 | 2013/05/02 Welche Regeln für nicht-invasive vorgeburtliche Gentests? - faz.net |
| Der Ethikrat hat sich zur Zukunft von Gentests geäußert. Was ist die Faktenbasis der unterschiedlichen Punkte, fragt die FAZ und bietet dazu einen "Faktencheck" in mehreren Teilen. (Leider ist die Bedienung nicht unbedingt intuitiv; wählen sie den Link "weiter" oder die pdf-Datei, nicht die Bilder aus zum Start.) -al
|
 | 2013/06/13 Durchleuchteter Nachwuchs - ZEIT Nr. 25 S. 35 |
| Gentests für Föten werden bald die Regel. Längst zeichnet sich die Einführung umfassender genetischer Durchleuchtungsverfahren auch im Rahmen der künstlichen Befruchtung ab. Unsere Gesellschaft muss auf viele Fragen neue Antworten finden - und dabei human bleiben. - al
|
 | 2013/06/06: Unser bislang ältester bekannter Urahn entdeckt - Süddeutsche |
| In Zentralchina haben Paläoanthropologen ein Fossil gefunden, dass sie für das älteste Fossil eines Primaten halten. Das Wesen sei tagaktiv, Insektenfresser, nur sieben Zentimeter groß und nur 30 Gramm schwer gewesen. Der Fund ist möglicherweise geeignet, Aufschluss über die evolutionären Wurzeln des Menschen zu geben. Die Forscher versuchen offenbar mit Hilfe von Fossilien einen Stammbaum zu rekonstruieren, der die evolutionären Beziehungen zwischen den höheren Primaten und ihrer Verwandtschaft wiedergibt. Der Paläoanthropologe Jens Franzen zweifelt jedoch die Kriterien an, nach denen die Forscher unter den vielen möglichen Stammbäumen einen als den wahrscheinlichsten auswählen: der einfachste Stammbaum sei nicht zwangsläufig der richtige. Seiner Ansicht nach gebe es bisher keinen gesicherten Stammbaum der ersten Primaten. pts
|
 | 2013/05/23 Zellbiologe gibt Fehler in Klonstudie zu - ZEIT.de |
| Der US-Zellbiologe Shoukhrat Mitalipov hat zugegeben, dass die Studie seiner Arbeitsgruppe zu den ersten geklonten menschlichen Embryonen mangelhafte Abbildungen beinhaltet. Solche Mängel seien "einer der häufigsten Fehler in Fachartikeln", so Tracey Brown, Direktorin einer britischen Stiftung, die sich dafür einsetzt, die Öffentlichkeit besser über Forschung aufzuklären. Brown weiter: "Allerdings finde ich es enttäuschend, dass die Gutachter die Fehler in diesem Fall übersehen haben. Bei so offensichtlichen Mängeln wäre es ihre Pflicht gewesen, die Redakteure des Magazins Cell zu informieren." Ist das eine grundsätzliche Anfrage an die Aussagekraft der Studie? - al
|
 | 2013/05/16 Frankensteins Traum wird wahr - ZEIT Nr. 21 S. 1 |
| Aus normalen Körperzellen können Forscher nun die Kopie eines Menschen erstellen. Darf das sein, fragt der Artikel. Für vage Heilsversprechen werde die Würde des Menschen geopfert, so die einen, ein Zellhaufen im Labor werde höher geachtet als das heranwachsende Kind im Mutterleib, so die anderen. Die durchs Klonen gewonnenen omnipotenten statt nur pluripotenten Zellen, ist dieser Gewinn den hohen ethischen Preis wert, den wir für diese Forschung zahlen? Immerhin wird dabei eine Zellkugel zerstört, die das Potenzial hat, ein ganzer Mensch zu werden. Der Artikel fordert eine weltweite Ächtung des reproduktiven Klonens. Dazu solle Deutschland seine Forderung nach einem Verbot auch des therapeutischen Klonens aufgeben: um gemeinsam eine UN-Resolution gegen das Klonen zustande zu bringen. - al
|
 | 2013/05/15: Zwei wie Pech und Schwefel - The European |
| Das Auftreten eines neuen, kämpferischen Atheismus in jüngster Zeit interpretiert Detlef Pollak, Professor für Religionssoziologie, als Reaktion auf die in den Medien viel beschworenen Rückkehr der Religion. Zugleich stellt er jedoch fest, dass beide Phänomene ? der neue Atheismus und die Rückkehr der Religion ? empirisch gesehen in der Gesellschaft keine breite Verankerung haben. Deshalb brauche man eine Erlösung weder vom einen noch vom anderen der beiden Phänomene. Vielmehr sei man ? besonders in Deutschland ? aufgrund der Erfahrungen mit totalitären Ideologien skeptisch gegenüber jeder Form von fanatischer, welterlösender und welterklärender Heilslehre. Die Werte der Toleranz und der Akzeptanz fremder Lebensformen und Glaubensvorstellungen fänden immer größere Zustimmung. Im Hinblick auf die neuen Formen des Atheismus schließt Pollak deshalb, ein Atheismus, der Anerkennung erlangen wolle, müsste zunächst Respekt vor den kulturellen Leistungen der Religionen aufbringen. pts
|
 | 2013/05/14: Mit Gott geht der Sinn - The European |
| Der Atheismus stelle, so Wolfgang Huber, eine Glaubenslehre jenseits von wissenschaftlicher Objektivität dar. Orientiert an einem wissenschaftsgläubigen Fortschrittskonzept gehe der Atheismus davon aus, dass die Wissenschaft die Grundfragen der menschlichen Existenz ohne Rest beantworten werde. Die Erklärung des Lebens sei aber nicht mit dessen Sinn gleichzusetzen und lasse deshalb viele Fragen offen. Zwar gebe es auf solche Fragen durchaus auch säkulare Antworten. Glaube stelle deshalb ebenso wie eine atheistische Grundhaltung eine Option innerhalb der Pluralität von Weltanschauungen dar. Aber gerade angesichts der neuen Möglichkeiten der Lebenswissenschaften sei es zur Wahrung der Menschenwürde unverzichtbar, diese nicht ?als Resultat menschlicher Selbstbestimmung? zu verstehen, sondern als aus der Beziehung des Menschen zu Gott als seinem Schöpfer und der Beziehung zu seinen Mitmenschen resultierend. Deshalb, so Huber, würden Christen an ihrer Hoffnung festhalten. pts
|
 | 2013/05/09: Science and religion can't be reconciled - Why I won't take money from Templeton - Slate |
| Der bekennende Atheist, Physiker und Buchautor Sean M. Carroll begründet seine Anti-Templeton-Haltung. Die John Templeton Foundation (JTF) sei zwar nicht wirklich bösartig, wie es das Discovery Institut sei; sie verbreite keine Lügen, um Wissenschaftsfeindlichkeit zu fördern, und Manipulationen seien ihr nicht nachzuweisen. Auf ihre Weise sei sie sogar Wissenschaftsfreundlich. Der entscheidende Haken bestehe jedoch darin, dass sie die Auffassung verbreite, Naturwissenschaft und Religion seien miteinander vereinbar. Wissenschaftler, die sich von JTF fördern ließen, stellten damit ihr Ansehen in den Dienst dieser falschen Idee und erwiesen der Welt dadurch einen Bärendienst. Schließlich sei der - von der Mehrheit geteilte - Übergang vom Theismus zum Atheismus der wichtigste ontologische Fortschritt der letzten 500 Jahre. Als Missionar des Atheismus bescheinigt der Autor mit seiner Frontstellung gegen die JTF allerdings gerade deren Erfolg in der Verbreitung der Vereinbarkeitsthese. hhp
|
 | 2013/05/02 Gottes neuester Streich - ZEIT Nr. 19 S. 45f |
| Anläßlich einer neuen Datenbrille von Google, mit der Körper und digitale Technik "verschmelzen" wird die Transhumanismusdebatte aufgerollt. "Vor allem", so der Artikel, bedienen sich Transhumanisten "in den Vitrinen der Theologie". Der Verfasser führt das detailliert aus. Die Fragen bleiben: Kann sich die Moderne am Schopf der neuen Technik aus dem Sumpf der alten Probleme ziehen? Oder werden sich ihre Probleme dadurch nur potenzieren? Darüber sollte man streiten, sagt der Artikel. Da hat er Recht. - al
|
 | 2013/04/26: Godlike Great Programmers: The Scientists Arguing for Religious Belief - The New Yorker |
| Die meisten Wissenschaftler seien ungläubig oder trennten Wissenschaft und Religion. Es gebe aber auch erstaunlicherweise führende Wissenschaftler, die aus der Wissenschaft Argumente für Übernatürliches ziehen. So gehe die "Computer-Theologie" Jürgen Schmidhubers von der Prämisse aus, dass es einen "schnellsten, effizientesten, optimalen Weg gibt, alle logisch möglichen Universen zu berechnen, unseres eingeschlossen - falls unseres berechenbar ist, wogegen nichts spricht". Aber, so wendet der Autor des Artikels ein, wenn ein Universum durch einen Computer beschrieben werden kann, bedeute das nicht, dass es auch durch einen solchen und einen "Gottähnlichen großen Programmierer" auch regiert werde. David Eagleman schließt umgekehrt vom Nichtwissen auf Gott: "Unser kosmisches Nichtwissen ist zu gewaltig, um sich zum Atheismus zu bekennen". Zurecht fragt der Autor allerdings, inwiefern sich diese Nichts-ist-unmöglich-Mentalität ("Possibilianismus") vom Agnostizismus unterscheide. hhp
|
 | 2013/04/25: Forschung: Verteidigt die Evolutionstheorie! - spektrum.de |
| Der Paläontologe Russel Garwood berichtet aus eigener Erfahrung, wie wissenschaftliche Veröffentlichungen kreationistisch missbraucht werden. Paradoxerweise sei es gerade die Redlichkeit der Forscher, die ungeklärte Fragen und Kontroversen offen legen, die in Argumente gegen die Evolutionstheorie verdreht würden. Ungeklärtes wird zu "Schwächen" umetikettiert - mit möglichen publizistischen Konsequenzen: "Es wäre ein schwarzer Tag, wenn Forscher beginnen, Widersprüche und Ungewissheiten in ihren Arbeiten zu verheimlichen". Stattdessen empfiehlt der Autor Wissenschaftlern und Verlagen, für Forschungsarbeiten größere Öffentlichkeit herzustellen, z. B. begleitende Blogs und populäre Zusammenfassungen. hhp
|
 | 2013/04/08: Biblical Inerrancy and Evolution,Part 1- The BioLogos Forum |
| Thomas Jay Oord macht durch seine eigene biografische Entwicklung die Relativierung eines wortwörtlichen Bibelverständnis nachvollziehbar. Der Kernsatz, "der Zweck der Bibel ist unsere Erlösung", gibt die formale Hinsicht an, unter der von "Irrtumslosigkeit" der Bibel gesprochen werden kann. Biblische Wahrheit wird damit nicht in naturwissenschaftlicher Hinsicht beansprucht. Oord, der evangelikal zu verorten ist, erinnert in dieser Sicht der Irrtumslosigkeit der Schrift an die formale Bestimmung, die auch das Zweite Vatikanische Konzil vornimmt: Die Wahrheit der Bibel ist auf unser Heil bezogen ("causa salutis"). hhp
|
 | 2013/02/04: Science, Catholicism and the Papacy in the New Millennium - Huffingtonpost |
| Peter M. J. Hess vom National Center for Science Education stellt die Frage, wie sich die Haltung der katholischen Kirche zu einer evolutionären Weltsicht entwickeln wird. Er erläutert, die katholische Kirche habe sich im letzten Jahrhundert bemüht, die Evolutionstheorie zu verarbeiten und die christliche Theologie in eine evolutionäre Weltsicht zu integrieren. Er bezieht sich dabei u. a. auf die Enzyklika Humani generis, die Ansprache Johannes Paul II an die Päpstliche Akademie der Wissenschaften im Jahre 1996, die Schrift Gemeinschaft und Dienstleistung der Internationalen Theologischen Kommission und die von Benedikt XVI einberufene Konferenz zu biologischen Evolution im Jahr 2009. Dennoch würden beklagenswerter Weise immer noch Teile der katholischen Kirche die evolutionären Annahmen ablehnen und sich für eine Auslegung der Schrift im wörtlichen Sinne einsetzen. Der Autor ist aber hoffnungsvoll, dass auch der neue Papst die Unterstützung für die Wissenschaft fortsetzen wird. pts
|
 | 2013/03/24: Evolution : Was Religion mit Intelligenz zu tun hat - Welt online |
| Psychologische Experimente hätten gezeigt, erläutert die Autorin, dass die Religiosität des heutigen Menschen ähnlich wie Musikalität zu 40 bis 60 Prozent genetisch bedingt sei. Die Anlage zur Religiosität sei evolutionär erfolgreich gewesen, weil Religiosität auf individueller Ebene helfe, mit den Tiefen des Lebens fertig zu werden und auf kollektiver Ebene größere Kooperativität fördere. Dies habe religiösen Menschen einen größeren Fortpflanzungserfolg beschert. Die für die Religiosität verantwortlichen Gehirnfunktionen seien im Stirnhirn zu finden, in genau den Bereichen, die in der Evolution angewachsen und die auch für die intelligenten Leistungen des Menschen verantwortlich seien. Diese Gehirnfunktionen macht der Autor auch für die Entstehung von Aberglauben verantwortlich. Je unberechenbarer die Welt sei, desto mehr versuche das Gehirn, in zufälligen Ereignissen eine Regelhaftigkeit und somit einen Sinn zu erkennen. pts
|
 | 2013/03/15: Physiker nähern sich dem Ursprung des Lebens - Neue Hinweise auf Higgs-Teilchen - Sueddeutsche.de |
| Der Titel macht neugierig, scheinen doch Physiker einem prominenten biologisch-chemischen Kernproblem auf der Spur zu sein: dem Ursprung des Lebens! Umso größer ist die Enttäuschung, wenn "Leben" außer in der Überschrift nirgends mehr vorkommt, und der Artikel sich einreiht in die lange Reihe der Beiträge, die sich "ziemlich sicher" sind, dass das Higgs-Boson gefunden ist. Keine wirklich neue Einsicht also, schon gar nicht zur Lebensentstehung. Oder doch: Neu ist die Bekräftigung der Bundesbildungsministerin Wanka, dass die Entdeckung "einmal mehr die Notwendigkeit der Grundlagenforschung" bestätige. hhp
|
 | 2013/02/17: Es hat keinen Sinn, die Grenze zu verwischen - wissenrockt.de |
| Die "Arbeitsgemeinschaft Evolution in Biologie, Kultur und Gesellschaft" kritisiert hier eine vom Verband Evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS) verbreitete Empfehlung des Kreationisten Reinhard Junker (siehe unten). Die "Akzeptanz schöpfungstheoretischer Interpretationen" als Alternative zur Evolutionstheorie verwische die Grenze zwischen Glaube und Wissenschaft. Man habe nichts gegen die Behandlung offener Fragen, aber dies müsse wissenschaftlich geschehen. Im Vergleich wäre ja auch niemandem damit gedient, "würde etwa die Bachblütentherapie der modernen Medizin als taugliche Alternative gegenübergestellt". Eine "schöpfungstheoretische Scheinalternative" sei "intellektuell unzumutbar und widerspricht unseres Ermessens dem öffentlichen Bildungsauftrag". hhp
|
 | 2012/11/01: Evolution und Schöpfungslehre an christlichen Bekenntnisschulen - VEBS |
| Der Verband Evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS) regt mit diesem Thesenpapier des Kreationisten Reinhard Junker an, in der Schule Schöpfung als Alternative zur Evolutionstheorie zu diskutieren. Im Hintergrund steht die Unterscheidung von Mikroevolution (die Junker für möglich hält) und Makroevolution, welche die Entstehung neuartiger Bauplantypen nicht hinlänglich erklären könne. Alternativ dazu geht Junkers Grundtypmodell davon aus, dass Grundtypen erschaffen wurden und sich nur mikroevolutiv weiterentwickeln. Konflikte, die an dieser Stelle auf der Hand liegen, führen zu kritischen Rückfragen an die Evolutionstheorie - nicht etwa an die Theologie. Hier lässt ein Offenbarungspositivismus grüßen, der biblische Formulierungen für unfehlbar hält. hhp
|
 | 2013/02/10 Edward O. Wilson: Die soziale Eroberung der Welt: Zuerst die Ameisen und dann die ganze Welt - faz.net |
| Helmut Mayer bespricht ein neues Buch des Soziobiologen Edward O. Wilson: "Die soziale Eroberung der Erde. Eine biologische Geschichte des Menschen". Mayer weist nach, dass Wilson ohne Zweifel im Laufe seines Forscherlebens eine große Kompetenz in der Beschreibung von eusozialen biologischem Verhalten erlangt hat. Sein Spezialgebiet ist die Beschreibung von Ameisenpopulationen und deren Fortpflanzung. Der entscheidende Punkt aber ist der, dass Wilson in dem Buch nicht eigentlich auf das Verhalten von Ameisen zielt, sondern darauf, menschliches Verhalten zu erklären. Hier bietet er die Unterscheidung von "guten" Merkmalen, die aus einer so genannten Gruppenselektion stammen sollen und "schlechten" Merkmalen, die aus der Individualselektion stammen sollen. Hierauf richtet sich Mayers kluge Kritik, die darauf hinausläuft, dass das Methodenarsenal, das hilft, Ameisenpopulationen zu beschreiben, wissenschaftlich fragwürdig wird, wenn man es unbesehen auf Menschen übertragen will. FV
|
 | 2013/02/06 Was wir von der Religion lernen können - ZEIT ONLINE |
| »Religionen sind zu nützlich, wirksam und intelligent, als dass man sie den Religiösen allein überlassen sollte«, lautet das Credo des Buches »Religion for Atheists«. Schützenhilfe erhält es von der Wissenschaft, denn auch Anthropologen und Psychologen haben mittlerweile eine ganze Menge Gründe zutage gefördert, die das scheinbar so irrationale religiöse Denken in einem sehr rationalen Licht erscheinen lassen. Der Religionspsychologe Ara Norenzayan liefert eine Antwort aus anthropologischer Sicht: Ein religiöses System schweiße seine Jünger zu einer Glaubensgemeinschaft zusammen, die häufig erfolgreicher sei als andere Gruppen. Ist es das, was Religion ausmacht? Oder werden hier nur die positiven Folgen von Religion ausgeschlachtet? Und was ist mit ihren negativen Seiten? Der Artikel eröffnet eine spannende Debatte. - al
|
 | 2013/01/31 Pränataldiagnostik: Mutters Blut, Babys Gene - ZEIT Nr. 6 S.33f |
| Die einst nur nebulöse Vision der Pränatalmediziner, den Eltern ein gesundes Kind garantieren zu können, nimmt allmählich Gestalt an. Die Frühdiagnostik kann bereits die Zahl von schwer kranken, behinderten oder tot geborenen Kindern vermindern ? um den Preis vermehrter Abtreibungen. Auch die letzte Eskalationsstufe ist bereits erkennbar: Eine ausgedehnte Gendiagnostik noch bevor ein künstlich befruchtetes Ei überhaupt in den Uterus implantiert wird. Für die Dekodierung des Genoms reichen inzwischen die Erbmoleküle einer einzigen Zelle aus. Auf eine Vielzahl von heiklen Fragen fehlen jedoch Antworten, so der Artikel sehr zu recht: Wofür und in welchem Umfang sollten die neuen Testverfahren eigentlich genutzt werden? Sein weises Fazit: Achtung, genetische Defekte hat jeder Mensch. -al
|
 | 2013/01/10: Besser als der Darwinismus - Ein Blick auf Charles Darwin als Theologen -- HerderKorrespondenz 67, 2013, 33-37 |
| Der interdisziplinär ausgewiesene Religionswissenschaftler Michael Blume stellt in dieser Zusammenfassung seines neuen Buches ("Evolution und Gottesfrage") einen weitgehend unbekannten Blick auf Charles Darwin als Theologen vor und räumt dabei mit einige Vorurteilen auf. So habe Darwin weder Sinn und Fortschritt in der Evolution ausgeschlossen noch die Eigenständigkeit von Kultur und Geist bestritten. Der Monotheismus sei eine "Spitzenentwicklung" und wissenschaftliche Theologie evolutionär notwendig. Blume verkennt freilich nicht, dass Darwin zunehmend zum Agnostiker wurde. Der Glaubenszweifel gründe jedoch nicht in der Wissenschaft, sondern primär in der Theodizeefrage, die für Darwin sehr existenziell war. Noch in seinem letzten Lebensjahr zeige Darwins Begeisterung für den evolutionären Theismus des Philosophen William Graham sein Ringen um die letzten Fragen des Daseins. hhp
|
 | 2013/01/15: How 19-year-old activist Zack Kopplin is making life hell for Louisiana's creationists - io9 |
| Zur Zeit lehrt ein 19-Jähriger Aktivist Louisianas Kreationisten das Fürchten. Die dortige Schulgesetzgebung erlaubt die Anschaffung von Lehrmaterialien zusätzlich zu bestehenden naturwissenschaftlichen Lehrbüchern. Das führte dazu, dass kreationistisches Material das wissenschaftliche faktisch verdrängte. Angesichts weitgehender Ignoranz sah sich der inzwischen 19-jährige Zack Kopplin genötigt, gegen diese Schieflage anzugehen. Ermutigt von der Philosophin Barbara Forrest und dem Nobelpreisträger Harry Kroto entwirft er einen Brief, der mit 78 Unterschriften von weiteren Nobelpreisträgern öffentliche Wirkung zeigt und dem schwierigen Kampf gegen kreationistischen Einfluss Aufschwung verleiht. hhp
|
 | 2012/12/27 Opera-Experiment: Als Einstein wackelte - ZEIT ONLINE |
| Vor einem Jahr schien das Opera-Experiment die Physik zu revolutionieren, als man dachte, einige Neutrinos seien schneller als das Licht. Doch man war nur über ein Kabel gestolpert. Eine Nachlese der Geschichte mit einem Ortsbesuch von Robert Gast. - al
|
 | 2012/12/19 Religion: Warum wir glauben müssen - ZEIT ONLINE |
| An irgendetwas glauben alle. Das persönliche Wohlergehen, die Definition eines gelingenden Lebens, kommt ohne Glauben nicht aus. Man muss nicht an Gott glauben, um zu glauben. Wer aber glaubt, der Mensch komme ohne Glauben aus, der glaubt somit erstens selbst und macht zweitens die Rechnung ohne die Spezies Mensch. Der Mensch glaubt, weil er gar nicht anders kann, als zu glauben. Beweise liefert die Wissenschaft. Einer der evolutionsbiologischen Vorteile des Glaubens ist »Coping« (Alltagsbewältigung). Aus zahlreichen religionsmedizinischen Studien geht auch hervor, dass Gläubige gesünder sind als Nichtgläubige. Damit greift der Autor eine moderne Debatte auf, über die sich sicher trefflich streiten lässt. - al
|
 | 2012/11/17 Der große Heisenberg irrte - faz.net |
| Werner Heisenberg wollte seine berühmte Unbestimmtheitsbeziehung auch in den Störungen wiedererkennen, die ein Messung verursacht. Diesen Schluss haben kanadische Forscher widerlegt, wie Rainer Scharf für die FAZ berichtet. Die Forscher betonen, dass Heisenbergs Unbestimmtheitsrelation nach wie vor für die Unschärfe gültig ist, die von Natur aus in einem Quantenzustand steckt und als Streuung der Messergebnisse zutage tritt. Die Grenzen, die uns die Quantenmechanik setzt, beruhen aber nicht in erster Linie darauf, dass wir bei unseren Experimenten die Natur stören. Ein in der Tat sehr wichtiges Resultat für die philosophische Deutung der Unschärferelation. -al
|
 | 2012/12/03 Fälschungsvorwürfe gegen bekannten Stammzellforscher - sueddeutsche.de |
| Der Kardiologe Bodo-Eckehard Strauer hatte 2001 weltweit zum ersten Mal einen Herzinfarktpatienten mit Stammzellen aus dessen Knochenmark behandelt. Seine Arbeiten galten als Argument gegen die Forschung mit den ethisch umstrittenen embryonalen Stammzellen. Bald wurde der Professor von Gegnern der embryonalen Stammzellforschung in Politik und Kirche hofiert. Nun gibt es Hinweise auf Manipulationen der Studien. Die Therapie kann zwar die Leistung des Herzens tatsächlich geringfügig erhöhen. Dies geht aber nicht, wie ursprünglich gehofft, darauf zurück, dass die Stammzellen zu Herzmuskelzellen werden und dadurch das Herz regenerieren. Vielmehr scheinen die Zellen nur Faktoren zu produzieren, die im Nebeneffekt die Herzmuskelzellen unterstützen. -al
|
 | 2012/11/29: Das Gottesteilchen: EP-Anhörung zum Ursprung unseres Universums | EU-Infothek.com |
| So spannend der Teaser den Artikels ankündigt - geht es doch den Physikern Higgs und Englert im Europaparlament scheinbar um "die letzten Geheimnisse unseres Universums" -, so ernüchtert stellt man im Verlauf des Beitrags fest, dass es eigentlich nur um internationalen Wettbewerb und Forschungsgelder geht, deren Reduzierung Peter Higgs mal mit "wissenschaftlicher Zurückhaltung", mal mit "britischer Zurückhaltung" für unklug hält. Vielleicht war man ja mit dem Hinweis auf Geld gar nicht so weit von den "letzten Geheimnissen unseres Universums" entfernt. Auch die Infografik verspricht mehr als sie hält. Die Frage "Was zum Teufel ist das Gottesteilchen?" wird lediglich damit beantwortet, dass es "das kleinste Elementarteilchen" ist. Anscheinend ist es so klein, dass es in der erklärenden Grafik "Partikel von A bis Z" gar nicht erst aufgeführt wird. hhp
|
 | 2012/11/18: Nahtod - was passiert im Körper? - W wie Wissen |
| Die Seite informiert über die gleichnamige Fernsehsendung und zitiert u. a. den Hirnforscher Christian Hoppe, der beispielsweise außerkörperliche Erlebnisse bei Nahtoderfahrungen für unwahrscheinlich hält. Geistig-seelische Vermögen sind für Hoppe an das Gehirn als notwendiger Voraussetzung gebunden. Diese Annahme ist allerdings für Hoppe - gut wissenschaftlich - grundsätzlich falsifizierbar: "Exakt in der Phase, wo das Gehirn nicht in der Lage ist, Bewusstsein zu tragen, sollten keine Erlebnisse möglich sein." Sollten solche Erlebnisse dennoch nachgewiesen werden können, "hätte man die Leitidee der modernen Hirnforschung in diesem Moment widerlegt". Genau daran wird gearbeitet. hhp
|
 | 2012/11/23: Alter Langweiler - NewScientist |
| Der tiefe Fall des Gottesteilchens, das jetzt als "alter Langweiler" abgestempelt wird. Grund für diesen sozialen Abstieg ist die dieser Tage erfolgte Bekräftigung, dass sich das Higgs-Boson tatsächlich ("bis auf eine Ausnahme") so verhält, wie es das Standardmodell voraussagt. Vielen wäre eine "neue Physik" offenbar lieber gewesen. hhp
|
 | 2012/11/23: Als wir uns trennten - NewScientist |
| Die Frage, wann sich im evolutiven Stammbaum Mensch und Schimpanse voneinander getrennt haben, gehört zu den spannendsten Kontroversen der Evolutionsbiologie. Die Stammbäume der Paläontologen wollten bislang nicht so recht zu denen der Genetiker passen. Eine neue "bahnbrechende Studie" könnte hier für Entspannung sorgen, weil sie die genetische Uhr neu geeicht hat. Der Studie zufolge ist die Mutationsrate halb so groß wie bisher angenommen. Dies ergäbe - einmal mehr - ein radikales Umschreiben bisheriger Stammbäume. So rückt die Trennung von Affe und Mensch weiter in die Vergangenheit, aber auch unsere näheren Verwandten wie der Neandertaler und Homo heidelbergensis. Allerdings lassen diese sich mit der neuen genetischen Uhr konsistenter ins Stammbaumgeäst einfügen. Der Sonderstellung des Menschen scheint die größere Distanz zu den Vormenschen zu schmeicheln, und der Artikel schließt: "Jetzt sind wir noch ein wenig eigener". hhp
|
 | 2012/11/10 Sterben gehört nicht ins Krankenhaus - faz.net |
| Ein Interview mit Michael de Ridder über den Sinn von Hospizen und die Bedeutung der Palliativmedizin. Worum es am Lebensende geht: umfassende Symptomlinderung zum einen, vor allem aber um Gespräche und die großen Fragen des Lebens. Auch für die Seelsorge eine wichtige Aufgabe also, auch wenn die Bedeutung des geistigen Beistands nicht erwähnt wird. Die wichtige Rolle der Angehörigen und der nichtprofessionellen Pflegekräfte kommt allerdings im Interview vor. -al
|
 | 2012/11/09: "LSD hat mich offener gemacht" - NewScientist |
| Der Psychiater und Neurologe Oliver Sacks (Autor von "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte") wendet sich mit seinem neuen Buch "Hallucinations" gegen Missverständnisse und gegen die soziale Stigmatisierung von Sinnestäuschungen, die oft als Verrücktheit abgetan würden. Sacks ist froh darüber, eigene Erfahrung mit halluzinogenen Drogen gemacht zu haben: "Sie haben mir gezeigt, wozu unser Gehirn fähig ist". An die Realität solcher Erscheinungen zu glauben findet Sacks besorgniserregend und bezieht dies unmittelbar auf die kürzlich veröffentlichte Nahtoderfahrung Eben Alexanders (s. u.), der davon überzeugt sei, den Himmel erlebt zu haben (s. Alexanders Buch "Proof of Heaven"). Dagegen betont Sacks, "dass Halluzinationen nichts beweisen, schon gar nicht die Existenz eines Himmels". hhp
|
 | 2012/10/13: Sam Harris' critique of Eben Alexander - Metaphysical Speculations |
| Bernardo Kastrup kommentiert die Sam-Harris-Kritik an der Deutung der Nahtoderfahrung von Eben Alexander (s. u.). Die Kritik beruhe letztlich auf einem alten materialistischen Einwand gegen Nahtoderfahrungen: Es könne nicht nachgewiesen werden, dass tatsächlich sämtliche Hirnfunktionen ausgeschaltet waren, und es sei denkbar, dass die Restfunktionen derartige Träume zusammenfabulierten. Die Frage sei aber die, wie ein beschädigtes Gehirn in der Lage sein soll, einen derart komplexen, kohärenten und scharfen Trip zum "Himmel" zu konstruieren. Kastrup vergleicht dies mit einem Auto, das normal fährt, obwohl alles bis auf die Zündkerzen defekt ist. Die Daten seien eine Herausforderung für neurowissenschaftliche Standarderklärungen, die man mit wissenschaftlichem Skeptizismus erst nehmen sollte, statt sie mit abartigen Spekulationen abzutun. In diesem Sinne nun wird Harris als unwissenschaftlich und populistisch manipulativ hingestellt. hhp
|
 | 2012/11/01 Spender gesucht - ZEIT online |
| Angesichts des Inkrafttretens der Regelungen des neuen Organtransplantationsgesetzes thematisiert der Autor die Schwierigkeiten der Lage in Deutschland und macht sie vor allem an der grundsätzlichen Organisation der Organspende hierzulande und vor allem in den Krankenhäusern fest. Die schlechte PR durch die jüngsten Skandale wird erwähnt, nicht aber das Problem, dass jüngst wieder deutlich wurde, dass "Hirntote" wohl unwiderruflich im Sterben liegen, aber eben noch nicht tot sind. Diese Diskussion und Dimension blendet der Artikel leider aus und ist daher nur begrenzt hilfreich. - al
|
 | 2012/11/02 "Früher sprach man in Cafés über Einstein ? das ist jetzt zurück" - ZEIT online (via spektrum.de) |
| Kurzes Interview unter dem Thema der Repopularisierung der Physik, im Grunde dreht es sich jedoch rückblickend um die Aufregung um die vermutliche Entdeckung des Higgs-Teilchens am CERN. - al
|
 | 2012/10/12: This Must Be Heaven - Sam Harris Blog |
| Der Neoatheist Sam Harris ist bekannt für seine scharfe Kritik der Religionen, aber ebenso für sein Interesse an spiritueller Erfahrung. So zweifelt er auch nicht an der Nahtoderfahung Eben Alexanders (s. u. 6.10.) als "subjektives Phänomen", wohl aber am Realitätsanspruch und an der religiösen und anthropologischen Deutung, die außerdem mit objektiver Wissenschaft nichts zu tun habe. Harris bleibt bei der materialistischen Deutung, dass auch die Nahtoderfahrung nichts anderes als eine "emergente Eigenschaft der Gehirnaktivität" ist. Harris unterstellt Alexander neurowissenschaftliche Inkompetenz, denn "Koma geht nicht einher mit dem vollständigen Ende kortikaler Aktivität". Die Restaktivität des Gehirns könne die Nahtoderfahrung hervorrufen, die sich des weiteren durchaus mit Drogentrips vergleichen ließe. hhp
|
 | 2012/10/24:Ansprache von Papst Benedikt XVI. bei der Generalaudienz am 24. Oktober 2012 - ZENIT |
| Eine im vorliegenden Zusammenhang zentrale Aussage des Papstes ist die, "dass das auf Planung, exakte Berechnung und Experimenten beruhende wissenschaftliche Wissen für das Leben des Menschen zwar von Bedeutung ist, alleine jedoch nicht genügt". Erst im Glauben an die Liebe Gottes finde sich der wahre, angstfreie Sinn unserer Existenz, und dieser könne "nur geschenkt werden ..., weil wir ihn uns selbst nicht geben können". Dass diese Botschaft auf eine weit verbreitete religiöse Indifferenz und auf Atheismus stößt, soll aber nicht entmutigen, sondern zum christlichen Zeugnis aufrufen. Dies sei freilich kein Zeugnis wider Wissenschaft und Vernunft, denn der Glaube "widerspricht weder der Freiheit noch dem Verstand des Menschen". Manche werden bedauern, dass der Papst zwar die "erstaunlichen wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften" benennt, aber dann doch kulturpessimistisch einfärbt, weil sie "die Menschheit nicht wahrhaft freier und menschlicher" gemacht hätten. hhp
|
 | 2012/10/18 Gott, was meinen Sie dazu? - ZEIT Nr. 43 S. 45 |
| Fiktives Gespräch mit Gott zum 500.Geburtstag von Michaelangelos Deckengemälde in der Sixtinischen Kapelle in Rom. Erstaunlich tiefsinnig und nachdenklich für das Format. Es geht um sehr viele zentrale theologische Fragen, immer bezogen auf die Darstellungen Michaelangelos. - al
|
 | 2012/10/16: Ansprache des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, bei der 12. Generalkongregation der Bischofssynode - ZENIT |
| Eine beachtliche Rede von Robert Zollitsch, die sich der Herausforderung der Säkularität differenziert stellt. Es wird deutlich gesehen, dass Religion nur eine von vielen Sinndeutungen darstellt. Neben dem Atheismus fordere aber vor allem der religiöse Indifferentismus heraus. Für die Sinndeutungen gelte nicht nur Pluralität, sondern eine Art postmoderner Bastelmentalität, der zufolge "Aussuchen und Auswählen geradezu zum Imperativ wird". Der Erzbischof beklagt dies nicht nur pessimistisch, sondern erblickt darin "auch eine Chance zur Neuevangelisierung". Denn er hält daran fest, "dass es im Menschen - wenn auch noch so verschüttet und verborgen - eine letzte Tiefe gibt, die auch mit dem allgemeinen Klima der Säkularität nicht verschwunden ist". Diese Tiefe gelte es freizulegen. hhp
|
 | 2012/10/09 Einstein-Brief bei Ebay - "Die Bibel ist eine Sammlung primitiver Legenden" - sueddeutsche.de |
| Einstein hat sich zu den Themen Gott und Religion immer wieder geäußert, seine Erklärungen waren jedoch manchmal missverständlich. Klarheit soll ein privater Brief Einsteins verschaffen, der jetzt auf Ebay versteigert wird. Offensichtlich war Einstein gegenüber den verfassten Religionen sehr kritisch, hatte jedoch seine eigene Form von Religiösität gefunden. Dass der Artikel dann Einsteins kritische Haltung zum eigenen Judentum mit der aktuellen Beschneidungsfrage in Beziehung setzt, ist ein echter Anachronismus. -al
|
 | 2012/10/09: Zwei Leben für Schrödingers Katze - Zeit online |
| Vielen mag das Gedankenexperiment Erwin Schrödingers bekannt sein, wonach eine von den Gesetzen der Quantenwelt heimgesuchte Katze gleichzeitig tot und lebendig ist - was einmal mehr die Differenz von Quanten- und Alltagswelt verdeutlicht. Bei dem Artikel und dem Physik-Nobelpreis geht es um die praktische Umsetzung des Gedankenexperiments, wobei nun - statt der Katze - Atomkerne und Lichtquanten in einen Doppelzustand gebracht werden. Der dadurch in Aussicht gestellte Quantencomputer ist aber genauso Zukunftsvision wie der therapeutische Nutzen, der beim Medizin-Nobelpreis in den Blick gerät. hhp
|
 | 2012/10/08: Heaven Is Real: A Doctor?s Experience With the Afterlife - Newsweek |
| "Als Neurochirurg glaubte ich nicht an das Phänomen der Nahtoderfahrung" bekennt Eben Alexander am Anfang der Newsweek-Titelstory mit dem reißerischen Titel "Der Himmel ist real". In einem 7-tägigen Koma hatte Alexander dann selbst eine Nahtod- und damit eine Bekehrungserfahrung, die aus einem Taufscheinchristen einen bekennenden Auferstehungsgläubigen gemacht hat. Die tiefgehende Erfahrung habe ihm "wissenschaftliche Gründe gegeben, an ein Bewusstsein nach dem Tod zu glauben". Es gebe nämlich "keine wissenschaftliche Erklärung für die Tatsache, dass mein Geist, mein bewusstes inneres Selbst, lebendig und wohlauf war, während mein Körper im Koma lag". Bei "vollständiger Inaktivität" der Neuronen, reiste sein "hirnentbundenes Bewusstsein" zu einer "anderen, größeren Dimension des Universums", die real und nicht illusionär sei. Den Rest seines Lebens will er die "wahre, Natur des Bewusstseins" erkunden und Kollegen wie Laien vermitteln, dass wir sehr viel mehr sind als unser Gehirn. hhp
|
 | 2012/09/26: 'Hubble' liefert bislang tiefsten Blick in den Kosmos - faz online |
| Neuer Rekord dank Weltraumteleskop Hubble: Nie haben Astronomen weiter ins Weltall geschaut und damit weiter zurück in die Vergangenheit. Damit erhält man ein Bild von der "Geschichte der Galaxienentwicklung fast seit dem Urknall bis heute". hhp
|
 | 2012/09/26: Allensbach: Christliche Werte haben Bestand - faz online |
| Dass der Kirchenbesuch rückläufig ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Darüber hinaus enthält die neueste Allensbach-Analyse Einsichten, die nicht so evident sind. In unserem Kontext von Belang ist die Erkenntnis, dass nur noch 35% daran glauben, dass Gott die Welt erschaffen hat. 1985 waren es noch 47%. Zugenommen hat dagegen der Glaube an eine unbestimmte überirdische Macht, an Schutzengel, an Wunder; besonders krass der Glaube an Seelenwanderung (von 7% auf 20%) und Polytheismus (von 4% auf 10%). So verwundert es nicht, dass der Autor eine "Rückkehr der Naturreligionen" konstatiert. hhp
|
 | 2012/09/05: Richard Dawkins Introduces Eugenie Scott - friendly atheist |
| Der Channel "Friendly Atheist" berichtet über die Verleihung des Richard Dawkins Preises an Eugenie Scott, indem er - anders als manch andere Berichterstattung - besonders auf die in der Laudatio von Dawkins ausdrücklich erwähnten Unterschiede zu Scott hinweist. Die Unterschiede lägen in Scotts Respekt vor der Religion, auch wenn Scott selbst nicht gläubig sei. Immerhin habe Dawkins eingeräumt, dass es strategische Gründe für eine solche Haltung gebe. Jedenfalls sei die Erwähnung der Unterschiede ein "leichter Schlenker in einer ansonsten vollmundigen Lobesrede". hhp
|
 | 2012/09/21: Wider den Materialismus. Plädoyer für die Versöhnung von Wissenschaft und Spiritualität - Publik-Forum |
| Der (kostenpflichtige oder über einen 4-wöchigen Testaccount zugängliche) Artikel bespricht das in diesem Monat erschienene Buch von Rupert Sheldrake "Der Wissenschaftswahn - Warum der Materialismus ausgedient hat". Das Buch wendet sich - wie der Titel bereits nahelegt - gegen "ignorante, ideologisch verbohrte, dogmatische Materialisten" wie Richard Dawkins ("Der Gotteswahn") und "widerlegt ... die zehn Dogmen der materialistischen Wissenschaft". Die Reduktion auf materialistische Kausalketten verenge den Blick und schneide von religiösen Traditionen ab. Bekannt geworden ist Sheldrake durch die "morphogenetischen Felder", welche die "sterile Kausallogik" übersteigen. Der Autor des Artikels weiß, dass Sheldrakes Thesen "oft spekulativ" sind, seine morphogenetischen Felder seien aber mittlerweile "auch anderen Wissenschaftlern ein hilfreiches Erklärungsmodell". An dieser Stelle würde ich ein großes Fragezeichen setzen - m. W. sind Sheldrakes Felder weitgehend ignoriert worden. hhp
|
 | 2012/09/19: Synthetische Biologie - Am Reißbrett des Lebens - Wissen - sueddeutsche.de |
| Jörg Hacker, Biologe und Präsident der Leopoldina, berichtet differenziert über die Reichweite der Synthetischen Biologie. Ausdrücklich nimmt er auch die Grenzen der Biologie in den Blick; bereits bei der Definition von Leben: Wann es an der Grenzen zum Unbelebten beginnt (z. B. Viren), mag noch eine innerwissenschaftliche Frage sein, die juristisch verbindliche Festlegung des Beginns menschlichen Lebens "ist keine naturwissenschaftlich beantwortbare Frage". Angesichts der biblisch-klassischen Frage "Was ist der Mensch" ist für den Autor klar, "das der Begriff 'Lebenswissenschaften' weitaus mehr als Biologie und Medizin umfassen muss". Dann kommen auch "Verantwortung", "Selbstreflexion" und "Fähigkeit zur Kommunikation" zum Lebensverständnis hinzu. Neben den Gefahren des Bioterrorismus (s. neuartige Grippeviren) sieht der Autor ethische Grenzen überschritten, wenn künstliche Lebensbausteine irreversibel in die Keimbahn gelangen oder wenn Homunculus-Phantasien geschürt werden. hhp
|
 | 2012/09/06 Das emotionale Tier - ZEIT Nr. 37 S. 54f |
| Michael Hartmann weist darauf hin, dass den Gefühlen in der Philosophie neue Aufmerksamkeit geschenkt werden. Tatsächlich waren Gefühle immer schon Thema der abendländischen Philosophie, doch seit Platon zumeist mit der Rolle des Widersachers der Vernunft; sie waren das, was der Philosoph zu überwinden trachtete. Doch seit den 80er Jahren des letzten Jhds. finden die Gefühle in einer anderen Weise neue Aufmerksamkeit. Man begann zu erkennen, dass Gefühle durchaus auch rationale Anteile haben. Es ist also vernünftig, sich mit Gefühlen zu befassen. Diese gerieten immer stärker in die Aufmerksamkeit, das Schlagwort der emotionalen Intelligenz machte die Diskussion populär. Doch auch hier warnt Hartmann zurecht: Gefühle mögen rationale Anteile haben, aber sie lassen sich nicht rationalisieren. Ihnen bleibt ein widerständiger Kern, der weder Gegner der Vernunft ist noch auch die Vernunft in anderer Form. Vielmehr zeigen sie auch die grundlegende Gegebenheit des Menschen: So ist es eben. fv
|
 | 2012/09/10: Has Dawkins Changed His View on the Darwin Lobby? - ENV |
| David Klinghoffer, Mitarbeiter des Discovery Instituts (Intelligent Design Zentrum), nimmt die Preisverleihung an Eugenie Scott zum Anlass, Unstimmigkeiten und Inkonsequenzen bei Richard Dawkins herauszustellen. Dieser habe noch 2008 Scott und dem National Center for Science Education (NCSE) unterstellt, die Öffentlichkeit hinsichtlich ihrer wahren Einstellung zu Religion und Darwinismus getäuscht zu haben. Jetzt aber, bei der Preisverleihung, spiele Dawkins dies zu "freundlichen Meinungsverschiedenheiten" herunter. Was sei passiert? "2008 war das NCSE unaufrichtig, jetzt ist es aufrichtig." Entweder habe Dawkins Scott und das NCSE weichgezeichnet, oder es gebe für Dawkins taktische Gründe, die geäußerte Einstellungen des NCSE vermeintlich für bare Münze zu nehmen. hhp
|
 | 2012/09/08: 2012 Richard Dawkins Award goes to Eugenie Scott - Sceptical Science |
| Neben einigen Zitaten aus der Berichterstattung des Guardian (s. u.) liefert der Artikel weitere Hintergrundinformationen. So stellt er Scotts einschlägiges Buch "Evolution vs. Creationism" vor, dessen Vorwort kein Geringerer als Niles Eldredge, ein renommierte Paläontologe, verfasst habe, sowie ihre Rolle beim wichtigen Dover-Prozess, der 2005 dem Kreationismus einen entscheidenden Schlag versetzte. Der Artikel greift Scotts Bemerkung auf, sie werde wohl nie einen Ken Ham Award verliehen bekommen, und stellt Ken Ham als kreationistischen Exzentriker vor, der Noas Arche in Originalgröße nachbaue und behaupte, diese habe auch Dinosaurier enthalten. Der Artikel hat schließlich noch die Laudatio von Richard Dawkins und Beiträge von Scott eingebettet. hhp
|
 | 2012/09/07: 2012 Richard Dawkins Award goes to Eugenie Scott - Guardian |
| Der Richard Dawkins Award 2012 geht an Eugenie Scott, Direktorin des National Center for Science Education (NCSE). Der Preis sei Scott zuerkannt worden, wegen ihres "unermüdlichen Einsatzes für die naturwissenschaftliche Bildung".
Richard Dawkins, Namensgeber des Preises und bekennender Atheist, bemerkte in seiner Laudatio: "Eugenie Scott gehört zu meinen allerliebsten Bekannten, auch wenn wir unsere zivilisierten Meinungsverschiedenheiten haben". Dass diese Meinungsverschiedenheiten in der unterschiedlichen Stellung zur Religion liegen, lässt der Artikel unerwähnt. Er blickt lieber auf den Konflikt zwischen Dawkins und Gould über die Mechanismen der Evolution. Denn Scott scherzte in ihrer Dankesrede: "Ich besitze nun Auszeichnungen sowohl im Namen von Stephen Jay Gould als auch von Richard Dawkins", und dies zeige, "dass ich mit jedermann auskomme". Allerdings könne sie sich nicht vorstellen, je einen "Ken Ham award" überreicht zu bekommen. Ken Ham ist Kurzzeitkreationist. hhp
|
 | 2012/08/31: The trouble with atheists: a defence of faith - Guardian |
| Die eigentlich schlechte Nachricht für den christlichen Autor Francis Spufford sind nicht die argumentativen Einwände der neuen Atheisten. "Die wirklich schmerzhafte Nachricht ist, dass wir peinlich sind" und Inhalte kindischer Krippenspiele ernsthaft verbreiten ohne zu merken, dass die Kindheit vorbei ist - "mit Fingern in beiden Ohren, um den Klang der wirklichen Welt abzuhalten".
Im Selbstverständnis Gläubiger jedoch sei der Glaube radikal realistisch. Spufford vergleicht dies mit der Sicht der Realität, wie sie auf den Atheisten-Bussen zum Ausdruck kommt: "Es gibt wahrscheinlich keinen Gott. Mach dir also keine Sorge und genieße das Leben". Anstößig findet Spufford dabei primär die Reduzierung des Lebens auf Genuss. Gegen eine derart eingeschränkte Realitätssicht hält Spufford die gläubige Weltsicht, welche Realismus und Hoffnung gleichzeitig Raum gibt. Als Begründung setzt er dabei weniger auf Argumente als - für meinen Geschmack etwas zu viel - auf die Realität der Gefühle. hhp
|
 | 2012/08/31: The Selfish Gene by Richard Dawkins ? book review - Guardian |
| Der Verfasser wendet sich gegen die brüske Kritik, das "egoistische Gen" sei eine außer Kontrolle geratene Metapher. Dawkins Metapher sei dagegen klug gewählt, kontrolliert, und Gott sei Dank trage die Jubiläumsausgabe nach 30 Jahren noch denselben Titel. Dawkins? Brillanz liege in dem Aufweis, wie Gene ihren "Überlebensmaschinen" so viel Vorteile verschaffen, dass sie der nächsten Generation weitergegeben werden können. Individuelles Leben ist in dieser Sicht nicht mehr als ein "Satzzeichen im blinden, automatischen Verlangen der DNA nach Ewigkeit".
Solche Formulierungen zeigten wohl einen unbarmherzigen Zug in Dawkins' Argumentationsstil. Gelegentliche Zugeständnisse seien nur Schein, denn er habe bereits alle möglichen Einwände durchdacht und mache sie fröhlich und mit scheinbar müheloser Logik zunichte, und so feuere dieses Buch auch die Eröffnungssalven des späteren totalen, intellektuellen Sturmangriffs auf die Religion. hhp
|
 | 2012/08/31: Die Königin aller Wissenschaften? Von der Hirnforschung erhoffen sich alle alles. Zu Unrecht. Süddeutsche Zeitung Magazin Nr. 35 |
| Der Artikel räumt gründlich mit dem Vorurteil auf, die Hirnforschung sei nun endgültig dem Geheimnis von Bewusstsein und Geist auf der Spur. Ein solcher Anspruch lebe populärwissenschaftlich von der suggestiven Kraft bildgebender Verfahren und erkenntnistheoretisch von einem naiven Realismus, der eine 1:1 Relation zwischen Zeichen und Bezeichnetem unterstellt - eine "altbackene Haltung", die die Sprachwissenschaft längst hinter sich gelassen habe. Demgegenüber seien Hirnscans nicht ein genaues Abbild des menschlichen Geistes, sondern ein Konstrukt, in das zahlreiche subjektive (wenn nicht willkürliche) Vorannahmen einfließen; ein Konstrukt, das dann auch noch interpretiert werden muss. Diese "Gemachtheit" der Bilder werde allzu häufig verschleiert. Frei nach Kant ("Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit") schließt deshalb der Autor: "Hirnforschung ist die Rückführung des Menschen in seine selbst verschuldete Unmündigkeit". hhp
|
 | 2012/08/17: Das Genom - die ultimative Festplatte - faz online |
| Nun gibt es das erste Buch im DNA-Format. Die Bausteine der Erbsubstanz DNA wurden genutzt, um ein 300-seitiges Buch mit Hilfe eines DNA-Syntheseapparates zu codieren. Der DNA-Text gibt einen Vorgeschmack auf das, was die synthetische Biologie erwarten lässt. Nicht zufällig lautet der Buchtitel: "How Synthetic Biology will reinvent Nature AND Ourselves". hhp
|
 | 2012/08/20: Darwin käme glatt ins Grübeln - faz online |
| Nach einer etwas weitschweifigen Einführung über Legenden und Vorurteile gegenüber dem Feuersalamander kommt der Artikel zum eigentlich Spannenden. Am Salamander können Evolutionsbiologen nicht nur die Entstehung neuer Arten studieren, sondern die Besonderheit der sog. sympatrischen Artbildung, bei der zwei Arten innerhalb eines gemeinsamen Lebensraumes entstehen, ohne also geografisch isoliert zu sein. Lange war umstritten, ob es auf diese Weise überhaupt zu getrennten Arten kommen kann. Der Salamander nun ist ein Indiz mehr für die Möglichkeit der sympatrischen Artbildung. hhp
|
 | 2012/08/09 Im Dauertest ? ZEIT NR. 33 S. 31 |
| Das Bundesgesundheitsministerium hat eine Rechtsverordnung vorgelegt, die praktische Fragen der Anwendung der PID regelt. Ulrich Bahnsen kommentiert und wischt die Einwände des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung zur Seite, die der Vorsitzenden des Ethikrates lässt er allerdings gelten. Sie verlangt eine detaillierte Dokumentation der Anlässe für Embryonenuntersuchungen. Nun hatte der Bundestag einerseits eine genaue Beobachtung der PID-Praxis verlangt, andererseits keine offizielle Liste von Leiden gewollt. Über diesen Zielkonflikt sollte in der Tat noch einmal gestritten werden, und das ist gut so. - al
|
 | 2012/08/09 Der selbst gewählte Tod ? ZEIT online |
| Eine persönliche Geschichte von der Krankheit und den letzten Minuten eines Mannes, der die Sterbehilfe in der Schweiz wählt. Sein Geist ist von der Krankheit kaum beeinträchtigt, körperlich ist er auf permanente Rundumbetreuung angewiesen; mit dieser Kombination fällt man aus dem Raster der Pflegeangebote, die Ehefrau steht schon kurz vor dem Burnout. Solange er noch den letzten Rest an Mobilität bewahrt hat, wählt der Erkrankte daher die Reise in die Schweiz, die Reise in den Freitod. Nachdenkliche Gedanken des hinterbliebenen Sohnes schließen sich an, der selbst lange gegen Sterbehilfe gewesen ist. Er erkennt, dass der Lebenswille davon abhängt, ?was einen im Leben antreibt?. Bei seinem Vater gehörte die körperliche Bewegung dazu. -al
|
 | 2012/07/31: Termiten - Gefährliche Nächstenliebe - faz online |
| Nicht nur Egoismus wird evolutiv belohnt, sondern auch bestimmte Formen von Altruismus, wie dieser Artikel am Beispiel einer Termitenart und im Rückgriff auf eine aktuelle Science-Veröffentlichung erneut unter Beweis stellt. So opfert sich ein Arbeitertier zur Abwehr von Eindringlingen und zum Schutz des eigenen Volkes, indem es den eigenen Rücken aufsprengt und dadurch ein Gift freisetzt. Den Schluss auf den menschlichen Bereich und die genetische Reduktion der "Nächstenliebe" verkneift sich der Autor dann doch - auch wenn die Überschrift anderes befürchten ließ. hhp
|
 | 2012/07/27: Stringtheorie - Der Schwingung der Welt auf der Spur - Wissen - sueddeutsche.de |
| Der Artikel berichtet von der aktuellen Münchener Jahrestagung der Stringtheorie und den Schwierigkeiten, empirische Bestätigungen dieser Theorie und der Multiversenspekulation zu bekommen. Nach Jahren der Euphorie sei man inzwischen aber bescheidener geworden: statt zur Welterklärung diene die Stringtheorie vorerst nur als praktisches Werkzeug. hhp
|
 | 2012/07/23: Das Higgs im Kopf - faz online |
| Der Artikel problematisiert den Wirklichkeitsbezug physikalischer Beschreibungen, die sich weit von der mesokosmischen Alltagswirklichkeit entfernen. Auf die Frage, ob "Quarks und Higgs-Bosonen tatsächlich so real wie Kaffeetassen und Erdbeerkuchen" sind, gebe es realistische, konstruktivistische bis anti-realistische Antworten. Der fehlenden Anschaulichkeit des Higgs-Teilchens zum Trotz trägt der Artikel zusammen, wie sich führende Forscher das Teilchen vorstellen - in anschaulichen Zeichnungen. hhp
|
 | 2012/07/12 Und alle Fragen offen - ZEIT Nr. 29 S. 29 |
| Der Autor Robert Gast informiert ausführlich über die Hintergründe des nun wahrscheinlich bestätigten Higgs-Teilchens, die Leistung am CERN und die auch gesellschaftliche Frage: wollen wir in Zukunft noch genaueres wissen? Die Pläne für den nächstgrößeren Beschleuniger wurden bereits präsentiert. Und Ungewissheiten kennt die Physik noch zur Genüge. - al
|
 | 2012/07/12 Klärt euch auf! - ZEIT Nr. 29 S. 41 |
| "Was die Ökonomen von den Philosophen lernen können" will der Autor skizzieren, nämlich, dass sie sich über ihre heimlichen Grundannahmen Aufklärung verschaffen müssen. Grund dafür, warum die Verheißungen von Wirtschaftswissenschaftlern oft mit Vorsicht zu genießen sind, sei der, dass das Schatzkästlein ihrer Theorie gut gefüllt ist mit Denkfiguren die aus uralten Nachbardisziplinen stammen. Wohl war, und das sind eben Philosophie und auch Theologie. -al
|
 | 2012/07/04 Der Higgs-Hype vertuscht die Wahrheit - ZEIT Online |
| Die ZEIT bleibt kritisch im Trubel um das Higgs-Teilchen. Für Laien gelte das Higgs-Teilchen als gefunden, sagte der Direktor des CERN nach den wissenschaftlichen Vorträgen. Für Physiker ist die Sache allerdings etwas komplizierter. Nach den strengen Regeln der Teilchenphysik fehlt noch eine Haaresbreite, damit man von einer Entdeckung sprechen kann. Ein guter Hinweis sind auch die abschließenden Worte des Kommentators Robert Gast: Man kann nur hoffen, dass man Forschern die Ruhe und Zeit gibt, die sie für sichere Antworten brauchen. Und nicht erwartet, dass sie sich erneut dem Takt der Popkultur hingeben. - al
|
 | 2012/07/05 Eine elementare Entdeckung: Teilchen und nicht Gottesteilchen - FAZ.net |
| Auch die FAZ kommt seriös daher: "Nach jahrelanger Suche ist jetzt das Higgs-Teilchen endlich nachgewiesen", wird getitelt. "Ein 'Gottesteilchen' ist es deswegen dennoch nicht." Es wird kurz angerissen, woher dieser merkwürdige Name für ein Teilchen kommt. Interessant sind die Deutungen des Autors: es zeige sich der Triumph einer globalisierten und mit gewaltigen Mitteln ausgestatteten Großforschung. Dennoch bestehen mehr als 95 Prozent des Universums aus dunkler Materie und dunkler Energie, von der man quasi noch gar nichts weiß. "Das letzte Wort ist also noch lange nicht gesprochen, weder in Bezug auf die Existenz neuer Physik noch auf die des lieben Gottes." - al
|
 | 2012/07/05 Suche nach dem Higgs-Teilchen "Was haben wir?" - Sueddeutsche.de |
| Für Physiker ist die Entdeckung des Higgs-Bosons ein sensationeller Durchbruch. Viele Laien fragen sich allerdings, was es denn mit dem Partikel eigentlich auf sich hat. So erklärt die SZ: Peter Higgs postulierte eine Art Kraftfeld, das den Raum erfüllt und jedem Partikel darin seine Masse verleiht. Higgs hatte auch aufgezeigt, dass sich das Feld in einem Teilchen manifestiert. Die Suche danach hat Experimentalphysiker seither beschäftigt. Lobenswert, dass der Artikel ganz ohne die sonst obligatorischen "Gottesteilchen"-Assoziationen auskommt. -al
|
 | 2012/07/03 Haarscharf am gottverdammten Teilchen vorbei - ZEIT.de |
| Jeder will der Erste sein: auch die ZEIT berichtet über die mögliche Entdeckung des "gottverdammten" Higgsteilchens, allerdings deutlich distanzierter als die Süddeutsche. "Erst wenn man weitere Eigenschaften des neuen Teilchens vermessen habe, könne man festlegen, dass es sich um das Higgs-Teilchen handelt", zitiert die ZEIT einen Pressetext des CERN. Das dürfte, so sagen beteiligte Forscher, frühestens im Herbst der Fall sein. - al
|
 | 2012/07/03 Im Partikelfieber - Sueddeutsche.de |
| Es ist so weit: Physiker des Forschungszentrums Cern bei Genf wollen der Öffentlichkeit das Signal eines neuartigen Partikels präsentieren. Ist es wohl das seit mehr als 30 Jahren gesuchte Higgs-Boson, das den Grundbausteinen des Universums ihre Masse verleiht - zumindest wurden illustre Gäste eingeladen, u.a. auch Higgs persönlich, wie die Süddeutsche (SZ) zu berichten weiß. Ob die religiöse Sprache, die von der SZ dabei bemüht wird, aber sinnvoll ist? Vielleicht ein Hinweis auf den modernen Charakter der Wissenschaft als Ersatzreligion. - al
|
 | 2012/06/28 Dem großen Ganzen verpflichtet - ZEIT Nr. 27 S. 46 |
| Helmut Schmidt erinnert an den Physiker, Philosophen und Pazifisten Carl Friedrich von Weizsäcker, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre und ergänzt die biografischen Stationen von Weizsäckers um einige persönliche Erinnerungen. Den Pazifismus des Portraitierten kann er natürlich nicht so stehen lassen, bekannt geworden ist ja Schmidts Ausspruch: "Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen". -al
|
 | 2011/09/15 Erbgutanalyse "Sorry, Frank" ZEIT Nr. 38 S.45 |
| Kurze Glosse über die Tatsache, dass das erste Genom eines Deutschen vollständig entziffert wurde. Dieser sei kerngesund, umso interessanter wie viele Risikomerkmale er dennoch in seinem Erbgut mit sich herumtrage. Das aber sei völlig normal. Gott sei Dank! -al
|
 | 2012/06/08 4:0 für Einstein - FAZ.net |
| Was man schon lange vermutet hat, ist nun Gewissheit: Dass sich Neutrinos angeblich schneller ausbreiteten als das Licht, beruhte auf einem Messfehler. Auch die Neutrinos aus dem Cern halten sich wie alle Objekte stets strikt an Einsteins Tempolimit. Auf jeden Fall werden die überlichtschnellen Neutrinos der Opera-Forscher in die Annalen der Teilchenphysik eingehen - als Lehrstück wie die Wissenschaft unerlaubte Geschwindigkeitsübertretungen regelt. -al
|
 | 2012/06/21 Voreilige Sensation - ZEIT Nr. 26 |
| Auch die ZEIT berichtet über die mögliche Entdeckung des "gottverdammten" Higgs-Teilchens, weist aber darauf hin, dass die Experimente erstmal überprüft werden, bevor offiziell dazu Stellung genommen wird. Nach dem Hype um die angeblich überlichtschnellen Neutrinos beim OPERA-Experiment sicherlich sinnvoll. - al
|
 | 2012/05/16 Lobbyisten gegen esoterische Umtriebe - ZEIT Nr. 21 |
| Das Interview berichtet vom Skeptiker-Weltkongress in Berlin. Brauchen kritische Denker eine Kampforganisation gegen Abstruses? Die "Skeptiker" betrachten sich als Aufklärer und Verbraucherschützer, die mit mehr oder weniger deutlichen Worten auf Missstände hinweisen. Ihre Zielgruppe sind aber nicht die Esoterik-Gläubigen, sondern eher die uninformierten Leute, die noch kritischen Argumenten zugänglich sind. Kritisches Denken bedingt nach Ansicht des Interviewpartners außerdem eine philosophische Analyse, die nach der Konsistenz und der Überzeugungskraft von religiösen Aussagen fragt, ist also eher religionskritisch. - Kann man daher nicht skeptisch genug sein? Nach Ansicht des Wissenschaftlers und Wissenschaftstheoretikers Michael Polanyi ist Glauben jedoch auch für die Wissenschaft ein grundlegendes Konzept. Vermutlich muss man beides vereinen: begründeten Glauben und berechtigten Zweifel. -al
|
 | 2012/05/16 Erbgutanalyse: Was Mutters Blut verrät - ZEIT Nr. 21 |
| In Kürze wird ein Unternehmen einen Test auf den Markt bringen, den viele als Segen, manche dagegen als Fluch empfinden dürften. Denn derTest soll die frühe Entdeckung von Föten mit Downsyndrom massiv erleichtern. Bereits ab der 12. Schwangerschaftswoche erhalten Eltern und Ärzte eine sichere Auskunft, ob der heranwachsende Mensch von dieser häufigsten Form angeborener geistiger Behinderung betroffen ist. Für die Inspektion des werdenden Lebens reichen ein paar Milliliter Blut der Schwangeren. Bevor das neue Verfahren den Eingriff in den Bauch der Schwangeren wirklich ablösen kann, muss der Bluttest allerdings erst noch eine diagnostische Allzwecktauglichkeit erreichen. Während US-Ärzte schon eine schnelle Erweiterung des Testes anmahnen, schürt die Aussicht auf ein künftiges Rundum-Radar im fötalen Erbgut hierzulande vor allem Besorgnis. Aufgeschreckt von den Berichten, wurde der Deutsche Ethikrat mit der Ausarbeitung einer Stellungnahme beauftragt. - al
|
 | 2012/05/04 Religion: "Unser Denken und Handeln basiert auf einer physikalischen Struktur" - ZEIT online |
| Für die Physikerin Lisa Randall ist das Großartige an der Wissenschaft gerade ihre Unordnung. Wissenschaftler sind nicht im Besitz einer geoffenbarten Wahrheit, sondern müssen selber herausfinden, was die Welt im Innersten zusammenhält. Das ist nach Randall der große Unterschied zwischen Religion und Wissenschaft: Wissenschaftler kennen die Antworten nicht. Sie müssen sie suchen. Ein interessantes Gespräch, auch über die Kathedralen und Glaubenssätze der Physik. -al
|
 | 2012/05/03 Ewig nagt der Zweifel - ZEIT Online |
| Die Fachzeitschrift Science verkündet in ihrer jüngsten Ausgabe: »Analytisches Denken fördert den religiösen Unglauben.« Das klingt, so Ulrich Schnabel, intuitiv erst einmal einleuchtend. Die Vernunft als natürliche Gegnerin des Glaubens ? das ist seit gut dreihundert Jahren das Leitmotiv aller Aufklärer und Religionskritiker. Er zeigt zum Glück aber auch: mit Religionskritik darf man es sich nicht zu einfach machen. Sonst sitzt man nur den intuitiven Vorurteilen seiner Ratio auf. - al
|
 | 2012/04/29 Synthetische Biologie: Leben erschaffen nach dem Lego-Prinzip - SPIEGEL ONLINE |
| Mit Methoden aus Biologie und Technik versucht sich der Mensch daran, den Code des Lebens zu verändern - oder sogar völlig neu zu schreiben. Craig Venters bekannte Versuche stehen kennzeichnend für das gesamte Forschungsgebiet der synthetischen Biologie, aber im Grunde handelt es sich um Grundlagenforschung. Wesentlich höheres ökonomisches Potenzial gestehen Experten der Idee zu, Zellen auf industrieller Grundlage mit neuen Aufgaben und Fähigkeiten auszustatten. Hier erscheint die Idee der BioBricks besonders charmant - eine Art biologischer Lego-Bausteine, die mit definierten Schnittstellen ausgestattet sind, über die sich die BioBricks verketten lassen. Parallel verspricht das Vorgehen, was den Menschen schon immer fasziniert hat: künstliches Leben zu erschaffen und sich damit gottgleich zu erheben, hält der informative Artikel am Rande fest. Der Mensch als von Gott begabter Mitschöpfer oder narzistischer Götterstürzer? Eine Frage der theologischen Interpretation der Sache. - al
|
 | 2012/04/09: Dawkins vs. Pell - Q&A; ABC TV |
| Die transskribierte Debatte zwischen Richard Dawkins und George Kardinal Pell, Erzbischof von Sydney, ist ein Lehrstück für typische Kontroversen zwischen naturwissenschaftlich ausgreifendem Atheismus und religiöser Weltanschauung - inklusive zahlreicher (gewollter?) Missverständnisse. So beantwortet Pell die Frage, warum ("why") der Mensch existiert, final i.S.v. "wozu ist der Mensch da?", während Dawkins finale Zweckaussagen grundsätzlich für sinnlos hält und kausal mit den naturwissenschaftlichen Entstehungsbedingungen für den Menschen antwortet. Und die Entstehung der Welt aus dem Nichts wird naturwissenschaftlich nur plausibel, wenn ein anderes "nichts" angenommen wird als das philosophisch-theologische absolute Nichts: "Er lässt Gott fallen und frisiert das Nichts hoch", kontert Pell zu Recht. Blasser bleiben Pells Aussagen zur Hominisation und Dawkins' Frage, woher die Erbsünde komme, wenn Adam und Eva nie existiert hätten, bleibt unbeantwortet. hhp
|
 | 2012/05/01: Die Gottesbedrohung aus dem All - P.M. Magazin |
| Der von Philipp Saller verfasste Beitrag und das Editorial des Chefredakteurs Hans-Hermann Sprado prophezeien den Religionen im Falle einer Begegnung der dritten Art nicht gerade eine rosige Zukunft. Das Bedrohungsszenario gewinnt seine Plausibilität allerdings allein durch geschickte Verdrehung von Umfrageergebnissen. Das Ergebnis spiegelt nämlich weder bei gläubigen Laien noch bei theologischer Elite ?Besorgnis wider?, wie P.M. es gerne hätte, sondern weitestgehende Gelassenheit. hhp
|
 | 2012/04/05: Menschenevolution - Kultursprung durch Großeltern - Spektrum der Wissenschaft |
| Dass es im Laufe der Menschheitsentwicklung zu einer Zunahme der Lebenserwartung gekommen ist, hat die Autorin und Anthropologin erwartet, nicht aber, dass es zwischen Neandertalern und modernem Menschen zu einem solchen Alters-Sprung kam. Durch den zunehmenden Großeltern-Anteil konnte es einen Zuwachs an Tradition und Beziehungspflege geben, der wiederum höheres Alter ermöglichte. Kann diese positive Rückkoppelung beim modernen Menschen den Untergang des Neandertalers erklären? hhp
|
 | 2012/04/08 Ich-Bewusstsein: Was ist das Ich? ZEIT ONLINE |
| Bei der Frage nach dem Kern unseres Menschseins sind sich die wissenschaftlichen Disziplinen alles andere als einig. Klar ist lediglich, dass sich die Gattung Homo sapiens vor allem durch ihr hoch entwickeltes Ich-Bewusstsein auszeichnet. Auch stimmen Natur- und Geisteswissenschaftler darin überein, dass wir alle über einen höchst subjektiven Blick auf die Welt verfügen ? eine »Erste-Person-Perspektive«, wie Philosophen das nennen. Der Artikel lässt aktuelle Forschungsergebnisse von prominenten Forschern und die Frage nach der Willensfreiheit Revue passieren und kommt zu dem Schluss: Was uns zu Menschen macht, ist letztlich die Fähigkeit, mit anderen in Kontakt zu treten. Hochinteressant! - al
|
 | 2012/04/04 Wann ist ein Mensch tot? ZEIT Nr. 15 S.41 |
| Christian Schüle berichtet über Zweifel an dem derzeit noch gültigen Hirntodkriterium für Organtransplantationen. Die gegenläufigen Haltungen hängen an der einen großen Frage: Ist ein hirntoter Mensch wirklich tot? Die Grenze zwischen Leben und Tod ist biologisch nicht definierbar. Wodurch ist Menschsein überhaupt bestimmt? Solche Fragen brechen auf und werden von Schüle zu Recht diskutiert. Er plädiert am Ende für den Hirntod als Grundlage einer Ethik der Solidarität. Aber um welchen Preis? -al
|
 | 2012/03/14: Sind die meisten Wissenschaftler gegenüber Religion zu unkritisch? - wissenrockt.de |
| Der vorliegende Artikel weist auf einen Huffington-Post-Beitrag hin, in dem der Astronom Victor Stenger Wissenschaftler ermutigt, den Konflikt mit Religion nicht zu scheuen. Nur wenn der Einfluss der Religion in der Welt verringert werde, könne Zukunft gelingen. Auslöser für diesen Appell war u.a. eine evangelikale Erklärung zur globalen Erwärmung, die aus Bibel und göttlicher Vorsehung eine Überlebensgarantie abzuleiten glaubt. In der Tat ein fatales Missverständnis biblischer Aussagen! Schade nur, dass Stenger evangelikalen Fundamentalismus mit Religion insgesamt gleichsetzt und sich im Huffington-Original zu Aussagen versteigt wie: "Wissenschaft ist der Wahrheit verpflichtet, Religion dem Unsinn". hhp
|
 | 2012/01/23: Die Weltmaschine kommt auf Touren - Bild der Wissenschaft online |
| Anders als der jüngst besprochene Zeit-Artikel über "Susy" wertet Rüdiger Vaas die Experimente am Large Hadron Collider (LHC) des CERN als "exzellente Leistungen", auch wenn Sensationen zunächst ausbleiben. 2012 allerdings könne allerdings als "Higgs-Jahr" in die Geschichte eingehen, sofern in diesem Jahr in einem "Experimentum crucis" seine Existenz erwiesen oder auch widerlegt werden dürfte. Existiert es, bestätigte es das sog. Standardmodell der Elementarteilchen, an dem seit 40 Jahren theoretisch und nach und nach auch experimentell bestätigend gearbeitet wird. Existiert es nicht, "käme das Standardmodell in ernste Schwierigkeiten". Vaas' steile These: Ein Scheitern wäre "sogar die spannendere Alternative", denn dann hätte man "endlich wieder etwas Unerwartetes entdeckt". hhp
|
 | 2012/03/14: Mysteriöser Misch-Urmensch - Bild der Wissenchaft |
| Fast wie bei jedem Hominidenfund so vermuten die Entdecker auch diesmal "ein neues Kapitel in der menschlichen Evolutionsgeschichte". Entdeckt wurden vormoderne Hominiden in einem Zeitraum, der bisher den Überresten des modernen Menschen vorbehalten war. Die Besiedlungsgeschichte Asiens müsste dann neu geschrieben werden. hhp
|
 | 2012/03/19: Teilchenphysik - Auf der Suche nach Super-Susy - Zeit online |
| Anders als die rationale Wissenschaft sei der Glaube an Gott wie der irrationale Glaube an Feen - wollte uns Richard Dawkins seinerzeit im "Gotteswahn" weismachen. Jetzt jedoch haben die Feen auch Einzug in die Physik gehalten. In den Teilchenbeschleunigern suche man händeringend nach "Kobold Higgs" und "Fee Susy", um das Theoriegebäude der Physik zu vervollständigen, zu bestätigen oder auch zu revolutionieren. Susy, die Supersymmetrie, würde einige Lücken im physikalischen Weltmodell schließen. Hierbei die Metapher der Feen zu bemühen, spricht für eine gewisse Kritik des Autors, der übrigens selbst Physiker ist, an der Methode der Teilchenphysiker: "Wenn man nicht weiterweiß, erfindet man einfach ein neues Elementarteilchen". So viel Willkür in der Physik wollten dann doch einige Kommentatoren nicht wahrheben und sprachen von "ätzendem Humor" und "Spott". Auch Dawkins dürfte die Nestbeschmutzung der feenfreien Zone Naturwissenschaft ärgern! hhp
|
 | 2012/03/16 Unterstützung für Einstein - faz.net |
| Auch die FAZ berichtet vom aus für überlichtschnelle Neutrinos. Messungen des Neutrino-Experiments ?Icarus? zeigten, dass die neutralen Elementarteilchen das von Einstein postulierte kosmische Tempolimit in Höhe der Lichtgeschwindigkeit offenkundig doch nicht übertreten können (was Forscher des "Opera"-Experiments zur Diskussion gestellt hatten). - al
|
 | 2012/03/16 Experiment bestätigt: Neutrinos sind nicht schneller als Licht - SPIEGEL ONLINE |
| Auch schnelle Neutrinos können Einsteins Relativitätstheorie nicht widerlegen. Physiker der internationalen "Icarus"-Forschungsgruppe legten am Freitag Messungen eines Experiments vor, bei dem diese Teilchen die Lichtgeschwindigkeit nicht überschritten haben. Dadurch bekommen Zweifel an den Resultaten eines ähnlichen Experimentes der "Opera"-Forschungsgruppe im vergangenen September neue Nahrung. Dabei waren Neutrinos scheinbar schneller als das Licht - wenn auch nur um extrem kleine Bruchteile von Sekunden. "Die Anzeichen beginnen darauf hinzudeuten, dass das 'Opera'-Ergebnis auf einem Messfehler beruhte", sagt jetzt auch das CERN. -al
|
 | 2012/02/24 Messfehler könnten Überlichtgeschwindigkeit erklären - faz.net |
| Der Befund aus dem vergangenen Jahr, nachdem Neutrinos schneller als das Licht gewesen seien, könnte sich nach der Entdeckung von zwei potentiellen Messfehlern bald zerschlagen. Ein Gespräch mit Caren Hagner, der Leiterin der deutschen Forschergruppe, die am Experiment beteiligt ist, erläutert diese Erkenntnisse. - al
|
 | 2012/02/14: Is religion really under threat? |
| Ein Gespenst namens Säkularismus suche Europa heim und die gebündelten Kräfte des alten Europa mühten sich um seinen Exorzismus. Zunehmend werde der Säkularismus nämlich als Bedrohung statt als wackerer Verteidiger der Freiheit gesehen. Ist der Säkularismus, so fragt der Autor des Artikels, tatsächlich eine solche Bedrohung? Die Härte der Säkularismusgegner lasse darauf schließen, dass mit dem Säkularismus etwas schief gelaufen sei. Eigentlich sei Säkularismus weder ein kämpferischer Religionsvertreiber noch eine gottlose Wissenschaft, die einen Tempel à la de Botton benötige. Vielmehr solle er Menschen aller und keiner Glaubensrichtung vereinen, indem er neutral ist. Die USA sei das beste Beispiel, wie verbreitete Religiosität und konstitutioneller Säkularismus zusammen gehen können. Auch brauche Religion nicht im Privaten zu verbleiben, solange sie vernünftig argumentiere. Die neutrale Freundlichkeit schlug indes für einige der neuen Atheisten mit dem 11. Sept. in Aggression um. hhp
|
 | 2012/01/12 Transplantationen in Deutschland - Bereitschaft zur Organspende ist gering - sueddeutsche.de |
| Nach der Lebendspende einer Niere durch den SPD-Politiker Steinmeier schien es, als sei die Bereitschaft der Deutschen zur Organspende gestiegen. Ein Irrtum. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Patientenverfügungen verhindern Transplantationen häufig, denn in ihnen ist oft festgelegt, dass die medizinische Versorgung im Falle einer schweren Erkrankung schrittweise eingestellt werden soll. Dadurch werden potenzielle Spenderorgane meistens unbrauchbar. Alle Bundestagsfraktionen sind sich einig, dass noch in diesem Jahr ein neues Transplantationsgesetz verabschiedet werden soll, um die Spendenbereitschaft zu erhöhen. Die mit dem Problem verbundene Frage des Hirntodkriteriums behandelt der Artikel leider nicht.- al
|
 | 2010/12/16 Vernunft und Glaube - Spektrum der Wissenschaft Jan. 2012 |
| In dem kostenlos verfügbaren Titelthema der Januarausgabe von Spektrum der Wissenschaft diskutiert der Bochumer katholische Theologe Christian Tapp Theologie als Wissenschaft. Er bringt es so auf den Punkt: Eine Religion, deren Gott vom Wesen her vernünftig ist, werde von ihrer höchsten Instanz her auf ein positives Verhältnis zur Vernunft festgelegt. Dieses sei freilich kein gemütliches Ruhekissen, sondern dauernder Anspruch, Widersprüche zu beseitigen und Verstehen zu ermöglichen. Tapp hält nur einen ontologischen Naturalismus für unvereinbar mit dem Glauben. Mit dem methodischen Naturalismus, der nur fordere, sich in der Naturwissenschaft auf das empirisch Fassbare zu beschränken, solle kein Gläubiger ein Problem haben. Wohl wahr! -al
|
 | 2012/01/08: Stephen Hawkings 70. Geburtstag: Genie auf Augenhöhe mit Albert Einstein - Stephen Hawkings 70. Geburtstag - FOCUS Online - Nachrichten |
| Stephen Hawking anlässlich seines 70. Geburtstages mit Einstein zu vergleichen und in eine Reihe mit all den Großen zu stellen, die unser heutiges Wissen um den Kosmos geschaffen haben, ist sicher aller Ehren wert. Leider feiert die Laudatio auch den größten Fehlschluss Hawkings, der Schluss von den Naturwissenschaften zur Religion: "Hawking hatte Gott gleichsam abgeschafft". Da sollte man es besser mit Hawkings Freund Sir Martin Rees halten, seines Zeichens Königlicher Astronom und Präsident der Royal Society: "Hawking hat sehr wenig Philosophie und noch weniger Theologie gelesen" und "ich glaube nicht, dass wir seiner Sicht dieser Dinge irgend ein Gewicht beimessen sollten". hhp
|
 | 2012/01/08 Stephen Hawking wird siebzig: Durch des Himmels prächt'gen Plan - FAZ online |
| Niemand hat die moderne Physik den Mitmenschen ausdauernder erklärt als der Engländer Stephen Hawking, so die FAZ. Dieser Lehrer und Forscher verkörpere eine noch sehr junge Sorte Denker mit "Neugier, Vernunft, Wahrheitsliebe und Fleiß". Der Artikel nimmt den Geburtstag zum Anlaß eines Abrisses des Kontextes, in dem Hawking arbeitet, und stellt somit eine interessante Ergänzung zum bodenständigeren ZEIT-Artikel dar. -al
|
 | 2012/01/08 Der Geist, der zu den Sternen reist - ZEIT online |
| Heute feiert der Astrophysiker Stephen Hawking seinen 70. Geburtstag. Kaum jemand hat die Rätsel des Kosmos wohl besser vermittelt als er, so ZEIT online. Der Artikel befasst sich ein wenig mit dem "Archetypus eines behinderten Genies" und enthält biografische Informationen. Warum sich Hawking stets auch mit der Gottesfrage beschäftigt, dazu findet sich allerdings nicht viel."Ich bin der Ansicht, dass wir alle, nicht nur die theoretischen Physiker, gern wissen wollen, woher wir kommen", so Hawking selbst. -al
|
 | 2011/12/15: Der Gottesteilchenwahn - der freitag |
| Der Artikel beschreibt zunächst, wie die Suche nach dem Higgs-Teilchen systematisch eingegrenzt werden konnte bis man jetzt fast sicher sein kann, "nahe dran" zu sein. Dass man nun auch nahe am lieben Gott sei, weiß der Artikel als missverständliche Namensgebung des Higgs-Teilchens zu entlarven. hhp
|
 | 2011/12/13: Vatikansternwarte: "Gottesteilchen" stellt Weltbild nicht infrage - kathweb Nachrichten - Katholische Presseagentur Österreich |
| Anscheinend ist es nötig zu betonen, dass das so genannte Gottesteilchen im Falle seiner Entdeckung ein religiöses Weltbild nicht infrage stellt. Gut, dass es eine päpstliche Sternwarte mit qualifizierten Astrophysikern gibt, die hier Richtigstellungen liefern. hhp
|
 | 2011/12/15: «Das Wort ?Gottesteilchen? ist reiner Humbug» - Basler Zeitung |
| Durch den Artikel erfährt man etwas über die Geschichte des CERN und dessen Suche nach dem Higgs-Teilchen. Die Ableitung des Begriffs "Gottesteilchen" aus dem Ausspruch "gottverdammtes Teilchen" bringt den Interviewer zunächst aber auf die Gottesfrage. Der interviewte Teilchenphysiker Dissertori glaubt zwar nicht an Gott, fühlt sich aber durch die Forschungen "an die Grenzen von Wissenschaft, Philosophie und Ethik" versetzt. Sauberes Auseinanderhalten von Naturwissenschaft und Religion ergebe hier eine friedliche Koexistenz. hhp
|
 | 2011/12/13: Das ?Gottesteilchen? - Higgs, wo steckst Du? FAZ-online |
| Es liest sich wie ein Krimi, in dem ein Mörder gejagt und immer mehr in die Ecke getrieben wird: Die Suche nach dem Higgs-Boson, von dem das Überleben des teilchenphysikalischen Standardmodells abhängt. Man ist nah dran und meint schon Spuren des Teilchens wahrnehmen zu können. Um die Entdeckung von einer statistischen Unregelmäßigkeit unterscheiden zu können, braucht man mehr Messungen. Aber da man weiß, wo man den Mörder suchen muss, wird wohl "2012 - das Jahr der Entdeckung". hhp
|
 | 2011/12/07 Die Wirklichkeit der Welle - Zeit Nr. 49 S. 44, Zeit online |
| Noch immer wird um die Interpretation der Quantentheorie gerungen. Ein neuer Aufsatz heizt die Diskussion an, ob die Natur wirklich per se "unscharf" ist (Heisenberg) oder ob es eine "tiefer liegende" Realität gibt, eine These, die bereits David Bohm vertreten hat, den der kurze Artikel aber leider nicht erwähnt. Auf jeden Fall eine spannende Frage! -al
|