Zwei Tage zwischen Glaube und Wissen |
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Ein Bericht zur Begegnungstagung für Neigungskursschülerinnen und -schüler im Fach Religion am 13.-14. Juli 2006 in Stuttgart-Hohenheim |
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Sind wir nur „Zigeuner am Rande des Universums?” Es gibt mehr als 10 hoch 500 Universen. Wo bleibt da der Mensch? Spielt er überhaupt eine Rolle? |
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Auf die Frage nach dem „Wie” können die Naturwissenschaften antworten, über Sinnfragen kann uns die Theologie Auskunft geben. Nur der Dialog zwischen diesen beiden Wissenschaften bietet aber einen umfassenden Zugang zur Wirklichkeit. Diese Erkenntnis konnten wir auf der Tagung „Entstehung der Welt: unser Wissen, unser Glauben” in der katholischen Akademie in Stuttgart-Hohenheim nach zahlreichen Diskussionen erlangen. Vom 13. bis zum 14. Juli 2006 setzten sich dort Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer aus baden-württembergischen Neigungskursen in den Fächern evangelische bzw. katholische Religion mit dem Thema auseinander. Zwei interessante und oft auch gegensätzliche Positionen wurden uns in den Vorträgen des Astrophysikers Prof. Dr. Harald Lesch und des Naturphilosophen und Theologen Prof. Dr. Hans Dieter Mutschler näher gebracht. |
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Aufrütteln und provozieren wollten wohl die Absichten des aus dem Fernsehen bekannten Wissenschaftlers Lesch: „Die nächsten Stunden werden Ihnen vorkommen wie ein Zug, der mit rasender Geschwindigkeit an Ihnen vorbei fährt und auf den Sie - ob Sie es glauben oder nicht - irgendwann aufspringen werden. Sie werden dann schon merken, wann der passende Zeitpunkt gekommen ist!”. Die „Laune des Atoms”, das „Rätsel des Anfangs”, „Sterne aus Gasknubbeln” und die „Innenarchitektur des Kosmos” zogen an uns vorbei und wir sprangen auf. Wir wurden uns der unendlichen Dimensionen des Weltalls bewusst und staunten über die Komplexität des Zusammenspiels von Faktoren, die an der Entstehung des Kosmos beteiligt waren. |
Astrophysiker Lesch Keinen Bonsai-Gott bitte! |
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Leschs Vortrag regte zu lebhaften Diskussionen in den darauf folgenden Arbeitsgruppen an, die sich mit dem Thema „Urknall und Co - Wo kann die Theologie anknüpfen?” befassten. Die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Standpunkten der Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Schulen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart regte zum Nachdenken an und führte teilweise sogar dazu, dass bisher bestehende Meinungen geändert wurden. Wie Wissen und Glauben zueinander stehen könnten, stellten die Schülergruppen kreativ in Graphiken und Schaubildern dar. Die Ergebnisse führten zu einer spannenden Diskussion zwischen Lesch und dem Naturwissenschaftler und Philosophen Mutschler, die einige Schaubilder im Plenum kommentierten. Auch hier kam wieder die Frage nach der Reichweite der beiden Wissenschaften auf, wobei festgestellt wurde, dass sich die jeweiligen Zuständigkeitsbereiche nicht überschneiden dürften. |
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Am Abend stand eine Informationsrunde zum Thema Theologiestudium auf dem Programm und immerhin zwei Drittel der Seminarteilnehmer waren anwesend und schienen sich für die Informationen der vier Vertreter verschiedener Berufsfelder für Theologen zu interessieren. Eine Theologiestudentin, ein Hauptschullehrer, eine Pastoralreferentin und ein Priester - alle ehemals in der Jugendarbeit - gaben zunächst einen kurzen Überblick über ihren Beruf und standen anschließend im persönlichen Gespräch Rede und Antwort. Einige Schüler bedauerten, dass nur der katholische Bereich vertreten war und Fragen evangelischer Schüler zum Theologiestudium und Berufsmöglichkeiten kaum beantwortet werden konnten. |
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Nach einer langen Nacht, in der neue Kontakte mit Gleichgesinnten gebührend gefeiert wurden, konnten wir uns am Freitagmorgen bei einer Morgenmeditation langsam auf den Tag einstimmen. Eine islamische Schülerin sorgte mit Einblicken in den Koran für Abwechslung. |
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Vom „Wissen” zum „Glauben” führte uns dann der Vortrag von Prof. Mutschler, der das Zusammenspiel von Verstand und Herz in den Vordergrund stellte. Nur so könne die Wissenschaft auf moralische Art und Weise mit der Natur umgehen. „Die Physik”, so Mutschler, sei eine Art „Betriebsanleitung des Universums”, während der Glaube im Stande sei, alles zu deuten. Es sei sehr wichtig, dass sich Theologen mit der Naturwissenschaft beschäftigten, umgekehrt gelte das jedoch nicht. Bei der anschließenden Diskussion fiel auf, dass Schüler auf für sie unbefriedigende Antworten hin genau nachfragten und sich tiefgreifende Gedankengänge entwickelten. |
Philosoph Mutschler Dient Vogelgesang nicht nur dem Sex? |
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Die Tagung in Hohenheim war nicht nur inhaltlich anspruchsvoll, sondern auch - trotz Überbelegung - gut organisiert und vor allem kulinarisch auf 4-Sterne-Niveau. So profitierten die Teilnehmer für den Religionsunterricht genauso wie für ihr persönliches Denken. |
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