Neuer Atheismus

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Lesehinweise zum Thema

2012/02/14: Is religion really under threat?

Ein Gespenst namens Säkularismus suche Europa heim und die gebündelten Kräfte des alten Europa mühten sich um seinen Exorzismus. Zunehmend werde der Säkularismus nämlich als Bedrohung statt als wackerer Verteidiger der Freiheit gesehen. Ist der Säkularismus, so fragt der Autor des Artikels, tatsächlich eine solche Bedrohung? Die Härte der Säkularismusgegner lasse darauf schließen, dass mit dem Säkularismus etwas schief gelaufen sei. Eigentlich sei Säkularismus weder ein kämpferischer Religionsvertreiber noch eine gottlose Wissenschaft, die einen Tempel à la de Botton benötige. Vielmehr solle er Menschen aller und keiner Glaubensrichtung vereinen, indem er neutral ist. Die USA sei das beste Beispiel, wie verbreitete Religiosität und konstitutioneller Säkularismus zusammen gehen können. Auch brauche Religion nicht im Privaten zu verbleiben, solange sie vernünftig argumentiere. Die neutrale Freundlichkeit schlug indes für einige der neuen Atheisten mit dem 11. Sept. in Aggression um. hhp

2012/01/08: Stephen Hawkings 70. Geburtstag: Genie auf Augenhöhe mit Albert Einstein - Stephen Hawkings 70. Geburtstag - FOCUS Online - Nachrichten

Stephen Hawking anlässlich seines 70. Geburtstages mit Einstein zu vergleichen und in eine Reihe mit all den Großen zu stellen, die unser heutiges Wissen um den Kosmos geschaffen haben, ist sicher aller Ehren wert. Leider feiert die Laudatio auch den größten Fehlschluss Hawkings, der Schluss von den Naturwissenschaften zur Religion: "Hawking hatte Gott gleichsam abgeschafft". Da sollte man es besser mit Hawkings Freund Sir Martin Rees halten, seines Zeichens Königlicher Astronom und Präsident der Royal Society: "Hawking hat sehr wenig Philosophie und noch weniger Theologie gelesen" und "ich glaube nicht, dass wir seiner Sicht dieser Dinge irgend ein Gewicht beimessen sollten". hhp

2011/05/26: Dawkins neue Idee: Bibel ohne Religion - kath.net

Dawkins - so der Artikel - schätze die kulturelle und literarische Bedeutung der Bibel (das Gegenteil davon kam im "Gotteswahn" zum Ausdruck), "man dürfe sie nur nicht von der Religion 'kapern' lassen". Ein Kommentar auf facebook: "In der nächsten Folge: Der Koran darf nicht vom Islam gekapert werden". Dem ist nichts hinzuzufügen. hhp

2011/03/13: Michael Ruse: Darwinism and the Problem of Evil - Huffington Post

Der bekannte Wissenschaftsphilosoph Michael Ruse verteidigt die bekennenden Christen Karl Giberson und Francis Collins gegen die aufgeregte Kritik der neuen Atheisten, die Evolution und Glaube als unvereinbar hinstellen. Zwar sieht Ruse in der Zufälligkeit des Evolutionsprozesses eine unüberwindbare Schwierigkeit für den Glauben an einen göttlichen Plan. Andererseits sieht er aber nicht, dass die Evolutionstheorie das Theodizeeproblem (Wie kann der allgütige und allmächtige Gott die Übel zulassen?) verschärfe. Denn: Das moralische Übel werde i.a. auf den freien Willen zurückgeführt; der wiederum werde durch die Biologie untermauert. Es bleibt das physische Übel (z. B. Erdbeben). Hier spiele paradoxerweise Dawkins den Christen einen Trumpf in die Hände. Denn wenn Gott durch natürliche Gesetze geschaffen hat, und der einzige naturgesetzliche Weg zu lebendigen Wesen über die natürliche Selektion mit ihren schmerzhaften Mechanismen laufe, dann sind Übel in der Schöpfung unausweichlich. hhp

2011/02/28: Richard Dawkins: "Religion? Die Wirklichkeit hat ihre eigene Magie" - SPIEGEL ONLINE

Richard Dawkins ist mit dem deutschen Titel ("Die Schöpfungslüge") seines englischen Originals ("The Greatest Show on Earth") nicht ganz glücklich, weil die negative Besetzung nicht die positive Intention wiedergibt, die eher eine "romantische Sicht der Schöpfung" offen legen wollte. Dawkins will nicht nur als Religionskritiker, sondern auch als Wissenschaftler öffentlich wahrgenommen werden. Wenn es um die Frontstellung gegen den Kreationismus gehe, arbeitet Dawkins auch schon einmal mit Bischöfen zusammen, habe er doch "nichts gegen zeitlich begrenzte Allianzen gegen gemeinsame Feinde". Dass die religiöse Sicht der Dinge nicht auf Augenhöhe wahrgenommen wird, zeigt aber die Ankündigung seines Kinderbuches, das Alltagsfragen zunächst mit Mythen beantwortet, die dann durch die "Erklärung über die wahre Natur der Dinge" ersetzt werden. Dreimal darf geraten werden, welche Disziplin den Schlüssel zur "wahren Natur der Dinge" in der Tasche hat. hhp

2010/12/20: US-Atheisten kämpfen gegen "Mythos Weihnachten" - Welt online

Anscheinend wird die Szene der Atheisten in den USA lebendiger. Der Artikel berichtet von atheistischen Werbekampagnen - und deren Entgegnungen. Die Zahl - 15% bezeichneten sich als nicht religiös - deckt sich mit der neuen Gallup-Studie (s.u.), die von 16% areligiösen Antworten ausgeht. Den Trend der Verdoppelung seit 1990 kann man mit Gallup jedoch nicht bestätigen; dort spricht man von ca. 10% Nicht-Religiöser. hhp

2010/12/04: Schöpfung ohne Gott - profil online

Der ausführliche Artikel gibt einen Überblick über kosmologische Theorien und deren Beziehung zum Atheismus. Schwerpunktmäßig werden österreichische Wissenschaftler ins Gespräch einbezogen, Stephen Hawkings jüngste Provokation steht aber im Mittelpunkt. Anders als Dawkins sei Hawking nicht unbedingt atheistisch. Schließlich sei Wissenschaft "etwas grundlegend anderes als Religion" (wenn Hawking das nur auch so sähe!! hhp). Immerhin wird v.a. im Gespräch mit dem Physiker Anton Zeilinger mehr als deutlich, dass Hawking seine Grenzen überschritten hat. Weder sei die Philosophie tot, noch mache die sog. M-Theorie einen Schöpfer überflüssig. hhp

2010/11/16: Irre: Kirchenpartei beschließt totales PID-Verbot

Angesichts des CDU-Parteitags, der sich mit knapper Mehrheit gegen die PID entschied, schwingt der Artikel schwere polemische Keulen gegen diese Entscheidung. Sie sei von religiösen Fundamentalisten einer Gegenaufklärung herbeigeführt, während die Befürworter der PID "aufgeklärte Parteimitglieder" seien, die sich an "humanitärer Vernunft" und "an Erkenntnissen" orientierten statt "Wissen zu verbieten". Die naturalistische Perspektive sei "rational", während "die Anwendung des Begriffs 'Mensch' auf die thematisierten Zellhäufchen ... eine wertende Konstruktion" sei. Als ob "Zellhaufen" nicht wertend ist. Dass der Name des Münsteraner Bischofs falsch geschrieben wurde, ist im Vergleich zu dieser ethisch-argumentativen Ignoranz freilich nebensächlich. hhp

2010/09/30: Freche Atheisten in Tutzing sind zu wenig - Rheinischer Merkur

Die deutsche Übersetzung von Dawkins' "The Greatest Show on Earth" lasse wieder einmal reichlich Religionkritik erwarten: "Die Schöpfungslüge. Warum Darwin Recht hat". Der Artikel stellt kurz den sog. neuen Atheismus vor, insbesondere Dawkins. Interessant ist der Hinweis, dass sich selbst Atheisten von dem missionarischen Eifer eines Dawkins distanzieren. Mit seinem "Krawallatheismus" leiste Dawkins - so Joachim Kahl - dem Atheismus einen "Bärendienst". Der wichtigste Vorwurf des Artikels richtet sich an die Kirchen und ihre Bildungseinrichtungen, die den neuen Atheismus verschlafen, statt sich auf allen Ebenen inhaltlich mit seinen Thesen auseinander zu setzen. hhp

2010/09/16: Altruismus: Die Gene des Guten - Wissen - ZEIT ONLINE

Erstaunlich, was Autor S. Klein in diesem "Streitgespräch" R. Dawkins entlockt hat. Dessen Bekenntnis "Jesus war ein guter Mann" erinnert nicht entfernt mehr an das, was er im "Gotteswahn" vertreten hat. Dort bezichtigte er Jesus noch, er sei "ein Anhänger der gleichen Gruppenmoral - in Verbindung mit Feindseligkeit gegenüber Außenstehenden -, die im AT als selbstverständlich vorausgesetzt wird" (357). Jetzt erkennt er plöztlich die Feindesliebe an und lässt sich hinreißen: "Jesus war supernett". Dies sei freilich "aus Sicht der Evolution völlig bescheuert", wiewohl erstrebenswert. Das zeigt im Umkehrschluss natürlich (ohne dass dies erwähnt wird), dass sich humane Ethik kaum evolutionstheoretisch begründen lässt. Sofern Dawkins nur die Gesetze Darwins (aner-)kennt, die auch kulturell wirken, kann er sich nur wundern: "Das macht es umso erstaunlicher, dass einige Menschen zur Supernettigkeit fähig sind". Vielleicht wirken ja neben den darwinschen auch andere Kräfte in der Kultur? hhp

2010/08/11: On Dawkins's Atheism: A Response - Opinionator Blog - NYTimes.com

Der Philosoph Gary Gutting ist der Überzeugung, dass die atheistischen Argumente Dawkins' "nachweislich fehlerhaft" sind. Gläubige werfen Atheisten oft vor, ihr Rationalismus fordere eine logische und beweiskräftige Strenge, die dem Glauben unangemessen sei. Guttings behauptet nun das Gegenteil: Dawkins erreiche gar nicht die Rationalitätsstandards, die ein so wichtiger Gegenstand wie Religion erfordere. Er kritisiere (zu Recht) religiös motivierte Evolutionskritik, die wissenschaftlich uninformiert ist; dieselbe Kritik treffe aber auch seinen eigenen Umgang mit philosophischen Themen. Gutting hinterfragt zentrale Argumente Dawkins', wie die Behauptung, Gott müsse hochkomplex sein, wenn er die komplexe Welt geschaffen habe, er bedürfe einer Erklärung, seine Existenz sei unwahrscheinlich etc. Die Behauptungen erweisen sich z. T. als Fehlschluss und belegen die Unkenntnis der einschlägigen philosophischen Debatten - seien also zur Begründung seiner Behauptungen "völlig unzureichend". hhp

2010/08/06: The Religious Uses of Science - Big Questions Online

Die "neuen Metaphysiker" sind eine US-amerikanische Strömung, die sich als "spirituell, aber nicht religiös" bezeichnet. Abgrenzend von traditionellen religiösen Strömungen verbinden sie eine Hochschätzung der Naturwissenschaften (oder das, was sie ihren eigenen Neigungen entsprechend dazu umdefinieren) mit religiösen und philosophischen Ideen und sind sich dieser unorthodoxen Kombination durchaus bewusst. Da die spirituellen Gesetze unveränderlich seien, werde diese Weltsicht irgendwann die Beachtung der Mainstream Physiker und Neurowissenschaftler finden. Die neuen Metaphysiker könnten als Untergruppe der "Nones" verstanden werden, die den neuen Atheisten wie Dennett und Dawkins auf ihrem geraden Weg von der Naturwissenschaft zum Atheismus genauso wenig folgen wie Goulds NOMA-Prinzip, das Wissenschaft und Religion sauber trennt. Akzeptanz finde eine romantisierte Wissenschaft, die denjenigen Glauben rechtfertigt, den sie sich wünschen. hhp

2010/07/26: A Humanist's Reflections on Evolutionary Biology - History News Network (HNN)

Im 2. Artikel des HNN zum "Affenprozess" von 1925 antwortet der Geisteswissenschaftler Hamner seinem naturwissenschaftlichen Kollegen Reznick. Dessen historische Analyse, v.a. die Gleichsetzung des heutigen Klimas mit dem von 1925, sei zwar nicht komplex genug, gern engagiere sich Hamner aber als Geisteswissenschaftler in der Kontroverse Wissenschaft und Religion. Er empfiehlt folgendes Vorgehen: 1. Saubere Unterscheidung zwischen Wissenschaft und Szientismus, der vorschnell in Metaphysik abgleite (z. B. der Neue Atheismus von Dawkins oder Hitchens). 2. Darwin und andere Wissenschaftler sind unideologisch darzustellen, damit ihre Ideen ernst genommen werden. 3. Die Spaltung von religiös und säkular ist zu bedenken. 4. Die Lektüre der heiligen Schriften ist sorgfältig zu betreiben, nicht unter den Tisch zu kehren. Wenn man die Unterschiede zwischen Bibel, Koran und "Ursprung der Arten" verstanden hat, beginnen sich die Haupt-Stopersteine auf dem Weg der Versöhnung aufzulösen. hhp

2010/05/17: Karl Giberson, Ph.D: Intelligent Design's Coffin Is Still Empty - Huffington Post

Totgesagte leben länger. Jedenfalls hat es sich M. Zimmerman zu leicht gemacht, wenn er Intelligent Design für immer beerdigt wissen wollte (s. u.). Karl Giberson benennt 4 Gründe, warum der Sarg in absehbarer Zukunft leer bleiben wird: 1. Es gibt genug komplexes Design, das bisher nicht erklärt ist (aber daran arbeitet die Wissenschaft); 2. die Feinabstimmung des Kosmos; 3. der verbreitete Glaube an einen Schöpfergott; 4. das vehemente Insistieren der neuen Atheisten auf die Inkompatibilität von Evolution und Gottesglaube, das viele, die sich derart vor eine vermeintlich exklusive Alternative gestellt sehen, dann doch auf die Seite der Religion bringt. Und solange die Menschen den Gottesglauben nicht von ID trennen können - wie es ja gerade von den agnostischen Bloggern unterstellt wird -, solange wird der Sarg leer und ID lebendig bleiben. hhp

2010/05/13: Fakten zum E-Day - Evo Magazin

Giordano Bruno Stiftung fordert die gesetzliche Umbenennung von ?Christi Himmelfahrt? in ?Evolutionstag?. 56% der Deutschen seien schließlich atheistisch. Unsere Gegenstatistik: Laut repräsentativem Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung sind 70% der Deutschen religiös. Siehe Video von Martin Rieger, Bertelsmann-Stiftung, über den Monitor: http://www.forum-grenzfragen.de/kirchenamtliches/kirche-im-web-20/rieger-religionsmonitor-der-bertelsmann-stiftung.html

2010/03/07: Philosophers Rip Darwin - The Chronicle Review

Der Wissenschaftsphilosoph Michael Ruse führt hier seine Kritik an Fodor und Piattelli-Palmarini ausführlicher aus (s.u.). Diese seien leider kein Einzelfall, es gebe ein zunehmend lautstarkes Kader bedeutender Philosophen, die Zweifel an Darwin hegen. Exemplarisch greift Ruse drei dieser Vertreter heraus. Bei Alvin Plantinga, Christ und Intelligent Design Enthusiast, versteht Ruse dessen Opposition in einer sehr säkular und neoatheistisch geprägten Szene. Aber auch der bekannte Thomas Nagel schließt sich der Opposition an, ohne an eine Gottheit zu glauben. Ausführlich geht Ruse auf Jerry Fodor ein, der als Atheist die Erklärungskraft der natürlichen Selektion kritisiert. Bei allen drei Opponenten hält Ruse die "totale wissenschaftliche Interesselosigkeit" für viel sagend. Die Kritiker seien offenbar von anderen, tiefer liegenden Sorgen umgetrieben. Der Blick in die Vergangenheit zeige die Initialzündung ihrer Opposition: Die Entstehung von Homo sapiens durch blinde Gesetze. hhp

2009/12/24: Die Idee von Gott als Kulturleistung - Spektrum der Wissenschaft

Spektrum der Wissenschaft bespricht Daniel Dennetts "Den Bann brechen. Religion als natürliches Phänomen". Der Rezensent, Physiker Michael Springer, stellt es als Eigenart des Buches heraus, dass es "keine antireligiöse Streitschrift" à la Dawkins oder Hitchens sei, sondern den Dialog suche. Jeder, auch der religiöse Leser könne seine Argumente nachvollziehen, da er wie ein evolutionär kundiger vergleichender Religionswissenschaftler arbeite. Auf diese Weise kommt die positive soziale Funktion von Religion in den Blick. D'accord, aber was bleibt übrig? Dem Rezensenten zufolge bleibt bei Dennett nur noch ein Glauben übrig, für den es "kein vernünftiges Argument mehr" gibt. Gut dass dies keine "keine antireligiöse Streitschrift" und auch für religiöse Menschen nachvollziehbar ist. hhp

2009/12/09: Hans Kessler: Evolution und Schöpfung in neuer Sicht: Die Kirche der Gottlosen röstet Kartoffeln mit Kohlendioxid - Sachbuch - Feuilleton - FAZ.NET

Meine positive Besprechung des neuen Buches von Hans Kessler (siehe "Rezensionen") findet ihre Bestätigung durch Eckhard Nordhofen in der FAZ. Das Buch sei "die Ernte einer zwanzigjährigen kompetenten Befassung mit den Naturwissenschaften", die Stärke bestehe in der wissenschaftstheoretisch sauberen Unterscheidung der jeweiligen Diskurse und der Verurteilung unsauberer Vermischungen. Bei allem Lob für Kessler merkt man dem Rezensenten dennoch den Ärger darüber an, dass ein solches Buch im Jahr 2009 überhaupt nötig ist, wo doch die Alternative Bibel oder Wissenschaft seit mindestens 50 Jahren erledigt ist, angefangen mit dem Einsatz der modernen Bibelhermeneutik vor 200 Jahren. Man mag dies bedauern, aber auch zum Anlass nehmen, eine moderne Schöpfungstheologie wie Kesslers "enttemporalisiertes Konzept" gegen zahlreiche naive Zerrbilder eines Schöpfergottes zur Geltung zu bringen, die nicht nur an den fundamentalistischen Rändern der großen Kirchen zu finden sind. hhp

2009/10/29: ''Im Wallenstein ist auch kein Platz für Schiller'' - Charles Darwin und die Evolution - sueddeutsche.de

"Evolution ist keine Gefahr, sondern ein Segen für die Theologie": Beide sind nicht etwa unvereinbar wie Kreationisten, Naturalisten, aber auch "der unselige Artikel Kardinal Schönborns" behaupten. Christian Kummer setzt dagegen auf Teilhard de Chardin und seine ontologisch verbindende Formel "Schöpfung durch Evolution". In dieser Denke macht der Schöpfer nicht Kreaturen, sondern verleiht Kreativität; "er macht, dass die Dinge sich machen". Dabei ist er nicht der Chef, der delegiert und dann in die Chefetage entschwindet; er ist der gegenwärtige, "Anteil nehmende Chef". Kummer hält sich hier zurück, die Immanenz Gottes (gegenwärtiger Chef) gegen seine Transzendenz (Chefetage) auszuspielen - anders als in seinem Buch, wo die Chefetage pantheistisch leer bleibt (Der Fall Darwin, 2009, 190). Dennoch enthalte dieser "Schöpfungsplan" für Schönborn wohl zuviel Eigenaktivität, wenn "in der Kosmologie kein Platz mehr für Gott" ist. Aber: "Im Wallenstein ist auch kein Platz für Schiller"! hhp

2009/10/20: Biologie macht erst seit Darwin Sinn - Echo Online

Mathias Orgeldinger berichtet von zwei Darwin-Ausstellungen und konzentriert sich auf deren Auseinandersetzung mit dem Kreationismus. Dabei unterlaufen dem Autor schwer wiegende Fehler. So sei "der Kreationismus eine Weltanschauung, nach der das Universum und das Leben ... von einem übernatürlichen Wesen erschaffen wurde" - dann wäre auch das Christentum kreationistisch - Gott bewahre! Die katholische Kirche vertrete eine "theistische Evolution" mit einem "Schöpfergott, der zuweilen steuernd eingreift" - falsch! Von einem solchen Lückenbüßergott hat sich die Kirche längst verabschiedet. Zufall und Ziel seien für Theologen "Gegensätze" - falsch! Die Internationale Theologenkommission stellte 2004 klar, dass "wahre Kontingenz in der geschöpflichen Ordnung nicht unvereinbar ist mit der zielgerichteten göttlichen Vorsehung". Wie sonst bei den Neo-Atheisten üblich wird hier Christentum mit Kreationismus undifferenziert gleichgesetzt, um es damit umso leichter über Bord werfen zu können. hhp

2009/09/20: Schöpfungsglauben mit guten Gründen - Radio Vatikan

Bischof Fürst wies darauf hin, dass Evolutionstheorie und Gottesglaube für "unaufgeregte Betrachter" keinen Gegensatz darstellten. Es handele sich um zwei Sichtweisen auf das Schöpfungsgeschehen, "einerseits um die naturwissenschaftliche Erklärung, andererseits um die theologische Deutung der Weltentstehung". In unverantwortlicher Weise würden solche Atheisten ein Zerr-Gottesbild von einem "Riesen-Handwerker" aufbauen, das sie dann umso leichter zerstören könnten. "Nach christlichem Schöpfungsverständnis verlockt Gott als Schöpfer seine Schöpfung geradezu zum Entstehen neuer Möglichkeiten", sagte der Bischof und zitierte Aussagen verschiedener Päpste zur Vereinbarkeit von Evolutionslehre und Gottesglauben. Er erinnerte an den französischen Theologen und Naturwissenschaftler Teilhard de Chardin, der das Handeln des Schöpfers so umschrieb: "Gott macht, dass die Dinge sich selber machen." Pressemitteilung: drs/ Uwe Renz

2009/09/09: Review: The Greatest Show on Earth by Richard Dawkins - New Scientist

Ein weiteres Pro-Evolutions Buch könne nur gerechtfertigt sein - so der Rezensent Randy Olson -, wenn ein großer neuer Blickwinkel der Massenbekehrung eingenommen werde. Die Leserschaft für blöd zu halten, qualifiziere nicht gerade einen solchen neuen Blickwinkel. Genau dieses aber tue Dawkins. "Es hat etwas Komisches: Wenn das Auffinden gönnerhafter Herablassungen ein neues Trinkspiel wäre, na dann Prost! In jedem Kapitel wird man fündig." Auch wenn Dawkins im Vorfeld versichert, dies sei kein antireligiöses Buch, könne er es nicht lassen, der Religion durchgängig eins zu verpassen. Man bekomme den Eindruck, Dawkins habe dies nicht mehr unter Kontrolle. "Es ist, als leide er unter einer Form von antireligiösem Tourette-Syndrom". hhp

2009/09/05: Über Gott und die Welt - zum Neuen Atheismus - Tagesspiegel

Der Artikel berichtet über ein am Anfang stehendes DFG-Projekt zum "Neuen Atheismus" (siehe auch Art. vom 4. Mai), das von Religionswissenschaftlern der FU Berlin durchgeführt wird. Die ersten Eindrücke der Studie: Der Neue Atheismus ist "nicht aggressiver ... als der traditionelle", was mich etwas erstaunt hat. Immerhin räumt man ein, dass er "medial geballter auftaucht und regelrecht inszeniert wird", dass die Atheismus-Debatte "ein großes Medienecho" ausgelöst habe und Redner wie Dawkins auch hierzulande "in überfüllten Sälen" sprechen. Auch fände die Diskussion "nicht mehr nur unter Intellektuellen, sondern inmitten der Gesellschaft statt". Auf die Grundvorwürfe, Religion ist a) falsch und b) schädlich, gäbe es "mindestens zehn Mal so viele apologetische Erwiderungen von religiöser Seite". So sei auch durch die Buskampagne "kein einziger Gläubiger zum Atheismus bekehrt" - versichert jedenfalls die Website der Buskampagne, die vorgeblich nicht missionieren will. hhp

2009/08/22: A Grand Bargain Over Evolution - The New York Times

Robert Wright will den Kulturkampf zwischen atheistischen Wissenschaftlern und gläubigen Evolutionsgegnern schlichten, indem er auf eine Gemeinsamkeit beider Parteien hinweist: Beide unterschätzten die kreative Kraft der natürlichen Selektion. Nähmen Gläubige dies ernster, könnte auch die darwinistisch so schwer fassbare menschliche Moral plausibel erklärt werden. Wrights Hinweis auf den evolutiv gut erklärbaren "reziprokem Altruismus" greift indes zu kurz, da Moral qualitativ mehr ist als gegenseitiger Nutzen. Moralische Wahrheit sei jedenfalls ähnlich wie mathematische Wahrheit immer schon vorhanden, sie brauche von der natürlichen Selektion nicht erfunden, sondern nur gefunden werden. Diesen "Algorithmus der natürlichen Selektion" könne Gott freigesetzt haben (zur Freude der Gläubigen), aber "seine Rolle in diesem kreativen Prozess endet" damit auch (zur Freude der Naturalisten). Der Preis für die Befriedung indes ist hoch: Es ist der ferne Gott des Deismus! hhp

2009/07/27: Science Is in the Details - New York Times

Francis Collins, ehemaliger Kopf des Human Genome Project, ist als Direktor der National Institutes of Health nominiert worden. Und schon ärgern sich die militanten Atheisten. Nicht weil Collins Christ ist, sondern weil er "versierter Wissenschaftler und ein aufrichtiger Gläubiger" - und damit ein lebendes Zeugnis für die Vereinbarkeit ist. Genau diese Kombination behagt Sam Harris, Autor des vorliegenden Op-Ed, gar nicht: "Müssen wir wirklich die Zukunft der biomedizinischen Forschung einem Mann anvertrauen, der allen Ernstes glaubt, dass das Wesen des Menschen naturwissenschaftlich nicht verstehbar ist?" Gegenfrage: Sollten wir die biomedizinische Forschung einem Mann anvertrauen, der den Menschen restlos auf Naturwissenschaft reduziert? Klar, für Atheisten müssen Leute wie Collins ein Dorn im Auge sein; rationale Wissenschaftler, die sich vom Atheismus zum Theismus bekehren - ohne dement zu sein. Das passt nun so gar nicht in das Bild von Religion als infantiler Wahnvorstellung. hhp

2009/07/20: Bücherschau zum Darwin-Jahr: Lebenshilfe und andere Erklärungen - Frankfurter Rundschau - Feuilleton

Den meisten der von Christian Schlüter besprochenen 8 Bücher sei gemeinsam, dass sie den vielzitierten "Kampf ums Dasein" als Missverständnis oder tendeziöse Übersetzung entlarven wollten. "struggle for life" und "survival of the fittest" hätten eher mit "fit" i.S.v. Passung, Anpassung zu tun als mit "gewalttätiger Überlegenheit". Darwin sei weder Rassist noch Utopist gewesen, noch habe er die Selektion normativ auf die Gesellschaft übertragen wollen. Überhaupt schätzt der Autor Darwins kluge Selbstbeschränkung und vermutet, dass der Darwinismus "immer dann überfordert [ist], wenn er die ganze Welt erklären soll". Darum warnt Schlüter vor einem "reduktionistischen Szientismus" à la Thomas Junker und rät, sich eher als Agnostiker denn als Atheist zu verstehen, da die Frage nach Gott "mit unseren Mitteln nicht beantwortbar" sei. So scheint es paradox, wenn er am Ende dennoch als Darwins Entdeckung ausgibt, "dass wir die Natur nicht länger als Gottes Schöpfung ... zu begreifen haben". hhp

2009/05/20: Philosoph Richard David Precht und die Darwinismus-Debatte - Nürnberger Zeitung

Precht schafft es immer wieder, populär zu sein ohne schwarz-weiß zu malen! So sind für ihn Kreationismus und militanter Darwinismus nur komplementäre Fundamentalismen. Zu Recht weist er auf die paradoxe Situation hin, dass Dawkins überzogener Allerklärungsanspruch den Kreationimus geradezu stärke. Darauf hat jüngst schon der Evolutionsbiologe Reinhold Leinfelder (http://achdulieberdarwin.blogspot.com/2009/03/instrumentalisierung-von-darwin-durch.html) hingewiesen: Etwas besseres als Dawkins könne dem Kreationismus gar nicht passieren! Zurück zu Precht, der auf die derzeitigen (!) Grenzen evolutiver Erkenntnis hinweist: über die Mechanismen der Evolution wissen wir sehr wenig, die Entstehung des Lebens gar ist "Spekulation und weit entfernt von Wissenschaft". Precht kann unbefangen über solche Defizite sprechen, weil er unverdächtig ist, sie sofort theologisch auszubeuten: Sein "Ich misstraue jedem Gottesbeweis" liefert denn auch den Haupttitel des Artikels. hhp

2009/05/04: FU Berlin untersucht "Neuen Atheismus" - Christliches Medienmagazin Pro

Das evangelikale Medienmagazin Pro berichtet von einem DFG-Projekt über den "Neuen Atheismus", das von Religionswissenschaftlern der FU Berlin durchgeführt wird. Vertreter der "Brights" wie Dawkins, Hitchens, Dennet, Schmidt-Salomon sind ebenso Gegenstand der Untersuchung wie deren Kritiker. Erforscht werden soll ebenfalls die Berichterstattung in den Medien und deren populäre Breitenwirkung. "Pro" berichtet neutral in den Worten der Projektbeschreibung, wird allerdings bei den Kritikern des Neuen Atheismus ausführlicher. Die "Brights" wiederum übernehmen den Wortlaut von "pro", erwähnen jedoch die Kritiker nicht (brightsblog.wordpress.com/2009/05/05/fu-berlin-untersuchung-des-neuen-atheismus/). Sie ergänzen die Seite durch die Linkliste des DFG-Projekts, wobei ausgerechnet die Links auf Schmidt-Salomon und die Giordano-Bruno-Gesellschaft nicht klickbar sind!?? Siehe unbedingt die Projekthompage: www.geschkult.fu-berlin.de/e/relwiss/forschung/DFG-Projekt_Neo-Atheismus/index.html. hhp

2007/08/17: Diskussion um den freien Willen - ''Moralisches Verhalten ist reiner Eigennutz'' - Wissen - sueddeutsche.de

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung bestreitet der Wissenschaftstheoretiker Franz Wuketits die Existenz des freien Willens: "Wir haben nur die Illusion eines freien Willens". All unsere Handlungen seien letztlich durch die evolutive und individuelle Geschichte determiniert. Die Frage, warum sich die Illusion des freien Willens denn überhaupt entwickelt habe, beantwortet Wuketits mit der evolutionären Erkenntnistheorie: Das Gehirn sei ein Überlebensinstrument und kein Wahrheitsinstrument; es erlaubt uns deshalb Illusionen. Dies wäre sicher eine notwendige Voraussetzung für die Entstehung von Illusionen, aber ist dies schon eine hinreichende Erklärung? hhp

2009/04/03: "Die Kirche hat Darwin nie akzeptiert" - Tagesspiegel

Neo-Atheist Schmidt-Salomon legt es darauf an, die Unvereinbarkeit von Evolutionstheorie und Schöpfungsglauben zu demonstrieren. So akzeptiere die Kirche nicht, "dass die höheren geistigen Funktionen, das, was die Kirche Seele nennt, eben auch evolutionär entstanden ist". FALSCH! Die höheren geistigen Funktionen sind nicht mit dem theologischen Seelenverständnis identisch. Die theologische Kategorie einer besonderen Erschaffung im Sinne eines besonderen Gewolltseins (Ratzinger) ist keine naturwissenschaftliche Kategorie und kann dazu nicht im Widerspruch stehen. Auch die Aussage, Religion führe "zu einer deutlichen Abgrenzung gegenüber den Menschen außerhalb der Gruppe", überzeugt nicht, steht sie doch in krassem Gegensatz zu einer jesuanischen Ethik der Feindesliebe und der Aufnahme Ausgegrenzter. Dass es faktisch Ausgrenzungen gibt, ist unbestritten. Nur: den faktischen Missbrauch als das Wesen der Religion auszugeben, ist ein Fehlschluss.

2009/04/02: Veranstaltungsbericht: Darwin und die Theologie - humanistischer pressedienst

Der "humanistische pressedienst", Print- und Onlinemedium des neuen Atheismus, berichtet über eine Tagung der Uni Graz zu "Darwin und die Theologie". Dass über die theologischen Beiträge der Veranstaltung polemisiert wird, erstaunt freilich nicht. Der Tenor ist durchweg suggestiv und legt immer wieder die Nähe von moderner Theologie zu Intelligent Design oder Kreationismus nahe. So spricht der Autor beispielsweise vom "- dem Kreationismus nahe stehend verdächtigten, - Wiener Kardinal Johannes Schönborn". Dass hier der Vorname falsch wiedergegeben wird ist verzeihlicher als der Kreationismusverdacht. Schönborn hat sich immer und ausdrücklich vom Kreationismus distanziert - erfreulicherweise kürzlich auch von Intelligent Design. Daher ist es weder "erstaunlich" noch "bezogen auf die Äußerungen seines Bischofs ... mutig", wenn sich Theologen nicht von der Evolutionstheorie, wohl aber von Kreationismus und ID distanzieren. Das alles könnte man wissen, wenn man es denn wissen wollte. hhp

2009/03/30: John Lennox: "Apostel waren Verteidiger des Glaubens"

Im christlichen Medienmagazin "pro" wirbt der Dawkins-Kontrahent und Mathematikprofessor aus Oxford, John Lennox, für eine christliche Apologetik gegenüber dem neuen Atheismus. Anlass war der 60. Geburtstag von Jürgen Spieß, Leiter des "Instituts für Glaube und Wissenschaft" der Studentenmission in Deutschland (SMD).

2009/03/22: Giordano-Bruno-Stiftung: Die Agenda des Neuen Atheismus - Kirche & Religion - Politik - FAZ.NET

Was hat die Evolution eigentlich mit dem Atheismus zu tun? Kritischer Artikel von Reinhard Bingener, Mitarbeiter der politischen Redaktion der FAZ, über die finanziellen, weltanschaulichen, strategisch-politischen Hintergründe und Aktivitäten des Neuen Atheismus. Interessant auch, dass nicht alle Verbände der Konfessionslosen von der Öffentlichkeitswirksamkeit der Giordano-Bruno-Stiftung begeistert sind. hhp

2009/03/13: Gott trifft Darwin: Lassen sich Religion und Evolution vereinbaren? | Wissen | Nachrichten auf ZEIT ONLINE

Hartmut Wewetzers sehr lesenswerter Artikel hält, was der Titel verspricht: Der Autor benennt alle wesentlichen Positionen, die man einnehmen kann, wenn Gott auf Darwin trifft, exemplarisch mit Namen. Stephen Jay Gould setzte mit seinem Modell der NOMA (Non-Overlapping Magisteria) auf ein schiedlich-friedliches Nebeneinander; Richard Dawkins führe Darwin gegen Gott ins Feld, die Kreationisten Gott gegen Darwin. In der Intelligent-Design-Variante friste Gott noch ein Lückenbüßer-Dasein. Von diesen Fehlformen setzt Wewetzer den Physiker Karl Gibereson und den Biologen Kenneth Miller ab. Beide verfielen weder auf einen pantheistischen noch auf einen Lückenbüßer-Gott. Bei beiden arbeite Gott "Hand in Hand mit den Naturgesetzen". Ein Indiz für sein Wirken sei das Erscheinen des Menschen, argumentativ unterfüttert mit dem Begriff der Konvergenz und dem anthropischen Prinzip. Wewetzer unterschlägt die Gegenargumente nicht: ein kurzer und dennoch differenzierter Artikel - Lob! hhp


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