26.02.09: Susi Neunmalklug erklärt die Evolution

Michael Schmidt-Salomon

Susi Neunmalklug erklärt die Evolution – Ein Buch für kleine und große Besserwisser

Illustration: Nyncke, Helge

Aschaffenburg : Alibri, Februar 2009, 47 S.
ISBN-13: 9783865690531
ISBN-10: 386569053X


Rezension von Heinz-Hermann Peitz

„Einen so doofen Gott kann es gar nicht geben! Gott ist so was wie ein Riesen-Osterhase für Erwachsene!“ Die Heldin des Kinderbuchs „Susi Neunmalklug erklärt die Evolution“ hat für die Schöpfungserzählung ihres Lehrers nur Gelächter und Häme übrig, denn sie weiß es besser: Nur Urknall und Evolution sind als Ursache für Welt und Menschen Ernst zu nehmen.

Der lauteste Neo-Atheist Deutschlands, Michael Schmidt-Salomon, popularisiert mit diesem Buch – pünktlich zu Darwins 200. Geburtstag am 12.2.2009 erschienen – den militantesten Evolutionisten Richard Dawkins fürs Kinderzimmer. Begleitet wird die Kampagne mit einem 4-Minuten-Clip beim Videoportal YouTube, in dem Susi in Form einer aufmüpfigen, aber sympathischen 9-Jährigen zum Leben erwacht und ihrem (Reli-)Lehrer das Fürchten beibringt – nicht schlecht gemacht, und mit 1000 Abrufen pro Tag (in den ersten 8 Tagen seit Erscheinen) kein Ladenhüter.



Dawkins’ Bestseller („Der Gotteswahn“) und Schmidt-Salomons Kinderbuch arbeiten mit allen Mitteln der Polemik, um die Evolutionstheorie als unvereinbar mit dem vermeintlich falschen, ja gefährlichen Schöpfungsglauben darzustellen. Auf die Frage, ob dies nicht als gezielte Provokation verstanden werden kann, antwortet Schmidt-Salomon: „Aber natürlich! Doch haben Schöpfungsgläubige angesichts der unzähligen Belege für die Evolution etwas anderes verdient? Ich meine nicht!“ (http://hpd.de/node/6409) Stehen hinter der Polemik auch Argumente? Sind Schöpfungsglaube und naturwissenschaftliche Entstehungstheorien tatsächlich unvereinbar?

Bei „Susi Neunmalklug“ wird es auf den ersten Blick, bei Dawkins’ „Gotteswahn“ spätestens auf den zweiten Blick klar, dass Polemik und Argumente einen modernen Gottesglauben überhaupt nicht treffen, sondern nur sein kreationistisches Zerrbild. So ist der von Susi vorgeführte Lehrer Hempelmann (zufällig namensgleich mit dem Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Reinhard Hempelmann) eine echte Karrikatur: „Die Bibel sagt uns, dass Gott, der Herr, den Himmel und die Erde in sechs Tagen erschuf“. Und der Gott Dawkins’ ist eher ein Riesen-Handwerker, denn ein Schöpfer im modernen theologischen Sinn. Dass auf dieser Ebene argumentiert und agiert wird, daran sind der in den letzten Jahren überraschend erstarkte deutsche Kreationismus und die abgemilderte Intelligent-Design-Bewegung nicht unschuldig. Beide bedienen sich des Handwerker-Gottes, auf den sich nun die evolutionistischen Neoatheisten so trefflich eingeschossen haben. Differenzierungsarbeit ist dabei der Schützen Sache nicht: Mit der Erlegung des Handwerker-Gottes gibt man vor, jegliches Schöpferdenken erledigt und der Lächerlichkeit preisgegeben zu haben.

Fazit: Ein Riesen-Handwerker ist ebenso entbehrlich wie Susis Riesen-Osterhase. Aber der Gott einer modernen Schöpfungstheologie ist eben kein Riesen-Handwerker! Das könnten die Neoatheisten wissen, das taugt aber nicht für die mediale Inszenierung.

Übrigens: Entbehrlich ist nicht nur der Riesen-Handwerker, sondern auch das besprochene Buch, das kaum mehr Information enthält als der YouTube-Clip.


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