 | 2010/09/06: Ein Universum, das sich selbst erschafft - Stuttgarter Zeitung online | | Bei der Zusammenfassung der Hauptthesen des neuen Hawking-Buches legt der Artikel von Rainer Klüting einen Schwerpunkt auf Hawkings erkenntnistheoretische Ausgangsbasis, den "Modellabhängigen Realismus". Gegen einen naiven Realismus, der meint, die Wirklichkeit als solche abbilden zu können, solle man sich mit Hawking damit abfinden, "nur ein Modell der Welt im Kopf zu haben". Als erkenntnistheoretische Bescheidenheit (dahin tendiert Klüting) ist das Hawkingsche Projekt jedoch falsch etikettiert. Leicht hätte man in dem Modelldenken auch andere als naturwissenschaftliche Modelle respektieren können. Nicht so bei Hawking, der die Philosophie als tot erklärt (womit Klüting ja einsteigt) und den Naturwissenschaften nun die letzten Fragen des Menschen zur Lösung überlässt - ganz so, als ob das naturwissenschaftliche Modell doch das ganze der Wirklichkeit abbildet. hhp
|  | 2010/09/08: Wunderbare Welt - Stephen Hawking spielt Schöpfer - NZZ | | Wenn der Autor Uwe Justus Wenzel schreibt, dass "der Physiker und Mathematiker mit Gott persönlich in Konkurrenz" tritt, widmet er sich einer theoretischen Konsequenz, die man in anderen Beiträgen nicht findet. Gemeint ist, dass Hawkings Theorie nicht nur ohne Schöpfer auskommt, sondern dass sie dem Menschen Schöpfungskräfte zuschreibt: "Ein gutes Modell ... schaffe seine eigene Realität", paraphrasiert Wenzel. Dies betrifft nicht nur die Zukunft, sondern - kontraintuitiv - auch die Vergangenheit. Im O-Ton Hawking liest sich dies so: "Nicht die Geschichte macht uns, sondern wir machen Geschichte durch unsere Beobachtung" (140). Um das wirklich zu verstehen, reicht Wenzels Artikel nicht aus. Vielleicht nicht einmal "Der große Entwurf" Hawkings. hhp
|  | 2010/09/05: Kein Platz für Gott im Universum? - Welt online | | Auch wenn der Untertitel vom "genialen Physiker Stephen Hawking" spricht, sieht der Autor Norbert Lossau die provozierenden Zitate kurz vor Erscheinen des Buches eher kritsch und als Marketing-Strategie. Sie verletzten den wissenschaftstheoretisch gebotenen Respekt vor Andersdenkenden, indem sie besserwisserisch zu beweisen versuchen, was nicht zu beweisen ist. Da Hawking selbst früher einmal anders gedacht und "Anzeichen für das Wirken eines Gottes" gesehen habe, sei eine religiöse Position doch wohl gleichermaßen denkbar. Gegen diese Argumentation Lossaus spricht allerdings, dass das religiöse Zugeständnis seinerzeit offensichtlich nicht ernst gemeint war, sondern ebenfalls ein Marketing-Trick (siehe die Besprechungen der Artikel der Badischen Zeitung und des Spiegels; s. unten). hhp
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