Eine Welt voller Verschwörungen?

von grenzfragen

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Mit der Verbreitung neuer Medien sind Verschwörungsannahmen längst kein Thema marginaler Gruppen mehr, sondern ein alltäglich sichtbares Phänomen auch in Politik, Gesellschaft und Religion(en). Die Fachtagung brachte Forschende ganz unterschiedlicher Disziplinen wie der Psychologie, Soziologie, Philosophie, Geschichts-, Politik- und Religionswissenschaften zusammen, um ausgehend von Fallstudien Verschwörungserzählungen systematisch zu beleuchten.

Fachtagung der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Zusammenarbeit mit Wissensdurst e.V.
11.-13.09.2016, Tagungshaus Weingarten

    Eine fundamentale Rolle spielt die Begriffsklärung. So haben Verschwörungsglauben oder Verschwörungsmythen zunächst eine sinn- und gemeinschaftsstiftende Funktion (ähnlich wie Mythen überhaupt). Sie unterscheiden sich darin von Verschwörungstheorien, die den Anspruch erheben, empirisch bestätigt werden zu können. Dabei ist genauer nach dem wissenschaftstheoretischen und wissenssoziologischen Status von Verschwörungstheorien zu fragen. Eine rein negative Kategorisierung als “falsches Wissen” würde den Blickwinkel zu sehr verengen und den Fall ausblenden, dass eine solche Theorie sich tatsächlich verifizieren lassen könnte. Was unterscheidet eine Verschwörungstheorie von einer wissenschaftlichen Theorie, die ihrerseits Fakten in einen übergeordneten Theoriezusammenhang bringt? Gibt es hier harte Unterscheidungskriterien? Und wo verläuft die Grenze zu “falschem Wissen” oder gar zur Verschwörungsideologie? Was bedeutet es evolutionspsychologisch, wenn Verschwörungsglauben – ähnlich wie religiöser Glauben – ein Konstrukt der Mustererkennung ist? Sagt dies etwas über Wahrheit oder Falschheit des Konstruierten aus?