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Komplexität

Auf dieser Seite finden Sie eine thematische Auswahl aus der Gesamtliste der Leseempfehlungen. Weitere Themen finden Sie in der "Schlagwortwolke" der Kontextspalte rechts oder der alphabetischen Liste am Seitenende.




Lesehinweise zum Thema

Michael Ruse: A Darwinian Can Be a Christian, Too

Der renommierte Wissenschaftsphilosph und Anti-Kreationist Michael Ruse bekennt sich hier - in einer Linie mit Francisco Ayala - zur Vereinbarkeit von Darwinismus und Christentum. Ursprünglich erblickte Ruse in den Problemen des Wunders und des Bösen die zentralen Stolpersteine im Dialog. Nun erblickt er als Hauptproblem die christliche Annahme, dass die Existenz des Menschen nicht kontingent ist. Wie geht das mit der evolutiven Ungerichtetheit zusammen? Letztlich befriedigt Ruse weder das neue Buch von McShea und Brandon, das eine evolutive Tendenz zur Komplexitätssteigerung behauptet, noch Robert J. Russells göttliche Beeinflussung der Mutationen auf Quantenebene. Die Lösung des Richtungsproblems sei auf theologischer, nicht auf naturwissenschaftlicher Ebene zu lösen - so Ruse. Einleuchtend! Weniger leuchtet mir indes ein, dass Ruse schließlich zur Multiversen-Hypothese neigt, nach dem Motto: Gott muss nur genug Versuche starten, dann klappt's irgendwann schon mit dem Menschen. - hhp

2010/01/04: Das ist Futter, das ist Gift - Spiegel

Der amerikanische Komplexitätsforscher Stuart Kauffman ist davon überzeugt, dass sich mit keinem Gesetz vorhersagen lässt, welchen Weg die Evolution beschreiten wird. Vielmehr findet er im Universum die Spur einer enormen, keinen Gesetzen unterworfenen Kreativität. In seinem neuesten Buch "Reinventing the Sacred" spricht er von Gott und dem Heiligen im Sinne eines kreativen Werdens des Universums jenseits der Naturgesetze. So anregend diese Ideen sind, so defizitär ist natürlich der Gottesbegriff, wenn auch Gott eine Folge des Urknalls sein soll. - al

2010/01/04: Konkurrenz für Gott - Spiegel

Die synthetische Biologie macht es möglich: in Laboren entstehen künstliche Gene. Wer weiß, eines Tages auch künstliches Leben? Für die Biologen erfüllte sich damit ein alter Traum. Bekommt Gott vom Menschen Konkurrenz? Was der Artikel nicht erwähnt: Im angelsächsischen Bereich gibt es bereits auch in der Theologie Ansätze, den Menschen als "geschaffenen Mit-Schöpfer" zu sehen. Wo er Recht hat: Es bleibt die Angst, dass der Mensch in seiner Hybris Dämonen weckt, die er nicht mehr zu zähmen vermag. - al

2009/11/02: Ray Comfort Responds to Genie Scott on Creationist 'Origin of Species' - God and Country

Als Antwort auf Scott sichert Comfort zu, dass die Darwinausgabe, die in einer Auflage von 170000 Kopien (!) an Studenten verteilt wird, den gesamten Text des "Origin" enthalten werde. Immerhin. Das Folgende ist eine Sammlung von typischer Evolutionskritik, zusammen zu fassen unter "irreduzierbare Komplexität" und "Fehlen von Übergangsformen". In diesem Zusammenhang gerät auch der von Scott bemühte gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse in die Kritik. Es sei gerade die Entdeckung von Ardipithecus gewesen, welche die bisherige "Annahme, wir hätten uns aus uralten schimpansenähnlichen Kreaturen entwickelt, als ganz und gar falsch" erwiesen habe. Da hat er Recht! Aber Scott hat gar nicht behauptet, dass der gemeinsame Vorfahr schimpansenähnlich war, nur, dass es einen solchen gegeben hat. Und Scotts Aussage, "mehr Fossilien werden mehr Details bringen", dreht Comfort strategisch um: "Sie haben die Fossilien also immer noch nicht!" Mal gespannt, was Genie morgen dazu sagt. hhp

2009/10/25: Die relativen Dinosaurierhasser - Telepolis

Christian Gapp versucht, die Argumentationsstrukturen der Gegner der Evolutionstheorie mit denen der Gegner der Speziellen Relativitätstheorie zu parallelisieren, um zu dem gemeinsamen Schluss zu kommen: "Es ist verschwendete Zeit, ihre Argumente rational entkräften zu wollen." Der Vergleich ist faszinierend - auf den ersten Blick. Aber der Abschnitt der "Kernargumente von Evolutionskritikern" wirkt seltsam künstlich; nirgends taucht das Standardargument der 'irreduziblen Komplexität' auf. Erst später erfährt der Leser, dass der Abschnitt durch leichte Änderungen aus einer Argumentation gegen die Spezielle Relativitätstheorie generiert wurde. Das erklärt die Künstlichkeit, aber auch die unzureichende Übertragbarkeit. Auf diese Weise wird man Evolutionskritiker sicher auch mit Argumenten der - leider ausgestorbenen - Vertreter der 'flachen-Erde-Theorie' vergleichen können. Das wird dem Niveau der Evolutionskritiker hierzulande nicht gerecht - sowenig ich deren Position teile! hhp

2009/10/21: Darwin, Laplace, and "God of the Gaps" Reasoning - Science and the Sacred

Darwins Theory ist weniger eine Anfrage an die Existenz Gottes als vielmehr eine Herausforderung für die Argumentation mit dem Lückenbüßergott. Darwin habe für die Biologie diegleiche Bedeutung wie Laplace für die Physik. Laplace bestritt nicht die Existenz Gottes, wohl aber schloss er die Lücken, die Newton noch als Gottesbeweis zuließ. So verhalte es sich auch mit Darwin: Evolution ist kein Argument gegen Gott, sie schließt aber die Erklärungslücke des komplexen Designs, eine Lücke, die viele als Gottesbeweis missbraucht haben. hhp

2009/09/29: Can Evolution Run in Reverse? A Study Says It?s a One-Way Street - New York Times

Das Dollo'sche Gesetz der Irreversibilität der evolutionären Entwicklung hat nun auf molekularem Level eine Bestätigung erfahren. Neue Mutationen machten es der Evolution praktisch unmöglich, die Richtung umzukehren. "Sie brennen die Brücke nieder, welche die Evolution gerade überschritten hat", sagt der Autor des entsprechenden Nature-Artikels, die Biologe Joseph Thornton. Reversibilität sei nur bei äußerst einfachen Merkmalen (z. B. bei einer einzigen Mutation) denkbar. Werden neue Merkmale produziert mit verschiedenen wechselseitig sich beeinflussenden Mutationen, versperrt die Komplexität eine rückwärtige Evolution. Dieses sage nun Bedeutendes aus über den Kurs der evolutionären Geschichte. "Die natürliche Selektion kann eine Menge erreichen, aber in eingeschränkter Weise. Selbst harmlose, zufüllige Mutationen können ihren Pfad blockieren". Thornton weiter: "Die Evolution zu uns war nicht unausweichlich, sondern nur ein Wurf des evolutionären Würfels". hhp

2009/09/28: Evolution and the Problem of Evil - Science and the Sacred

Der Beitrag von Karl Giberson stellt sich der schwierigen Theodizeefrage, die angesichts der zahlreichen Übel und der Vorstellung eines gütigen und allmächtigen Gottes aufbricht. ID-Anhängern gibt Giberson zu bedenken, dass es "schwer vorstellbar ist, dass Gott absichtlich derart üble Dinge designe". In der ID-Rhetorik sind die beschworenen "irredzierbar komplexen" Systeme immer nützlich oder schön; bei Blickerweiterung führen solche komplexen Maschinen aber ebenso Schmerz und Tod herbei. Diese dürfe man nicht unterschiedslos Gott zuschreiben. Die Evolution zeige nun, dass der Natur kreative Kräfte eigen sind. Diese Kräfte schaffen sowohl wunderbare, wie auch schreckliche Dinge; sie stammen zwar von Gott, werden aber von der Natur ausgeübt. Gott schafft durch Zweitursachen! Der Autor setzt die Gabe der Kreativität in Analogie zur Gabe der menschlichen Freiheit: Beides könne - von Gott unbeabsichtigt - zu Übeln führen. Damit nimmt der Autor "Gott aus der Verantwortung". hhp




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