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Kosmologie | Neuer Atheismus  

Kreationismus

Auf dieser Seite finden Sie eine thematische Auswahl aus der Gesamtliste der Leseempfehlungen. Weitere Themen finden Sie in der "Schlagwortwolke" der Kontextspalte rechts oder der alphabetischen Liste am Seitenende.




Lesehinweise zum Thema

2013/04/25: Forschung: Verteidigt die Evolutionstheorie! - spektrum.de

Der Paläontologe Russel Garwood berichtet aus eigener Erfahrung, wie wissenschaftliche Veröffentlichungen kreationistisch missbraucht werden. Paradoxerweise sei es gerade die Redlichkeit der Forscher, die ungeklärte Fragen und Kontroversen offen legen, die in Argumente gegen die Evolutionstheorie verdreht würden. Ungeklärtes wird zu "Schwächen" umetikettiert - mit möglichen publizistischen Konsequenzen: "Es wäre ein schwarzer Tag, wenn Forscher beginnen, Widersprüche und Ungewissheiten in ihren Arbeiten zu verheimlichen". Stattdessen empfiehlt der Autor Wissenschaftlern und Verlagen, für Forschungsarbeiten größere Öffentlichkeit herzustellen, z. B. begleitende Blogs und populäre Zusammenfassungen. hhp

2013/02/17: Es hat keinen Sinn, die Grenze zu verwischen - wissenrockt.de

Die "Arbeitsgemeinschaft Evolution in Biologie, Kultur und Gesellschaft" kritisiert hier eine vom Verband Evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS) verbreitete Empfehlung des Kreationisten Reinhard Junker (siehe unten). Die "Akzeptanz schöpfungstheoretischer Interpretationen" als Alternative zur Evolutionstheorie verwische die Grenze zwischen Glaube und Wissenschaft. Man habe nichts gegen die Behandlung offener Fragen, aber dies müsse wissenschaftlich geschehen. Im Vergleich wäre ja auch niemandem damit gedient, "würde etwa die Bachblütentherapie der modernen Medizin als taugliche Alternative gegenübergestellt". Eine "schöpfungstheoretische Scheinalternative" sei "intellektuell unzumutbar und widerspricht unseres Ermessens dem öffentlichen Bildungsauftrag". hhp

2012/11/01: Evolution und Schöpfungslehre an christlichen Bekenntnisschulen - VEBS

Der Verband Evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS) regt mit diesem Thesenpapier des Kreationisten Reinhard Junker an, in der Schule Schöpfung als Alternative zur Evolutionstheorie zu diskutieren. Im Hintergrund steht die Unterscheidung von Mikroevolution (die Junker für möglich hält) und Makroevolution, welche die Entstehung neuartiger Bauplantypen nicht hinlänglich erklären könne. Alternativ dazu geht Junkers Grundtypmodell davon aus, dass Grundtypen erschaffen wurden und sich nur mikroevolutiv weiterentwickeln. Konflikte, die an dieser Stelle auf der Hand liegen, führen zu kritischen Rückfragen an die Evolutionstheorie - nicht etwa an die Theologie. Hier lässt ein Offenbarungspositivismus grüßen, der biblische Formulierungen für unfehlbar hält. hhp

2013/01/15: How 19-year-old activist Zack Kopplin is making life hell for Louisiana's creationists - io9

Zur Zeit lehrt ein 19-Jähriger Aktivist Louisianas Kreationisten das Fürchten. Die dortige Schulgesetzgebung erlaubt die Anschaffung von Lehrmaterialien zusätzlich zu bestehenden naturwissenschaftlichen Lehrbüchern. Das führte dazu, dass kreationistisches Material das wissenschaftliche faktisch verdrängte. Angesichts weitgehender Ignoranz sah sich der inzwischen 19-jährige Zack Kopplin genötigt, gegen diese Schieflage anzugehen. Ermutigt von der Philosophin Barbara Forrest und dem Nobelpreisträger Harry Kroto entwirft er einen Brief, der mit 78 Unterschriften von weiteren Nobelpreisträgern öffentliche Wirkung zeigt und dem schwierigen Kampf gegen kreationistischen Einfluss Aufschwung verleiht. hhp

2012/09/08: 2012 Richard Dawkins Award goes to Eugenie Scott - Sceptical Science

Neben einigen Zitaten aus der Berichterstattung des Guardian (s. u.) liefert der Artikel weitere Hintergrundinformationen. So stellt er Scotts einschlägiges Buch "Evolution vs. Creationism" vor, dessen Vorwort kein Geringerer als Niles Eldredge, ein renommierte Paläontologe, verfasst habe, sowie ihre Rolle beim wichtigen Dover-Prozess, der 2005 dem Kreationismus einen entscheidenden Schlag versetzte. Der Artikel greift Scotts Bemerkung auf, sie werde wohl nie einen Ken Ham Award verliehen bekommen, und stellt Ken Ham als kreationistischen Exzentriker vor, der Noas Arche in Originalgröße nachbaue und behaupte, diese habe auch Dinosaurier enthalten. Der Artikel hat schließlich noch die Laudatio von Richard Dawkins und Beiträge von Scott eingebettet. hhp

2012/09/07: 2012 Richard Dawkins Award goes to Eugenie Scott - Guardian

Der Richard Dawkins Award 2012 geht an Eugenie Scott, Direktorin des National Center for Science Education (NCSE). Der Preis sei Scott zuerkannt worden, wegen ihres "unermüdlichen Einsatzes für die naturwissenschaftliche Bildung". Richard Dawkins, Namensgeber des Preises und bekennender Atheist, bemerkte in seiner Laudatio: "Eugenie Scott gehört zu meinen allerliebsten Bekannten, auch wenn wir unsere zivilisierten Meinungsverschiedenheiten haben". Dass diese Meinungsverschiedenheiten in der unterschiedlichen Stellung zur Religion liegen, lässt der Artikel unerwähnt. Er blickt lieber auf den Konflikt zwischen Dawkins und Gould über die Mechanismen der Evolution. Denn Scott scherzte in ihrer Dankesrede: "Ich besitze nun Auszeichnungen sowohl im Namen von Stephen Jay Gould als auch von Richard Dawkins", und dies zeige, "dass ich mit jedermann auskomme". Allerdings könne sie sich nicht vorstellen, je einen "Ken Ham award" überreicht zu bekommen. Ken Ham ist Kurzzeitkreationist. hhp

2011/06/06: Kreationismus und wissenschaftliche Theologie - AG Evolutionsbiologie

Reinhard Junker, der Geschäftsführer von "Wort und Wissen", weist den Vorwurf zurück, dass "intelligentes Design" theologisch damit verbunden sei, Gottes Schöpfungshandeln mit Erklärungslücken der Naturwissenschaft zu begründen. Umgekehrt unterstellt Junker der wissenschaftlichen Theologie ein tendenziell atheistisches oder gnostisches Denken. Allerdings argumentiert er dabei mit einem Zerrbild wissenschaftlicher Schöpfungstheologie. Es lässt sich zeigen, dass sein Schöpfungsverständnis einem unzulänglichen Bild vom Welthandeln Gottes verhaftet ist, das in der Tat - trotz seines Widerspruchs - Gottes Schöpfungshandeln in Erklärungslücken der Wissenschaft ansiedelt. [Dem Text entnommene Zusammenfassung]

2011/04/25: Texas Freedom Network: Proposed Instructional Materials Put Science Education, Public Schools at Risk in Texas

Die texanische Schulbehörde könnte Materialien zulassen, die Kreationismus befördern und die Evolutionstheorie zurückweisen. Davor warnt die vorliegende Presseerklärung des National Center for Science Education und des Texas Freedom Network, dem durchaus auch religiöse Multiplikatoren angehören. Die zitierten Beispiele aus den Materialien machen die Türöffnerfunktion für den Kreationismus deutlich. Die Presseerklärung erinnert daran, dass es nach dem Doverurteil von 2005 verfassungswidrig ist, in öffentlichen Schulen Kreationismus und Intelligent Design zu unterrichten. (Die Materialien sind über einen Link zugänglich, erfordern zum Öffnen aber ein Passwort). hhp

2011/04/25: Ipsos Global @dvisory: Supreme Being(s), the Afterlife and Evolution | Ipsos

Die Hälfte der Menschen ist religiös, aber "nur" 28% sind Kreationisten. Zu diesem Ergebnis kommt eine von Reuters beauftragte globale Umfrage in 23 Ländern. Konkret glauben 51% an ein göttliches Wesen, 18% nicht, 17% sind unsicher. Ähnlich glauben 51% an ein Weiterleben nach dem Tode, 23% an ein Ende, 26% wissen es nicht. 41% glauben an die menschliche Evolution, 28% glauben kreationistisch, 31% sind unschlüssig.

2011/04/19: Scientist imam: Muslims need to talk about evolution - life - 19 April 2011 - New Scientist

Der Physiker und Imam Usama Hasan hält Evolution und Koran für vereinbar, musste für diese Ansicht aber Morddrohungen hinnehmen. Die gängige Position unter Muslimen sei eine kreationistische. Um Evolution auch in muslimischen Kontexten behutsam zum Thema zu erheben, müssten mehr muslimische Wissenschaftler, deren Religiosität bekannt sei, ihre Sicht offen aussprechen. hhp

2011/02/28: The Scopes Strategy: Creationists Try New Tactics to Promote Anti-Evolutionary Teaching in Public Schools - Scientific American

Der Artikel berichtet über neue Strategien der Kreationisten, Evolutionskritik in den Unterricht einzuschleusen. Paradoxerweise vereinnahmen sie ausgerechnet John Scopes, der vor 80 Jahren die Evolutionstheorie lehrte und deshalb verurteilt wurde. Nun wird er als Ikone unabhängigen Denkens hochgehalten: Sicher würde er heute unter dem Etikett der "akademischen Freiheit" dafür eintreten, "alle Seiten eines kontroversen Themas" auf den Tisch zu legen, die "Stärken und Schwächen" zu diskutieren. Die genannten Formulierungen stehen nur scheinbar für kritisches Denken. Tatsächlich aber wird mit Ihnen ein Türöffner für kreationistisches Gedankengut in Gesetzestexte einzuschmuggeln und der "Kitzmiller vs. Dover"-Prozess, der vor 5 Jahren den Kreationismus aus der Schule verbannte, zu untergraben versucht. hhp

2010/12/20 Dinos an Bord - Spiegel

Die Betreiber des "Creation Museum" in den USA bauen jetzt als Teil eines Freizeitparks die Arche Noah nach, versprochene Steuererleichterungen vom Staat stellen dabei die in den USA strikte Trennung von Staat und Religion in Frage. Der Artikel dient sicher eher der Erheiterung, wenn man nicht wüsste, dass auch 2010 noch 4 von 10 Amerikanern nichts von der Evolution wissen wollen (Gallup). -al

2010/12/17: Four in 10 Americans Believe in Strict Creationism - Gallup

40% der Amerikaner glauben immer noch, dass Gott vor ca. 10000 Jahren die Menschen in ihrer jetzigen Form erschaffen hat. 38% glauben an eine menschliche Evolution unter göttlicher Führung, 16% ohne göttlichen Einfluss. Diese Verteilung ist seit den letzten 28 Jahren erstaunlicherweise relativ stabil, seit 2006 (nach dem Dover-Prozess; hhp) verliert der Kreationismus jedoch leicht an Boden. Die neue Gallup-Umfrage differenziert auch nach Bildungsabschlüssen. Erwartungsgemäß schützt höhere Bildung vor Kreationismus. Aber bei 40% evolutionskritischen Amerikanern wird die Kreationismusdebatte ein (schul-)politischer Dauerbrenner bleiben. hhp

2010/12/19: After 5 years, Dover intelligent design ruling's impact still felt - York Dispatch

5 Jahre nach dem dem Richterspruch gegen die ID-Politik der Schulbehörde von Dover bringen Beteiligte beider Seiten zum Ausdruck, wie der Prozess ihr Leben beeinflusst hat. Darunter bekannte Namen wie Richter J. E. Jones, W. Buckingham (pro ID), J. Miller (biology teacher, contra ID), M. Behe (pro), B. Forrest (contra), K. Miller (contra). Guter biografischer Bericht über die Rezeption eines juristischen Meilensteins. hhp

2010/12/20: Five years ago, "intelligent design" ruling in Dover case set a legal landmark - Philadelphia Inquirer

Der Artikel erinnert an den Richterspruch von John E. Jones III. gegen Intelligent Design exakt vor 5 Jahren. Da ID sich in dem 40-tägigen Dover-Prozess als religiöses und nicht wissenschaftliches Konzept herausstellte, wurde die verfassungsgemäße Trennung von Staat und Kirche verletzt. Direkte Angriffe auf Darwins Theorie waren damit für die Folgezeit abgeschmettert und die ID-Bewegung ausgebremst. Aber für die ID-Protagonisten ist "der Kampf nicht vorbei", und "Dover hat nicht das letzte Wort", so John Mills, der die jüngste Kampagne um Lehrbücher zur Evolution in Louisiana anführt. Die ID-Strategie hat sich geändert und will unter dem Schlagwort "teaching the controversy" neuen Einfluss auf die Schulpolitik nehmen. Für ID-Kritiker Ken Miller sind die Argumente "wiederholt von der scientific community in Misskredit gebracht worden". Wenn wir Dover nicht gewonnen hätten, so ein Vertreter der damaligen Anklage, hätten "Dutzende, wenn nicht hunderte von Schulen ID eingeführt". hhp

2010/10/29: F.A.Z.-Sachbücher der Woche: Was sich da alles gegenseitig züchtet! - Bücher der Woche - Feuilleton - FAZ.NET

Der Artikel bescheinigt Richard Dawkins' neuem Buch 'Die Schöpfungslüge' "etwas mehr Gelassenheit" als seinem missionarischen 'Gotteswahn'. Der Titel ist zwar genauso bissig, stamme aber nicht von Dawkins, sondern vom deutschen Verlag. Anders als seinerzeitige Pauschalverurteilungen sei nun die Frontstellung prägnanter: der kreationistische Schöpfungsbegriff, der von wiederholtem direkten Eingreifen Gottes ausgehe. Bei seinem Hauptanliegen, der überzeugenden Darbietung der Evolution, gehe Dawkins methodisch von menschlichen Züchtungen aus, um sie auf die natürliche Selektion zu übertragen. Erwähnt wird nicht, dass dieser Schluss sehr gewagt ist: Die scheinbar so plausible Extrapolation überspielt, dass es nicht nur um quantitative Veränderungen geht (wie vom Wolf zum Hund), sondern um qualitative Bauplanänderungen (vom Fisch zum Menschen). Evolutionsgegner werden sich sofort auf den Unterschied zwischen Mikro- (Hundeevolution) und Makroevolution (vom Fisch zum Menschen) stürzen. hhp

2010/07/26: An Evolutionary Biologist?s Reflections on the Scopes Trial - History News Network (HNN)

Die Website des HNN widmet 2 Artikel dem 85. Jahrestag des "Affenprozesses". Im ersten beklagt der Evolutionsbiologe David Reznick, dass die Renaissance des Evolutionsdenkens nicht lange vorhielt und wir zu den Bedingungen zurückgekehrt sind, die den Affenprozess umgeben haben. Warum diese permanente Kontroverse um Evolution? Der Hinweis, es handle sich "nur um eine Theorie" (umgangssprachlich = Spekulation), erklärt die Skepsis nicht: Keiner kritisiere die Relativitätstheorie aufgrund ihres Theoriestatus. Offenbar ist es die religiöse Propaganda, deren aktuelle Intelligent-Design-Form nur leicht verkleideter Kreationismus sei. Auch die Argumente seien kaum von William Paleys "Natürlicher Theologie" verschieden, ob man sich auf die Komplexität des Auges oder heute auf die der Bakteriengeißel beziehe. Obwohl widerlegt, sei dies nicht totzukriegen. Schließlich erwartet der Autor in dieser Konfliktsituation auch Schützenhilfe von seinen geisteswissenschaftlichen Kollegen. hhp

2010/06/27: Steven Newton: Darwin, Creationism, and Creation - Huffington Post

Steven Newton, Mitarbeiter des National Center for Science Education (NCSE) mit historischen Kenntnissen über die Eugenik-Programme der Nazis, lobt die z.Zt. erscheinende DVD "Creation". Der Film zeige Darwin als zutiefst nachdenklichen Menschen voller Mitgefühl und Furcht vor den Implikationen und vor der Rezeption seiner revolutionären Ideen. Wohltuend grenze sich dieser Film von den Verzerrungen der Kreationisten ab, die Darwin allzu gern als Wurzel und Motor des Holocaust darstellen. Namentlich erwähnt der Autor Ray Comfort und dessen kommentierte ("Darwin ist nichts als ein offensichtlicher Rassist") Neuauflage von Darwins "Origin", sowie Protagonisten des Discovery Institute, die u.a. Darwins Einfluss auf den ?Todesengel von Auschwitz?, Josef Mengele, herausstellen. Der Film - so die Kreationisten - sei eine "Hollywood Hagiographie" und eine "Strategie der Evolutionisten, um Herz und Verstand der Zuschauer zu gewinnen". Dies sei die beste Empfehlung für den Film - so Newton. hhp

2010/05/15: N. Matzke: The Evolution of Creationist Movements - SpringerLink

Nick Matzke, Experte der Kreationismus-Debatte, stellt die Evolution der Kreationisten-Bewegung in einem ausführlichen, frei erhältlichen Artikel dar. Er stellt die bisherigen Standardwerke von Ron Numbers u.a. in einen weiteren historischen Kontext vor allem des evangelikalen Protestantismus. Zusammenfassend kommt er zu dem Schluss, dass der Kreationismus zwar verschiedene Etiketten und Strategien hervorgebracht hat, seine fundamentale Essenz aber behalten habe. Diese bleibende Essenz macht der Autor an mirakulösen göttlichen Interventionen, Spezialkreationen, fest. Eingekleidet ist diese Essenz in unterschiedlichen Begrifflichkeiten und drei Wellen bis zur Niederlage beim Dover-Prozess. Die vierte Welle versucht nun teilweise ganz auf Begriffe wie "Kreationismus" oder "Intelligent Design" zu verzichten. Die Rhetorik greife jetzt zurück auf "akademische Freiheit", "Theorie, nicht Faktum", die "ganze Breite wissenschaftlicher Sicht" - trojanische Pferde für die bleibende Essenz. hhp

2010/05/11: Intelligent Design: Scientifically and Religiously Bankrupt - Huffington Post

Michael Zimmerman will Intelligent Design endgültig begraben wissen. Der letzte Sargnagel sei die Entdeckung, dass das menschliche Erbgut grottenschlecht designed sei. Na prima! Oder doch nicht? Der Kommentar von Alyse Sheridan hat Recht: ID mag zwar annehmen, dass die Welt perfekt geschaffen wurde. Aber das war vor dem Sündenfall. Danach hat sie ihr perfektes Design eingebüßt. Das imperfekte Genom lässt sich also immer noch bestens ins ID-Gebäude einpassen. hhp

2010/04/27: Australopithecus sediba and the creationist response - The Pandas Thumb

Interessante Auseinandersetzung mit der Argumentation der Kreationisten. Der Autor sieht bei "Answers in Genesis" Selbstwidersprüche oder Rückzugsgefechte. Während früher behauptet wurde, komplette Skelette seien einfach als Affe oder Mensch zu bestimmen, übt man sich nun angesichts von A. sediba in Zurückhaltung: "Kreationisten müssen vorsichtig sein bei der Interpretation solcher Neuigkeiten", so die Selbsteinschätzung. Der Autor sieht den Grund des Sinneswandels in der erdrückenden Befundlage der Realität. Es gäbe einfach zu viele Fälle, in denen Kreationisten widersprüchlich oder revidierend zu klassifizieren gezwungen waren. hhp

2010/03/25: Hoch dotierter Templeton-Preis an Ayala - Bieler Tagblatt

Als meines Wissens erste deutschsprachige Zeitung berichtet das Bieler Tagblatt von der gestrigen Verleihung des Templeton Preises 2010 an den Genetiker und Evolutionsbiologen Francisco J. Ayala. Der Preis sei ihm zuerkannt worden, weil er "energisch gegen die Entzweiung von Wissenschaft und Religion kämpft". Gleichzeitig distanziere sich Ayala auch von Kreationismus und Intelligent Design (ID). Die Grausamkeiten der Natur ließen sich nach Ayala nicht mit einer intelligenten Schöpung vereinbaren. Dieses Argument gegen ID wurde gestern in der Tat so von Ayala vorgetragen, dürfte den Kreationismus aber nur bedingt treffen. Der geht ja davon aus, dass die "intelligente Schöpfung" nachträglich durch den Sündenfall des Menschen pervertiert wurde, wodurch die Übel in die Welt kamen. hhp

2010/03/23: Allianz christlicher und muslimischer Kreationisten - quantara.de

Harald Brandt stellt heraus, dass inzwischen auch die islamische Welt zu einer "Schaltstelle der Kreationisten" geworden ist. Mit dem Islamforscher Oliver Roy parallelisiert er den islamischen Neo-Fundamentalismus mit dem protestantischen Evangelikalismus und mit der religiösen Rechten in Amerika. Der gemeinsame Kampf gegen den Naturalismus verbindet sich mit dem Kampf gegen vermeintlichen Werteverfall: Abwertung der Familie, Homosexualität, Abtreibung etc. Speziell in der Türkei könne das schlechte Bildungssystem selbst bei Studierenden nicht vor Kreationismus schützen: "Sie lernen die Evolutionstheorie, aber sie glauben trotzdem an Adam und Eva". hhp

2009/12/30: Kreationismus auf dem Vormarsch - Tageszeitung junge Welt

Christoph Lammers malt mit kulturkämpferisch grellen Farben das Schreckgespenst des religiösen Fundamentalismus. Selbstverständlich wird eine moderne Schöpfungstheologie mit in denselben Topf geworfen. Und so ist für ihn der "Kreationismus, gemein der Schöpfungsglaube, als derzeit stärkster Widerpart zur wissenschaftlich fundierten Evolutionsbiologie". Der Autor sieht "die Gefahr, daß wir in ein neues Zeitalter der Gegenaufklärung eintreten". Für die komplementäre Gefahr, dass nämlich die enorme Ausweitung des Erklärungsanspruchs der Evolutionstheorie, auch ideologische Züge annehmen kann (siehe Dawkins), ist Lammers Artikel das beste Beispiel. Die Evolutionstheorie wird hier zu einem weltanschaulichen Naturalismus und der Schöpfergott zu einer "irrationalen Ideologie". Abgesehen von diesen ideologischen Entgleisungen beschreibt Lammers differenziert Ausprägungen und Entwicklungen des Kreationismus in den USA aber auch ausführlich in Deutschland. hhp

2009/12/09: Hans Kessler: Evolution und Schöpfung in neuer Sicht: Die Kirche der Gottlosen röstet Kartoffeln mit Kohlendioxid - Sachbuch - Feuilleton - FAZ.NET

Meine positive Besprechung des neuen Buches von Hans Kessler (siehe "Rezensionen") findet ihre Bestätigung durch Eckhard Nordhofen in der FAZ. Das Buch sei "die Ernte einer zwanzigjährigen kompetenten Befassung mit den Naturwissenschaften", die Stärke bestehe in der wissenschaftstheoretisch sauberen Unterscheidung der jeweiligen Diskurse und der Verurteilung unsauberer Vermischungen. Bei allem Lob für Kessler merkt man dem Rezensenten dennoch den Ärger darüber an, dass ein solches Buch im Jahr 2009 überhaupt nötig ist, wo doch die Alternative Bibel oder Wissenschaft seit mindestens 50 Jahren erledigt ist, angefangen mit dem Einsatz der modernen Bibelhermeneutik vor 200 Jahren. Man mag dies bedauern, aber auch zum Anlass nehmen, eine moderne Schöpfungstheologie wie Kesslers "enttemporalisiertes Konzept" gegen zahlreiche naive Zerrbilder eines Schöpfergottes zur Geltung zu bringen, die nicht nur an den fundamentalistischen Rändern der großen Kirchen zu finden sind. hhp

2009/11/30: Evolution im Zeitraffer - Tagesspiegel

Der Biologe Axel Meyer hat Glück und kann der Evolution bei Ihrer Arbeit zusehen. Sein Forschungsobjekt, Buntbarsche, evolvieren in rasantem Tempo. Im afrikanischen Viktoriasee entstand jedes Jahrtausend eine Art, für Meyer ist dies "Evolution im Zeitraffer". In einem nicaraguanischen Kratersee leben erst seit 100 Jahren Buntbarsche, die sich bereits morphologisch, aber (noch) nicht genetisch zu unterscheiden beginnen. Man scheint hier live miterleben zu können, wie aus einer Art gerade zwei Arten werden. Wieder ein Argument mehr gegen die kreationistische Behauptung, Artbildung sei noch nie beobachtet worden. hhp

2009/11/24: Dawkins on evolution - cnn

Richard Dawkins diskutiert mit Max Foster von CNN die Kontroverse Evolution vs. Kreationismus. Im Blick auf die Neuauflage von Darwins "Über den Ursprung der Arten" durch den Kreationisten Ray Comfort entgegnet Dawkins: "Sollte je eine Widerlegung der Evolutionstheorie zustande kommen, dann durch einen seriösen Wissenschaftler und nicht durch einen Idioten". hhp

2009/11/19: Creationists hand out Darwin?s book with a twist

Katherine Lymn berichtet von der Überraschung, die einige Studenten der Uni von Minnesota erlebten, als sie die gern genommene Ausgabe von Darwins "Origin" öffneten: die spezielle Einleitung des evangelikalen Ray Comfort. Für eine Studentin war es "eine Art Betrug" für eine christliche Kommilitonin jedoch eine pfiffige Idee: "Ich denke, es ist gut, beide Sichtweisen dort vorzufinden". Buchverteiler David sprach von 98% positiver Resonanz bei den Studenten. Das "Origin into Schools Project" zielt bewusst auf die Zukunftsgeneration, da hier besonders große Wirkung zu erwarten ist. hhp

2009/11/20: Evangelicals Give Away 170,000 Copies of Darwin?s Book With ?Special Introduction? to College Students - CNSNews.com

So langsam kommt die Sache ins Rollen! Die umstrittene Kreationisten-Ausgabe von Darwins Origin (siehe die Diskussion mit Eugenie Scott weiter unten) wird nun in einer Auflage von 170000 kostenlos an Studierende verteilt. In seiner 50-seitigen "Speziellen Einführung" argumentiert der Kreationist Ray Comfort mit seiner kreationistischen Alternative gegen Darwin. Dazu gehört auch die "Anwendung" Darwins durch Rassisten wie Adolf Hitler und materialistische Atheisten. Dass der Mensch von frühen Primaten abstamme, wird mit prominenten Kronzeugen bestritten: Nach Richard Leakey gebe es "mehr Anhaltspunkte für ein abruptes Erscheinden des Menschen als für ein graduelles Evolvieren". Und nach Stephen Jay Gould sind "Übergänge zwischen Großgruppen typischerweise abrupt". (Siehe über Gould-Missbrauch die Presseschau vom 02.06.09). Richard Dawkins empfiehlt: "Reißt einfach die 50 Seiten raus und braucht sie zu dem Zweck, zu dem sie am besten geeignet sind". hhp

2009/11/15: Evolution's classroom crisis - Guardian

Der Fokus des zweiten Tages der Darwin Tagung in Alexandria liegt nach Riazat Butt, Guardian-Korrespondentin für religiöse Angelegenheiten, auf der Akzeptanz von Evolution in Bildungseinrichtungen. Viele Studenten und Lehrer in muslimischen Ländern und den USA lehnen Evolution ab. Saouma Boujaoude führt diese Ablehnung auf ein eingeschränktes Verständnis von Beweisen und Wissenschaft zurück; dies sei kaum verwunderlich, wenn man die fehlenden Bildungsinvestitionen und den Mangel an wissenschaftlichem Engagement betrachte. Anti-westliche Gefühle und verschwimmenden Grenzen von Evolution und Säkularismus erschwerten die Akzeptanz. Islamischer Kreationismus ist laut Nidhal Guessom ein unscharfes Mosaik von Ideen und keinesfalls gleichzusetzen mit dem amerikanischen. Michael Roberts hält die Auseinandersetzung mit dem Kreationismus für wichtig, denn wenn er in Regierungen an Auftrieb gewänne, würde Wissenschaft und Forschung behindert werden. sh

2009/11/13: Migration is spreading creationism across Europe, claims academic - Guardian

Der britische Wissenschaftler Michael Reiss, Professor am Institut für Bildung in London, Anglikanischer Pastor und ehemaliger Direktor für Bildung der Royal Society ist davon überzeugt, dass Migration zu einem Anstieg von kreationistischen Überzeugungen in Europa führe und als ein aktuelles britisches und gesamteuropäisches Phänomen angesehen werden müsse. Verstärkt würden besonders junge Leute Evolution ablehnen, besonders wenn sie aus muslimischen oder fundamental-christlichen Elternhäusern kämen. Die Vorstellung, Evolution und Religion seien unvereinbar, sei nach wie vor weit verbreitet. Reiss musste im letzten Jahr seinen Posten als Direktor für Bildung der Royal Society aufgeben, nachdem er vorgeschlagen hatte, dass Kreationismus im Biologieunterricht diskutiert werden solle, wenn auch nur um zu beweisen, dass er keine wissenschaftliche Basis habe. sh

2009/11/02: Creationism, Minus a Young Earth, Emerges in the Islamic World - The New York Times

Kreationismus ist auch in der islamischen Welt auf dem Vormarsch, berichtet Kenneth Chang in diesem Artikel der NYT. Im Gegensatz zur christlichen Bewegung gibt es jedoch kaum Young-Earth Kreationisten, da der Koran zwar auch die Schöpfung der Welt in 6 Tagen beschreibt ? allerdings mit dem Zusatz, dass ein Tag metaphorisch für tausend Jahre steht. Das bedeutet jedoch nicht, dass Evolution komplett mit dem Islam vereinbar ist, denn die Evolution des Menschen lehnten viele Muslime ab. Die Debatte um Evolution gewinnt in vielen muslimischen Ländern durch bessere Bildung zunehmend an Bedeutung. Doch eine Umfrage des Evolution Education Research Centers der McGill University, Montreal ergab, dass die Akzeptanz von Evolution je nach Land und Schule stark variiert. Interessant ist dabei, dass besonders Muslime in westlichen Ländern zu den Young-Earth Kreationisten gehören, obwohl diese Bewegung eine fundamental-christliche ist. sh

2009/11/04: Scientist Genie Scott's Last Word to Creationist Ray Comfort: There You Go Again - God and Country

Scott ist aufgefallen, dass der vermeintlich ungekürzten Darwin-Ausgabe Comforts immer noch ein entscheidendes Diagramm und die Epigraphe von Bacon und Whewell fehlen. Scott hätte dabei ruhig erwähnen können, dass das Whewell-Zitat wohl nicht zufällig unterdrückt wird: Whewell nimmt an, "dass Ereignisse nicht durch isolierte Eingriffe einer göttlichen Macht verursacht werden, in jedem Einzelfall angewandt, sondern durch die Einrichtung allgemeiner Gesetze" - was so gar nicht in die kreationistische Denke passt. Den Einwand Comforts, die ständigen Revisionen der Wissenschaft mache diese unglaubwürdig, lässt Scott nicht gelten: "Die Fähigkeit, Erklärungen im Lichte neuer Informationen zu revidieren, ist eine Stärke, keine Schwäche der Wissenschaft". So auch im Falle Ardipithecus, dessen Fund zwar Details revidiere, aber einen gemeinsamen Vorfahre von Mensch und Schimpanse nicht bestreite. Auch als Kreationist könne man die Stärke der Evolutionstheorie anerkennen - siehe Todd Wood. - hhp

2009/11/02: Ray Comfort Responds to Genie Scott on Creationist 'Origin of Species' - God and Country

Als Antwort auf Scott sichert Comfort zu, dass die Darwinausgabe, die in einer Auflage von 170000 Kopien (!) an Studenten verteilt wird, den gesamten Text des "Origin" enthalten werde. Immerhin. Das Folgende ist eine Sammlung von typischer Evolutionskritik, zusammen zu fassen unter "irreduzierbare Komplexität" und "Fehlen von Übergangsformen". In diesem Zusammenhang gerät auch der von Scott bemühte gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse in die Kritik. Es sei gerade die Entdeckung von Ardipithecus gewesen, welche die bisherige "Annahme, wir hätten uns aus uralten schimpansenähnlichen Kreaturen entwickelt, als ganz und gar falsch" erwiesen habe. Da hat er Recht! Aber Scott hat gar nicht behauptet, dass der gemeinsame Vorfahr schimpansenähnlich war, nur, dass es einen solchen gegeben hat. Und Scotts Aussage, "mehr Fossilien werden mehr Details bringen", dreht Comfort strategisch um: "Sie haben die Fossilien also immer noch nicht!" Mal gespannt, was Genie morgen dazu sagt. hhp

2009/10/30: Eugenie Scott about How Creationist 'Origin' Distorts Darwin - God and Country

Der Kreationist Ray Comfort gibt eine antievolutionäre Version von Charles Darwins "On the Origin of Species" heraus, die im November an Colleges verteilt werden soll. Eugenie Scott (siehe unsere RSNG-Tagung 2009) kritisiert, dass der Comfort-Version des "Origin" nicht weniger als 4 entscheidende Kapitel sowie Darwins Vorwort fehlten, darunter - wen wundert es - "Darwins stärkste Beweise für Evolution". Auch Darwins Entgegnung auf das vermutete Fehlen evolutionärer Übergangsformen im 9. Kapitel "sind interessanterweise in Comforts Version nicht enthalten". Scott benennt Beispiele für "Serien von klaren Übergangsformen" einschließlich der "wunderbaren Fossilreihe, die zum Homo sapiens führt". Für Scott ist der Fossilbefund so beeindruckend (sie erwähnt auch den neuen Fund "Ardi" und den gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Schimpanse), dass die "Umrisse der menschlichen Evolution unter Experten nicht ernsthaft in Frage gestellt werden". hhp

2009/10/30: Bibel kapert Biounterricht - Evolution oder Schöpfung? - Gesellschaft-Nachrichten - news.de

Der Artikel berichtet von einer (wohl älteren, 2006 durchgeführten) Umfrage des BBC wonach 22% für den Kreationismus, 17% für ID votierten. Diese sollten für 43% neben der darwinistischen Evolutionstheorie einen Platz "im Schulunterricht" erhalten. Die Bildunterschrift spricht indes vom "Einzug der Schöpfungsgeschichte ins naturwissenschaftliche (!) Klassenzimmer" - was einen grundsätzlichen Unterschied darstellt. In Deutschland habe sich nur die hessische Kultusministerin Karin Wolff "für eine Aufnahme der Kreationistenmodelle in den Schulunterricht ausgesprochen". Falsch: Wolff sprach nicht von Kreationismus, sondern von Schöpfungslehre; sie sprach von Biologieunterricht, nicht von Schulunterricht. Es wird nicht sauber zwischen Bio, Reli, Schule, vor allem aber nicht zwischen Kreationismus und moderner Schöpfungslehre unterschieden. Der Artikel ist sichtlich bemüht, aber völlig überfordert, Klarheit zu schaffen. hhp

2009/10/29: ''Im Wallenstein ist auch kein Platz für Schiller'' - Charles Darwin und die Evolution - sueddeutsche.de

"Evolution ist keine Gefahr, sondern ein Segen für die Theologie": Beide sind nicht etwa unvereinbar wie Kreationisten, Naturalisten, aber auch "der unselige Artikel Kardinal Schönborns" behaupten. Christian Kummer setzt dagegen auf Teilhard de Chardin und seine ontologisch verbindende Formel "Schöpfung durch Evolution". In dieser Denke macht der Schöpfer nicht Kreaturen, sondern verleiht Kreativität; "er macht, dass die Dinge sich machen". Dabei ist er nicht der Chef, der delegiert und dann in die Chefetage entschwindet; er ist der gegenwärtige, "Anteil nehmende Chef". Kummer hält sich hier zurück, die Immanenz Gottes (gegenwärtiger Chef) gegen seine Transzendenz (Chefetage) auszuspielen - anders als in seinem Buch, wo die Chefetage pantheistisch leer bleibt (Der Fall Darwin, 2009, 190). Dennoch enthalte dieser "Schöpfungsplan" für Schönborn wohl zuviel Eigenaktivität, wenn "in der Kosmologie kein Platz mehr für Gott" ist. Aber: "Im Wallenstein ist auch kein Platz für Schiller"! hhp

2009/10/25: Die relativen Dinosaurierhasser - Telepolis

Christian Gapp versucht, die Argumentationsstrukturen der Gegner der Evolutionstheorie mit denen der Gegner der Speziellen Relativitätstheorie zu parallelisieren, um zu dem gemeinsamen Schluss zu kommen: "Es ist verschwendete Zeit, ihre Argumente rational entkräften zu wollen." Der Vergleich ist faszinierend - auf den ersten Blick. Aber der Abschnitt der "Kernargumente von Evolutionskritikern" wirkt seltsam künstlich; nirgends taucht das Standardargument der 'irreduziblen Komplexität' auf. Erst später erfährt der Leser, dass der Abschnitt durch leichte Änderungen aus einer Argumentation gegen die Spezielle Relativitätstheorie generiert wurde. Das erklärt die Künstlichkeit, aber auch die unzureichende Übertragbarkeit. Auf diese Weise wird man Evolutionskritiker sicher auch mit Argumenten der - leider ausgestorbenen - Vertreter der 'flachen-Erde-Theorie' vergleichen können. Das wird dem Niveau der Evolutionskritiker hierzulande nicht gerecht - sowenig ich deren Position teile! hhp

2009/10/20: Biologie macht erst seit Darwin Sinn - Echo Online

Mathias Orgeldinger berichtet von zwei Darwin-Ausstellungen und konzentriert sich auf deren Auseinandersetzung mit dem Kreationismus. Dabei unterlaufen dem Autor schwer wiegende Fehler. So sei "der Kreationismus eine Weltanschauung, nach der das Universum und das Leben ... von einem übernatürlichen Wesen erschaffen wurde" - dann wäre auch das Christentum kreationistisch - Gott bewahre! Die katholische Kirche vertrete eine "theistische Evolution" mit einem "Schöpfergott, der zuweilen steuernd eingreift" - falsch! Von einem solchen Lückenbüßergott hat sich die Kirche längst verabschiedet. Zufall und Ziel seien für Theologen "Gegensätze" - falsch! Die Internationale Theologenkommission stellte 2004 klar, dass "wahre Kontingenz in der geschöpflichen Ordnung nicht unvereinbar ist mit der zielgerichteten göttlichen Vorsehung". Wie sonst bei den Neo-Atheisten üblich wird hier Christentum mit Kreationismus undifferenziert gleichgesetzt, um es damit umso leichter über Bord werfen zu können. hhp

2009/10/15: Education in the Arab world - Economist.com

Unter dem Titel "Nachzügler versuchen aufzuholen" berichtet ein Beitrag u.a. über den beklagenswerten naturwissenschaftlichen Bildungsstand in der Arabischen Welt. Aufhänger ist der Hominidenfund Ardipithecus ramidus, der zu einigem Umdenken der Evolutionsbiologen geführt hat (allerdings nicht im Blick auf eine frühere Abspaltung des menschlichen Stammbaumastes, wie der Economist fälschlich behauptet). In der arabischen Welt führte der Fund erwartungsgemäß zu Schlagzeilen wie "Amerikanische Wissenschaftler entlarven Darwin" oder "Ardi widerlegt Darwins Theorie": ein Rückschlag für den westlichen Materialismus und ein Triumph für den Islam. Die hohe religiöse Bildung gehe auf Kosten der naturwissenschaftlichen, und seit einiger Zeit ist die Rückweisung der Evolutionstheorie durch Umfragen belegt, von denen der Artikel einige benennt. hhp

2009/10/08: Evolution All Around - New York Times

Nicholas Wade hat sich Richard Dawkins "The Greatest Show on Earth" angenommen und attestiert Dawkins einen feinen Sinn für Ironie, den er ohne Gnade gegen Evolutionsgegner einsetze. Allerdings stellt Wade fest, dass Dawkins Begriff einer Theorie nicht wissenschaftlich sei: Für Dawkins sei Evolution mehr als "nur eine Theorie", nämlich ein wissenschaftlicher Fakt. Durch diese Definition rutsche er für Wade genauso ins Dogmatische wie seine Gegner, da Evolution zwar eine historische, jedoch keine wissenschaftliche Tatsache, sondern eben eine Theorie sei. Wade kritisiert besonders den Ton, den Dawkins wählt, wenn er von "Geschichtsverleugnern" spricht, die "schlimmer als ignorant" und "bis zur Perversion verblendet" seien. Dies sei weder wissenschaftlich noch zivilisiert. Kreationisten behaupten, Evolution sei nur eine Theorie; Dawkins sagt, es sei eine Tatsache. Jedoch geht Wade davon aus, dass keiner von beiden recht hat. sh

2009/08/22: A Grand Bargain Over Evolution - The New York Times

Robert Wright will den Kulturkampf zwischen atheistischen Wissenschaftlern und gläubigen Evolutionsgegnern schlichten, indem er auf eine Gemeinsamkeit beider Parteien hinweist: Beide unterschätzten die kreative Kraft der natürlichen Selektion. Nähmen Gläubige dies ernster, könnte auch die darwinistisch so schwer fassbare menschliche Moral plausibel erklärt werden. Wrights Hinweis auf den evolutiv gut erklärbaren "reziprokem Altruismus" greift indes zu kurz, da Moral qualitativ mehr ist als gegenseitiger Nutzen. Moralische Wahrheit sei jedenfalls ähnlich wie mathematische Wahrheit immer schon vorhanden, sie brauche von der natürlichen Selektion nicht erfunden, sondern nur gefunden werden. Diesen "Algorithmus der natürlichen Selektion" könne Gott freigesetzt haben (zur Freude der Gläubigen), aber "seine Rolle in diesem kreativen Prozess endet" damit auch (zur Freude der Naturalisten). Der Preis für die Befriedung indes ist hoch: Es ist der ferne Gott des Deismus! hhp

2009/08/24: Creationists, now they're coming for your children - Times Online

Nachdem sich Richard Dawkins, im "Gotteswahn" so richtig abreagiert und nicht nur den Kreationismus, sondern Religion insgesamt verteufelt hat, schlägt sein neues Buch "The Greatest Show on Earth" andere Töne an. Dawkins betont: "Oft und zu Recht wird gesagt, dass der höhere Klerus und Theologen kein Problem mit der Evolution haben, ja in vielen Fällen Wissenschaftler in dieser Hinsicht aktiv unterstützen". Aber: "Wir dürfen nicht selbstzufrieden annehmen, dass die Akzeptanz der Evolution durch Bischöfe und ausgebildete Priester auch für deren Gemeinden gilt". Umfragen zufolge leugneten hier im Schnitt 40% die Evolution. "Und das sollte die Kirchen ebenso beunruhigen wie Wissenschaftler". Darum appelliert er an die "aufgeklärten Bischöfe und Theologen, etwas mehr Anstrengung im Kampf gegen den antiwissenschaftlichen Unsinn zu zeigen". Es ist der gemeinsame Gegener "Kreationismus", der so ungleiche Elemente wie Dawkins und Theologen zusammenschmiedet. hhp AUSFÜHRLICH IN DER PRESSESCHAU

2009/08/19: Atheist defends Intelligent Design - examiner.com

Die Rezension einer Rezension: James-Michael Smith gibt in diesem Artikel Tom Gilsons Rezension des Buches "Seeking God in Science: An Atheist Defends Intelligent Design" von Dradley Monton wieder. Monton ist Atheist und argumentiert in seinem Buch, dass ID eine stichhaltige Form von philosophischer und wissenschaftlicher Untersuchung sei, derer man sich annehmen solle statt sie grundsätzlich abzulehnen. ID sei nicht zwangsläufig mit einem Glauben an Gott verbunden, unterscheide sich vom Kreationismus, könne durchaus ins Schulcurriculum aufgenommen werden, sei weder primär politisch motiviert, noch die Basis einer theokratischen Verschwörung. Besonders gelobt wird Monton in beiden Rezensionen für seine Bereitschaft, ID objektiv, wissenschaftlich und unaufgeregt zu betrachten - und für seinen Mut, eine in der wissenschaftlich-universitären Welt völlig unpopuläre Haltung zu vertreten. sh

2009/06/29: Paleontology and Creationism Meet but Don?t Mesh - The New York Times

In diesem NYT Artikel berichtet Mark Lyons über den ungewöhnlichen Ausflug von Geologen zum Creation Museum in Kentucky. Der Ausflug war Teil des Freizeitprogramms der Nordamerikanischen Paläontologentagung an der Uni von Cincinnati und ca. 70 Teilnehmer aus der ganzen Welt wollten sehen, wie Kreationisten Paläontologie und Evolution präsentieren. Am bemerkenswertesten und befremdlichsten fanden viele Teilnehmer die Erklärungen für das Alter der Erde und der Dinosaurier. Kreationisten haben zwar die gleichen Fossilien und Steine, kommen aber durch unterschiedliche Grundannahmen zu ganz anderen Antworten als die Paläontologen. Das Museum ist nicht nur innerhalb einer Tagesreise von 2/3 der US Bevölkerung zu erreichen, es ist auch in einem Gebiet, das Paläontologen aufgrund seiner vielen Fossilien im Gestein anzieht. Das Gestein wird auch die Cincinnatische Reihe genannt, die die Zeit von vor 451 ? 443 Millionen Jahren widerspiegelt ? eine Zeit, die es für Kreationisten nicht gibt. sh

2009/06/12: At Creation Museum, Genesis Comes to Life - Washington Post

Ben Chapman nimmt den zweiten Geburtstag des Creation Museum in Petersburg, Kentucky zum Anlass, in der Washington Post exklusiv über seinen Besuch dort zu berichten. Besonders hat ihn anscheinend die Vermarktung der Idee beeindruckt, denn neben Eintrittspreisen informiert er auch über die Kosten eines digitalen Fotos inmitten der biblischen Flut oder unter Dinosauriern und von den zahlreichen anderen Souvenirmöglichkeiten. Natürlich berichtet er außerdem von seiner "Reise" durch die Ausstellung: vom Paradies über den Sündenfall bis zur Flut und weiter bis zu einem 28 minütigen Film über Jesus. Ein sehr erheiternder Artikel, nach dessen Lektüre man ein bisschen genauer weiß, ob man dieses Museum besuchen muss. sh

2009/06/04: Creationism and American schools - New York Times

Bei Lehrbüchern zur Evolutionstheorie spielt in den USA die Phrase "Stärken und Schwächen" bekanntlich eine heiß umkämpfte Rolle (s.u.). Die ursprünglich ganz normalen Wörter gehören inzwischen zum rhetorischen Arsenal der Kreationisten, die das Unterrichten der Evolutionstheorie damit unterminieren wollen. Was beim Schulbuch-Großkunden Texas über McLeroy (s.u.) umgesetzt wird, hat länderübergreifende Bedeutung, da die Verlage nur ungern verschiedene Versionen produzieren. Außerdem wurde bereits in einem halben Dutzend Staaten gesetzgeberisch versucht, in Klassen den Blick auf die "Stärken und Schwächen der Darwinschen Theorie" zu lenken - entsprechend einer Petition des Discovery Instituts, des Think Tank der Intelligent Design Bewegung. "Warum sollte man nicht Schwächen thematisieren?" fragt McLeroy. "Weil offene Fragen etwas anderes sind als vermeintliche Schwächen", antwortet die Gegenseite. hhp

2009/05/31: NCSE's Eugenie Scott - winner of 2009 Stephen Jay Gould Prize - Science Examiner

Eugenie Scott erhält den Stephen Jay Gould Preis 2009. Die Preisvergabe würdigt damit, dass Scott "ihr Leben der Förderung des allgemeinen Verständnisses der Evolution gewidmet hat. Als geschäftsführende Direktorin des National Center for Science Education hat sie an vorderster Front gekämpft, um sicherzustellen, dass die öffentliche Bildung klar zwischen Wissenschaft und Nicht-Wissenschaft unterscheidet und dass die Prinzipien der Evolution in allen Biologiekursen gelehrt werden." Ferner wird ihre Kommunikationsfähigkeit hervorgehoben, mit der sie sich den verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen in "starker, aber angenehmer Führung" widmet. hhp

2009/05/29: Texas Senate rejects confirmation of conservative education board chief Don McLeroy - Dallas Morning News

The Dallas Morning News berichtet über die gescheiterte Wiederwahl des Kreationisten Don McLeroy als Vorsitzender des texanischen Bildungsausschusses. Der Senat stimmte zwar mit 19 zu 11 Stimmen für McLeroy, erreichte aber nicht die nötige 2/3-Mehrheit. Die Demokraten beklagten McLeroys endlose Kulturkämpfe gegen die Evolutionstheorie, die den Bildungsausschuss zum Gespött der ganzen Nation gemacht hätten. Die republikanische Gegenseite sprach indes von einer "Inquisition" gegen einen Republikaner, der Ansichten vertritt, die von vielen Texanern geteilt würden - einschließlich der bibelgestützten Erklärung für die Entstehung des Menschen. Wie auch immer: Gouverneur Rick Perry, der McLeroy nominiert hatte, wird nun einen anderen Vorsitz aussuchen müssen. hhp

2009/05/20: Philosoph Richard David Precht und die Darwinismus-Debatte - Nürnberger Zeitung

Precht schafft es immer wieder, populär zu sein ohne schwarz-weiß zu malen! So sind für ihn Kreationismus und militanter Darwinismus nur komplementäre Fundamentalismen. Zu Recht weist er auf die paradoxe Situation hin, dass Dawkins überzogener Allerklärungsanspruch den Kreationimus geradezu stärke. Darauf hat jüngst schon der Evolutionsbiologe Reinhold Leinfelder (http://achdulieberdarwin.blogspot.com/2009/03/instrumentalisierung-von-darwin-durch.html) hingewiesen: Etwas besseres als Dawkins könne dem Kreationismus gar nicht passieren! Zurück zu Precht, der auf die derzeitigen (!) Grenzen evolutiver Erkenntnis hinweist: über die Mechanismen der Evolution wissen wir sehr wenig, die Entstehung des Lebens gar ist "Spekulation und weit entfernt von Wissenschaft". Precht kann unbefangen über solche Defizite sprechen, weil er unverdächtig ist, sie sofort theologisch auszubeuten: Sein "Ich misstraue jedem Gottesbeweis" liefert denn auch den Haupttitel des Artikels. hhp

2009/05/08: Kulturkampf der Geschöpfe - Charles Darwin und die Evolution - sueddeutsche.de

Der evangelische Theologe Friedrich Wilhelm Graf wehrt sich gegen eine oberflächliche Deutung des Kreationismus und seine arrogante Abwehr. Man könne die Auseinandersetzung nur richtig verstehen, wenn man die politische Dimension des Kreationismus beachte. Es geht nicht nur um Fragen nach Rationalität und Glauben, sondern um "kulturelle Deutungsmacht": Wenn Schöpfungsglaube gestärkt und Evolution entlarvt sei - so der politische Kreationist - fehle das Fundament antichristlicher Weltanschauungen (Kommunismus, säkularer Humanismus, Libertinismus inkl. Homosexualität). Statt dies arrogant abzuwehren, fordert Graf eine religionsanalytische Erklärung der wachsenden Erfolge des Kreationismus. Ansatzweise sieht Graf die Gründe in dem Ungenügen, das Aufklärung, Verwissenschaftlichung, vor allem aber der Aufschwung von Wissenschaft zur Sinnstiftungsinstanz hinterlassen: "Kreationismus ist ein religiöser Gegenentwurf zu einem Wissenschaftsglauben, der Professoren zu Propheten stilisiert". hhp

2009/05/10: Darwin-Jahr: Schöpfungswissenschaftler gefragt

Das evangelikale Nachrichtenorgan "idea" berichtet von verstärkter Nachfrage nach Vorträgen der kreationistisch geprägten Studiengemeinschaft "Wort und Wissen". Ihr Leiter, Reinhard Junker, hält an der Erschaffung der Welt in sechs Tagen fest und sieht es als Aufgabe von so genannten "Schöpfungswissenschaflern", die Widersprüche zu den Naturwissenschaften zu klären. Die Studiengemeinschaft spricht in ihrer Selbstbeschreibung zwar nicht von Kreationismus, vertritt aber auch dort einen biblizistischen Ansatz, der "die biblischen Schilderungen der Urgeschichte im Buch Genesis als historisch zuverlässig betrachtet". Dass dies der gängigen evangelischen wie katholischen Theologie widerspricht, dürfte auch dem gelegentlichen Besucher von forum-grenzfragen nicht entgangen sein. hhp

2009/05/06: Der Gott der Lücken - Wissenschaft vs. Religion ? DerWesten, WAZ Mediengruppe

Der Beitrag berichtet von einem Vortrag des Kulturwissenschaftlers Claus Leggewie über "Die religiöse Rechte und die Wissenschaft". Im Blickpunkt ist der Kreationismus als Bedrohung für die Freiheit der Wissenschaft, beispielhaft verdeutlicht an der Strategie, Intelligent Design im Biologie-Unterricht zu verankern. Hier stimme ich gern zu. Der Artikel versteigt sich dann aber zu der Behauptung, der Versuch, Religion einen innergesellschaftlichen Platz zurückzuerobern, liefe auf eine Bedrohung der Demokratie hinaus. Da hier weder von "religiöser Rechten" noch von "Kreationismus", sondern allgemein von "Religion" die Rede ist, kann man hier kaum zustimmen. Vollkommen zu Recht jedoch schließt der Artikel mit Leggewies Perspektive: Der Abschied vom Lückenbüßergott wäre "eine Befreiung für die Religion". hhp

2009/04/01: Put Texas education board under a microscope - Austin American Statesman

'House Bill 772' wurde am 31.03.09 verabschiedet und legt fest, dass zukünftig jede öffentliche Sitzung des umstrittenen Bildungsausschusses Texas über das Internet gesendet werden soll und anschließend auf der Internetseite des Ausschusses zugänglich bleibt. Laut Artikel ist das der erste Schritt, den Ausschuss genauer zu überprüfen, denn einige der dort vorgebrachten Äußerungen haben in den letzten Wochen Schlagzeilen gemacht. Texaner wüssten anscheinend nicht, was genau der Ausschuss mache und welche Macht er habe. Diese Aufzeichnungen würden vielen Wählern zeigen, wie staatsfeindlich und jenseits der politischen Mitte die Mehrheit der Ausschussmitglieder sei. sh

2009/04/25: McLeroy: Enlisting in the culture war - Commentary - Austin American Statesman

Im Kommentar des AAS stellt Don McLeroy, Vorsitzender des Bildungsausschusses Texas u. bekennender Kreationist, fest, dass die gesamte Diskussion um Evolution im Schulunterricht nur existiere, weil Evolutionisten, angeführt durch Akademiker vom äußeren linken Rand gemeinsam mit der säkularen Elite der Meinungsmacher, es nicht erlaubten, Evolution in Frage zu stellen. In 2 Schritten belegt er seine Argumente zur Lösung der Diskussion: 1.erläutert er die in Texas zu Grunde gelegte Definition von Wissenschaft, laut der durch Beweise prüfbare Erklärungen für natürliche Phänomene gegeben werden müssen. Frage sei also nicht ob etw. wissenschaftlich sondern ob es prüfbar sei. 2.müssten die fossilen Funde betrachtet werden. Hier führt er Goulds Zitat auf, die Mehrheit der Arten zeigten keine Veränderungen. Von den Schülern werde erwartet, zu analysieren u. kritisch zu denken. Diejenigen, die sagen, Evolution habe keine Schwächen und sei unbestreitbar, sollten hiergegen keine Einwände haben. sh

2009/04/24: End poor guidance of Texas education - Austin American Statesman

Der Leitartikel des AAS fordert den Senat von Texas auf, Don McLeroy als Vorsitzenden des Bildungsausschusses abzusetzen. McLeroys Amtzeit sei bisher von Kontroversen bestimmt gewesen, die ein Magnet für Spott und Widerstand von Wissenschaftlern und Forschern seien. McLeroy, ein bekennender Kreationist, übe einen schlechten Einfluss auf den Ausschuss aus, dessen Entscheidungen den 17,5 Billionen US Dollar Bildungsetat des Staates und Schulbücher für die 4,7 Millionen Schüler umfassen. Der Unterrichtsstandart sei durch den neuen Lehrplan geschwächt und der wissenschaftliche Ruf des Staates geschädigt. Der Bildungsausschuss setze außerdem die Schulbuchverlage unter Druck, Bücher vorzulegen, die den Anforderungen des Ausschusses entsprächen. Dieser Einfluss wirke sich auch national aus, da die Verlage die texanischen Bücher im ganzen Land verkaufen würden. Es sei also Zeit, dem Handeln McLeroys ein Ende zu setzen. sh

2009/04/08: John Holdren In Full Interview - Science Insider (Science Magazine )

John Holdren, Direktor des Büros Wissenschaft und Technologie im Weißen Haus und wissenschaftlicher Berater des Präsidenten, sagten in einem Interview gegenüber Science Insider (Science Magazine), dass der neue Lehrplan in Texas eher ein Rückschritt als ein Fortschritt sei. Zwar müsse alle Wissenschaft skeptisch sein, aber wenn man Sichtweisen unterstütze, die evolutionsskeptisch und ungültig seien, so sei dies problematisch. Evolution sei Teil einer modernen biologischen Ausbildung und gegensätzliche Meinungen sollten - wenn überhaupt - an anderer Stelle unterrichtet werden. Die staatliche Politik habe aber keinen Einfluss auf die bildungspolitischen Entscheidungen der Bundesstaaten und könne daher nur diskutieren, bitten und ermahnen, jedoch nicht eingreifen. sh

2009/04/25: Evolutionstheorie im Unterricht: Kreationismus durch die Hintertür - FAZjob.NET

In Texas konnte der Kreationismus einen kleinen Erfolg feiern (siehe unsere englische Presseschau). Obwohl die Formel, im Schulunterricht seien "Stärken und Schwächen" der Evolutionstheorie zu behandeln, gestrichen werden musste, erreichte der kreationistische Leiter des Bildungsausschusses Zugeständnisse an zwei markanten Stellen: Das "plötzliche Auftauchen" neuer Arten sei ebenso kritisch zu hinterfragen wie die "Komplexität der Zelle". Beide Vorgaben sind zentrale Säulen im Argumentationsgebäude von Kreationismus und Intelligent Design. Der FAZ-Artikel weist auf die Spannung der texanischen Entscheidung zu den Urteilen des wichtigen "Kitzmiller"-Prozesses von 2005 hin, in dem der Versuch der Schulbehörde von Dover, "Intelligent Design" als Alternative zur Evolutionstheorie in den Unterricht einzuschleusen, als verfassungswidrig abgewiesen wurde (ausführlich dokumentiert: www.forum-grenzfragen.de/aktuelles/news/archiv/0601-intelligent-design-aus-der-schule-verbannt.php). hhp

2009/04/15: Evolution kann Existenz von Kreationisten nicht erklären - Evo-Magazin

Richard Dawkins habe eingeräumt - so die website zum 200. Geburtstag von Charles Darwin -, dass die Evolutionstheorie "die fortgesetzte Existenz von Kreationisten" nicht erklären könne. Theoretisch hätte eine Spezies, die in so grundlegendem Widerspruch zur Realität lebe, längst aussterben müssen. Für das Evo-Magazin ist dies "ein schwerer Schlag für die Glaubwürdigkeit der Evolutionswissenschaft". Wenn man weiß, dass die Seite von der Giordano Bruno Stiftung und der AG Evolutionsbiologie betrieben wird, bestätigt sich die vage Ahnung, dass dies Eingeständnis nicht ganz ernst gemeint ist ;-) hhp

2009/04/17: EDU-Kantonsräte wollen Gott und Darwin gleichstellen - Tagesanzeiger Zürich

Der Tagesanzeiger berichtet von dem Versuch dreier EDU-Kantonsräte, die Schöpfungslehre in der Schule wie ein naturwissenschaftliches Fach unterrichten zu lassen. In Form eines kontroversen Gesprächs zwischen Kantonsrat Stefan Dollenmeier und Sektenexperte Hugo Stamm werden Argumente diskutiert. Neben dem unsinnigen Titel ("Gott und Darwin gleichstellen") bietet der Beitrag auch eine unzureichende Definition an, wenn Kreationismus die "Lehre der Schöpfung vor dem Hintergrund biblischer Schriften" sein soll. Diese Kennzeichnung triff auch auf eine moderne Schöpfungstheologie zu, wenn "vor dem Hintergrund" nicht "in wortwörtlichem Verständnis" meint. Allzu oft wird diese undifferenzierte Gleichsetzung von Kreationismus, Intelligent Design und moderner Schöpfungstheologie strategisch missbraucht (siehe Dawkins), um das Kind mit dem Bade auszuschütten, sprich: um mit dem Kreationismus Religion insgesamt lächerlich zu machen.

2000/01/08: Der angezweifelte Wahrheitsanspruch - Die Krise des Christentums am Beginn des dritten Jahrtausends - FAZ

Der Artikel verdeutlicht die Schlagrichtung, in welche die Kritik Ratzingers zielt. Es geht nicht um (besser: gegen) die moderne Naturwissenschaft, sondern gegen deren weltanschauliche Ausweitung. O-Ton Ratzinger: "Niemand wird die wissenschaftlichen Beweise für die mikroevolutiven Prozesse ernstlich in Zweifel ziehen können. Nicht darauf, ja auch nicht auf die Problematik der Makroevolution bezieht sich daher die Frage, die ein Gläubiger der modernen Vernunft gegenüber stellen wird, sondern auf die Ausdehnung zu einer philosophia universalis, die zur Gesamterklärung des Wirklichen werden will und keine andere Ebene des Denkens mehr übrig lassen möchte." Der Artikel, der die Wiedergabe eines Ratzinger-Vortrags an der Sorbonne sein will, stellt jedoch die dortige Argumentation auf den Kopf: Dort sah Ratzinger sehr wohl ein "Problem ... beim Übergang von der Mikro- zur Makroevolution" ? im (bei der FAZ verschwiegenen) Rückgriff auf die Kreationisten Junker und (seinerzeit) Scherer. hhp

2009/04/14: Deutsche Biologen sprechen international mit einer Stimme für Darwins Evolutionstheorie - idw

Der Informationsdienst Wissenschaft (idw) berichtet von der engen Kooperation des Deutschen Nationalkomitee (DNK) der Biologen mit dem Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO) und deren gemeinsame und einmütige Zurückweisung antidarwinistischer Strömungen. Leider wirft der Artikel des idw Kreationismus und Intelligent Design undifferenziert in einen Topf.

2009/02/17: Defying Darwin - The Guardian

Stephen Moss' Artikel über Kreationismus basiert auf Interviews mit Kreationisten und vergleicht die Bewegungen in den USA und Großbritannien. Ausgangspunkt seines Vergleichs ist das ?Creation Museum? in Petersburg, Kentucky, und sein brititsches Equivalent ?Genesis Expo? in Portsmouth. Die Kreationismusbewegung in GB, die seit 1932 besteht, spaltet sich zurzeit in mehrere aktive Organisationen auf, die überraschend unabhängig von den größeren, besser finanzierten, politisch aktiveren Bewegungen in den USA sind. In GB wird ebenfalls versucht ID und Kreationismus in den Schulunterricht aufzunehmen. Auf beiden Seiten des Atlantiks wird die Debatte um Evolution vs. Kreationismus, die im Grunde, so Moss, keine wissenschaftliche, sondern eine moralische, kulturelle und politische sei, hart geführt. Richard Harris, ehemaliger Bischof von Oxford, stellt fest, dass Kreationisten und Evolutionisten sich gegenseitig mit Argumenten versorgten und Gemäßigte auf beiden Seiten keinen Platz fänden.sh

2007/06/07: USA TODAY/Gallup Poll results - USATODAY.com

Die Ergebnisse der Gallupumfrage zum Thema Evolution und Kreationismus in den USA, die u.a. die allgemeine Einstellung zu Evolution und Kreationismus, aber auch die Auswirkungen der Einstellungen der Präsidentschaftskandidaten zum Thema auf das Wahlverhalten der Befragten beleuchtet.

2007/06/07: Poll shows belief in evolution, creationism - USATODAY.com

Eine Mehrheit der Amerikaner glaubt laut einer neuen Umfrage, dass sowohl Evolution als auch Kreationismus beide wahrscheinliche Erklärungen für das Leben auf der Erde seien. Dieses Ergebnis betone die Bedeutung des Themas, das republikanische Präsidentschaftskandidaten in den letzten Wochen in den Fokus der Öffentlichkeit zog, seit Mike Huckabee, ehem. Gouverneur von Arkansas, Sam Brownback, Senator von Kensas, und Tom Tancredo, Mitglied des Repräsentantenhauses für Colorado, in einer Debatte angaben, sie glaubten nicht an Evolution. 2/3 der in der Umfrage Befragten sagten ebenfalls, Kreationismus sei definitiv oder wahrscheinlich wahr. Mehr als die Hälfte der Befragten gaben an, Evolution für wahrscheinlich bzw. wahr zu halten. 25% halten jedoch sowohl Evolution als auch Kreationismus für wahrscheinlich, bzw. wahr. Das zeigt laut Geoffrey Layman, Politik- und Religionsexperte der Universität Maryland, dass die Menschen versuchen, Wissenschaft und Religion in Einklang zu bringen. sh

2009/03/30: Texas education board approves standards on evolution - USATODAY.com

Im Streit um einen neuen Lehrplan in Texas ist am Freitag ein Kompromiss gefunden worden. Der neue Wortlaut bestimmt, dass Lehrer die Schüler ermutigen sollen, alle Seiten von wissenschaftlichen Theorien zu untersuchen. Evolutionsbefürworter, die die 20-Jahre alte Formulierung abschaffen wollten, die Lehrer anwies die "Stärken und Schwächen" aller wissenschaftlichen Theorien zu lehren, sagen, die neue Formulierung sei verwirrend und erlaube kreationistischen Argumenten Zutritt die Schulen. Barbara Cargill, Mitglied des Bildungsrates, wehrt sich gegen die Vorwürfe: die neue Formulierung benutze klare Sprache und sei frei von Codewörtern; so werde sichergestellt, dass alle Seiten von wissenschaftlichen Erklärungen mit wissenschaftlichen Methoden untersucht würden. Unterstützer der Änderungen begrüßen weiterhin die Ermutigung zum kritischen Denken im Klassenzimmer. Da Texas einer der größten Schulbuchabnehmer der Nation ist, hat der Lehrplan Auswirkungen auf Schulbücher im ganzen Land. sh

2009/03/26.: Creationists taking on evolution in Germany - The Local

Viele amerikanische Evangelikale sehen Europa zwar als einen gottlosen Ort, aber dieser Reportage von David Wroe zeigt am Beispiel Deutschlands, dass auch hier Evolution hinterfragt wird und sich Kreationismus ausbreitet. So solle z.B. in Dtl ebenfalls ein Bibelfreizeitpark gebaut werden, der u.a. die biblische Schöpfungsgeschichte zeige. Betrachtet man die schwinden Zahlen der Kirchgänger, die liberale Zivilgesellschaft und die theologische Tradition, die Bibel historisch statt wörtlich zu sehen, scheint es undenkbar, dass so ein Park Wirklichkeit werden könnte. Jedoch gewinne laut Wroe Kreationismus mehr Popularität, was vor allem an den rund 80 privaten, konservativ-christlichen Schulen läge. Wissenschaftler bestätigen, dass Kreationismus in Deutschland unterschätzt werde. Das liege auch an dem nachlassenden Interesse an Wissenschaft und dem fehlenden Verständnis dafür. Man sei sich aber einig, dass Kreationismus in Deutschland nicht so stark werde, wie in den USA. sh

2009/04/02: Veranstaltungsbericht: Darwin und die Theologie - humanistischer pressedienst

Der "humanistische pressedienst", Print- und Onlinemedium des neuen Atheismus, berichtet über eine Tagung der Uni Graz zu "Darwin und die Theologie". Dass über die theologischen Beiträge der Veranstaltung polemisiert wird, erstaunt freilich nicht. Der Tenor ist durchweg suggestiv und legt immer wieder die Nähe von moderner Theologie zu Intelligent Design oder Kreationismus nahe. So spricht der Autor beispielsweise vom "- dem Kreationismus nahe stehend verdächtigten, - Wiener Kardinal Johannes Schönborn". Dass hier der Vorname falsch wiedergegeben wird ist verzeihlicher als der Kreationismusverdacht. Schönborn hat sich immer und ausdrücklich vom Kreationismus distanziert - erfreulicherweise kürzlich auch von Intelligent Design. Daher ist es weder "erstaunlich" noch "bezogen auf die Äußerungen seines Bischofs ... mutig", wenn sich Theologen nicht von der Evolutionstheorie, wohl aber von Kreationismus und ID distanzieren. Das alles könnte man wissen, wenn man es denn wissen wollte. hhp

2009/01/25: Texas Two-Step - The New York Times

In Texas wird die Debatte um Evolution im Schulunterricht wieder neu aufgerollt, weil ein neuer Lehrplan verabschiedet werden muss. Der alte Text, laut dem die Schüler "Stärken und Schwächen" aller wissenschaftlichen Theorien prüfen sollen, wurde kürzlich aus dem Lehrplan gestrichen. Obwohl diese Worte harmlos klingen, waren sie in den vergangenen Jahren ein Code, durch den mithilfe von Kreationismus und Intelligent Design Kritik an Evolution geübt wurde. Um eine neue Formulierung wird noch gerungen und die Entscheidung wird knapp ausfallen: sieben der 15 Mitglieder des Bildungsrats sind konservativ. Die Abstimmung ist für März geplant. sh

2008/06/23: Philadelphia Set to Honor Darwin and Evolution - The New York Times

9 akademische, wissenschaftliche und kulturelle Institutionen in Philadelphia veranstalten in 2009 ein Jahr der Evolution: eine Reihe mit Ausstellungen, Seminaren und Vorträgen, um das Darwin-Jahr zu feiern. Die Absicht der Reihe sei es, das Verständnis für Evolution zu fördern und Evolution als Alternative zur biblischen Erzählung zum Ursprung des Menschen vorzustellen. Ken Ham, Leiter des Creation Museums in Petersburg, KY, definiert den Streit als "Christentum gegen die relative Moralität des säkularen Humanismus" und sagt diese beiden Weltsichten seien fundamental unterschiedlich. Er lehnt die Möglichkeit, dass Christen an Evolution glauben könnten, als inkonsequent ab. Die Veranstalter in Philadelphia wollen zwar Evolution populärer machen, haben aber kein Interesse an einem Konflikt mit Kreationisten. William Y. Brown, Präsident der naturwissenschaftlichen Akademie: "Wir werden versuchen einen Weg zu finden, Leute zu überzeugen, der nicht in Konflikt mit ihrem Glauben steht". sh

2009/03/26: Defeat and Some Success for Texas Evolution Foes - The New York Times

In einer knappen Abstimmung bestätigte der Bildungsrat von Texas, dass Evolution zur allgemein akzeptierten Wissenschaft gehört. Jedoch gelang es konservativen Ratsmitgliedern, Lehrer offiziell dazu auffordern zu lassen, mehrere wissenschaftliche Prinzipien kritisch zu beurteilen. Bereits im Januar wurde die Formulierung, die verlangt "Stärken und Schwächen" von wissenschaftlichen Theorien zu untersuchen, aus dem Lehrplan gestrichen. Laut NYT sind die neuen Formulierungen jedoch wieder politische Codes und Versuche, Evolution zu untergraben: die Schüler werden dazu aufgefordert "die Zulänglichkeit und Unzulänglichkeit von natürlicher Selektion als Erklärung für die Komplexität der Zelle zu analysieren und zu beurteilen". Die Debatte über den Lehrplan, der 2010 in Kraft treten wird, hat Auswirkungen auf die Unterrichtsstandarts in den USA. Da Texas die größte Kundengruppe stellt, orientieren sich nationale Schulbuchverlage beim Inhalt ihrer Bücher stark an texanischen Bedürfnissen. sh

2009/03/30: Evolutionary Semantics, Texas-Style - The New York Times

In diesem Artikel wird eine Abstimmung im texanischen Bildungsrat kommentiert, die über genauen Formulierungen im Lehrplan entschied. Der Ausgang dieser Abstimmung wird als "beunruhigend knapp" bezeichnet, da nur eine Stimme den Ausschlag gab. Formulierungen, die Schüler dazu auffordern die "Stärken" und "Schwächen" von wissenschaftlichen Theorien zu untersuchen, sind nicht wieder in den Bildungsplan aufgenommen worden. Auch Worte wie "Zulänglichkeit" und "Unzulänglichkeit" in diesem Zusammenhang setzten sich nicht durch. Stattdessen sollen Schüler nun wissenschaftliche Erklärungen "analysieren, beurteilen und kritisieren" und "alle Seiten" der Beweise untersuchen. Die New York Times feiert diesen Wortlaut als einen knappen Sieg derer, die die solide Wissenschaft unterstützten. Die Alternativformulierungen würden demnach zu stark die vermeintlichen Schwächen der Evolutionstheorie betonen, die von Kreationisten immer wieder aufgegriffen würden. sh

2009/01/21: In Texas, a Line in the Curriculum Revives Evolution Debate - The New York Times

Der alte Konflikt, ob Evolution an Schulen in Texas unterrichtet werden sollte, flammte am vergangenen Mittwoch bei einer Diskussion um den Lehrplan erneut leidenschaftlich auf. Lehrer und Wissenschaftler fürchten, dass der Rat Schulbuchverlage wieder zwingen könnte, eine skeptische Haltung gegenüber Evolution in Schulbücher aufzunehmen. In der Vergangenheit fehlten den konservativen Kräften hierfür die Stimmen im Rat, doch die politische Situation hat sich geändert. Diese Diskussion, in der es um den Wortlaut des Lehrplans geht, ist nur die Spitze des Eisbergs: durch die aktuelle Formulierung - die die Schüler auffordert "Stärken und Schwächen" aller wissenschaftlichen Theorien zu hinterfragen - könnte sich Kreationismus in den Biologieunterricht einschleichen. Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die Einwände, die häufig von Kreationisten gegen Evolution eingebracht würden, haltlos seien. Vertreter der Wirtschaft warnen vor politischen Konsequenzen der Lehrplanänderung. sh

2009/02/16: Boycott by Science Group Over Louisiana Law Seen as Door to Teaching Creationism - The New York Times

Die amerikanische Gesellschaft für integrative und vergleichende Biologie (S.I.C.B.) hat ihre Jahrestagung für 2011 von New Orleans, Louisiana, nach Salt Lake City, Utah, verlegt. Grund dafür ist ein im letzten Sommer verabschiedetet Gesetz, das es Lehrern erlaubt im Unterricht zusätzliche Bücher zu benutzen, die den Schülern helfen, wissenschaftliche Theorien - wie Evolution, die Herkunft des Lebens, Erderwärmung - zu hinterfragen und zu bewerten. Dieses Gesetz wird von den Wissenschaftlern der S.I.C.B. kritisiert, die es als Hintertür bezeichnen, durch die Kreationismus in die Klassenzimmer schleichen könne. Das Gesetz untergrabe die Integrität der Wissenschaft und des wissenschaftlichen Unterrichts in Louisiana. Wissenschaftler kritisieren besonders, dass Evolution keine Theorie, sondern in der wissenschaftlichen Diskussion unumstritten sei. Unterstützer des Gesetzes weisen darauf hin, dass das Gesetz keine religiöse Doktrin unterstütze und keine verschlüsselte Agenda enthalte. sh

2009/02/24: Niederlande: Kreationisten verteilen Anti-Evolutions-Broschüre - Spiegel online

Der in den Niederlanden lange schwelende Konflikt zwischen Kreationisten und Vertretern der Evolutionstheorie wurde erneut aufgeheizt, da Broschüren an alle Haushalte verteilt wurden, in denen die Abstammungslehre angegriffen wird.

2009/02/11: Künftige Bio-Lehrer lehnen Darwin ab - Frankfurter Rundschau

Interview mit Dittmar Graf, Professor für Biologie-Didaktik und Kreationismusexperte an der TU Dortmund, der unter Lehramtsstudenten eine Umfrage zum Thema Evolution durchgeführt hat.

2009/03/13: Vatikanischer Kongress - Gott vermeiden oder Gott spielen?

Auch die Stuttgarter Zeitung berichtet über den Vatikan-Kongress zur Evolutionstheorie und stellt besonders die Kontroversen um die Stellung des Menschen, den ontologischen Status der menschlichen Seele und die Abgrenzung zu Kreationismus und Intelligent Design in den Vordergrund. hhp

2009/02/12: Heiliger Zorn auf Darwin - Frankfurter Rundschau

Die Frankfurter Rundschau berichtet über das Creation Museum in Kentucky, USA und erklärt in diesem Zusammenhang Kreationismus. sh

2009/02/02: 50% doubt over Darwin - mirror.co.uk

Der britische Mirror stellt bei seiner Kurzdarstellung der Theos Studie zu Evolution und Kreationismus die Zweifler Darwins in den Vordergrund. sh

2009/03/18: Darwin in der Türkei - Eine Kreation provoziert - Wissen - sueddeutsche.de

Kai Strittmatter berichtet von einem türkischen "Darwin-Skandal". Ein für die Zeitschrift "Wissenschaft und Technik" geplanter Darwinbeitrag samt Titelbild fielen der Zensur zum Opfer. Für diese Politisierung der Wissenschaft verdächtige man Gegner der Evolutionstheorie. An Hintergründen erfährt man, dass Kreationimus in Lehrplänen vorkommt, dass sich der Erziehungsminister zu Intelligent Design bekennt, und welchen Einfluss der islamische Kreationist Harun Yahya ausübt.

2009/02/06: Poll reveals public doubts over Charles Darwin's theory of evolution - The Daily Telegraph

Der "Daily Telegraph" nimmt die Theos Umfrage zum Anlass, einen Überblick über die Kreationismus/Evolution Diskussion in Großbritannien zu geben. Die Diskussion gewann an Brisanz, als Michael Reiss, Biologe und anglikanischer Kleriker, als Director of Education der Royal Society zurücktreten musste, nachdem er vorgeschlagen hatte, Kreationismus neben Evolution und der Big Bang Theorie an Schulen zu lehren. Laut der Theosumfrage glauben 51% aller Briten, dass die Evolutionstheorie nicht die Komplexität des Lebens auf der Erde erklären kann und dass ein Designer dabei seine Hände im Spiel hatte. 32% glauben zudem, dass Gott die Welt innerhalb der letzten 10000 Jahre erschaffen habe. Richard Dawkins äußerte sein Missfallen über die Umfrage, die seiner Meinung nach beweise, dass die Bevölkerung ignorant gegenüber Wissenschaft sei und fälschlicher Weise annehme, Gott sei die einzige Alternative zu Zufall. sh

2009/03/15: Turkish journal told to scrap Charles Darwin article - The Observer

In der Türkei ist eine neue Debatte um akademische Freiheit und Zensur entbrannt, seit ein Wissenschaftsjournal (Bilim ve Teknik - Wissenschaft und Technik) gezwungen wurde einen 16-seitigen Artikel über Charles Darwin und seine Arbeit zurückzuziehen und die verantwortliche Redakteurin entlassen wurde. Da der Herausgeber des Magazins der staatliche Rat für Wissenschaft, Technologie und Forschung (Tübitak) ist, wurden Vorwürfe der Zensur laut. Offizielle europäische Institutionen warnten außerdem, dass kontinuierliche Einschränkungen der Redefreiheit den Bemühungen der Türkei um eine EU-Mitgliedschaft schaden könnten. Die Regierung wies die Vorwürfe der staatlichen Zensur zurück. Staatsminister Aydin, der für Tubitak verantwortlich ist, stellte fest, dass das Magazin Zensur begangen habe, da Tubitak die Ansichten aller, die der Wissenschaft dienten, repräsentieren solle - unabhänig davon, wie falsch diese lägen. sh

2009/03/17: Hitzige Darwin-Debatte in der Türkei (International, NZZ Online)

Nachdem kurzfristig ein Bericht über Darwin aus dem Wissenschaftsmagazin Bilim ve Teknik (Wissenschaft und Technik) gestrichen wurde, wurden Vorwürfe laut, die der Regierung Zensur vorwerfen. Dieser Artikel erklärt auch die Sicht des staatlichen Rates für Wissenschaft, Technologie und Forschung (Tübitak) und beleuchtet den Imageschaden für die Türkei.

2009/03/02: Four out of five Britons repudiate creationism - The Guardian

Die neue Theos-Umfrage zeigt, wie verbreitet Kreationismus und das Wissen um Darwin ist. Laut Guardian sei demnach der Osten Englands möglicher Weise die gottloseste Region des Königreichs, denn 80% der Befragten dort lehnten Kreationismus und Intelligent Design ab. Außerdem konnte die Hälfte aller Befragten landesweit Darwin nicht als Autoren des Buches 'Über die Entstehung der Arten' identifizieren. Die Umfrage zeigt laut Guardian aber insgesamt, dass das religiöses Empfinden zurückgeht und die Briten sehr unsicher sind, was sie warum glauben. sh

2009/03/02: Interactive map of the UK: evolution and creation - The Guardian

Karte zur Theos Umfrage zu Kreationismus und Evolution. sh

2009/03/10: Erst die Fakten, dann die Theorie - Die Tagespost über Vatikankonferenz zur Evolutionstheorie

Die Autorin, Claudia Kock, hebt im historischen Rückblick von der Enzyklika Humani Generis über Johannes Paul II. bis zum Benedikt XVI. die Vereinbarkeit von Evolutionstheorie und Theologie hervor. Ausführlicher als andere Artikel zu diesem Kongress würdigt sie die Entscheidung, Kreationisten und Intelligent Design Protagonisten nicht als Redner eingeladen zu haben. Die polemische Attacke eines Vertreters des islamischen Kreationisten Harun Yahya zeige - auch wenn es gemäßigte und dialogfähige Anhänger dieser Richtungen gebe - "das ideologische Potenzial in dieser Auseinandersetzung".

2009/03/06: Konferenz in Rom: Vatikan sperrt Kreationisten aus - Wissenschaft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten

Der Artikel stellt die vatikanische Konferenz über Evolution und Glaube in den Kontext einer Positionsklärung der Katholischen Kirche, die sich hiermit eindeutig von Kreationismus und Intelligent Design abgrenzt. Dies korrespondiert mit der gleichen Abgrenzung durch Kardinal Schönborn, auf die der Artikel ebenfalls hinweist. Den Vorwurf des verärgerten kreationistischen Discovery Institutes, die Templeton-Fördergelder hätten die Rednerliste beeinflusst, wiesen die Organisatoren der Vatikan-Konferenz zurück.

2009/03/10: Evolutionstheorie & Theologie: Darwin an der Schwelle - Wirkung - Feuilleton - FAZ.NET

Ulf von Rauchhaupt berichtet über eine wissenschaftliche Konferenz des Vatikan anlässlich des Darwin-Jahres. Vertreter des Kreationismus und der Intelligent-Design-Bewegung seien ausdrücklich nicht eingeladen gewesen; zu ihnen stehe der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Lavada, mindestens in gleicher Distanz wie zu einem evolutionistischen Atheismus. Große Akzeptanz und Resonanz fand hingegen die Schöpfungsvorstellung des Dominikanerpaters Jean-Michel Maldamé, der zwischen "Anfang" und "Grund" unterschied. Als zeitloser Grund von allem ist Gott nicht auf bestimmte zeitliche Momente (Anfang, Entstehung des Lebens, des Menschen etc.) festgelegt. Damit ist Kreationismus, Intelligent-Design und Deismus gleichermaßen eine Absage erteilt. Maldamé: "Alles kommt von Gott, und alles kommt von den Kräften der Natur". hhp

2009/03/13: Gott trifft Darwin: Lassen sich Religion und Evolution vereinbaren? | Wissen | Nachrichten auf ZEIT ONLINE

Hartmut Wewetzers sehr lesenswerter Artikel hält, was der Titel verspricht: Der Autor benennt alle wesentlichen Positionen, die man einnehmen kann, wenn Gott auf Darwin trifft, exemplarisch mit Namen. Stephen Jay Gould setzte mit seinem Modell der NOMA (Non-Overlapping Magisteria) auf ein schiedlich-friedliches Nebeneinander; Richard Dawkins führe Darwin gegen Gott ins Feld, die Kreationisten Gott gegen Darwin. In der Intelligent-Design-Variante friste Gott noch ein Lückenbüßer-Dasein. Von diesen Fehlformen setzt Wewetzer den Physiker Karl Gibereson und den Biologen Kenneth Miller ab. Beide verfielen weder auf einen pantheistischen noch auf einen Lückenbüßer-Gott. Bei beiden arbeite Gott "Hand in Hand mit den Naturgesetzen". Ein Indiz für sein Wirken sei das Erscheinen des Menschen, argumentativ unterfüttert mit dem Begriff der Konvergenz und dem anthropischen Prinzip. Wewetzer unterschlägt die Gegenargumente nicht: ein kurzer und dennoch differenzierter Artikel - Lob! hhp

2009/03/09: Creationism 'should be taught in science lessons' - Daily Telegraph 9th March 2009

In den vergangen Wochen wurden Dutzende Informationsschriften an Schulen in Hampshire geschickt, in denen erklärt wird, wie die biblische Schöpfungsgeschichte im fächerübergreifenden Unterricht der 10-14 Jährigen unterrichtet werden kann. Das Unterrichtsmaterial weist auf die Spannung zwischen Religion und Wissenschaft hin und fordert die Lehrer auf, mit ihren Schülern zu diskutieren, ob es möglich sei an Gott und an Evolution gleichzeitig zu glauben. Die verschiedenen Anschauungen und Argumentationen, wie Evolution, Intelligent Design und Kreationismus, sollen dabei mit in Betracht gezogen werden. Das Material schlägt vor, das Thema fächerübergreifend im Naturwissenschafts- und Religionsunterricht zu behandeln. Kreationismus offiziell in den Lehrplan aufzunehmen stößt im Vereinten Königreich auf Gegenwehr. sh




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