Das Werden des Lebens

Nüsslein-Volhard, Christiane
Das Werden des Lebens Wie Gene die Entwicklung steuern
(Beck, C H) ISBN 3-406-51818-4
19,90 Eur[D] / 20,50 Eur[A] / 33,60 sFr


Klappentext

"Leben ist das Faszinierendste, was es gibt. Innerhalb von kurzer Zeit entsteht in einem Ei, das aus nicht viel mehr als einem Säckchen Dotter besteht, umhüllt von einer schützenden Schale, ein Küken, das laufen, sehen und essen kann." Mit diesen Worten beginnt eine spannende Reise durch die Geschichte der Entwicklungsbiologie. Der Leser erfährt, welche Fragestellungen, Experimente und Antworten zu dem heutigen Wissen über das Werden des Embryos geführt haben, welche Mechanismen die fein aufeinander abgestimmten Formen eines Tieres entstehen lassen und welche Rolle die Gene bei der Entwicklung eines Organismus spielen. Das Buch handelt von Genen und Embryonen vielzelliger Tiere bis hin zum Menschen. Wie kommt es, dass Kinder so aussehen wie ihre Eltern? Woher weiß eine Zelle im Embryo, zu welcher Struktur sie sich entwickeln soll, beispielsweise zu einer Augen- oder einer Muskelzelle? Christiane Nüsslein-Volhard gibt einen verständlichen, mit zahlreichen eigenen Zeichnungen anschaulich gemachten Überblick über Evolution, Genetik, Molekularbiologie und Embryologie und diskutiert aktuelle Themen der menschlichen Biologie und Biopolitik.


Über die Autorin

Christiane Nüsslein-Volhard hat Biochemie studiert. Seit 1985 ist sie Direktorin am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie (Tübingen). Für ihre Entdeckungen von Genen, die die Entwicklung von Tier und Mensch steuern, erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Preise, unter anderem den Leibnizpreis (1986), den Albert Lasker Award (1991) und den Nobelpreis für Medizin (1995). Sie ist Mitglied der Royal Society (GB), der National Academy (USA) und des Ordens pour le merite (D). Seit 2001 gehört sie dem nationalen Ethikrat der deutschen Bundesregierung an.


Rezension von Gottfried Kleinschmidt

Die Nobelpreisträgerin für Medizin und Mitarbeiterin im »nationalen Ethikrat der deutschen Bundesregierung« beschäftigt sich in dem neuen Werk mit Embryonen vielzelliger Tiere und ihren Genen. Hier einige Aspekte: Wie entstehen Tiere aus einer befruchteten Eizelle, die kaum Ähnlichkeit mit der Gestalt des sich darin entwickelnden Lebewesens hat? Woher kommt in einem befruchteten Hühnerei jene Energie, die nach den Gesetzen der Physik und Chemie unabdingbar ist, um Ordnung zu erzeugen und Entwicklungsprozesse zu veranlassen? Welche Prozesse führen zu der Bildung der verschiedenen Zelltypen? Wie werden diese in kennzeichnender Weise angeordnet, um ein funktionsfähiges Tier zu bilden, das sich auch selbst ernähren kann? Woher kommt die Ähnlichkeit zwischen Eltern und Kindern?
Die Erklärung der Mechanismen, die zur Entstehung von Mustern und Gestalten führen, gehört zu den zentralen Anliegen dieses Buches, in dem sich die Autorin nicht nur an Biologen, Mediziner und Naturwissenschaftler wendet, sondern insbesondere auch an Lehrer, Studenten und Schüler. Sie wünscht sich auch möglichst viele Leserinnen und Leser unter den Philosophen, Juristen, Politikern und Theologen! Eine so breit gefächerte Leserschaft kann sie nur erreichen, wenn sie bei der Darstellung der komplexen und komplizierten Sachverhalte, Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge klare und präzise Formulierungen achtet. Die Texte sind klar gegliedert, stringent aufgebaut und kurz und prägnant formuliert. Sehr hilfreich sind die Skizzen, Zeichnungen und Schemata, die C. Nüsslein-Volhard selbst angefertigt hat, ebenso auch das Glossar sowie die Zeittafel zur Geschichte der Embryologie und Entwicklungsgenetik. Das Werk beginnt mit einem kurzen Rückblick auf Abstammung und Vererbung. Es folgen dann zwei Kapitel über Zellen und Chromosomen sowie Gene und Proteine. Die drei anschließenden Kapitel gehören inhaltlich eng zusammen: Im Mittelpunkt stehen Entwicklungsprozesse und Genetik, die molekularen Vormuster und die Form und Formveränderungen. Diese grundlegenden Überlegungen werden anschließend bei Wirbeltieren und beim Menschen hervorgehoben. In einem weiteren Kapitel erfolgt eine Bündelung der Analyse mit der Überschrift »Evolution, Baupläne und Genome«. In einem Ausblick weist die Autorin schließlich noch auf aktuelle Themen hin, wie z. B. das Klonen, künstliche Befruchtung, Präimplantationsdiagnostik, Designerbabys, Gentherapie, embryonale Stammzellen und zum moralischen Status des menschlichen Embryos!
Mit Blick auf den »moralischen Status des menschlichen Embryos« ist die folgende Feststellung der Autorin interessant und provoziert eine philosophische, juristische und theologische Diskussion: »Zu seiner Ausführung braucht der Embryo aber die intensive Wechselwirkung, die Symbiose mit einem zweiten Organismus - dem der Mutter. Diese ist unersetzlich und unabdingbar. Damit ist erst mit der Einnistung das Entwicklungspotential vorhanden, und mit der Geburt ist es erfüllt. Erst mit der Geburt ist aus dem werdenden Menschen ein getrennter, selbständiger Organismus geworden, der atmet und nun einen unabhängigen Stoffwechsel hat. Sicher ist der Säugling noch bedürftig, aber er wird jetzt von außen ernährt und kann daher zur Not auch ohne Mutter weiterleben. Dann ist der Mensch ein Mensch«.


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