setzen laut Teilhard die Schritte der Evolution den in der Materie „eingerollten“ Geist frei und sind letztlich auf den kosmischen Christus ausgerichtet.

Eine derartige Zielgerichtetheit, die zudem an manchen Stellen nicht sauber Naturwissenschaft und Theologie unterschied, stieß und stößt auch heute noch vor allem bei Biologen auf verbreitete Kritik. Besonders hart allerdings war die Ablehnung durch die Kirche. In einem Monitum von 1962 hieß es: „Die oberste Kongregation des heiligen Offiziums fordert deshalb alle … auf, die Geister – namentlich die junger Menschen – vor den in den Werken Pater Teilhard de Chardins … enthaltenen Gefahren zu schützen.“

Erst in der Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils – vor allem die Konstitution Gaudium et Spes atmet den Geist Teilhards – ist der Weg für eine würdigende Rezeption geebnet: Der genannte Merksatz findet 1985 Eingang in den Katholischen Erwachsenen Katechismus der deutschen Bischofskonferenz, Teilhards Gedanken werden theologisch weiter ausdifferenziert (z. B. von Christian Kummer oder John F. Haught), die Päpste Benedikt XVI. (in: Licht der Welt, S. 197) und Franziskus (in: Laudato Si, Anm. 53) zitieren Teilhard zustimmend bis schließlich 2017 der Päpstliche Rat für die Kultur an Papst Franziskus die Bitte richtet, Teilhard zu rehabilitieren und das Monitum von 1962 aufzuheben.

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