Von welchen Vorannahmen geht die Wissenschaft aus? Wo liegen die Grenzen unseres Sprechens über Gott? Wie läßt sich Gottes Wirken in der Welt verstehen? Was bedeutet die Evolutionstheorie für die Theologie? Dabei wendet sich Michał Heller konsequent sowohl gegen einen naturwissenschaftlich ignoranten Glauben als auch gegen anmaßende Ansprüche von Seiten der Wissenschaft, alles erklären zu können. Statt dessen bemüht er sich um eine möglichst weite, kosmologische Perspektive.
»Die tiefe Kenntnis der Kosmologie und der Geschichte dieser Wissenschaft, die perfekte Beherrschung extrem schwieriger mathematischer Techniken, die professionelle philosophische Ausbildung, der Reichtum theologischer Gedanken sowie, last but not least, seine verantwortungsvolle Haltung zur priesterlichen Berufung – all dies fügt sich zum einzigartigen und unvergleichlichen Phänomen des Schaffens von Michał Heller.« (Krzysztof Maślanka)
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Michał Heller (geb. 1936) ist Physiker, Kosmologe, Theologe, Philosoph und Priester, Professor der Päpstlichen Theologischen Akademie in Krakau und Mitglied des Vatikanischen Observatoriums. In seinen zahlreichen Büchern ergründet er die Grenzen zwischen Naturwissenschaft und Theologie.
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Der bekannte polnische Autor hat nicht nur fundierte Kenntnisse der Kosmologie und über die Geschichte dieses Wissenschaftszweiges, sondern verfügt auch über gründliches mathematisches Wissen und hat eine profunde philosophische Ausbildung. Er verknüpft seine theologischen Gedanken mit seiner Verantwortung als Priester der katholischen Kirche.
Der Mensch ist permanent ein "Sinnsuchender". M. Heller hat sein neues Buch einer "Wanderung hin zum immer wieder entfliehenden Sinn" gewidmet. Er ist fest davon überzeugt, dass die Sinnlosigkeit des menschlichen Lebens zur Sinnlosigkeit des Alls führen muss. Das Sinnfinden ist für den Menschen immer schwieriger geworden! Der Autor warnt die Leserinnen und Leser vor einem "naturwissenschaftlich ignoranten Glauben" und die Wissenschaftler vor "anmaßenden Ansprüchen alles erklären zu können". Eine zusammenfassende Würdigung des Werkes kann weder Systematik in der Gedankenführung noch Vollständigkeit in der Argumentation beanspruchen. Sie erfolgt exemplarisch und punktuell.
M. Heller weist nachdrücklich darauf hin, dass die Idee des Sinns mit den Ideen der Rationalität, der Zielgerichtetheit und des Wertes zusammenhängt. Nur aus der menschlichen zeitlichen Perspektive erstreckt sich zwischen Anfang und Ende, zwischen Plan und Ziel ein Weg, der erst noch zurückzulegen ist. Der Raum zwischen Anfang und Ende, zwischen dem "Sinn und seiner Verwirklichung ist der Raum der Freiheit". Er ist auch der Grund dafür dass der Mensch vom Weg abkommen und "Nein!" sagen kann. Das Eingetauchtsein in die Zeit ist die wichtigste Chance für die Freiheit. Nur in der vergehenden Zeit kann man, wenn man als Mensch will, den Augenblick vergeuden und auf den Sinn verzichten. Als Folge von Zeit und Freiheit ist der Sinn für uns Menschen nicht ein für allemal gegeben, sondern wir müssen ihn unaufhörlich verwirklichen.
M. Heller ist der Meinung, dass die kontrovers diskutierte "Vereinigung der Allgemeinen Relativitätstheorie mit der Quantenmechanik ein neues mathematisches Modell" erforderlich macht. Er schlägt die sogenannte "nichtkommutative Geometrie" vor. Ein Kennzeichen der "nichtkommutativen Räume ist, dass es in ihnen keine lokalen Begriffe gibt; d.h. keine Begriffe, die mit Lokalisierung zusammenhängen". M. Heller kommt zu dem Schluss: "Man könnte die Verallgemeinerungsmöglichkeiten der nichtkommutativen Geometrie und Algebra nutzen und versuchen, einen allgemeinen Raum zu konstruieren, so dass in ihm sowohl die Quantenmechanik als auch die Allgemeine Relativitätstheorie Platz finden". Er erwähnt an dieser Stelle die sogenannte "Plancklänge" (10hoch-33). Kennzeichnend für die "nichtkommutative Geometrie ist die Ortlosigkeit". Hier kann auch auf das neue Werk der amerikanischen Astrophysikerin L. Randall über "Verborgene Universen - Eine Reise in den extradimensionalen Raum" (Frankfurt, 2006) aufmerksam gemacht werden. Die nichtkommutative Geometrie ist "ein dynamisches mathematisches Modell ohne Zeit!" Hier ergeben sich auch viele Möglichkeiten für theologische Spekulationen über die "zeitlose Existenz".
M. Heller beschäftigt sich auch intensiv mit den Zusammenhängen zwischen Kosmologie, Evolutionstheorie und Theologie. Das von der modernen Kosmologie gezeichnete Bild der Welt ist seiner Meinung nach "durch und durch evolutionär": Beginnend beim Urknall über die Synthese der chemischen Elemente sowie die Entstehung und Entwicklung der kosmischen Strukturen bis hin zu den lebenden Organismen. Die biologische Evolution ist also eine "von vielen Etappen der kosmischen Evolution". Die biologische Evolution vollzieht sich auf dem Weg der "natürlichen Auslese", d.h. der Eliminierung schwächerer und schlechter angepasster Lebewesen. Dieser Prozess ist mit "einem Meer des Leidens" in der Natur verbunden. Dazu kommen noch "Versuch und Irrtum" sowie "Zufall und Notwendigkeit". Zur biologischen Evolution gehören darüber hinaus die verschiedenen Forschungsschwerpunkte der Neurologie und Gehirnanalyse sowie der ebenso wichtige "genetische Code" (DNA). Die Evolutionstheorie stellt nicht nur ein wesentliches Element des heutigen Weltbildes dar, sondern schafft auch ein neues begriffliches Umfeld für das Durchdenken alter theologischer Probleme. An die Theologen richtet M. Heller folgenden Appell:
"Wenn der Theologe das Bild der sich entwickelnden Welt ernst nimmt, steht er sogleich vor gewichtigen Aufgaben. Nicht nur vor der Notwendigkeit, die Probleme des Leidens und des Bösen im neuen Kontext zu durchdenken, sondern auch vor der Notwendigkeit, viele fundamentale Glaubenswahrheiten neu zu interpretieren: die Schöpfung, die Erbsünde, die Erlösung, die Eschatologie ... praktisch also die ganze Theologie". Die theologische Literatur zu diesem wichtigen Problembereich nimmt zwar zu. Sie hat es allerdings schwer, breiter rezipiert und anerkannt zu werden. Leider gibt es auch Werke, die dem erforderlichen wissenschaftlichen Anspruch nicht genügen.
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