McLeroy hatte beispielsweise versucht, Lehrbuchverlage zu überzeugen, die Schwächen der Evolutionstheorie in seinem Sinne vorzustellen. Strategisch nicht ungeschickt, steht es doch in der Macht des Ausschusses, Lehrmaterial von den staatlichen Listen und damit von der Finanzierung zu streichen. Die von McLeroy erwirkten Vorgaben für naturwissenschaftlichen Unterricht, nämlich die Vereinbarkeit des plötzlichen Auftauchens neuer Arten und der Entstehung von Komplexität mit der Evolutionstheorie zu untersuchen, entsprechen den typischen antidarwinistischen Argumenten der Kreationisten und Intelligent Design Protagonisten. Jetzt also: Aufatmen für die texanische Bildungslandschaft, aber auch für das Weiße Haus, das sich zwar besorgt zeigte, aber auf die bundesstaatlichen Curricula keinen Einfluss hat. Spannend bleibt der neue Kurs des Bildungsausschusses auf jeden Fall.
[McLeroys Argumentation unter der Lupe] [McLeroy und der Bildungsausschuss in der Presse]
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Die empirische Grundlage, die "data", die McLeroy so zielsicher über Gould für den Kreationismus vereinnahmt, lässt sich also kaum gegen die Evolutionstheorie in Anschlag bringen. Denn, wie Gould selbst zusammenfasst: "Die Fossilfunde sind also eine wahrheitsgetreue Wiedergabe dessen, was die Evolutionstheorie vorhersagt" (ebd. 192).
Richard Dawkins sei hier deshalb angeführt, weil er nicht gerade ein Freund des Gouldschen Ansatzes ist. Gegenüber den Kreationisten jedoch ergreift er für Gould Partei: "Eldredge und Gould sind zu Recht verärgert über den Mißbrauch ihrer Ideen durch die Kreationisten ... Gould meint dazu: 'Seit wir das unterbrochene Gleichgewicht als Erklärung für Trends vorgeschlagen haben, macht es mich wütend, wenn ich immer und immer wieder ... so zitiert werde, als hätte ich eingeräumt, daß es in den Fossilfunden keine Übergangsformen gäbe.'" (Gipfel des Unwahrscheinlichen, Reinbek : Rowohlt, Neuausgabe 2008, 121).
McLeroys Argumentation ist also weder neu, noch unwidersprochen.
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 | 2009/07/14: The evolution of intelligent design in Texas schools (pt. 2) - examiner.com | | Die paradigmatischen Auseinandersetzungen um Intelligent Design (ID) in Texas gehen in eine neue Runde. Dem Kreationisten Don McLeroy folgt Gail Lowe als Vorsitzende des texanischen Bildungsausschusses. Kein Grund zur Freude: Sie ist ebenfalls ID-Protagonistin. Ihre Ernennung fällt zusammen mit einer Publikation von Stephen C. Meyer, Vize-Präsident der ID-Schmiede "Discovery Institute" und gleichzeitig umstrittendstes Mitglied im Beratungsgremium des Bildungsausschusses. Nach Meyer ist die Information der DNS ein Beweis für ID, da nur eine intelligente Kraft derartige Information produzieren könne. Der Trick besteht nun darin (typisch für ID), dass man empirisch und nicht religiös argumentiert, um in der scientific community mitzumischen und um die für den Unterricht an öffentlichen Schulen relevante Trennung von Kirche und Staat zu umgehen. In Lowes Ernennung und Meyers neuem Buch befürchtet der Autor einen Wendepunkt in der Evolution von ID in Texas Schulen. hhp
|  | 2009/06/04: Creationism and American schools - New York Times | | Bei Lehrbüchern zur Evolutionstheorie spielt in den USA die Phrase "Stärken und Schwächen" bekanntlich eine heiß umkämpfte Rolle (s.u.). Die ursprünglich ganz normalen Wörter gehören inzwischen zum rhetorischen Arsenal der Kreationisten, die das Unterrichten der Evolutionstheorie damit unterminieren wollen. Was beim Schulbuch-Großkunden Texas über McLeroy (s.u.) umgesetzt wird, hat länderübergreifende Bedeutung, da die Verlage nur ungern verschiedene Versionen produzieren. Außerdem wurde bereits in einem halben Dutzend Staaten gesetzgeberisch versucht, in Klassen den Blick auf die "Stärken und Schwächen der Darwinschen Theorie" zu lenken - entsprechend einer Petition des Discovery Instituts, des Think Tank der Intelligent Design Bewegung. "Warum sollte man nicht Schwächen thematisieren?" fragt McLeroy. "Weil offene Fragen etwas anderes sind als vermeintliche Schwächen", antwortet die Gegenseite. hhp
|  | 2009/05/29: Texas Senate rejects confirmation of conservative education board chief Don McLeroy - Dallas Morning News | | The Dallas Morning News berichtet über die gescheiterte Wiederwahl des Kreationisten Don McLeroy als Vorsitzender des texanischen Bildungsausschusses. Der Senat stimmte zwar mit 19 zu 11 Stimmen für McLeroy, erreichte aber nicht die nötige 2/3-Mehrheit. Die Demokraten beklagten McLeroys endlose Kulturkämpfe gegen die Evolutionstheorie, die den Bildungsausschuss zum Gespött der ganzen Nation gemacht hätten.
Die republikanische Gegenseite sprach indes von einer "Inquisition" gegen einen Republikaner, der Ansichten vertritt, die von vielen Texanern geteilt würden - einschließlich der bibelgestützten Erklärung für die Entstehung des Menschen.
Wie auch immer: Gouverneur Rick Perry, der McLeroy nominiert hatte, wird nun einen anderen Vorsitz aussuchen müssen. hhp
|  | 2009/04/01: Put Texas education board under a microscope - Austin American Statesman | | 'House Bill 772' wurde am 31.03.09 verabschiedet und legt fest, dass zukünftig jede öffentliche Sitzung des umstrittenen Bildungsausschusses Texas über das Internet gesendet werden soll und anschließend auf der Internetseite des Ausschusses zugänglich bleibt. Laut Artikel ist das der erste Schritt, den Ausschuss genauer zu überprüfen, denn einige der dort vorgebrachten Äußerungen haben in den letzten Wochen Schlagzeilen gemacht. Texaner wüssten anscheinend nicht, was genau der Ausschuss mache und welche Macht er habe. Diese Aufzeichnungen würden vielen Wählern zeigen, wie staatsfeindlich und jenseits der politischen Mitte die Mehrheit der Ausschussmitglieder sei. sh
|  | 2009/04/25: McLeroy: Enlisting in the culture war - Commentary - Austin American Statesman | | Im Kommentar des AAS stellt Don McLeroy, Vorsitzender des Bildungsausschusses Texas u. bekennender Kreationist, fest, dass die gesamte Diskussion um Evolution im Schulunterricht nur existiere, weil Evolutionisten, angeführt durch Akademiker vom äußeren linken Rand gemeinsam mit der säkularen Elite der Meinungsmacher, es nicht erlaubten, Evolution in Frage zu stellen. In 2 Schritten belegt er seine Argumente zur Lösung der Diskussion: 1.erläutert er die in Texas zu Grunde gelegte Definition von Wissenschaft, laut der durch Beweise prüfbare Erklärungen für natürliche Phänomene gegeben werden müssen. Frage sei also nicht ob etw. wissenschaftlich sondern ob es prüfbar sei. 2.müssten die fossilen Funde betrachtet werden. Hier führt er Goulds Zitat auf, die Mehrheit der Arten zeigten keine Veränderungen. Von den Schülern werde erwartet, zu analysieren u. kritisch zu denken. Diejenigen, die sagen, Evolution habe keine Schwächen und sei unbestreitbar, sollten hiergegen keine Einwände haben. sh
|  | 2009/04/24: End poor guidance of Texas education - Austin American Statesman | | Der Leitartikel des AAS fordert den Senat von Texas auf, Don McLeroy als Vorsitzenden des Bildungsausschusses abzusetzen. McLeroys Amtzeit sei bisher von Kontroversen bestimmt gewesen, die ein Magnet für Spott und Widerstand von Wissenschaftlern und Forschern seien. McLeroy, ein bekennender Kreationist, übe einen schlechten Einfluss auf den Ausschuss aus, dessen Entscheidungen den 17,5 Billionen US Dollar Bildungsetat des Staates und Schulbücher für die 4,7 Millionen Schüler umfassen. Der Unterrichtsstandart sei durch den neuen Lehrplan geschwächt und der wissenschaftliche Ruf des Staates geschädigt. Der Bildungsausschuss setze außerdem die Schulbuchverlage unter Druck, Bücher vorzulegen, die den Anforderungen des Ausschusses entsprächen. Dieser Einfluss wirke sich auch national aus, da die Verlage die texanischen Bücher im ganzen Land verkaufen würden. Es sei also Zeit, dem Handeln McLeroys ein Ende zu setzen. sh
|  | 2009/04/08: John Holdren In Full Interview - Science Insider (Science Magazine ) | | John Holdren, Direktor des Büros Wissenschaft und Technologie im Weißen Haus und wissenschaftlicher Berater des Präsidenten, sagten in einem Interview gegenüber Science Insider (Science Magazine), dass der neue Lehrplan in Texas eher ein Rückschritt als ein Fortschritt sei. Zwar müsse alle Wissenschaft skeptisch sein, aber wenn man Sichtweisen unterstütze, die evolutionsskeptisch und ungültig seien, so sei dies problematisch. Evolution sei Teil einer modernen biologischen Ausbildung und gegensätzliche Meinungen sollten - wenn überhaupt - an anderer Stelle unterrichtet werden. Die staatliche Politik habe aber keinen Einfluss auf die bildungspolitischen Entscheidungen der Bundesstaaten und könne daher nur diskutieren, bitten und ermahnen, jedoch nicht eingreifen. sh
|  | 2009/04/25: Evolutionstheorie im Unterricht: Kreationismus durch die Hintertür - FAZjob.NET | | In Texas konnte der Kreationismus einen kleinen Erfolg feiern (siehe unsere englische Presseschau). Obwohl die Formel, im Schulunterricht seien "Stärken und Schwächen" der Evolutionstheorie zu behandeln, gestrichen werden musste, erreichte der kreationistische Leiter des Bildungsausschusses Zugeständnisse an zwei markanten Stellen: Das "plötzliche Auftauchen" neuer Arten sei ebenso kritisch zu hinterfragen wie die "Komplexität der Zelle". Beide Vorgaben sind zentrale Säulen im Argumentationsgebäude von Kreationismus und Intelligent Design.
Der FAZ-Artikel weist auf die Spannung der texanischen Entscheidung zu den Urteilen des wichtigen "Kitzmiller"-Prozesses von 2005 hin, in dem der Versuch der Schulbehörde von Dover, "Intelligent Design" als Alternative zur Evolutionstheorie in den Unterricht einzuschleusen, als verfassungswidrig abgewiesen wurde (ausführlich dokumentiert: www.forum-grenzfragen.de/aktuelles/news/archiv/0601-intelligent-design-aus-der-schule-verbannt.php). hhp
|  | 2009/03/30: Texas education board approves standards on evolution - USATODAY.com | | Im Streit um einen neuen Lehrplan in Texas ist am Freitag ein Kompromiss gefunden worden. Der neue Wortlaut bestimmt, dass Lehrer die Schüler ermutigen sollen, alle Seiten von wissenschaftlichen Theorien zu untersuchen. Evolutionsbefürworter, die die 20-Jahre alte Formulierung abschaffen wollten, die Lehrer anwies die "Stärken und Schwächen" aller wissenschaftlichen Theorien zu lehren, sagen, die neue Formulierung sei verwirrend und erlaube kreationistischen Argumenten Zutritt die Schulen. Barbara Cargill, Mitglied des Bildungsrates, wehrt sich gegen die Vorwürfe: die neue Formulierung benutze klare Sprache und sei frei von Codewörtern; so werde sichergestellt, dass alle Seiten von wissenschaftlichen Erklärungen mit wissenschaftlichen Methoden untersucht würden. Unterstützer der Änderungen begrüßen weiterhin die Ermutigung zum kritischen Denken im Klassenzimmer. Da Texas einer der größten Schulbuchabnehmer der Nation ist, hat der Lehrplan Auswirkungen auf Schulbücher im ganzen Land. sh
|  | 2009/01/25: Texas Two-Step - The New York Times | | In Texas wird die Debatte um Evolution im Schulunterricht wieder neu aufgerollt, weil ein neuer Lehrplan verabschiedet werden muss. Der alte Text, laut dem die Schüler "Stärken und Schwächen" aller wissenschaftlichen Theorien prüfen sollen, wurde kürzlich aus dem Lehrplan gestrichen. Obwohl diese Worte harmlos klingen, waren sie in den vergangenen Jahren ein Code, durch den mithilfe von Kreationismus und Intelligent Design Kritik an Evolution geübt wurde. Um eine neue Formulierung wird noch gerungen und die Entscheidung wird knapp ausfallen: sieben der 15 Mitglieder des Bildungsrats sind konservativ. Die Abstimmung ist für März geplant. sh
|  | 2009/03/26: Defeat and Some Success for Texas Evolution Foes - The New York Times | | In einer knappen Abstimmung bestätigte der Bildungsrat von Texas, dass Evolution zur allgemein akzeptierten Wissenschaft gehört. Jedoch gelang es konservativen Ratsmitgliedern, Lehrer offiziell dazu auffordern zu lassen, mehrere wissenschaftliche Prinzipien kritisch zu beurteilen. Bereits im Januar wurde die Formulierung, die verlangt "Stärken und Schwächen" von wissenschaftlichen Theorien zu untersuchen, aus dem Lehrplan gestrichen. Laut NYT sind die neuen Formulierungen jedoch wieder politische Codes und Versuche, Evolution zu untergraben: die Schüler werden dazu aufgefordert "die Zulänglichkeit und Unzulänglichkeit von natürlicher Selektion als Erklärung für die Komplexität der Zelle zu analysieren und zu beurteilen". Die Debatte über den Lehrplan, der 2010 in Kraft treten wird, hat Auswirkungen auf die Unterrichtsstandarts in den USA. Da Texas die größte Kundengruppe stellt, orientieren sich nationale Schulbuchverlage beim Inhalt ihrer Bücher stark an texanischen Bedürfnissen. sh
|  | 2009/03/30: Evolutionary Semantics, Texas-Style - The New York Times | | In diesem Artikel wird eine Abstimmung im texanischen Bildungsrat kommentiert, die über genauen Formulierungen im Lehrplan entschied. Der Ausgang dieser Abstimmung wird als "beunruhigend knapp" bezeichnet, da nur eine Stimme den Ausschlag gab. Formulierungen, die Schüler dazu auffordern die "Stärken" und "Schwächen" von wissenschaftlichen Theorien zu untersuchen, sind nicht wieder in den Bildungsplan aufgenommen worden. Auch Worte wie "Zulänglichkeit" und "Unzulänglichkeit" in diesem Zusammenhang setzten sich nicht durch. Stattdessen sollen Schüler nun wissenschaftliche Erklärungen "analysieren, beurteilen und kritisieren" und "alle Seiten" der Beweise untersuchen. Die New York Times feiert diesen Wortlaut als einen knappen Sieg derer, die die solide Wissenschaft unterstützten. Die Alternativformulierungen würden demnach zu stark die vermeintlichen Schwächen der Evolutionstheorie betonen, die von Kreationisten immer wieder aufgegriffen würden. sh
|  | 2009/01/21: In Texas, a Line in the Curriculum Revives Evolution Debate - The New York Times | | Der alte Konflikt, ob Evolution an Schulen in Texas unterrichtet werden sollte, flammte am vergangenen Mittwoch bei einer Diskussion um den Lehrplan erneut leidenschaftlich auf. Lehrer und Wissenschaftler fürchten, dass der Rat Schulbuchverlage wieder zwingen könnte, eine skeptische Haltung gegenüber Evolution in Schulbücher aufzunehmen. In der Vergangenheit fehlten den konservativen Kräften hierfür die Stimmen im Rat, doch die politische Situation hat sich geändert. Diese Diskussion, in der es um den Wortlaut des Lehrplans geht, ist nur die Spitze des Eisbergs: durch die aktuelle Formulierung - die die Schüler auffordert "Stärken und Schwächen" aller wissenschaftlichen Theorien zu hinterfragen - könnte sich Kreationismus in den Biologieunterricht einschleichen. Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die Einwände, die häufig von Kreationisten gegen Evolution eingebracht würden, haltlos seien. Vertreter der Wirtschaft warnen vor politischen Konsequenzen der Lehrplanänderung. sh
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