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Der Gottesinstinkt

Caspar Söling: Der Gottesinstinkt - Bausteine für eine Evolutionäre Religionstheorie, Gießen 2002

Die Dissertation ist im Internet veröffentlicht


Die "European Society for the Study of Science and Theologie" (ESSSAT) vergibt den diesjährigen "ESSSAT-Forschungs-Preis" an den Theologen und Biologen Dr. Caspar Söling für seine Dissertation.




Dr. Caspar Söling

Zusammenfassung

Die Arbeit "Der Gottesinstinkt" versucht, Einblicke in die religiösen Verhaltensweisen zugrunde liegenden psychologischen Mechanismen zu geben und nach ihrem Beitrag für den Reproduktionserfolg bzw. nach ihrer Selektionsgeschichte zu fragen.
Methodisch beruht sie auf dem Ansatz der Evolutionären Psychologie. Ziel der Untersuchung ist es, diejenigen Datenverarbeitungsmechanismen (in diesem Sinn auch "Instinkte" oder "Darwinische Algorithmen" genannt) herauszufinden, auf denen religiöses Verhalten beruht. Dazu muss sie (1.) die Universalität einer Verhaltensweise nachweisen, (2.) die Probleme rekonstruieren, für die religiöses Verhalten Lösungsmechanismen bietet und (3.) Religiosität in eine evolutionäre Kategorie einordnen.
Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, dass sich jede Religion aus vier universal verbreiteten Verhaltensweisen (Mystik, Ethik, Mythen und Rituale) konstituiert. Ihnen liegen die folgenden angeborenen Datenverarbeitungsmechanismen zugrunde:




Die Grundlage mystischer Erfahrungen sind intuitive Ontologien. Normalerweise dienen intuitive Ontologien dazu, die Wirklichkeit zum Beispiel in belebte oder unbelebte Gegenstände, Tiere oder Pflanzen zu klassifizieren. Die Vermischung unterschiedlicher ontologischer Kategorien wird als religiös kategorisiert.
Die Grundlagen der Ethik liegen in der Sozialkompetenz des Menschen und gründen auf dem Konzept des sozialen Austauschs (social exchange, social-contract-algorithm).
Grundlage der Mythen ist der "Sprachinstinkt". Mythen sind sprachliche Ausformungen kognitiven Gehalte einzelner Module.
Rituale beruhen auf dem Handicap-Prinzip. Indem sie bestimmte Symbole und Handlungen verteuern, stehen sie im Dienst ehrlicher Kommunikation zur Festigung einer verlässlichen in-group Moral.



Die Diskussion kommt zu dem Ergebnis, dass es sich bei der auf intuitiven Ontologien beruhenden Mystik um eine Exaptation handelt, während die anderen drei Säulen (Ethik, Mythen und Rituale) als Ausdifferenzierung bestehender Angepasstheiten verstanden werden können. Religiosität hat selektierte, psychologische Mechanismen zur Voraussetzung, die sich als "Gottesinstinkt" zusammenfassen lassen.




Interview mit Caspar Söling

Wir wollen es genauer wissen! Verständnisfragen und die Kernfrage: Wird Religiosität nicht in Biologie aufgelöst? Und: Welche künftigen Forschungsprojekte ergeben sich aus der Dissertation?

Das Interview führte Heinz-Hermann Peitz.

[Vortrag als mp3-Datei, 11 MB]







ESSSAT-Forschungs-Preis 2004

Die "European Society for the Study of Science and Theologie" (ESSSAT) vergibt den diesjährigen "ESSSAT-Forschungs-Preis" an den Theologen und Biologen Dr. Caspar Söling für seine Dissertation "Der Gottesinstinkt: Bausteine für eine Evolutionäre Religionstheorie". Die Arbeit wurde am Zentrum für Philosophie und Grundlagen der Wissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen unter Anleitung des Bio-Philosophen Prof. Dr. Eckart Voland angefertigt. Der Preis, der mit 2.500 Euro dotiert ist, wird im Rahmen der alle zwei Jahre stattfindenden ESSSAT-Konferenz vom 1. bis 6. April 2004 in Barcelona offiziell übergeben. Dr. Söling arbeitete als Persönlicher Referent für den Bischof von Limburg. Seine Dissertation ist im Internet veröffentlicht.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft vom 25.02.2004)





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