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Evolutionismus

Auf dieser Seite finden Sie eine thematische Auswahl aus der Gesamtliste der Leseempfehlungen. Weitere Themen finden Sie in der "Schlagwortwolke" der Kontextspalte rechts oder der alphabetischen Liste am Seitenende.




Lesehinweise zum Thema

2010/07/26: A Humanist's Reflections on Evolutionary Biology - History News Network (HNN)

Im 2. Artikel des HNN zum "Affenprozess" von 1925 antwortet der Geisteswissenschaftler Hamner seinem naturwissenschaftlichen Kollegen Reznick. Dessen historische Analyse, v.a. die Gleichsetzung des heutigen Klimas mit dem von 1925, sei zwar nicht komplex genug, gern engagiere sich Hamner aber als Geisteswissenschaftler in der Kontroverse Wissenschaft und Religion. Er empfiehlt folgendes Vorgehen: 1. Saubere Unterscheidung zwischen Wissenschaft und Szientismus, der vorschnell in Metaphysik abgleite (z. B. der Neue Atheismus von Dawkins oder Hitchens). 2. Darwin und andere Wissenschaftler sind unideologisch darzustellen, damit ihre Ideen ernst genommen werden. 3. Die Spaltung von religiös und säkular ist zu bedenken. 4. Die Lektüre der heiligen Schriften ist sorgfältig zu betreiben, nicht unter den Tisch zu kehren. Wenn man die Unterschiede zwischen Bibel, Koran und "Ursprung der Arten" verstanden hat, beginnen sich die Haupt-Stopersteine auf dem Weg der Versöhnung aufzulösen. hhp

2010/02/06: What Darwin Got Wrong by Jerry Fodor and Massimo Piattelli Palmarini - The Guardian

"Kein noch so mächtiges Filter kann der Grund für das sein, was durch es hindurchfließt". In diesem Vergleich mit der natürlichen Selektion als Filter bringt Mary Midgley, die der Guardian als "Englands führende Geißel wissenschaftlicher Anmaßung" bezeichnet, die Darwinismuskritik Fodors und Piattelli-Palmarini auf den Punkt. Mit ihnen bestreitet Midgley zwar nicht die Existenz des äußeren Faktors "Selektion", wohl aber dessen privilegierte Stellung innerhalb anderer auch innerer Ursachen. Mit den Autoren spricht die Rezensentin von einer "Masse an internen Einschränkungen, die erfüllt sein müssen, bevor überhaupt ein Phänotyp der äußeren Selektion 'angeboten' werden kann". hhp

2010/02/05: What Darwin Got Wrong and What Fodor and Piattelli-Palmarini Finally Get Right - David Berlinski

David Berlinski, Fellow am Discovery Institute, findet es ermutigend, dass Fodor und co den Schneid zur Darwinismuskritik haben, auch wenn diese etwas spät komme. Kein Argument indes sei neu, andere hätten sie bereits vorgebracht - nicht zuletzt Berlinski selbst, der auch die Analogie Darwin - Skinner seit mehr als 15 Jahren angemahnt habe. Bestürzend findet Berlinski die Reaktion auf Fodor und Piatelli-Palmarini. Die Kommentare auf ihren Artikel demonstrierten "mit unfehlbarem Eifer die charakteristische Gesinnung der darwinischen Community gegenüber Kritik", sprich: deren Immunisierungsstrategien. hhp

2009/12/30: Kreationismus auf dem Vormarsch - Tageszeitung junge Welt

Christoph Lammers malt mit kulturkämpferisch grellen Farben das Schreckgespenst des religiösen Fundamentalismus. Selbstverständlich wird eine moderne Schöpfungstheologie mit in denselben Topf geworfen. Und so ist für ihn der "Kreationismus, gemein der Schöpfungsglaube, als derzeit stärkster Widerpart zur wissenschaftlich fundierten Evolutionsbiologie". Der Autor sieht "die Gefahr, daß wir in ein neues Zeitalter der Gegenaufklärung eintreten". Für die komplementäre Gefahr, dass nämlich die enorme Ausweitung des Erklärungsanspruchs der Evolutionstheorie, auch ideologische Züge annehmen kann (siehe Dawkins), ist Lammers Artikel das beste Beispiel. Die Evolutionstheorie wird hier zu einem weltanschaulichen Naturalismus und der Schöpfergott zu einer "irrationalen Ideologie". Abgesehen von diesen ideologischen Entgleisungen beschreibt Lammers differenziert Ausprägungen und Entwicklungen des Kreationismus in den USA aber auch ausführlich in Deutschland. hhp

2009/12/09: Hans Kessler: Evolution und Schöpfung in neuer Sicht: Die Kirche der Gottlosen röstet Kartoffeln mit Kohlendioxid - Sachbuch - Feuilleton - FAZ.NET

Meine positive Besprechung des neuen Buches von Hans Kessler (siehe "Rezensionen") findet ihre Bestätigung durch Eckhard Nordhofen in der FAZ. Das Buch sei "die Ernte einer zwanzigjährigen kompetenten Befassung mit den Naturwissenschaften", die Stärke bestehe in der wissenschaftstheoretisch sauberen Unterscheidung der jeweiligen Diskurse und der Verurteilung unsauberer Vermischungen. Bei allem Lob für Kessler merkt man dem Rezensenten dennoch den Ärger darüber an, dass ein solches Buch im Jahr 2009 überhaupt nötig ist, wo doch die Alternative Bibel oder Wissenschaft seit mindestens 50 Jahren erledigt ist, angefangen mit dem Einsatz der modernen Bibelhermeneutik vor 200 Jahren. Man mag dies bedauern, aber auch zum Anlass nehmen, eine moderne Schöpfungstheologie wie Kesslers "enttemporalisiertes Konzept" gegen zahlreiche naive Zerrbilder eines Schöpfergottes zur Geltung zu bringen, die nicht nur an den fundamentalistischen Rändern der großen Kirchen zu finden sind. hhp

2009/07/20: Bücherschau zum Darwin-Jahr: Lebenshilfe und andere Erklärungen - Frankfurter Rundschau - Feuilleton

Den meisten der von Christian Schlüter besprochenen 8 Bücher sei gemeinsam, dass sie den vielzitierten "Kampf ums Dasein" als Missverständnis oder tendeziöse Übersetzung entlarven wollten. "struggle for life" und "survival of the fittest" hätten eher mit "fit" i.S.v. Passung, Anpassung zu tun als mit "gewalttätiger Überlegenheit". Darwin sei weder Rassist noch Utopist gewesen, noch habe er die Selektion normativ auf die Gesellschaft übertragen wollen. Überhaupt schätzt der Autor Darwins kluge Selbstbeschränkung und vermutet, dass der Darwinismus "immer dann überfordert [ist], wenn er die ganze Welt erklären soll". Darum warnt Schlüter vor einem "reduktionistischen Szientismus" à la Thomas Junker und rät, sich eher als Agnostiker denn als Atheist zu verstehen, da die Frage nach Gott "mit unseren Mitteln nicht beantwortbar" sei. So scheint es paradox, wenn er am Ende dennoch als Darwins Entdeckung ausgibt, "dass wir die Natur nicht länger als Gottes Schöpfung ... zu begreifen haben". hhp

2009/05/20: Philosoph Richard David Precht und die Darwinismus-Debatte - Nürnberger Zeitung

Precht schafft es immer wieder, populär zu sein ohne schwarz-weiß zu malen! So sind für ihn Kreationismus und militanter Darwinismus nur komplementäre Fundamentalismen. Zu Recht weist er auf die paradoxe Situation hin, dass Dawkins überzogener Allerklärungsanspruch den Kreationimus geradezu stärke. Darauf hat jüngst schon der Evolutionsbiologe Reinhold Leinfelder (http://achdulieberdarwin.blogspot.com/2009/03/instrumentalisierung-von-darwin-durch.html) hingewiesen: Etwas besseres als Dawkins könne dem Kreationismus gar nicht passieren! Zurück zu Precht, der auf die derzeitigen (!) Grenzen evolutiver Erkenntnis hinweist: über die Mechanismen der Evolution wissen wir sehr wenig, die Entstehung des Lebens gar ist "Spekulation und weit entfernt von Wissenschaft". Precht kann unbefangen über solche Defizite sprechen, weil er unverdächtig ist, sie sofort theologisch auszubeuten: Sein "Ich misstraue jedem Gottesbeweis" liefert denn auch den Haupttitel des Artikels. hhp

2009/05/08: Kulturkampf der Geschöpfe - Charles Darwin und die Evolution - sueddeutsche.de

Der evangelische Theologe Friedrich Wilhelm Graf wehrt sich gegen eine oberflächliche Deutung des Kreationismus und seine arrogante Abwehr. Man könne die Auseinandersetzung nur richtig verstehen, wenn man die politische Dimension des Kreationismus beachte. Es geht nicht nur um Fragen nach Rationalität und Glauben, sondern um "kulturelle Deutungsmacht": Wenn Schöpfungsglaube gestärkt und Evolution entlarvt sei - so der politische Kreationist - fehle das Fundament antichristlicher Weltanschauungen (Kommunismus, säkularer Humanismus, Libertinismus inkl. Homosexualität). Statt dies arrogant abzuwehren, fordert Graf eine religionsanalytische Erklärung der wachsenden Erfolge des Kreationismus. Ansatzweise sieht Graf die Gründe in dem Ungenügen, das Aufklärung, Verwissenschaftlichung, vor allem aber der Aufschwung von Wissenschaft zur Sinnstiftungsinstanz hinterlassen: "Kreationismus ist ein religiöser Gegenentwurf zu einem Wissenschaftsglauben, der Professoren zu Propheten stilisiert". hhp

2009/05/05: Christlicher Humanismus ? Zenit - die Welt von Rom aus gesehen

Hans Otto Seitschek stellt in diesem Artikel dem naturalistischen Humanismus einen christlichen Humanismus entgegen. Der naturalistische Humanismus, der alles auf den Menschen selbst zurückführen müsse, münde letztlich in einen Transhumanismus, der die Neuschöpfung des Menschen durch den Menschen selbst vornehmen müsse. Seitschek erscheint dies nicht möglich. Der christliche Humanismus gehe ebenfalls davon aus, dass der Mensch seinem Leben Sinn verleihen muss. Aber dieser Sinn sei klar an Gott orientiert, was den Unterschied ausmache. Zwei Punkte möchte ich kritisieren. 1. Ich halte es für theologisch schief und argumentativ entbehrlich, wenn der Autor in evolutiven "Erklärungslücken ... Metaphern für die Offenheit der menschlichen Natur" erblickt. 2. Wenn der "christliche Humanismus ... in Gott ein klares ... Ziel" anerkennt, was heißt dann "klar"? Das riecht nach theologischen Positivismus, der die Schwierigkeit hermeneutischen Ringens um ein konkretes Ziel verschweigt. hhp

2009/04/27: Seine Hoheit, der Umweltschützer - NRZ - DerWesten

Prinz Charles, der den Deutschen Nachhaltigkeitspreis erhält, weist seit Jahren auf die Grenzen der Wissenschaft hin und warnt vor den Folgen ungebremster Forschung. Seine Achtung vor der Genialität evolutiv entwickelter natürlicher Baupläne bringt Charles zur Forderung an die Wissenschaft, Natur und Evolution zu verstehen, nicht zu verändern. Gegen spirituelle Leere will er das Gleichgewicht von "instinktiver Weisheit und den rationalen Einsichten der Wissenschaft" wieder hergestellt sehen. Wen wundert es, dass Richard Dawkins die Gelegenheit zum Kontern ergreift: "Weit davon entfernt, spirituelle Werte zu missachten [meint er das wirklich ernst? hhp], ist der wissenschaftliche Rationalismus die Krönung des menschlichen Geistes [das meint er tatsächlich ernst]". Der Streit mit Dawkins ist spätestens seit Charles' Rede bei den Reith Lectures 2000 entbrannt (news.bbc.co.uk/hi/english/static/events/reith_2000/lecture6.stm und www.edge.org/3rd_culture/prince/prince_index.html). hhp

2000/01/08: Der angezweifelte Wahrheitsanspruch - Die Krise des Christentums am Beginn des dritten Jahrtausends - FAZ

Der Artikel verdeutlicht die Schlagrichtung, in welche die Kritik Ratzingers zielt. Es geht nicht um (besser: gegen) die moderne Naturwissenschaft, sondern gegen deren weltanschauliche Ausweitung. O-Ton Ratzinger: "Niemand wird die wissenschaftlichen Beweise für die mikroevolutiven Prozesse ernstlich in Zweifel ziehen können. Nicht darauf, ja auch nicht auf die Problematik der Makroevolution bezieht sich daher die Frage, die ein Gläubiger der modernen Vernunft gegenüber stellen wird, sondern auf die Ausdehnung zu einer philosophia universalis, die zur Gesamterklärung des Wirklichen werden will und keine andere Ebene des Denkens mehr übrig lassen möchte." Der Artikel, der die Wiedergabe eines Ratzinger-Vortrags an der Sorbonne sein will, stellt jedoch die dortige Argumentation auf den Kopf: Dort sah Ratzinger sehr wohl ein "Problem ... beim Übergang von der Mikro- zur Makroevolution" ? im (bei der FAZ verschwiegenen) Rückgriff auf die Kreationisten Junker und (seinerzeit) Scherer. hhp

2005/04/20: Wissenschaftskritik: Forschung als Vernunftpathologie - FAZ.NET

Die Papstwahl ist gerade vollzogen, und schon fragt man sich, wie sich Benedikt zu den Naturwissenschaften stellen wird. Dass der Artikel unter der Rubrik "Wissenschaftskritik" geführt wird, verrät bereits die Erwartung des Autors. Christian Schwägerl vermutet "einen sehr intensiven Dialog mit den Naturwissenschaften" und prognostiziert aus den bisherigen Äußerungen Ratzingers, vor allem die Biologen und Biomediziner müssten "auf Attacken gefasst sein". Dabei sei zu erwarten, dass nicht nur der ethische Bereich (z. B. Stammzellforschung) im Zentrum des Interesses stehe, sondern auch die Grundlagen und weltanschaulichen Konsequenzen naturwissenschaftlichen Denkens. Eine Bedrohung sehe der Papst z. B. in einer "universalistisch verstandenen Evolutionslehre". Im Nachhinein wissen wir, wie zutreffend Schwägerls Vermutung war, aber auch ? nach Dawkins' "Gotteswahn" ?, wie berechtigt die Warnung des Papstes.

2006/09/12: Dokumentation - Die Vorlesung des Papstes in Regensburg - München - sueddeutsche.de

Der wegen der Islamäußerungen berühmt gewordenen Regensburger Rede geht es im Wesentlichen um "Glaube, Vernunft und Universität" - so der Titel der Ansprache. Angesichts der vom naturwissenschaftlichen Denken radikalisierten "Selbstbeschränkung der Vernunft", bei der die menschlichen Grundfragen nach dem Woher und Wohin ins Subjektive und Beliebige verdrängt werden, geht es dem Papst um die "Ausweitung unseres Vernunftbegriffs".

2006/09/06: Papst hört Wissenschaftler an zu Darwins Evolutionstheorie - Welt-online

Die Welt berichtet kurz über das nichtöffentliche Seminar von Papst Benedikt über Schöpfung und Evolution. Es kommen Kard. Schönborn und Robert Spaemann zu Wort. Vom Papst erfährt man, dass er kein Kreatonist sei und sich von der Rede des Evolutionsbiologen Peter Schuster beeindruckt gezeigt habe. Insgesamt aber habe in der Runde die Darwinismuskritik überwogen. (Mehr in unserer Besprechung des Tagungsbandes). hhp

2009/03/22: Giordano-Bruno-Stiftung: Die Agenda des Neuen Atheismus - Kirche & Religion - Politik - FAZ.NET

Was hat die Evolution eigentlich mit dem Atheismus zu tun? Kritischer Artikel von Reinhard Bingener, Mitarbeiter der politischen Redaktion der FAZ, über die finanziellen, weltanschaulichen, strategisch-politischen Hintergründe und Aktivitäten des Neuen Atheismus. Interessant auch, dass nicht alle Verbände der Konfessionslosen von der Öffentlichkeitswirksamkeit der Giordano-Bruno-Stiftung begeistert sind. hhp




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