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Erste Neigungsfachtagung kam bei Schülern gut an

Die Idee einer Neigungsfachtagung stand schon seit längerem auf der Wunschliste engagierter Religionslehrer. Nach ausgiebiger Planung fand dann vom 30. Juni bis 1. Juli 2005 die Premiere im Tagungszentrum Hohenheim der Diözese Rottenburg-Stuttgart statt. Als Thema hatten die Verantwortlichen Dr. Heinz-Hermann Peitz, Akademiereferent und Dr. Stefan Meißner, Stv. Vorsitzender des Religionslehrerverbandes, „Genetische Determination- oder: wie frei ist der Mensch?“ ausgewählt. Hierzu wurden als Referenten Prof. Dr. Hans-Werner Ingensiep, von der Universität GH Essen, aus dem Fachbereich der Philosophie und Prof. Dr. Eckhart Voland, von der Universität Gießen, aus dem Fachbereich der Biowissenschaften eingeladen.




Mit der Zielsetzung gemeinsamen Dialoges, Zeitgenossenschaft und Gastfreundschaft begrüßte Dr. Heinz-Hermann Peitz die 184 interessierten Tagungsteilnehmer und Tagungsteilnehmerinnen.
Die Diskussion eröffnete Prof. Dr. Eckhart Voland mit seinem Vortrag „Kann ich wollen was ich will?“ zum Verhältnis von genetischem Erbe und Freiheitlicher Selbstbestimmung aus sozibiologischer Sicht. Im Gegensatz zur christlichen Anthropologie ist er davon überzeugt, dass der Mensch nur ein Vehikel seiner Gene und seine Freiheit eine Illusion ist.




Prof. Dr. Eckhart Voland bei seinem Vortrag

In der anschließenden Gruppenarbeit wurde am Text „Genprogrammierte Muttermaschine und lächelnde Betrüger“ von R. Dawkins die Thesen Voland diskutiert und kritisiert. Voland unterscheide nicht zwischen Körper und Geist und er ließe Gefühle außen vor, kritisierten die Schüler und Lehrer. Weiterhin wurde aus dem Text erarbeitet, dass der Mensch ein egoistisches, selbstsüchtiges Wesen sei, dass nur durch Horizonterweiterung und äußere Umwelteinflüsse, wie zum Beispiel Erziehung und Erfahrung eine eingeschränkte Freiheit erreichen kann. Die Theorien des Naturwissenschaftlers wurde als zu rational und emotionslos empfunden, außerdem sei der christliche Freiheitsbegriff nicht berücksichtigt. Ein weiterer Kritikpunkt war, dass die Theorien Volands über das menschliche Bewusstsein und die Entscheidungsfähigkeit nicht ausschließlich naturwissenschaftlich belegbar sind. Kritik wurde vor allem in erregten und erhitzten Diskussion angeführt.




Schülergruppen diskutieren über das brisante Thema

Durch Prof. Dr. Hans-Werner Ingensieps Vortrag „Was von der Freiheit übrig bleibt- der Mensch zwischen Soziobiologie und Kulturwissenschaft“ wurde ein weiterer Standpunkt der genetischer Determination präsentiert. Ingensiep betonte schon zu Beginn seiner Ausführungen, dass der Mensch nie frei von Naturgesetzten, neuronalen Prozessen und genetischen Grundlagen sein kann. Seiner Meinung nach ist der Mensch nur zur autonomen Freiheit fähig, d.h. wenn er sich selbst aus vernünftigen Gründen ein Gesetz gibt, dem er sich selbst unterwirft.




Zum Abschluss regten die Lehrer dazu an, darüber nachzudenken, was dem Menschen die christliche Anthropologie im Gegensatz zu den deterministischen Theorien der Naturwissenschaftler bringe. Die christliche Lehre würde uns grenzenlos frei machen und uns einen Lebenssinn geben, da Gott uns liebt. Außerdem stellten sich die Pädagogen die Frage, ob ihr Beruf noch Sinn mache, da sie laut Voland statt Schülern nur Vehikel ihrer Gene unterrichten. Jegliche moralische Erziehung wäre in diesem Fall sinnlos. Daraufhin lenkte Voland ein, dass Glaube und Wissen parallel möglich sei.







Neben den Vorträgen und Gruppenarbeiten war eine Begegnung zwischen den verschiedenen Tagungsteilnehmern möglich. Neben dem gemeinsamen Singen und den Diskussionen in Garten und Trinkstube der Akademie stand auch eine Morgenmeditation auf dem Programm.




Gemütliches Zusammensein am Abend

Das Ziel des gemeinsamen Dialoges wurde durch die offenen und kritischen Diskussionsrunden, die konträren Meinung der Referenten und die gemeinsamen Gruppenarbeiten erreicht. Gastfreundschaft schrieb die Akademie groß, was am ausgewogenen und leckeren Buffet, sowie den gemütlich eingerichteten Tagungsräumen und Schlafzimmern deutlich wurde. Schade war jedoch die begrenzte Zeit, die nur wenig Raum für Begegnungen ließ. Weiterhin wurde sehr viel biologisches Vorwissen abverlangt, was zum Verstehen der naturwissenschaftlichen Thesen notwenig gewesen wäre, da die Referenten ihre Theorien nicht ausführlich bewiesen haben. Die christliche Anthologie im Gegensatz zu den Naturwissenschaften hätte außerdem, vor allem als Vorbereitung auf das Abitur, noch gut ins Programm gepasst, vor allem weil alle Teilnehmer einen unterschiedlichen Wissensstand hatten.

Text: Marie Beiter, Melanie Belitza
Bilder: Dr. Heinz-Hermann Peitz
Cartoons: Dietmar Schmid





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