 | 2011/11/14: Gene that raises suicide risk identified - Guardian |
| Therapeutisch nicht unbedeutend wird die Entdeckung eines Gens eingeschätzt, welches das Selbstmordrisiko eines Menschen erhöht. Die Erblichkeit suizidaler Tendenzen ist länger bekannt und erklärt die Häufung von Selbstmorden in bestimmten Familien. Prominentes Beispiel sind die Verwandten Ernest Hemingways: Hemingway selbst, sein Vater, zwei seiner Geschwister und eine Enkelin nahmen sich das Leben. Der Artikel geht davon aus, dass das Selbstmordrisiko zu 50% genetisch verursacht ist. Bisher war man zurückhaltend bei der Identifizierung bestimmter Gene, z. T. weil die Unterscheidung zwischen genetischem Selbstmord- und genetischem Depressionsrisiko notwendig, aber schwierig war. Wenn die nun entdeckte Genvariante in weiteren Studien als verantwortlich erweisen sollte, stünde ein Screening-Instrument zur Verfügung, das Suizidrisiko voraussagen könnte. hhp
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 | 2011/10/19: Can evolutionary theorists ever make sense of religion? - Guardian |
| Mark Vernon bezweifelt mit einem neuen Buch von Robert Bellah, dass Evolutionstheoretiker Religion angemessen beschreiben, solange sie diese in der vorherrschenden Sicht als Abfallprodukt verstehen. Religion mag in dieser Sicht einmal Anpassungsvorteile gehabt haben, letztlich sei sie aber ein kognitiver Fehler. Laut Bellah, einem "ehrwürdigen" Religionssoziologen, ist diese Geschichte wenig überzeugend, weil sie in einem fundamentalen Fehler auf der Oberfläche satzhafter Glaubensaussagen bleibe. Religion mit rituellen Einsichten und symbolischen Repräsentationen sei aber fundamentaler, theoretisch-theologische Reflexion demgegenüber Zweitwirklichkeit. Einer analytischen Philosophie, die auf der Ebene entkörperlichter Satzwahrheiten verbleibt, werde der tiefe Sinn von Religion, wie Soziologen à la Bellah ihn beobachten und Glaubensgemeinschaften ihn leben, nicht offenbar. hhp
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 | 2011/06/29: Orangutans reveal the evolutionary purpose of happiness - io9 |
 | 2011/06/29: The Tree of Life von Terrence Malick: Eine Welt der Verwirrung - World Socialist Web Site |
| David Walsh fragt, ob The Tree of Life ein "erhellendes Licht auf Leben und Welt wirft". Walsh verneint diese Frage, weil die vom Film suggerierte enge Verbindung von Naturprozessen und menschlich-sozialen Prozessen (wie in der Soziobiologie) den Blick auf das für Walsh Eigentliche verstelle: die historisch-sozialen Gesetze, speziell die Beziehung zu Klasse und Produktion. Hier wird die marxistische Herkunft des Autors deutlich, der den Film als statisch, mythisch, somit ideologisch kritisiert und die marxistische "Wahrheit über die Realität" vermisst. Lesenswert, auch wenn man die Perspektive des Autors nicht teit. hhp
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 | 2011/06/10: Manfred Spitzer und das Schöne - Südwestpresse |
| Der Artikel berichtet über einen Vortrag des Hirnforschers Manfred Spitzer, der für Schönheit, Kreativität, Fremdenhass etc. biologische Komponenten benennt. Ein Trost für die nicht ganz so ordentlichen unter uns: "Wer kreativ ist, ist nicht ordentlich". hhp
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 | 2011/04/27: Zoologie: Ameisen bilden lebendes Rettungsboot - Zeit online |
| Rote Feuerameisen in Brasilien geraten häufig in Überschwemmungen. Kein Problem für die Insekten: Sie bilden ein Floß aus ihren eigenen Körpern. [Text automatisch generiert] // Was den - übrigens mit einem anschaulichen Video dokumentierten - Artikel in unserem Kontext interessant mancht, ist vor allem das soziobilogische Phänomen der Schwarmintelligenz. hhp
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 | 2011/01/17: Forscher-Debatte über Religion und Evolution - wissenrockt.de |
| Der Artikel setzt noch einmal Michael Blumes Thesen über die evolutive Bevorzugung religiöser Gruppen in Kontrast zu Aussagen Richard Dawkins. Der Befund der höheren Kinderquote Religiöser gibt Blume nicht nur Anlass zu Freude, sondern könnte auch bedeuten, dass religiöse Fundamentalismen erstarken. Blume rät der Dawkins-Gruppe, die neuesten Forschungen von Robert Rowthorn zu diskutieren. Der Artikel selbst ist hochpolemisch, wird doch Religiosität undifferenziert mit Indoktrionation gleich gesetzt und auch die Theologien im Christentum verträten "menschenunwürdige und gefährliche Ideengebäude". hhp
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 | 2010/09/16: Altruismus: Die Gene des Guten - Wissen - ZEIT ONLINE |
| Erstaunlich, was Autor S. Klein in diesem "Streitgespräch" R. Dawkins entlockt hat. Dessen Bekenntnis "Jesus war ein guter Mann" erinnert nicht entfernt mehr an das, was er im "Gotteswahn" vertreten hat. Dort bezichtigte er Jesus noch, er sei "ein Anhänger der gleichen Gruppenmoral - in Verbindung mit Feindseligkeit gegenüber Außenstehenden -, die im AT als selbstverständlich vorausgesetzt wird" (357). Jetzt erkennt er plöztlich die Feindesliebe an und lässt sich hinreißen: "Jesus war supernett". Dies sei freilich "aus Sicht der Evolution völlig bescheuert", wiewohl erstrebenswert. Das zeigt im Umkehrschluss natürlich (ohne dass dies erwähnt wird), dass sich humane Ethik kaum evolutionstheoretisch begründen lässt. Sofern Dawkins nur die Gesetze Darwins (aner-)kennt, die auch kulturell wirken, kann er sich nur wundern: "Das macht es umso erstaunlicher, dass einige Menschen zur Supernettigkeit fähig sind". Vielleicht wirken ja neben den darwinschen auch andere Kräfte in der Kultur? hhp
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 | 2010/04/14: Gelehrige Drosophila - Natur - Wissen - FAZ.NET |
| Nach dem Namensstreit um Drosophila nun eine erfreuliche Nachricht: Das Tier bietet sich auch an, "wenn es die Evolution und die neuronalen Grundlagen von sozialem Lernen zu erkunden gilt". Man darf also gespannt sein, was die Soziobiologen daraus für den Menschen ableiten werden. hhp
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 | 2010/03/19: Worst science journalism of the year: Darwin completely wrong (again) - Blog: Why evolution is true! |
| Wer sich traut, als Nicht-Biologe die Evolutionstheorie zu hinterfragen, fängt sich leicht Prügel ein. So dauerte es nur ein paar Stunden, bis der Guardian-Artikel von Burkeman (s.u.) als "schlechtester Wissenschaftsjournalismus des Jahres" etikettiert wurde. Der Blogger, Jerry A. Coyne, kennt als Professor für Umwelt und Evolution freilich die epigenetische Kritik. Aber "diese dünnen Befunde sollen anscheinend die moderne Evolutionstheorie als falsch erweisen". Dagegen wendet Coyne ein, dass "in nahezu all diesen Beispielen die Veränderungen in ein oder zwei Generationen verschwunden sind und so den evolutionären Wandel nicht dauerhaft beeinträchtigen können". Gegen die Warnung (Burkemans und Fodors), die Selektionstheorie eben doch nicht als so einfach hinzustellen, schärft Coyne ein: "Sie IST einfach - das ist eine ihrer Schönheit". hhp
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 | 2010/03/19: Why everything you've been told about evolution is wrong - The Guardian |
| Die Angriffe auf die Selektionstheorie scheinen zuzunehmen. Oliver Burkeman führt einige selektionskritische Befunde an. Vor allem die Durchbrüche im jungen Feld der Epigenetik ließen die vermeintliche Einfachheit der beiden elementaren Säulen der Selektionstheorie, zufällige Mutation und filternde Selektion, fragwürdig erscheinen lassen. Wenn erworbenes Verhalten und Umwelt genetischen Einfluss auf die Nachkommen hat (durch An- und Abschalten von Genen), sei sogar Lamarck ein Stück weit rehabilitiert. So sieht sich der Autor in einem Boot mit Fodors Darwinkritik, die er zwar nicht ganz nachvollziehen kann, die er aber versteht als "wichtige Warnung an alle von uns, die die natürliche Selektion zu verstehen glauben". hhp
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 | 2010/01/12: Evolution: Spie ein Vulkan die Götter aus? - DiePresse.com |
| Es ist trendy, Religion evolutionstheoretisch neu zu entdecken. So auch bei einer neuen These, die das Rätsel angeht, dass der moderne Mensch den Neandertaler verdrängt hat. Danach ließ ein Vulkanausbruch vor 73 tsd. Jahren den Überlebensvorteil von Religion zutage treten: Gläubige haben eine kooperative Innen-, aber eine aggressive Außenmoral - was dem Neandertaler zum Verhängnis wurde. Zu Recht hält der Autor des Artikels die These für reichlich spekulativ, zumal auch der Neandertaler religiös gewesen sein mag. hhp
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 | 2009/12/08: Boom! Hok! A Monkey Language Is Deciphered - New York Times |
| Eine Forschergruppe um Klaus Zuberbühler, Schottland, hat die Sprache der Campbell-Meerkatze entschlüsselt. Sie besteht aus 6 Arten von Rufen mit je eigener Bedeutung. Sie können die Rufe aber auch zu einer Botschaft ganz eigener Bedeutung kombinieren. Damit besitzen sie eine primitive Form von Syntax, die bisher als ausschließlich menschliche Fähigkeit klassifiziert wurde. Zusätzlich kann die Bedeutung durch Suffixe variiert werden. Das Lautsystem sei - so die Forscher - "das komplexeste Beispiel von 'Proto-Syntax' in tierischer Kommunikation, das bisher bekann ist". - hhp
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 | 2009/10/13: Did Monogamy Begin 4.4 Million Years Ago? - Psychology today |
| Der Psychologe Christopher Ryan, Mitautor einer Publikation über die prähistorischen Wurzeln heutiger Sexualität, kritisiert die soziobiologischen Folgerungen, die Owen Lovejoy aus der Anatomie des Hominidenfundes Ardipithecus ramidus ableitet: dass bereits unsere Urahnen durch Liebe und Paarbindung verbunden waren. Ryan wundert sich, wie eine derart fehlerhafte und inkohärente Analyse Eingang in ein peer-reviewed und weltweit hoch angesehenes Journal wie "Science" finden kann. So sei der Schluss von reduziertem Wettbewerb zwischen den Männchen auf Monogamie nicht zwingend. Das Gegenteil zeigten die heutigen Schimpansen und Bonobos. Vier weitere Fakten zur Unterstützung der Monogamie-Hypothese (Verhältnis von Hoden zum Gesamtkörper; Samenproduktion; Penismorphologie; Extrapolation von heute) werden von Ryan entkräftet. Auch Lovejoys Schluss von reduzierten Reißzähnen auf Monogamie werde von den rezenten monogamen Gibbons widerlegt. hhp
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 | 2009/10/05: Paläontologie: Der Mensch erschien im Pliozän - Mensch & Gene - Wissen - FAZ.NET |
| Der FAZ-Artikel fasst die Science-Veröffentlichung zum Hominidenfund des Ardipithecus zusammen, v.a. die Revisionen gängiger Vorstellungen über die menschliche Evolution: der aufrechte Gang (cancelt die Savannenhypothese), der Gebissbefund (lässt Ardi friedlicher erscheinen als gedacht), die Partnerwerbung (lässt Machos alt aussehen). Der Autor äußert aber auch Skepsis gegenüber Lovejoys soziobiologischer Rückbindung einer monogamen Lebensweise an "Ardi". Der Bericht wird ergänzt durch ein Interview mit dem deutschen Hominidenforscher Friedemann Schrenk, der die Bedeutung des Fundes nur bestätigen kann. Schrenk begrüßt dabei v.a. die Neudefinition von "Hominiden", die vor drei Jahren erst auf den Schimpansen ausgedehnt wurden. Die Unähnlichkeit unseres neuen Urahns mit dem Schimpansen engt die "Hominiden" aber wieder auf den Menschen und seine engeren Vorfahren ein. Schrenk glaubt, "dass man mit Schlüssen vom Schimpansen auf den Menschen jetzt vorsichtiger sein sollte". hhp
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 | 2009/09/11: Trustworthy vs lustworthy: the psychology of attraction - Times Online |
| "Ähnlichkeit ist vertrauensfördernd, aber nicht lustfördernd": Auf diese Kurzformel bringt Lisa DeBruine von der Universität Aberdeen ihre soziobiologischen Erkenntnisse. Versuchspersonen zeigten zu Menschen, die ihnen ähnelten, größeres Vertrauen als zu anderen. Die evolutive Wurzel davon ist die unbewusste Annahme, dass Ähnlichkeit auf Verwandtschaft schließen lasse - und damit vertrauensfördernd sei. Umgekehrt sei der Mensch darauf programmiert, nahe Verwandte sexuell unattraktiv zu finden, wodurch die Partnerwahl in den Zielkonflikt vertrauensvoll vs. lustvoll gerate. Partnerwahl spiele sich daher im Mittelfeld ab. Dies erkläre, warum wir geneigt seien, Partner zu wählen, die unseren Eltern ein wenig ähneln. Hat Ihr Partner etwa die gleichen Augen wie Ihr Vater? Jetzt wissen Sie, warum! hhp -- PS: Experimentieren Sie unbedingt auf DeBruines Website mit Gesichtserkennung und -manipulation.
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 | 2009/08/22: A Grand Bargain Over Evolution - The New York Times |
| Robert Wright will den Kulturkampf zwischen atheistischen Wissenschaftlern und gläubigen Evolutionsgegnern schlichten, indem er auf eine Gemeinsamkeit beider Parteien hinweist: Beide unterschätzten die kreative Kraft der natürlichen Selektion. Nähmen Gläubige dies ernster, könnte auch die darwinistisch so schwer fassbare menschliche Moral plausibel erklärt werden. Wrights Hinweis auf den evolutiv gut erklärbaren "reziprokem Altruismus" greift indes zu kurz, da Moral qualitativ mehr ist als gegenseitiger Nutzen. Moralische Wahrheit sei jedenfalls ähnlich wie mathematische Wahrheit immer schon vorhanden, sie brauche von der natürlichen Selektion nicht erfunden, sondern nur gefunden werden. Diesen "Algorithmus der natürlichen Selektion" könne Gott freigesetzt haben (zur Freude der Gläubigen), aber "seine Rolle in diesem kreativen Prozess endet" damit auch (zur Freude der Naturalisten). Der Preis für die Befriedung indes ist hoch: Es ist der ferne Gott des Deismus! hhp
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 | 2009/04/24: Religion: Ist Glaube ein Produkt der Evolution? | Frankfurter Rundschau - Wissen & Bildung |
| Um die Frage, ob religiöser Glaube ein Evolutionsprodukt ist, versammelt der Beitrag 4 verschiedene Positionen. Für den Theologen Gerd Theißen hat Religion als "Eros zum Sein" einen ähnlichen biologischen Nutzwert wie erotische Verliebtheit. Auch der Religionswissenschaftler Michael Blume und der Wissenschaftstheoretiker Franz Wuketits sind sich einig, dass Religion einen evolutiven Nutzen darstellt - soweit die empirische Grundlage. Uneinig sind sie darin, ob Religion ein reines "Hirngespinst" ist (Wuketits), oder ob sich hinter Religion eine "höhere Wahrheit" verbirgt (Blume). Dem Theologen Richard Schröder ist das evolutionstheoretische Denken in Zweck-Mittel-Relationen schon im Ansatz suspekt: "Die Frage nach dem Gebrauchszweck passt nicht auf Gott". hhp
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 | 2007/08/17: Diskussion um den freien Willen - ''Moralisches Verhalten ist reiner Eigennutz'' - Wissen - sueddeutsche.de |
| In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung bestreitet der Wissenschaftstheoretiker Franz Wuketits die Existenz des freien Willens: "Wir haben nur die Illusion eines freien Willens". All unsere Handlungen seien letztlich durch die evolutive und individuelle Geschichte determiniert. Die Frage, warum sich die Illusion des freien Willens denn überhaupt entwickelt habe, beantwortet Wuketits mit der evolutionären Erkenntnistheorie: Das Gehirn sei ein Überlebensinstrument und kein Wahrheitsinstrument; es erlaubt uns deshalb Illusionen. Dies wäre sicher eine notwendige Voraussetzung für die Entstehung von Illusionen, aber ist dies schon eine hinreichende Erklärung? hhp
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 | 2009/04/03: "Die Kirche hat Darwin nie akzeptiert" - Tagesspiegel |
| Neo-Atheist Schmidt-Salomon legt es darauf an, die Unvereinbarkeit von Evolutionstheorie und Schöpfungsglauben zu demonstrieren. So akzeptiere die Kirche nicht, "dass die höheren geistigen Funktionen, das, was die Kirche Seele nennt, eben auch evolutionär entstanden ist". FALSCH! Die höheren geistigen Funktionen sind nicht mit dem theologischen Seelenverständnis identisch. Die theologische Kategorie einer besonderen Erschaffung im Sinne eines besonderen Gewolltseins (Ratzinger) ist keine naturwissenschaftliche Kategorie und kann dazu nicht im Widerspruch stehen.
Auch die Aussage, Religion führe "zu einer deutlichen Abgrenzung gegenüber den Menschen außerhalb der Gruppe", überzeugt nicht, steht sie doch in krassem Gegensatz zu einer jesuanischen Ethik der Feindesliebe und der Aufnahme Ausgegrenzter. Dass es faktisch Ausgrenzungen gibt, ist unbestritten. Nur: den faktischen Missbrauch als das Wesen der Religion auszugeben, ist ein Fehlschluss.
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 | 2009/03/30: "Der Glaube ist eine Waffe im Kampf ums Dasein" - Spektrum der Wissenschaft |
| Wolfgang Achtner, interdisziplinär engagierter evang. Theologe, weist auf einen weitgehend unbekannten Zeitgenossen Darwins hin. Der Zoologe und Mediziner Gustav Jaeger kann als Vordenker der Vereinbarkeit von Evolutionstheorie und Religion gelten. Jaeger stellte zwei empirisch prüfbare Fragen: Bieten Religionen einen Überlebensvorteil? Wenn ja, welche Religionen sind vorteilhafter? Achtner sieht darin das angedacht, was heute z. B. der Religionswissenschaftler Michael Blume auf solide empirische Füße stellt. Achtner sieht ein solches funktionalistisches Religionsverständnis nicht unkritisch, da es gerade zum Wesen einer Religion gehöre, "sich funktionalem Denken zu entziehen". Dennoch könne Jaeger für sich in Anspruch nehmen, ein Pionier der Vereinbarkeit zu sein. hhp
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