Presseschau
Rezensionen
Grenzfragen-News
Veranstaltungen
Fachzeitschriften

Lesehinweise, englisch

Unsere aktuellsten Leseempfehlungen enthalten Kurzhinweise auf neu erschienene Presseartikel – deutschsprachige und englischsprachige mit deutscher Zusammenfassung.

[Gesamtliste] [nur deutschsprachige] [nur englischsprachige]




Englischsprachige Beiträge

2013/05/09: Science and religion can't be reconciled - Why I won't take money from Templeton - Slate

Der bekennende Atheist, Physiker und Buchautor Sean M. Carroll begründet seine Anti-Templeton-Haltung. Die John Templeton Foundation (JTF) sei zwar nicht wirklich bösartig, wie es das Discovery Institut sei; sie verbreite keine Lügen, um Wissenschaftsfeindlichkeit zu fördern, und Manipulationen seien ihr nicht nachzuweisen. Auf ihre Weise sei sie sogar Wissenschaftsfreundlich. Der entscheidende Haken bestehe jedoch darin, dass sie die Auffassung verbreite, Naturwissenschaft und Religion seien miteinander vereinbar. Wissenschaftler, die sich von JTF fördern ließen, stellten damit ihr Ansehen in den Dienst dieser falschen Idee und erwiesen der Welt dadurch einen Bärendienst. Schließlich sei der - von der Mehrheit geteilte - Übergang vom Theismus zum Atheismus der wichtigste ontologische Fortschritt der letzten 500 Jahre. Als Missionar des Atheismus bescheinigt der Autor mit seiner Frontstellung gegen die JTF allerdings gerade deren Erfolg in der Verbreitung der Vereinbarkeitsthese. hhp

2013/04/26: Godlike Great Programmers: The Scientists Arguing for Religious Belief - The New Yorker

Die meisten Wissenschaftler seien ungläubig oder trennten Wissenschaft und Religion. Es gebe aber auch erstaunlicherweise führende Wissenschaftler, die aus der Wissenschaft Argumente für Übernatürliches ziehen. So gehe die "Computer-Theologie" Jürgen Schmidhubers von der Prämisse aus, dass es einen "schnellsten, effizientesten, optimalen Weg gibt, alle logisch möglichen Universen zu berechnen, unseres eingeschlossen - falls unseres berechenbar ist, wogegen nichts spricht". Aber, so wendet der Autor des Artikels ein, wenn ein Universum durch einen Computer beschrieben werden kann, bedeute das nicht, dass es auch durch einen solchen und einen "Gottähnlichen großen Programmierer" auch regiert werde. David Eagleman schließt umgekehrt vom Nichtwissen auf Gott: "Unser kosmisches Nichtwissen ist zu gewaltig, um sich zum Atheismus zu bekennen". Zurecht fragt der Autor allerdings, inwiefern sich diese Nichts-ist-unmöglich-Mentalität ("Possibilianismus") vom Agnostizismus unterscheide. hhp

2013/04/08: Biblical Inerrancy and Evolution,Part 1- The BioLogos Forum

Thomas Jay Oord macht durch seine eigene biografische Entwicklung die Relativierung eines wortwörtlichen Bibelverständnis nachvollziehbar. Der Kernsatz, "der Zweck der Bibel ist unsere Erlösung", gibt die formale Hinsicht an, unter der von "Irrtumslosigkeit" der Bibel gesprochen werden kann. Biblische Wahrheit wird damit nicht in naturwissenschaftlicher Hinsicht beansprucht. Oord, der evangelikal zu verorten ist, erinnert in dieser Sicht der Irrtumslosigkeit der Schrift an die formale Bestimmung, die auch das Zweite Vatikanische Konzil vornimmt: Die Wahrheit der Bibel ist auf unser Heil bezogen ("causa salutis"). hhp

2013/02/04: Science, Catholicism and the Papacy in the New Millennium - Huffingtonpost

Peter M. J. Hess vom National Center for Science Education stellt die Frage, wie sich die Haltung der katholischen Kirche zu einer evolutionären Weltsicht entwickeln wird. Er erläutert, die katholische Kirche habe sich im letzten Jahrhundert bemüht, die Evolutionstheorie zu verarbeiten und die christliche Theologie in eine evolutionäre Weltsicht zu integrieren. Er bezieht sich dabei u. a. auf die Enzyklika Humani generis, die Ansprache Johannes Paul II an die Päpstliche Akademie der Wissenschaften im Jahre 1996, die Schrift Gemeinschaft und Dienstleistung der Internationalen Theologischen Kommission und die von Benedikt XVI einberufene Konferenz zu biologischen Evolution im Jahr 2009. Dennoch würden beklagenswerter Weise immer noch Teile der katholischen Kirche die evolutionären Annahmen ablehnen und sich für eine Auslegung der Schrift im wörtlichen Sinne einsetzen. Der Autor ist aber hoffnungsvoll, dass auch der neue Papst die Unterstützung für die Wissenschaft fortsetzen wird. pts

2013/01/15: How 19-year-old activist Zack Kopplin is making life hell for Louisiana's creationists - io9

Zur Zeit lehrt ein 19-Jähriger Aktivist Louisianas Kreationisten das Fürchten. Die dortige Schulgesetzgebung erlaubt die Anschaffung von Lehrmaterialien zusätzlich zu bestehenden naturwissenschaftlichen Lehrbüchern. Das führte dazu, dass kreationistisches Material das wissenschaftliche faktisch verdrängte. Angesichts weitgehender Ignoranz sah sich der inzwischen 19-jährige Zack Kopplin genötigt, gegen diese Schieflage anzugehen. Ermutigt von der Philosophin Barbara Forrest und dem Nobelpreisträger Harry Kroto entwirft er einen Brief, der mit 78 Unterschriften von weiteren Nobelpreisträgern öffentliche Wirkung zeigt und dem schwierigen Kampf gegen kreationistischen Einfluss Aufschwung verleiht. hhp

2012/10/13: Sam Harris' critique of Eben Alexander - Metaphysical Speculations

Bernardo Kastrup kommentiert die Sam-Harris-Kritik an der Deutung der Nahtoderfahrung von Eben Alexander (s. u.). Die Kritik beruhe letztlich auf einem alten materialistischen Einwand gegen Nahtoderfahrungen: Es könne nicht nachgewiesen werden, dass tatsächlich sämtliche Hirnfunktionen ausgeschaltet waren, und es sei denkbar, dass die Restfunktionen derartige Träume zusammenfabulierten. Die Frage sei aber die, wie ein beschädigtes Gehirn in der Lage sein soll, einen derart komplexen, kohärenten und scharfen Trip zum "Himmel" zu konstruieren. Kastrup vergleicht dies mit einem Auto, das normal fährt, obwohl alles bis auf die Zündkerzen defekt ist. Die Daten seien eine Herausforderung für neurowissenschaftliche Standarderklärungen, die man mit wissenschaftlichem Skeptizismus erst nehmen sollte, statt sie mit abartigen Spekulationen abzutun. In diesem Sinne nun wird Harris als unwissenschaftlich und populistisch manipulativ hingestellt. hhp

2012/10/12: This Must Be Heaven - Sam Harris Blog

Der Neoatheist Sam Harris ist bekannt für seine scharfe Kritik der Religionen, aber ebenso für sein Interesse an spiritueller Erfahrung. So zweifelt er auch nicht an der Nahtoderfahung Eben Alexanders (s. u. 6.10.) als "subjektives Phänomen", wohl aber am Realitätsanspruch und an der religiösen und anthropologischen Deutung, die außerdem mit objektiver Wissenschaft nichts zu tun habe. Harris bleibt bei der materialistischen Deutung, dass auch die Nahtoderfahrung nichts anderes als eine "emergente Eigenschaft der Gehirnaktivität" ist. Harris unterstellt Alexander neurowissenschaftliche Inkompetenz, denn "Koma geht nicht einher mit dem vollständigen Ende kortikaler Aktivität". Die Restaktivität des Gehirns könne die Nahtoderfahrung hervorrufen, die sich des weiteren durchaus mit Drogentrips vergleichen ließe. hhp

2012/10/08: Heaven Is Real: A Doctor?s Experience With the Afterlife - Newsweek

"Als Neurochirurg glaubte ich nicht an das Phänomen der Nahtoderfahrung" bekennt Eben Alexander am Anfang der Newsweek-Titelstory mit dem reißerischen Titel "Der Himmel ist real". In einem 7-tägigen Koma hatte Alexander dann selbst eine Nahtod- und damit eine Bekehrungserfahrung, die aus einem Taufscheinchristen einen bekennenden Auferstehungsgläubigen gemacht hat. Die tiefgehende Erfahrung habe ihm "wissenschaftliche Gründe gegeben, an ein Bewusstsein nach dem Tod zu glauben". Es gebe nämlich "keine wissenschaftliche Erklärung für die Tatsache, dass mein Geist, mein bewusstes inneres Selbst, lebendig und wohlauf war, während mein Körper im Koma lag". Bei "vollständiger Inaktivität" der Neuronen, reiste sein "hirnentbundenes Bewusstsein" zu einer "anderen, größeren Dimension des Universums", die real und nicht illusionär sei. Den Rest seines Lebens will er die "wahre, Natur des Bewusstseins" erkunden und Kollegen wie Laien vermitteln, dass wir sehr viel mehr sind als unser Gehirn. hhp

2012/09/05: Richard Dawkins Introduces Eugenie Scott - friendly atheist

Der Channel "Friendly Atheist" berichtet über die Verleihung des Richard Dawkins Preises an Eugenie Scott, indem er - anders als manch andere Berichterstattung - besonders auf die in der Laudatio von Dawkins ausdrücklich erwähnten Unterschiede zu Scott hinweist. Die Unterschiede lägen in Scotts Respekt vor der Religion, auch wenn Scott selbst nicht gläubig sei. Immerhin habe Dawkins eingeräumt, dass es strategische Gründe für eine solche Haltung gebe. Jedenfalls sei die Erwähnung der Unterschiede ein "leichter Schlenker in einer ansonsten vollmundigen Lobesrede". hhp

2012/09/10: Has Dawkins Changed His View on the Darwin Lobby? - ENV

David Klinghoffer, Mitarbeiter des Discovery Instituts (Intelligent Design Zentrum), nimmt die Preisverleihung an Eugenie Scott zum Anlass, Unstimmigkeiten und Inkonsequenzen bei Richard Dawkins herauszustellen. Dieser habe noch 2008 Scott und dem National Center for Science Education (NCSE) unterstellt, die Öffentlichkeit hinsichtlich ihrer wahren Einstellung zu Religion und Darwinismus getäuscht zu haben. Jetzt aber, bei der Preisverleihung, spiele Dawkins dies zu "freundlichen Meinungsverschiedenheiten" herunter. Was sei passiert? "2008 war das NCSE unaufrichtig, jetzt ist es aufrichtig." Entweder habe Dawkins Scott und das NCSE weichgezeichnet, oder es gebe für Dawkins taktische Gründe, die geäußerte Einstellungen des NCSE vermeintlich für bare Münze zu nehmen. hhp

2012/09/08: 2012 Richard Dawkins Award goes to Eugenie Scott - Sceptical Science

Neben einigen Zitaten aus der Berichterstattung des Guardian (s. u.) liefert der Artikel weitere Hintergrundinformationen. So stellt er Scotts einschlägiges Buch "Evolution vs. Creationism" vor, dessen Vorwort kein Geringerer als Niles Eldredge, ein renommierte Paläontologe, verfasst habe, sowie ihre Rolle beim wichtigen Dover-Prozess, der 2005 dem Kreationismus einen entscheidenden Schlag versetzte. Der Artikel greift Scotts Bemerkung auf, sie werde wohl nie einen Ken Ham Award verliehen bekommen, und stellt Ken Ham als kreationistischen Exzentriker vor, der Noas Arche in Originalgröße nachbaue und behaupte, diese habe auch Dinosaurier enthalten. Der Artikel hat schließlich noch die Laudatio von Richard Dawkins und Beiträge von Scott eingebettet. hhp

2012/09/07: 2012 Richard Dawkins Award goes to Eugenie Scott - Guardian

Der Richard Dawkins Award 2012 geht an Eugenie Scott, Direktorin des National Center for Science Education (NCSE). Der Preis sei Scott zuerkannt worden, wegen ihres "unermüdlichen Einsatzes für die naturwissenschaftliche Bildung". Richard Dawkins, Namensgeber des Preises und bekennender Atheist, bemerkte in seiner Laudatio: "Eugenie Scott gehört zu meinen allerliebsten Bekannten, auch wenn wir unsere zivilisierten Meinungsverschiedenheiten haben". Dass diese Meinungsverschiedenheiten in der unterschiedlichen Stellung zur Religion liegen, lässt der Artikel unerwähnt. Er blickt lieber auf den Konflikt zwischen Dawkins und Gould über die Mechanismen der Evolution. Denn Scott scherzte in ihrer Dankesrede: "Ich besitze nun Auszeichnungen sowohl im Namen von Stephen Jay Gould als auch von Richard Dawkins", und dies zeige, "dass ich mit jedermann auskomme". Allerdings könne sie sich nicht vorstellen, je einen "Ken Ham award" überreicht zu bekommen. Ken Ham ist Kurzzeitkreationist. hhp

2012/08/31: The trouble with atheists: a defence of faith - Guardian

Die eigentlich schlechte Nachricht für den christlichen Autor Francis Spufford sind nicht die argumentativen Einwände der neuen Atheisten. "Die wirklich schmerzhafte Nachricht ist, dass wir peinlich sind" und Inhalte kindischer Krippenspiele ernsthaft verbreiten ohne zu merken, dass die Kindheit vorbei ist - "mit Fingern in beiden Ohren, um den Klang der wirklichen Welt abzuhalten". Im Selbstverständnis Gläubiger jedoch sei der Glaube radikal realistisch. Spufford vergleicht dies mit der Sicht der Realität, wie sie auf den Atheisten-Bussen zum Ausdruck kommt: "Es gibt wahrscheinlich keinen Gott. Mach dir also keine Sorge und genieße das Leben". Anstößig findet Spufford dabei primär die Reduzierung des Lebens auf Genuss. Gegen eine derart eingeschränkte Realitätssicht hält Spufford die gläubige Weltsicht, welche Realismus und Hoffnung gleichzeitig Raum gibt. Als Begründung setzt er dabei weniger auf Argumente als - für meinen Geschmack etwas zu viel - auf die Realität der Gefühle. hhp

2012/08/31: The Selfish Gene by Richard Dawkins ? book review - Guardian

Der Verfasser wendet sich gegen die brüske Kritik, das "egoistische Gen" sei eine außer Kontrolle geratene Metapher. Dawkins Metapher sei dagegen klug gewählt, kontrolliert, und Gott sei Dank trage die Jubiläumsausgabe nach 30 Jahren noch denselben Titel. Dawkins? Brillanz liege in dem Aufweis, wie Gene ihren "Überlebensmaschinen" so viel Vorteile verschaffen, dass sie der nächsten Generation weitergegeben werden können. Individuelles Leben ist in dieser Sicht nicht mehr als ein "Satzzeichen im blinden, automatischen Verlangen der DNA nach Ewigkeit". Solche Formulierungen zeigten wohl einen unbarmherzigen Zug in Dawkins' Argumentationsstil. Gelegentliche Zugeständnisse seien nur Schein, denn er habe bereits alle möglichen Einwände durchdacht und mache sie fröhlich und mit scheinbar müheloser Logik zunichte, und so feuere dieses Buch auch die Eröffnungssalven des späteren totalen, intellektuellen Sturmangriffs auf die Religion. hhp

2012/04/09: Dawkins vs. Pell - Q&A; ABC TV

Die transskribierte Debatte zwischen Richard Dawkins und George Kardinal Pell, Erzbischof von Sydney, ist ein Lehrstück für typische Kontroversen zwischen naturwissenschaftlich ausgreifendem Atheismus und religiöser Weltanschauung - inklusive zahlreicher (gewollter?) Missverständnisse. So beantwortet Pell die Frage, warum ("why") der Mensch existiert, final i.S.v. "wozu ist der Mensch da?", während Dawkins finale Zweckaussagen grundsätzlich für sinnlos hält und kausal mit den naturwissenschaftlichen Entstehungsbedingungen für den Menschen antwortet. Und die Entstehung der Welt aus dem Nichts wird naturwissenschaftlich nur plausibel, wenn ein anderes "nichts" angenommen wird als das philosophisch-theologische absolute Nichts: "Er lässt Gott fallen und frisiert das Nichts hoch", kontert Pell zu Recht. Blasser bleiben Pells Aussagen zur Hominisation und Dawkins' Frage, woher die Erbsünde komme, wenn Adam und Eva nie existiert hätten, bleibt unbeantwortet. hhp




Themen, alphabetisch

Anthropologie

Benedikt XVI.

Bioethik

Darwin

Dawkins

Evolution

Evolutionismus

Gottesbild

Intelligent Design

Interdisziplinarität

Komplexität

Kosmologie

Kreationismus

Neuer Atheismus

Schöpfung

Soziobiologie

Theodizee

Theologie

Tierethik

Wissenschaftstheorie





Druckbare Version

Impressum Kontakt Volltextsuche Was ist forum-grenzfragen? Information in English