Als Inbegriff von Identität, Personalität und Freiheit garantierte die Seele das unterscheidend Menschliche. Doch das geisteswissenschaftliche Deutungsmonopol über die Seele ist eingebrochen. Mehr und mehr seelische Vermögen werden nun naturwissenschaftlich zugänglich. Um den Menschen zu erklären, scheint die Seele überflüssig. Mehr noch! Die unmittelbare Erschaffung der Seele durch Gott ist Zündstoff im interdisziplinären Dialog: Was erklärt der göttliche Funke, das nicht schon durch Evolution oder elterliche Zeugung natürlich erklärt werden kann?
Podium v.l.n.r.: H.-D. Mutschler, A. Lang, J. Quitterer
Die Beiträge der Tagung
Mutschler: Über die Seele der Natur Fasst man den Begriff der ‚Seele' im Sinn von Aristoteles als dasjenige Prinzip der Lebewesen, das ihre spezifischen Leistungen ermöglicht, dann kann man von einer ‚Beseeltheit der Natur' sprechen, die natürlich graduell sein wird.
Lang: Vom Tierreich zum Menschen Wenn Seele der Inbegriff von Identität und Personalität ist, kann man in den frühesten Bestattungen einen klaren Hinweis auf Beseelung erblicken: Der Neandertaler war beseelt!
Kather: Vom erfahrungshaften Erkennen Gottes An der Antwort auf die Frage nach der Seele hängt nichts Geringeres als der Sinn von Religion überhaupt. Der Beitrag geht den Indizien nach, die auch heute noch für eine Geistseele sprechen.
ReferentInnen
Prof. Dr. Regine Kather Philosophisches Seminar der Universität Freiburg. Gastprofessur an der Universität Cluj-Napoca/ Klausenburg (Rumänien). Schwerpunkte: Natur- und Wissenschaftsphilosophie, Anthropologie, interkulturelle Philosophie
Prof. Dr. Hans-Dieter Mutschler Natur- und Technikphilosoph an der Hochschule Ignatianum in Krakau. Schwerpunkt ist die kritische Beschäftigung mit dem Grenzgebiet zwischen naturwissenschaftlichem und christlichem Weltbild
Prof. Dr. Amei Lang Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Universität München. Schwerpunkte im interdisziplinären Dialog: Religionswissenschaften, evolutionäre Anthropologie, Biologie
Prof. Dr. Josef Quitterer Institut für Christliche Philosophie der Universität Innsbruck. Gastprofessuren an der University of New Orleans, Phil.-Theol. Hochschule St. Georgen / Frankfurt und der Pontificia Università Gregoriana. Schwerpunkte u.a. Wissenschaftstheorie und Anthropologie
"Beseelung ist der begriffliche Rückverweis auf das menschliche Unbegriffensein und das göttliche Inbegriffensein eines jeden Menschen." (Ulrich Lüke)