Das viel und kontrovers diskutierte Thema des Buches "Anfang und Ende" mit oder ohne Gott ist nicht nur eine wichtige und faszinierende Frage in den Naturwissenschaften und in der Theologie, sondern interessiert auch Kinder und Jugendliche, die schon früh fragen: Wo komme ich her, wo gehe ich hin? Der bekannte Spruch von A. Silesius: "Ich bin und weiß nicht wer. - Ich komme und weiß nicht woher. Ich gehe und weiß nicht wohin. - Mich wundert, dass ich so fröhlich bin!" kann zu sehr fruchtbaren Unterrichtsgesprächen führen. Die Autoren der Einzelbeiträge sprechen mit ihren Argumenten und Gegenargumenten nicht nur Erwachsene, sondern auch Jugendliche an. Der Herausgeber hat namhafte Astrophysiker, Neurobiologen, Zoologen, Genetiker, Biologen, Philosophen, Theologen und Anthropologen um kurze Artikel gebeten. Das renommierte Autorenteam beschäftigt sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit Gott und dem Universum - mit Gott und der Evolution - mit Gott und dem Bewusstsein, sowie mit Gott und den Naturwissenschaften. Die faustische Frage "Was ist es, was die Welt im Innersten zusammenhält?" steht im Mittelpunkt. Im Rahmen einer zusammenfassenden Würdigung kann nur punktuell auf einige markante Aussagen eingegangen werden. Das Werk regt zur Diskussion an und fordert zur Stellungnahme heraus. Es gibt Widersprüche, unterschiedliche Positionen, Thesen und Hypothesen, Modelle, Konzepte und Visionen. Diese Aufforderungen und Herausforderungen zum Denken und Stellungnehmen können hier nur angedeutet werden. Die Argumente werden deshalb auch ohne die Nennung des jeweiligen Autors angeführt. Die Gedanken kreisen um einige zentrale Fragen: War im Anfang ein Gott? Gab es für die Menschheit eine schützende Hand, die die Evolution so steuerte, dass sich einfache Lebensformen zu komplexeren Spezies organisierten? War hierfür der "Geist Gottes" verantwortlich? Oder ist die Evolution des Lebens auf der Erde ein unglaublich großer Zufall, der sich nirgendwo sonst auf anderen Planeten im All wiederholen kann? Die Frage nach der Schöpfung und nach einem Schöpfergott schließt die Frage ein, warum überhaupt etwas ist und vielmehr nichts! Gott kann nicht wissen,, was nicht erkennbar ist! Gott lässt die Welt sein, was sie in ihrer kontinuierlichen Evolution sein will. Die Eigenschaften unseres Universums müssen insgesamt bemerkenswert exakt und äußerst fein aufeinander abgestimmt sein, damit Leben, wie wir es kennen, überhaupt möglich ist. Das menschliche Gehirn enthält 10 hoch 14 Synapsen (10 Millionen Megabyte an Information) und alles ist in Interaktion begriffen. Kann der menschliche Geist irgendetwas mit annähernder Vollständigkeit verstehen, das so komplex ist wie er selbst? Wir glauben heute, dass wir ein sich beschleunigendes Universum bewohnen. Vielleicht sind die Naturgesetze, die wir mit unserem Gehirn entdecken, lediglich lokale Verordnungen des kosmischen Winkels, in welchem wir uns aufhalten. Das Universum könnte eines aus einem vielfältigen Ensemble aller möglichen Universen sein, nur durch das Erfordernis genötigt, unser Entstehen zuzulassen! Vielleicht gelingt es im neuen Jahrtausend ein mathematisches System zu entdecken, das zur Erklärung des gesamten Multiversums führt. In einem expandierenden Universum schrumpfen die Entfernungsgrenzen für die Erlangung empirischen Wissens und in gleicher Weise die Energiegewinnungsgrenzen als Funktion der Zeit, d.h. der Kosmos verweigert sich uns. Wir werden auch in Zukunft noch viel Staunenswertes über den Kosmos erfahren, aber die Frage nach dem Absoluten, sofern es sich nicht von sich aus offenbart, dürfte unbeantwortet bleiben. Eine entscheidende Frage ist: Wie konnten die ersten Lebewesen aus nichtlebender Materie hervorgehen? Kurz vor der Entstehung der ersten Lebensform stellte die Atmosphäre vermutlich eine Mischung aus Wasser, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Stickstoff, Methan, Ammoniak und etwas Wasserstoff, nicht aber Sauerstoff dar. Alle Lebewesen auf dieser Erde sind direkt oder indirekt "Sonnenanbeter". Die Erde ist ein Planet unter schwerem Bombardement aus dem All. Riesenkometen sind Botschafter von Leben und Tod. Wir sind Kinder der Galaxis und verdanken unsere Existenz Jupiter und Saturn. Wir können heute in der Biologie einen tief greifenden Paradigmenwechsel feststellen. Es ist der Wechsel von einer mechanistischen zu einer evolutionären und ganzheitlichen Weltsicht. Man spricht heute von einer evolutionären Kosmologie und einer evolutionären Physik. Das Universum gleicht eher einem Organismus als einer Maschine oder einem Uhrwerk. Man spricht sogar von einem gigantischen kosmischen Embryo. Vielleicht sind die Naturgesetze sogar die Gewohnheiten des Universums, und vielleicht besitzt das Universum ein "eingebautes Gedächtnis". Es gibt ein kollektives, kosmisches Gedächtnis, zu dem wir alle in Verbindung stehen und das den Hintergrund bildet, vor dem sich unsere eigenen Erfahrungen und unsere eigenen individuellen Erinnerungen entwickeln. Die Evidenz für die Gültigkeit der Evolutionstheorie ist so zwingend, dass die Schöpfungslehre nur dann aufrechterhalten werden kann, wenn man unterstellt, Gott habe absichtlich riesige Mengen von Beweismaterialien platziert, um den Anschein zu erwecken, dass die Evolution stattgefunden hat. Kann man heute noch von einer Sonderstellung des Menschen im Reich des Lebendigen sprechen? Es gibt nur graduelle Unterschiede zwischen Mensch und Tier. Allerdings befindet sich der Mensch immer noch in einer Entwicklung. Ist er nur der Übergang zu etwas Neuem? Wir erkennen die Welt nicht an sich, sondern nur so, wie wir sie mit unserem Gehirn verarbeiten. Kann man heute Übergänge zwischen einer biologischen und einer kulturellen Evolution feststellen? Ist Religion ein Produkt der kulturellen Evolution? "Realität" ist das Produkt einer Interaktion zwischen unserem Gehirn und der wahren Realität der uns umgebenden Welt. Unser Gehirn vermittelt uns nur die Illusion, dass wir verstehen, was um uns herum vorgeht. Diese Illusion ist nicht zuletzt deshalb sehr mächtig, weil sie erfolgreich ist, aber trotzdem ist sie nur eine Illusion. Gott ist deshalb von unseren Verstehensmöglichkeiten so weit entfernt wie die Funktionsweisen eines Mikrochips von dem Verständnis einer Computermaus. Die Physik des letzten Jahrhunderts hat gezeigt, dass die wahre Realität unbegreiflich ist und deshalb ist auch Gott unbegreiflich! Es ist tatsächlich sehr unwahrscheinlich, dass die objektive Realität in irgendeiner Weise den Welten unserer phänomenalen Konstruktionen ähnelt. Die Natur, der auch der Mensch angehört, ist kein paradiesischer Garten, sie ist vielmehr ein Schlachtfeld und ein gewaltiger Friedhof! Die Evolution ist eigentlich eine Geschichte der ununterbrochenen Katastrophen. Davon legen die zahlreichen fossilen Organismen ein beredtes Zeugnis ab. Die Evolution schreitet eigentlich nirgendwohin! Jede Art muss sich im Augenblick bewähren. Der Selektionsdruck herrscht unentwegt und überall. Die Evolution schafft nichts für die "Ewigkeit". Jeder Sieger ist in der Evolution irgendwann Verlierer. Vielleicht ist es nicht so überraschend für uns, dass im Zuge der Postmoderne nihilistische Stürme über uns hinwegbrausen und die Wissenschaft ihrerseits als Quelle des Wissens in Frage gestellt wird. Ihrer Wurzeln beraubt, treibt die Wissenschaft als eine Methode frei umher; sie hat vielleicht vergessen, dass sie von der Natur der Realität beherrscht werden muss, die sie erforscht. Diese Realität ist vielleicht reicher und befremdlicher, als die herrschende Wissenschaft heute einräumen will. Die Natur ist für uns der Geist, der sich nicht als Geist kennt und somit ist die gesamte Wirklichkeit eine Möglichkeitsform des Bewusstseins. Der Gottesglaube ist auch heute noch grundlegend eine Sache des Vertrauens! Der Gottesglaube ist ein Wagnis, das nicht von vornherein und von außen als vernünftig bewiesen werden kann, dessen Vernünftigkeit und Sinnhaftigkeit aber dem Menschen im Vollzug selbst von innen her aufgeht. Wissenschaft ist immer eine kritische Frage an jede Art von Gottesglaube und der Gottesglaube ist immer eine kritische Frage an jede Art von Wissenschaft. Das Göttliche ist das Unendliche im Endlichen, das Unbedingte im Bedingten, das Absolute im Relativen, die Transzendenz in der Immanenz. Gott ist also die diesseitig-jenseitige, alles umgreifende und alles durchwaltende wirklichste Wirklichkeit im Herzen der Dinge, im Herzen der Menschen, in der Menschheitsgeschichte und im Kosmos. Gottes Agenda ist rigoros: Schöpfung, Sündenfall, Menschwerdung, Erlösung, Jüngstes Gericht und dann das endgültige Schicksal, die letzten Dinge! Aber wie weit kann diese Abfolge weitergehen? Für immer? Es gibt für die Menschen eine abstrakte, theoretische Hoffnung. Diese liefert die Mathematik. Kurt Gödels berühmtes Theorem hat gezeigt, dass die Mathematik unerschöpflich Neues birgt, das heißt, wahre Theoreme können nicht mit dem bewiesen werden, was vorher war - nur durch Ausdehnung des konzeptuellen Systems können sie in einer erweiterten Sicht als wahr bestätigt werden. Obgleich die meisten Menschen sich auf der Suche nach einer Botschaft der spirituellen Hoffnung nicht an die Mathematik wenden, ist sie doch dort zu finden. Die bangen Fragen des Menschen lauten: Hat das Universum irgendeinen erkennbaren Sinn? Hat das menschliche Tun auf dieser großen Bühne irgendeine Bedeutung? Wir Menschen befinden uns mehrfach in einer "Zwischenposition" und zwar auf halber Strecke zwischen den größten und den kleinsten Gegenständen im Kosmos. In dieser Zwischenposition können wir uns zu der natürlichen Welt, die uns umgibt, nicht nur mit dem Verstand und dem Intellekt auf vielschichtige unterschiedliche Weise in Beziehung setzen. Wir können zu ihr auch dadurch eine Verbindung herstellen, dass wir unserer Intuition und unserem Gefühl folgen, Hoffnungen hegen, Liebe und Erstaunen empfinden. Es könnte allerdings sein, dass wir im Nachdenken über den Schöpfungsakt nichts anderes mehr entdecken als die Entfaltung mathematischer Gesetze. Heisenberg war mit N. Bohr der Meinung, dass wir die Realität nur in der Mathematik finden können. Die Mathematik eröffnet neue Welten. Unsere gesamte dokumentierte Geschichte belegt, dass wir, wann immer wir an den Schöpfer denken, einfach unsere menschlichen Bilder auf das Unendliche projizieren. Hier könnte die Mathematik einen Ausweg anbieten! Gott als genialer, schöpferischer Mathematiker!
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