| Den "großen Entwurf" Hawkings versteht der Autor Thomas Kramar eher als "verwegene Lösung" und der gigantischen Vermehrung der Multiversen sollte man mit Ockhams Rasiermesser, das nur notwendige Theorien gelten lässt, zu Leibe rücken. Hawking habe die Naturwissenschaft bei der Suche nach dem großen Entwurf längst verlassen und betätige sich "in Wahrheit längst als Theologe". Mit dieser Beurteilung dürften sich weder Theologen anfreunden, noch - aus anderen Gründen - Hawking, der die großen Fragen "ausschließlich in den Grenzen der Naturwissenschaft und ohne Rekurs auf göttliche Wesen" für beantwortbar hält. hhp
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| Die Badische Zeitung stellt die Kontroverse um das neue Buch Hawkings' in den Kontext der in Großbritanien brodelnden Glaubensdebatte und zitiert kritische Kommentare christlicher, jüdischer und muslimischer Provenienz. Anders als andere Zeitungsberichte, die in früheren Büchern Hawkings' noch eine Vereinbarkeit von Naturwissenschaft und Religion herauslasen, stellt der Autor klar, dass Hawking auch seinerzeit atheistisch dachte. Der viel zitierte Schlusssatz des Bestsellers von 1988 über den "Plan Gottes" habe eher metaphorischen Charakter. Ähnlich hatte 2005 Hans Küng diesen Schluss als ironisch bezeichnet, denn mit Hawkings "Theorie für alles ... würde die Welt sich selbst erklären und Gott als Schöpfer nicht mehr notwendig sein" (Der Anfang aller Dinge, 31). Genau das ist mit Hawkings neuem Buch explizit geworden! hhp
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| "Ja, aber", sagt der renommierte Physiker Paul Davies zu Stephen Hawkings neuem Buch. Einerseits stimmte er Hawking zu in der Ablehnung einer Erklärungslücke "vor" dem Urknall, die dann von einem göttlichen Designer ausgefüllt wird. Zu Recht weist Davis darauf hin, dass dieser Lückenbüßergott nicht der Gott der modernen Theologie, ja auch nicht der Theologie eines Augustinus ist. Andererseits sieht Davies in der Multiversumstheorie, die er mit Hawkings als favorisierte Sichtweise anerkennt, nicht die ultimative Allerklärung. Damit Multiversen entstehen können, muss es ewige, unveränderliche, transzendente "Meta-Gesetze" geben, die die Multiversen durchdringen. Die Meta-Gesetze erklären, bleiben aber selbst unerklärt. "In dieser Hinsicht haben die Meta-Gesetze einen ähnlichen Status wie ein unerklärter, transzendenter Gott" - so Davies. hhp
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