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Papst setzt sich für Dialog ein

Papst setzt sich für Dialog zwischen Wissenschaftlern und Vatikan ein
By James A. Wiseman
(May 1, 2005)

Sogar bevor weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle in Vatikanstadt quoll, war Joseph Kardinal Ratzinger ein Favorit für die Wahl zum Papstamt.

Die Einbeziehung von Ratzingers Namen in die engere Wahl veranlasste Kommentatoren dazu, sich zu fragen, wie er sich mit Papst Johannes Paul II in Fragen der Kirchendoktrin, der Aufgeschlossenheit anderen Glaubensrichtungen gegenüber sowie der persönlichen Kommunikationsstärke vergleichen würde. Weniger dikutiert, aber gleich wichtig, ist das, was der neue Papst Benedikt XVI über das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Religion sagen wird.

Benedikt hat sein Interesse an diesem Dialog mehrmals zum Ausdruck gebracht, und sein Vorgänger sprach ebenfalls oft davon. Johannes Paul II wurde besonders gut bekannt für zwei Ansprachen, die er vor der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften in den 1990er Jahren hielt. In einer, gehalten am 31. Oktober 1992, versuchte er, mit dem Schaden aufzuräumen, der die Verurteilung durch die Kirche von Galileo im 17. Jahrhundert angerichtet worden war. In dieser Ansprache erkannte Johannes Paul an, dass Galileo in der Auslegung der Bibel bei weitem bewanderter gewesen war als viele Theologen seiner Zeit. Obwohl einige Kritiker nörgelten, dass das Eingeständnis des Papstes zu wenig, zu spät war, bewunderten viele mehr die Offenheit, mit der er sich mit einer Frage befasste, die seit Jahrhunderten geschwelt hatte.

Vier Jahre später, in einer weiteren Ansprache vor der gleichen Akademie, sagte Johannes Paul, die Evolution ist „mehr als eine Hypothese“. Vielmehr, sagte er, ist sie eine Theorie, die die Erkenntnisse aus vielen Branchen wissenschaftlicher Bestrebung gut unterstützen. Indem er hinzufügte, dass es mehrere Theorien der Evolution gibt, sagte Johannes Paul II, dass die einzigen mit dem christlichen Glauben verträglichen diejenigen sind, die die Seele, die spirituelle Komponente des Menschen, nicht auf ein bloßes Epiphänomen des Materials ohne eigene Realität reduzieren.

Trotz seines Images als kompromissloser Konservativer, gibt es durchaus Grund zu der Annahme, dass der neue Papst völlig übereinstimmt mit dem, was Johannes Paul II in beiden von diesen Ansprachen sagte. In der Tat hat sich Ratzinger in seinem Buch „In the Beginning: A Catholic Understanding of the Story of Creation and the Fall“ ausdrücklich mit der Evolution beschäftigt.

Was die „Mechanismen“ der Evolution betrifft, sagte er, ist es die Aufgabe der Naturwissenschaften zu erklären, wie neue Äste am Baum des Lebens sprießen. Solche Fragen sind keine Glaubensangelegenheiten.

Andererseits, schrieb er, „müssen wir die Verwegenheit haben zu sagen, dass die großartigen Werke lebender Schöpfung nicht die Ergebnisse des Zufalls und Fehlers sind“. Sie deuten auf eine „schöpfende Vernunft hin und zeigen uns eine schöpfende Intelligenz, und sie tun dies auf glänzendere und strahlendere Weise als je zuvor“.

Ratzinger, der ein Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften war, besprach deren Arbeit auch in einem Interview mit Journalisten auf einer Reise nach Spanien. „Bislang war sie nur eine Versammlung von Wissenschaftlern – Physikern, Biologen usf.“, sagte er. „Jetzt sind Philosophen und Theologen auch beigetreten. Wir haben gesehen, dass der Dialog zwischen den Wissenschaften und der Philosophie und Theologie schwierig ist, weil sie total unterschiedliche Arten sind, die Wirklichkeit anzugehen, mit unterschiedlichen Methoden.“

Er bediente sich des Beispiels eines Wissenschaftlers, der zwischen zwei verschiedenen Welten hin- und hergerissen schien. In der Welt der Naturwissenschaften fand dieser bestimmte Forscher, dass es „keine Freiheit, keine Präsenz des Geistes“ gibt, während er in der Welt seiner eigenen Erfahrung einsah, „Ich bin ein Mann und ich bin frei“.

Ratzinger sagte, dass wir auf diese Weise wirklich nicht leben sollten, denn es führt zu einer Art permanenter Schizophrenie. Vielmehr „müssen wir die Art und Weise suchen, wie die eine [Seite] die Vernünftigkeit der anderen entdeckt, und [müssen] einen echten Dialog entwickeln“.

Da es keine vorherbestimmte Formel gibt, um dies zu erreichen, sagte er, ist es extrem wichtig, dass Wissenschaftler sich mit Philosophen und Theologen in einem solchen Rahmen treffen wie dem der regelmäßigen Treffen der Päpstlichen Akademie. „Auf diese Weise können sie entdecken, dass beide Ausdrücke echter Vernunft sind.“ So müssen auch an Universitäten die verschiedenen Fakultäten im regelmäßigen Kontakt stehen, um zu „lernen, mit anderen zu denken und die Einheit der Wirklichkeit zu finden“.

Angesichts dieser Bemerkungen ist es sinnvoll zu erwarten, dass Papst Benedikt XVI den Treffen der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften regelmäßig beiwohnen wird, genauso wie sein Vorgänger es tat. Seine frühere Rolle als enger päpstlicher Berater verschafft ihm Vertrautheit mit den Ansichten des Vatikans über wissenschaftliche Fragen wie Klonen, künstliche Befruchtung und Stammzellenforschung.

Ob Papst Benedikt XVI, der gesagt hat, er meint, dass die Kirche sich relativistischem Druck schon gebeugt hat, diese Aüßerungen verstärken wird, bleibt abzuwarten.

James A. Wiseman ist der Autor von „Theology and Modern Science“. Er ist Benediktinermönch in Washington, D.C. sowie außerordentlicher Professor für Theologie an der Catholic University of America.

Aus dem Englischen von David H. Barwick




Dieser Artikel erschien erstmals in der Mai-Ausgabe der Science & Theology News.





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