 | 2013/06/06: Unser bislang ältester bekannter Urahn entdeckt - Süddeutsche |
| In Zentralchina haben Paläoanthropologen ein Fossil gefunden, dass sie für das älteste Fossil eines Primaten halten. Das Wesen sei tagaktiv, Insektenfresser, nur sieben Zentimeter groß und nur 30 Gramm schwer gewesen. Der Fund ist möglicherweise geeignet, Aufschluss über die evolutionären Wurzeln des Menschen zu geben. Die Forscher versuchen offenbar mit Hilfe von Fossilien einen Stammbaum zu rekonstruieren, der die evolutionären Beziehungen zwischen den höheren Primaten und ihrer Verwandtschaft wiedergibt. Der Paläoanthropologe Jens Franzen zweifelt jedoch die Kriterien an, nach denen die Forscher unter den vielen möglichen Stammbäumen einen als den wahrscheinlichsten auswählen: der einfachste Stammbaum sei nicht zwangsläufig der richtige. Seiner Ansicht nach gebe es bisher keinen gesicherten Stammbaum der ersten Primaten. pts
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 | 2013/02/04: Science, Catholicism and the Papacy in the New Millennium - Huffingtonpost |
| Peter M. J. Hess vom National Center for Science Education stellt die Frage, wie sich die Haltung der katholischen Kirche zu einer evolutionären Weltsicht entwickeln wird. Er erläutert, die katholische Kirche habe sich im letzten Jahrhundert bemüht, die Evolutionstheorie zu verarbeiten und die christliche Theologie in eine evolutionäre Weltsicht zu integrieren. Er bezieht sich dabei u. a. auf die Enzyklika Humani generis, die Ansprache Johannes Paul II an die Päpstliche Akademie der Wissenschaften im Jahre 1996, die Schrift Gemeinschaft und Dienstleistung der Internationalen Theologischen Kommission und die von Benedikt XVI einberufene Konferenz zu biologischen Evolution im Jahr 2009. Dennoch würden beklagenswerter Weise immer noch Teile der katholischen Kirche die evolutionären Annahmen ablehnen und sich für eine Auslegung der Schrift im wörtlichen Sinne einsetzen. Der Autor ist aber hoffnungsvoll, dass auch der neue Papst die Unterstützung für die Wissenschaft fortsetzen wird. pts
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 | 2013/03/24: Evolution : Was Religion mit Intelligenz zu tun hat - Welt online |
| Psychologische Experimente hätten gezeigt, erläutert die Autorin, dass die Religiosität des heutigen Menschen ähnlich wie Musikalität zu 40 bis 60 Prozent genetisch bedingt sei. Die Anlage zur Religiosität sei evolutionär erfolgreich gewesen, weil Religiosität auf individueller Ebene helfe, mit den Tiefen des Lebens fertig zu werden und auf kollektiver Ebene größere Kooperativität fördere. Dies habe religiösen Menschen einen größeren Fortpflanzungserfolg beschert. Die für die Religiosität verantwortlichen Gehirnfunktionen seien im Stirnhirn zu finden, in genau den Bereichen, die in der Evolution angewachsen und die auch für die intelligenten Leistungen des Menschen verantwortlich seien. Diese Gehirnfunktionen macht der Autor auch für die Entstehung von Aberglauben verantwortlich. Je unberechenbarer die Welt sei, desto mehr versuche das Gehirn, in zufälligen Ereignissen eine Regelhaftigkeit und somit einen Sinn zu erkennen. pts
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 | 2013/02/17: Es hat keinen Sinn, die Grenze zu verwischen - wissenrockt.de |
| Die "Arbeitsgemeinschaft Evolution in Biologie, Kultur und Gesellschaft" kritisiert hier eine vom Verband Evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS) verbreitete Empfehlung des Kreationisten Reinhard Junker (siehe unten). Die "Akzeptanz schöpfungstheoretischer Interpretationen" als Alternative zur Evolutionstheorie verwische die Grenze zwischen Glaube und Wissenschaft. Man habe nichts gegen die Behandlung offener Fragen, aber dies müsse wissenschaftlich geschehen. Im Vergleich wäre ja auch niemandem damit gedient, "würde etwa die Bachblütentherapie der modernen Medizin als taugliche Alternative gegenübergestellt". Eine "schöpfungstheoretische Scheinalternative" sei "intellektuell unzumutbar und widerspricht unseres Ermessens dem öffentlichen Bildungsauftrag". hhp
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 | 2012/11/01: Evolution und Schöpfungslehre an christlichen Bekenntnisschulen - VEBS |
| Der Verband Evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS) regt mit diesem Thesenpapier des Kreationisten Reinhard Junker an, in der Schule Schöpfung als Alternative zur Evolutionstheorie zu diskutieren. Im Hintergrund steht die Unterscheidung von Mikroevolution (die Junker für möglich hält) und Makroevolution, welche die Entstehung neuartiger Bauplantypen nicht hinlänglich erklären könne. Alternativ dazu geht Junkers Grundtypmodell davon aus, dass Grundtypen erschaffen wurden und sich nur mikroevolutiv weiterentwickeln. Konflikte, die an dieser Stelle auf der Hand liegen, führen zu kritischen Rückfragen an die Evolutionstheorie - nicht etwa an die Theologie. Hier lässt ein Offenbarungspositivismus grüßen, der biblische Formulierungen für unfehlbar hält. hhp
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 | 2013/01/10: Besser als der Darwinismus - Ein Blick auf Charles Darwin als Theologen -- HerderKorrespondenz 67, 2013, 33-37 |
| Der interdisziplinär ausgewiesene Religionswissenschaftler Michael Blume stellt in dieser Zusammenfassung seines neuen Buches ("Evolution und Gottesfrage") einen weitgehend unbekannten Blick auf Charles Darwin als Theologen vor und räumt dabei mit einige Vorurteilen auf. So habe Darwin weder Sinn und Fortschritt in der Evolution ausgeschlossen noch die Eigenständigkeit von Kultur und Geist bestritten. Der Monotheismus sei eine "Spitzenentwicklung" und wissenschaftliche Theologie evolutionär notwendig. Blume verkennt freilich nicht, dass Darwin zunehmend zum Agnostiker wurde. Der Glaubenszweifel gründe jedoch nicht in der Wissenschaft, sondern primär in der Theodizeefrage, die für Darwin sehr existenziell war. Noch in seinem letzten Lebensjahr zeige Darwins Begeisterung für den evolutionären Theismus des Philosophen William Graham sein Ringen um die letzten Fragen des Daseins. hhp
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 | 2012/11/23: Als wir uns trennten - NewScientist |
| Die Frage, wann sich im evolutiven Stammbaum Mensch und Schimpanse voneinander getrennt haben, gehört zu den spannendsten Kontroversen der Evolutionsbiologie. Die Stammbäume der Paläontologen wollten bislang nicht so recht zu denen der Genetiker passen. Eine neue "bahnbrechende Studie" könnte hier für Entspannung sorgen, weil sie die genetische Uhr neu geeicht hat. Der Studie zufolge ist die Mutationsrate halb so groß wie bisher angenommen. Dies ergäbe - einmal mehr - ein radikales Umschreiben bisheriger Stammbäume. So rückt die Trennung von Affe und Mensch weiter in die Vergangenheit, aber auch unsere näheren Verwandten wie der Neandertaler und Homo heidelbergensis. Allerdings lassen diese sich mit der neuen genetischen Uhr konsistenter ins Stammbaumgeäst einfügen. Der Sonderstellung des Menschen scheint die größere Distanz zu den Vormenschen zu schmeicheln, und der Artikel schließt: "Jetzt sind wir noch ein wenig eigener". hhp
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 | 2012/09/07: 2012 Richard Dawkins Award goes to Eugenie Scott - Guardian |
| Der Richard Dawkins Award 2012 geht an Eugenie Scott, Direktorin des National Center for Science Education (NCSE). Der Preis sei Scott zuerkannt worden, wegen ihres "unermüdlichen Einsatzes für die naturwissenschaftliche Bildung".
Richard Dawkins, Namensgeber des Preises und bekennender Atheist, bemerkte in seiner Laudatio: "Eugenie Scott gehört zu meinen allerliebsten Bekannten, auch wenn wir unsere zivilisierten Meinungsverschiedenheiten haben". Dass diese Meinungsverschiedenheiten in der unterschiedlichen Stellung zur Religion liegen, lässt der Artikel unerwähnt. Er blickt lieber auf den Konflikt zwischen Dawkins und Gould über die Mechanismen der Evolution. Denn Scott scherzte in ihrer Dankesrede: "Ich besitze nun Auszeichnungen sowohl im Namen von Stephen Jay Gould als auch von Richard Dawkins", und dies zeige, "dass ich mit jedermann auskomme". Allerdings könne sie sich nicht vorstellen, je einen "Ken Ham award" überreicht zu bekommen. Ken Ham ist Kurzzeitkreationist. hhp
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 | 2012/08/20: Darwin käme glatt ins Grübeln - faz online |
| Nach einer etwas weitschweifigen Einführung über Legenden und Vorurteile gegenüber dem Feuersalamander kommt der Artikel zum eigentlich Spannenden. Am Salamander können Evolutionsbiologen nicht nur die Entstehung neuer Arten studieren, sondern die Besonderheit der sog. sympatrischen Artbildung, bei der zwei Arten innerhalb eines gemeinsamen Lebensraumes entstehen, ohne also geografisch isoliert zu sein. Lange war umstritten, ob es auf diese Weise überhaupt zu getrennten Arten kommen kann. Der Salamander nun ist ein Indiz mehr für die Möglichkeit der sympatrischen Artbildung. hhp
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 | 2012/04/29 Synthetische Biologie: Leben erschaffen nach dem Lego-Prinzip - SPIEGEL ONLINE |
| Mit Methoden aus Biologie und Technik versucht sich der Mensch daran, den Code des Lebens zu verändern - oder sogar völlig neu zu schreiben. Craig Venters bekannte Versuche stehen kennzeichnend für das gesamte Forschungsgebiet der synthetischen Biologie, aber im Grunde handelt es sich um Grundlagenforschung. Wesentlich höheres ökonomisches Potenzial gestehen Experten der Idee zu, Zellen auf industrieller Grundlage mit neuen Aufgaben und Fähigkeiten auszustatten. Hier erscheint die Idee der BioBricks besonders charmant - eine Art biologischer Lego-Bausteine, die mit definierten Schnittstellen ausgestattet sind, über die sich die BioBricks verketten lassen. Parallel verspricht das Vorgehen, was den Menschen schon immer fasziniert hat: künstliches Leben zu erschaffen und sich damit gottgleich zu erheben, hält der informative Artikel am Rande fest. Der Mensch als von Gott begabter Mitschöpfer oder narzistischer Götterstürzer? Eine Frage der theologischen Interpretation der Sache. - al
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 | 2012/04/09: Dawkins vs. Pell - Q&A; ABC TV |
| Die transskribierte Debatte zwischen Richard Dawkins und George Kardinal Pell, Erzbischof von Sydney, ist ein Lehrstück für typische Kontroversen zwischen naturwissenschaftlich ausgreifendem Atheismus und religiöser Weltanschauung - inklusive zahlreicher (gewollter?) Missverständnisse. So beantwortet Pell die Frage, warum ("why") der Mensch existiert, final i.S.v. "wozu ist der Mensch da?", während Dawkins finale Zweckaussagen grundsätzlich für sinnlos hält und kausal mit den naturwissenschaftlichen Entstehungsbedingungen für den Menschen antwortet. Und die Entstehung der Welt aus dem Nichts wird naturwissenschaftlich nur plausibel, wenn ein anderes "nichts" angenommen wird als das philosophisch-theologische absolute Nichts: "Er lässt Gott fallen und frisiert das Nichts hoch", kontert Pell zu Recht. Blasser bleiben Pells Aussagen zur Hominisation und Dawkins' Frage, woher die Erbsünde komme, wenn Adam und Eva nie existiert hätten, bleibt unbeantwortet. hhp
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 | 2012/04/05: Menschenevolution - Kultursprung durch Großeltern - Spektrum der Wissenschaft |
| Dass es im Laufe der Menschheitsentwicklung zu einer Zunahme der Lebenserwartung gekommen ist, hat die Autorin und Anthropologin erwartet, nicht aber, dass es zwischen Neandertalern und modernem Menschen zu einem solchen Alters-Sprung kam. Durch den zunehmenden Großeltern-Anteil konnte es einen Zuwachs an Tradition und Beziehungspflege geben, der wiederum höheres Alter ermöglichte. Kann diese positive Rückkoppelung beim modernen Menschen den Untergang des Neandertalers erklären? hhp
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 | 2012/03/14: Mysteriöser Misch-Urmensch - Bild der Wissenchaft |
| Fast wie bei jedem Hominidenfund so vermuten die Entdecker auch diesmal "ein neues Kapitel in der menschlichen Evolutionsgeschichte". Entdeckt wurden vormoderne Hominiden in einem Zeitraum, der bisher den Überresten des modernen Menschen vorbehalten war. Die Besiedlungsgeschichte Asiens müsste dann neu geschrieben werden. hhp
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 | 2011/11/02: Paläoanthropologie - Älter als gedacht - FAZ |
| Wieder einmal scheinen Revisionen des menschlichen Stammbaums fällig. Der moderne Mensch hat Europa offenbar 5000 Jahre früher besiedelt als bisher angenommen. Damit verlängert sich auch die Zeitspanne, in der er mit dem Neandertaler koexisitiert hat, und eine bisher dem Neandertaler zugetraute Schmuckkultur wird jetzt dem modernen Menschen zuerkannt. hhp
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 | 2011/06/29: Orangutans reveal the evolutionary purpose of happiness - io9 |
 | 2011/05/05: Anatomical clues to human evolution from fish - BBC News |
| Haben Sie sich auch schon beim Blick in den Spiegel gefragt, welche Funktion eigentlich diese vertikale Rinne hat, die zwischen Ihrer Oberlippe und der Nase verläuft? Der BBC-Artikel verrät es: Sie hat keine! Das "Philtrum" ist vielmehr ein Indiz unserer evolutiven Vergangenheit als Fisch. Wenn Sie das nicht glauben, schauen Sie sich das integrierte Video an, in dem die Embryoentwicklung (bekanntlich der Spiegel der evolutiven Stammesentwicklung) in Zeitraffer die Entstehung des menschlichen Gesichts zeigt. Faszinierend. hhp
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 | 2011/04/25: Ipsos Global @dvisory: Supreme Being(s), the Afterlife and Evolution | Ipsos |
| Die Hälfte der Menschen ist religiös, aber "nur" 28% sind Kreationisten. Zu diesem Ergebnis kommt eine von Reuters beauftragte globale Umfrage in 23 Ländern. Konkret glauben 51% an ein göttliches Wesen, 18% nicht, 17% sind unsicher. Ähnlich glauben 51% an ein Weiterleben nach dem Tode, 23% an ein Ende, 26% wissen es nicht. 41% glauben an die menschliche Evolution, 28% glauben kreationistisch, 31% sind unschlüssig.
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 | 2011/04/19: Scientist imam: Muslims need to talk about evolution - life - 19 April 2011 - New Scientist |
| Der Physiker und Imam Usama Hasan hält Evolution und Koran für vereinbar, musste für diese Ansicht aber Morddrohungen hinnehmen. Die gängige Position unter Muslimen sei eine kreationistische. Um Evolution auch in muslimischen Kontexten behutsam zum Thema zu erheben, müssten mehr muslimische Wissenschaftler, deren Religiosität bekannt sei, ihre Sicht offen aussprechen. hhp
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 | 2011/03/29: Michael Ruse, Dawkins fail to understand philosophical necessity - SocraticGadfly |
| Dass Übel beim Mechanismus der Selektion notwendig mitgegeben seien, war Kern der Argumentation von Michael Ruses Beitrag zum "Darwinismus und dem Problem des Übels". Der Blog SocraticGadfly versucht, Ruses Argumentation zu untergraben, indem er behauptet, Übel seien durchaus nicht notwendig in philosophischem Sinne. Gott hätte also eine bessere Welt schaffen können? Bei Nichtphilosoph Dawkins sei der falsche Gebrauch von "Notwendigkeit" verzeihlich, nicht aber beim Philosophen Ruse. hhp
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 | 2011/03/13: Michael Ruse: Darwinism and the Problem of Evil - Huffington Post |
| Der bekannte Wissenschaftsphilosoph Michael Ruse verteidigt die bekennenden Christen Karl Giberson und Francis Collins gegen die aufgeregte Kritik der neuen Atheisten, die Evolution und Glaube als unvereinbar hinstellen. Zwar sieht Ruse in der Zufälligkeit des Evolutionsprozesses eine unüberwindbare Schwierigkeit für den Glauben an einen göttlichen Plan. Andererseits sieht er aber nicht, dass die Evolutionstheorie das Theodizeeproblem (Wie kann der allgütige und allmächtige Gott die Übel zulassen?) verschärfe. Denn: Das moralische Übel werde i.a. auf den freien Willen zurückgeführt; der wiederum werde durch die Biologie untermauert. Es bleibt das physische Übel (z. B. Erdbeben). Hier spiele paradoxerweise Dawkins den Christen einen Trumpf in die Hände. Denn wenn Gott durch natürliche Gesetze geschaffen hat, und der einzige naturgesetzliche Weg zu lebendigen Wesen über die natürliche Selektion mit ihren schmerzhaften Mechanismen laufe, dann sind Übel in der Schöpfung unausweichlich. hhp
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 | 2011/03/22: Bausteine des Lebens: Am Anfang war... - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft |
| Stanley Millers Ursuppenexperimente zum Beginn des Lebens sind weitgehend bekannt, haben wissenschaftlich jedoch an Bedeutung verloren. Unbekannt geblieben sind dagegen Millers Folgeexperimente, deren Proben nun mit neuen Methoden erneut unter die Lupe genommen wurden. Dabei erwiesen sie sich als erheblich ergiebiger als die klassischen Experimente. Die Forscher sehen neue Argumente für die Ursuppentheorie und planen noch in diesem Jahr eine Wiederholung des klassischen Experiments. hhp
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 | 2011/02/28: Richard Dawkins: "Religion? Die Wirklichkeit hat ihre eigene Magie" - SPIEGEL ONLINE |
| Richard Dawkins ist mit dem deutschen Titel ("Die Schöpfungslüge") seines englischen Originals ("The Greatest Show on Earth") nicht ganz glücklich, weil die negative Besetzung nicht die positive Intention wiedergibt, die eher eine "romantische Sicht der Schöpfung" offen legen wollte. Dawkins will nicht nur als Religionskritiker, sondern auch als Wissenschaftler öffentlich wahrgenommen werden. Wenn es um die Frontstellung gegen den Kreationismus gehe, arbeitet Dawkins auch schon einmal mit Bischöfen zusammen, habe er doch "nichts gegen zeitlich begrenzte Allianzen gegen gemeinsame Feinde". Dass die religiöse Sicht der Dinge nicht auf Augenhöhe wahrgenommen wird, zeigt aber die Ankündigung seines Kinderbuches, das Alltagsfragen zunächst mit Mythen beantwortet, die dann durch die "Erklärung über die wahre Natur der Dinge" ersetzt werden. Dreimal darf geraten werden, welche Disziplin den Schlüssel zur "wahren Natur der Dinge" in der Tasche hat. hhp
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 | 2011/01/17: Forscher-Debatte über Religion und Evolution - wissenrockt.de |
| Der Artikel setzt noch einmal Michael Blumes Thesen über die evolutive Bevorzugung religiöser Gruppen in Kontrast zu Aussagen Richard Dawkins. Der Befund der höheren Kinderquote Religiöser gibt Blume nicht nur Anlass zu Freude, sondern könnte auch bedeuten, dass religiöse Fundamentalismen erstarken. Blume rät der Dawkins-Gruppe, die neuesten Forschungen von Robert Rowthorn zu diskutieren. Der Artikel selbst ist hochpolemisch, wird doch Religiosität undifferenziert mit Indoktrionation gleich gesetzt und auch die Theologien im Christentum verträten "menschenunwürdige und gefährliche Ideengebäude". hhp
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 | 2011/01/04: Evolution des Menschen: Schon Frühmenschen-Babys waren proper -SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft |
| Der Nachteil eines proportional höheren Geburtsgewicht beim Menschen muss durch soziale Unterstützung ausgeglichen werden. Dies gelte auch schon für den Australopitecinen ("Lucy"), 2,5 Mio. Jahre früher als bisher angenommen. hhp
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 | 2010/10/29: F.A.Z.-Sachbücher der Woche: Was sich da alles gegenseitig züchtet! - Bücher der Woche - Feuilleton - FAZ.NET |
| Der Artikel bescheinigt Richard Dawkins' neuem Buch 'Die Schöpfungslüge' "etwas mehr Gelassenheit" als seinem missionarischen 'Gotteswahn'. Der Titel ist zwar genauso bissig, stamme aber nicht von Dawkins, sondern vom deutschen Verlag. Anders als seinerzeitige Pauschalverurteilungen sei nun die Frontstellung prägnanter: der kreationistische Schöpfungsbegriff, der von wiederholtem direkten Eingreifen Gottes ausgehe.
Bei seinem Hauptanliegen, der überzeugenden Darbietung der Evolution, gehe Dawkins methodisch von menschlichen Züchtungen aus, um sie auf die natürliche Selektion zu übertragen. Erwähnt wird nicht, dass dieser Schluss sehr gewagt ist: Die scheinbar so plausible Extrapolation überspielt, dass es nicht nur um quantitative Veränderungen geht (wie vom Wolf zum Hund), sondern um qualitative Bauplanänderungen (vom Fisch zum Menschen). Evolutionsgegner werden sich sofort auf den Unterschied zwischen Mikro- (Hundeevolution) und Makroevolution (vom Fisch zum Menschen) stürzen. hhp
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 | 2010/11/05: New statistical model moves human evolution back three million years - Science daily |
| Wahrscheinlich liegt die Trennung der menschlichen Abstammungslinie von der des Schimpansen 8 Mio. Jahre zurück statt der bisher angenommenen 5 Mio. Jahre. Robert D. Martin, der seit langem versucht, genetische Erkenntnisse und Fossilbefunde zu integrieren, kommt zu dem Ergebnis, indem er Lücken des fossilen Stammbaums statistisch auffüllte. Mal gespannt, ob dieser erneute Umbau des menschlichen Stammbaums wieder Evolutionskritiker auf den Plan ruft. hhp
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 | 2010/09/20: Keinen guten Gott gefunden - Nachrichten auf salzburg.com - Salzburger Nachrichten |
| Der Beitrag stellt zunächst heraus, dass das neue Dawkins-Buch versöhnlicher daherkommt als "Der Gotteswahn" und sogar theologische Allianzen würdigt. Dennoch bleibe Dawkins ein "heftiger Widerpart jeder religiösen Weltinterpretation". Anders als bei der Gotteswahn-Polemik sei er nun ein "ernsthafter Gesprächspartner", da seine Argumentation auf der Theodizeefrage basiere. Dem Artikel ist insofern Recht zu geben, als die Theodizeefrage in der Tat auch für Gläubige eine dauernde Herausforderung darstellt. Die Argumentation, wonach die Evolution grausam und also kein Produkt eines guten Gottes sein könne, sollte indes differenzierter sein. hhp
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 | 2010/09/27: Did Volcanoes Wipe Out Neanderthals? Neanderthals may have gone out with a bang - Discovery News |
| Neues vom Aussterben des Neandertalers: Ein Forscherteam vermutet, dass mindestens drei Vulkanausbrüche vor ca. 40.000 Jahren die westasiatischen und europäischen Lebensräume des Neandertalers verwüstet und damit das rapide Verschwinden der Hominiden angekurbelt haben. Die Vermutung sei durchaus konsistent mit den Genombefunden, die eine Vermischung mit dem modernen Menschen nachwiesen (s. u.), wenn diese im mittleren Osten stattfand, bevor der moderne Mensch sich nach Europa und Asien ausbreitete. Bestritten wird dies von Geologen, die europäische Werkzeugfunde des modernen Menschen vorweisen, die älter sind als die neue These erlaubt. hhp
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 | 2010/09/02: Stephen Hawking says universe not created by God - The Guardian |
| In seinem neuen Buch "The Grand Design", das am 9.9.10 veröffentlicht wird (Leseprobe lag heute The Times bei), stellt Stephen Hawking fest, dass Gott nicht für die Schaffung des Universums nötig gewesen sei, sondern die Naturgesetze wie die Schwerkraft, dafür gesorgt hätten, dass wir existieren. Er verweist auf die M-Theorie, die seiner Meinung nach die alles vereinende Theorie ist, auf die Einstein gehofft hatte. Die Tatsache, dass die Menschen nun so nah dran sind, die Gesetze, die uns und das Universum regulieren, zu verstehen, sei ein großer Triumph. Das neue Buch zeigt Hawkings veränderte Einstellung; Noch in seinem letzten Buch (Eine kurze Geschichte der Zeit, 1988) stellte er fest: "Warum existiert das Universum, warum existieren wir? Wenn wir die Antwort darauf finden, wäre das der ultimative Triumph des menschlichen Verstandes. Denn dann würden wir die Gedanken Gottes kennen!" sh
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 | 2010/08/29: The Frozen Zoo aiming to bring endangered species back from the brink - The Observer / guardian.co.uk |
| Der "Frozen Zoo" ist eine Sammlung von Genproben von vom Aussterben bedrohter Tierarten, die der San Diego Zoo bereits 1972 zu sammeln begann. Damals steckte die Gentechnologie noch in den Kinderschuhen, aber man setzte große Hoffnungen auf die technologischen Entwicklungen der Zukunft. Bald könnten diese Hoffnungen Realität werden. Bereits Anfang Juli gelang der erste Schritt bei Gewebeproben einer stark vom Aussterben bedrohten Drillaffenart: die Umwandlung dieser Zellen in induzierte pluripotente Stammzellen (iPS), die im nächsten Schritt in Eizellen und Spermien weiterentwickelt werden müssen. Bei Proben anderer Tierarten gelang dieser erste Schritt noch nicht. Projektgegner befürchten eines Jurassic Park Szenarios, die Wiederbelebung bereits ausgestorbener Tierarten. Diese Befürchtungen hält Dr. Oliver Ryder, Vorsitzender des Frozen Zoo Programms, für völlig grundlos: für ihn zählt die Erhaltung von bedrohten Arten. Um ausgestorbene Spezies wiederzubeleben fehle die Motivation. sh
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 | 2010/08/23: 85 Million Years Added to Oldest Animal Fossils - New York Times |
| Dieser kurze Artikel bezieht sich auf eine Veröffentlichung im Journal Nature Geoscience und berichtet von Fossilien eines schwammähnlichen Organismus, die in Südaustralien gefunden wurden. Dieser Organismus war etwa daumengroß und hatte mehrere Öffnungen, durch die das Lebewesen Seewasser einzog, um so die Temperatur zu halten und Nährstoffe aufzunehmen. Besonders interessant ist dieser Fund, weil die Fossilien 85 Millionen Jahre älter sind als die bisher ältesten Funde und somit in die Zeit vor der Schneeballerde im Proterozoikum fallen. Es ist unbekannt, ob diese Lebewesen die Vereisung der Erde überlebt haben könnten oder ob sich Leben auf der Erde vielleicht sogar zweimal entwickelt haben könnte. sh
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 | 2010/08/11: Stephen Meyer on Intelligent Design: What is the origin of the digital information found in DNA? - Evolution News & Views |
| "Information stammt immer von einer intelligenten Ursache". So könnte man das auf der Website des Discovery Institutes beworbene Video mit Stephen Meyer auf den Punkt bringen. Meyer fasst in 3 Minuten sein Buch "Signature in the Cell" und sein Plädoyer für einen Intelligenten Designer zusammen. Zufall und Ironie des Schicksals, dass die Werbung für das Meyer-Video zeitlich mit dem Gegenstück zusammenfällt: der Werbung für das Kutschera-Video, das auf Youtube den Kreationisten Paroli bieten soll. hhp
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 | 2010/08/12: Butchering dinner 3.4 million years ago - Nature News |
| Die Nature-Ausgabe dieser Woche berichtet von der Entdeckung, dass der Werkzeuggebrauch der frühen Homininen (wahrscheinlich A. afarensis "Lucy") 1 Mio. Jahre früher anzunehmen ist, als bislang angenommen und damit der Gattung Homo vorausgeht. Schlachten mit Steinwerkzeugen bedeute aber auch, dass damals schon bei der Suche nach Fleisch die Sicherheit der Wälder zugunsten des Flachlandes aufgegeben wurde, ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des Menschen. Die Entdeckung bedeute zwar nicht, dass Werkzeuge eigens hergestellt wurden, aber auch gezieltes Suchen lässt auf planvolles Handeln schließen. hhp
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 | 2010/08/02: Lehr-Video zum Thema Evolution auf YouTube veröffentlicht - darwin-jahr.de |
| Das Evo-Magazin bewirbt hier ein "Lehr-Video" des Kasseler Evolutionsbiologen Ulrich Kutschera; eine populäre Variante seines Buches "Tatsache Evolution". Das Video trete "wissenschaftlich fundiert" gegen landläufige Missverständnisse an. Zusammen mit dem zu erwartenden Folgevideo ist der Gegner klar im Visier: der Kreationismus, dem man das Feld auf Youtube nicht konkurrenzlos überlassen möchte. Dass aber "das Thema 'Evolution' auf YouTube praktisch vollständig von laienhaften Darstellungen fundamentalistischer Christen besetzt" ist, halte ich für reichlich überzogen. Der Suchbegriff "Evolution" liefert an prominenter Stelle Produktionen von Phoenix und ZDF (z. B. J. Bublaths Reportage gegen den Kreationismus) - unverdächtig und gut gemacht. Im Vergleich dazu wirkt die Kutschera Produktion reichlich hölzern. Aber: Hier wird authentisch - wenn auch unkritisch - Evolution aus dem Mund eines der bekanntesten deutschen Evolutionsbiologen nahe gebracht. hhp
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 | 2010/08/05: The Evils of Evolution - Big Questions Online |
| Der ehemalige anglikanische Priester Mark Vernon stellt die Frage: "Wie kann ein guter Gott die Grausamkeiten der natürlichen Selektion zulassen?". Auch wenn die sog. Theodizeefrage nicht neu für Gläubige sei, so intensiviere die Evolution mit Leiden, Verschwendung und Auslöschung das Problem allein aufgrund des Ausmaßes. Die Verteidigung des Templeton-Preisträgers F. Ayala, der Gott ganz aus der Verantwortung entlasse, geht für Vernon nicht auf. Ausführlicher würdigt er John Polkinghorne, für den Freiheit nur möglich ist durch die Verflechtung von Ordnung und Unordnung. Dies sei nicht die beste aller möglichen Welten, sondern eine, die der Erlösung durch Gottes eigenes Leiden bedürfe. Ob man diese Antwort überzeugend finde, läge am eigenen Glauben. Das Problem des Übels sei durch rationales Kalkül nicht aufzulösen. Schon der biblische Hiob bekam zu spüren, dass einfache Antworten überhaupt keine Antworten sind. hhp
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 | 2010/08/05: What Australians Believe About Evolution - Big Questions Online |
| Der Blog berichtet über eine Umfrage unter Australiern zur Anerkennung der Evolution. Danach hielten 70% die Evolution für wahr. Leider erwähnt der Artikel nicht die genaue Fragestellung: "Glauben Sie, dass sich Evolution im Moment ereignet?", was ja noch etwas spezieller ist, als die allgemeine Anerkennung der Evolution. Ein zweites Ergebnis greift der Artikel heraus, wonach 30% glauben, dass Menschen zur selben Zeit wie Dinosaurier gelebt haben. Auch hier ist die Originalfrage genauer und spricht von "den frühesten Menschen". Der Artikel verlinkt auf die Original-Umfrage, die weitere originelle Ergebnisse enthält, z. B. dass 28% meinen, die Erde brauche für einen Sonnenumlauf einen Tag. Achterbahnfahren wäre nichts dagegen ;-) hhp
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 | 2010/07/26: An Evolutionary Biologist?s Reflections on the Scopes Trial - History News Network (HNN) |
| Die Website des HNN widmet 2 Artikel dem 85. Jahrestag des "Affenprozesses". Im ersten beklagt der Evolutionsbiologe David Reznick, dass die Renaissance des Evolutionsdenkens nicht lange vorhielt und wir zu den Bedingungen zurückgekehrt sind, die den Affenprozess umgeben haben. Warum diese permanente Kontroverse um Evolution? Der Hinweis, es handle sich "nur um eine Theorie" (umgangssprachlich = Spekulation), erklärt die Skepsis nicht: Keiner kritisiere die Relativitätstheorie aufgrund ihres Theoriestatus. Offenbar ist es die religiöse Propaganda, deren aktuelle Intelligent-Design-Form nur leicht verkleideter Kreationismus sei. Auch die Argumente seien kaum von William Paleys "Natürlicher Theologie" verschieden, ob man sich auf die Komplexität des Auges oder heute auf die der Bakteriengeißel beziehe. Obwohl widerlegt, sei dies nicht totzukriegen. Schließlich erwartet der Autor in dieser Konfliktsituation auch Schützenhilfe von seinen geisteswissenschaftlichen Kollegen. hhp
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 | 2010/07/26: A Humanist's Reflections on Evolutionary Biology - History News Network (HNN) |
| Im 2. Artikel des HNN zum "Affenprozess" von 1925 antwortet der Geisteswissenschaftler Hamner seinem naturwissenschaftlichen Kollegen Reznick. Dessen historische Analyse, v.a. die Gleichsetzung des heutigen Klimas mit dem von 1925, sei zwar nicht komplex genug, gern engagiere sich Hamner aber als Geisteswissenschaftler in der Kontroverse Wissenschaft und Religion. Er empfiehlt folgendes Vorgehen: 1. Saubere Unterscheidung zwischen Wissenschaft und Szientismus, der vorschnell in Metaphysik abgleite (z. B. der Neue Atheismus von Dawkins oder Hitchens). 2. Darwin und andere Wissenschaftler sind unideologisch darzustellen, damit ihre Ideen ernst genommen werden. 3. Die Spaltung von religiös und säkular ist zu bedenken. 4. Die Lektüre der heiligen Schriften ist sorgfältig zu betreiben, nicht unter den Tisch zu kehren. Wenn man die Unterschiede zwischen Bibel, Koran und "Ursprung der Arten" verstanden hat, beginnen sich die Haupt-Stopersteine auf dem Weg der Versöhnung aufzulösen. hhp
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 | 2010/07/08: It Got Eaton - Review of Fodor et al. "What Darwin got wrong" |
| Philosoph und Darwin-Kenner Godfrey-Smith hinterfragt den Kern der jüngsten Darwinkritik von Jerry Fodor und Massimo Piattelli-Palmarini. Diese hatten bestritten, dass der äußere Faktor der natürlichen Selektion stark überbewertet werde und keine hinreichende Erklärung darstelle. Vielmehr müsse bei der Selektion ein intentionaler Rest, so etwas wie ein geistiger "Agent" unterstellt werden, damit die Selektion die überlebensträchtigen Merkmale aussuchen könne. Godfrey-Smith räumt zwar ein, dass manche Formulierung (z. B. "Auslese") diesen Schluss nahelegt, man aber jederzeit zu einer präziseren Terminologie wechseln könne, falls sich intentionale Konnotationen einschleichen wollen. Auch der Umweg über das philosphisch notwendige Werkzeug der "kontrafaktischen Implikation", das der Lokalisierung wahrer Ursachen dient und Intentionalität voraussetze, greife nicht, weil es zum Funktionieren der Selektion durchaus nicht notwendig ist. Es lebe die natürliche Selektion! hhp
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 | Michael Ruse: A Darwinian Can Be a Christian, Too |
| Der renommierte Wissenschaftsphilosph und Anti-Kreationist Michael Ruse bekennt sich hier - in einer Linie mit Francisco Ayala - zur Vereinbarkeit von Darwinismus und Christentum. Ursprünglich erblickte Ruse in den Problemen des Wunders und des Bösen die zentralen Stolpersteine im Dialog. Nun erblickt er als Hauptproblem die christliche Annahme, dass die Existenz des Menschen nicht kontingent ist. Wie geht das mit der evolutiven Ungerichtetheit zusammen? Letztlich befriedigt Ruse weder das neue Buch von McShea und Brandon, das eine evolutive Tendenz zur Komplexitätssteigerung behauptet, noch Robert J. Russells göttliche Beeinflussung der Mutationen auf Quantenebene. Die Lösung des Richtungsproblems sei auf theologischer, nicht auf naturwissenschaftlicher Ebene zu lösen - so Ruse. Einleuchtend! Weniger leuchtet mir indes ein, dass Ruse schließlich zur Multiversen-Hypothese neigt, nach dem Motto: Gott muss nur genug Versuche starten, dann klappt's irgendwann schon mit dem Menschen. - hhp
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 | 2010/05/17: Karl Giberson, Ph.D: Intelligent Design's Coffin Is Still Empty - Huffington Post |
| Totgesagte leben länger. Jedenfalls hat es sich M. Zimmerman zu leicht gemacht, wenn er Intelligent Design für immer beerdigt wissen wollte (s. u.). Karl Giberson benennt 4 Gründe, warum der Sarg in absehbarer Zukunft leer bleiben wird: 1. Es gibt genug komplexes Design, das bisher nicht erklärt ist (aber daran arbeitet die Wissenschaft); 2. die Feinabstimmung des Kosmos; 3. der verbreitete Glaube an einen Schöpfergott; 4. das vehemente Insistieren der neuen Atheisten auf die Inkompatibilität von Evolution und Gottesglaube, das viele, die sich derart vor eine vermeintlich exklusive Alternative gestellt sehen, dann doch auf die Seite der Religion bringt. Und solange die Menschen den Gottesglauben nicht von ID trennen können - wie es ja gerade von den agnostischen Bloggern unterstellt wird -, solange wird der Sarg leer und ID lebendig bleiben. hhp
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 | 2010/05/04: Ursprung des Guten: Die Moral als Nebenprodukt der Evolution - SPIEGEL ONLINE |
| Wertevorstellungen von Menschen ähneln sich - können sich aber auch unterscheiden. Die Frage ist: Woher kommt die Moral? Francisco Ayala erklärt die Moral zu einem eher zufälligen Nebenprodukt der Evolution. Mit seiner These widerspricht der Evolutionsbiologe aus Irvine vielen Kollegen, die die Entstehung der Moral direkt mit der Evolution erklären. Der informative Artikel verweist auf weitere thematisch benachbarte Artikel und bietet einen guten Einstieg ins Thema. - al
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 | 2010/04/29: Amphibien-Erbgut: Sind wir nicht alle ein bisschen Frosch? | Wissen | ZEIT ONLINE |
| Genetiker haben das Erbgut des tropischen Krallenfroschs analysiert. Die Ähnlichkeit zum menschlichen Genom ist frappierend ? eine Chance für die Wissenschaft. - Erstaunt hat die Wissenschaftler offenbar nicht nur die Größe des Genoms, sondern auch die ähnliche Anordnung der Gene. So dürfte der Frosch nicht nur Erkenntnisse über Erbkrankheiten eröffnen, sondern auch Lücken im evolutionären Stammbaum schließen helfen. hhp
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 | 2010/04/23: ''Spuren der Neandertaler leben in uns weiter'' - Sueddeutsche |
| DNA-Vergleiche haben Anthropologen der Uni New Mexico zur These veranlasst, dass Neantertaler, Heidelbergmensch und moderner Homo sapiens sich gepaart und gemeinsame Nachkommen gezeugt haben. Damit habe der Neandertaler auch in unserem Erbgut Spuren hinterlassen. Der Befund bleibt jedoch umstritten, und man erhofft sich von der Leipziger Max-Planck Gruppe, die jüngst den sibirischen Fund DNA-analytisch (s. u.) untersuchten, Klärung. hhp
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 | 2010/04/19: ''Dreifaltigkeit im Genom'' - Benedikt und die Wissenschaft - sueddeutsche.de |
| Wieder einmal soll untergeschoben werden, dass im Blick auf die Evolution Papst und katholische Kirche "von der naturwissenschaftlichen Theorie weit entfernt" sind. Diese Unterstelltung bekommt ihre (Schein-)Plausibilität jedoch nur dadurch, dass der Autor, Markus C. Schulte von Drach, permanent die Diskurse verwechselt. Wenn der Mensch Benedikt zufolge "nicht das zufällige und sinnlose Produkt der Evolution" ist, so ist dies eine Aussage im Diskurs der Theologie. Der echte Zufall, wie er sich naturwissenschaftlich zeigt, ist längst (2004) von der Internationalen Theologenkommission anerkannt - unter Vorsitz und genehmigt von Ratzinger. Der Autor versteht auch nicht, wie der Papst der Materie angesichts des Zerstörerischen "Rationalität" zuerkennen kann. Die Differenziertheit des Papstes in diesem Punkt (?Natürlich gibt es die Rationalität in der Natur, aber ... es bleiben also die Kontingenz und das Rätsel des Schrecklichen in der Natur?, 2007) ist dem Autor fremd. hhp
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 | 2010/04/16: Evolutionsbiologe Reichholf: Am Anfang war das Bier - BR-alpha |
| Damit Ihnen die spektakuläre Hauptthese des Evolutionsbiologen Reichholf nicht entgeht (falls Sie die Sendung verpasst haben), nun der Hinweis auf die Website, die das Interview als pdf-Datei anbietet. Die Sesshaftigkeit qua Ackerbau war nicht durch Brotbacken motiviert, sondern: Am Anfang war das Bier! Auf die Idee kann nur ein Bayer kommen, oder? hhp
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 | 2010/04/13: Antony Flew dies - NCSE |
| The National Center for Science Education würdigt Antony Flew in einer kurzen Mitteilung. Der Beitrag geht nicht nur auf Flews Interesse an der Evolutionstheorie und ihrer Implikationen ein, sondern benennt auch seinen weltanschaulichen Wandel vom Atheisten zu "einer Form von Deismus". Die Gründe seiner Konversion hätten aber von Interview zu Interview gewechselt, kreationistische Argumente seien aber vielfach verwandt worden. Dass Flews There is a God (2007) nicht aus seiner eigenen Feder stammt erwähnt der Artikel, nicht aber, dass Flew sich dennoch voll mit dem Inhalt identifizierte. hhp
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 | 2010/04/09: Anthropologie: Neu entdeckter Hominide schließt eine Lücke der Evolution | Wissen | ZEIT ONLINE |
| In Südafrika haben Forscher zwei Skelette einer neuen Menschenart entdeckt. Australopithecus sediba könnte ein lange gesuchtes Bindeglied zwischen Affe und Mensch sein. (Text automatisch von ZEIT generiert). "Bindeglied zwischen Affe und Mensch" ist ein wenig arg populär. Da müsste man schon ein paar weitere Millionen Jahre zurückgehen. Mit nur knapp 2 Mio. Jahren handelt es sich bie Australopithecus sediba um ein mögliches Bindeglied zwischen den Australopithecinen und der Gattung Homo. hhp
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 | 2010/04/09: Australopithecus sediba: A New Species of Homo-Like Australopith from South Africa - Science |
| Der Originalartikel in "Science", kostenlos erhältlich bei persönlicher Registrierung, beginnt mit dem Eingeständnis, dass die Herkunft der Gattung Homo und ihr Verhältnis zu den früheren Australopithecinen ein ungelöstes Rätsel darstellt. Der neue Fund wurde zwar den Australopithecinen zugeordnet, teile aber mehr Merkmale mit dem frühen Homo als irgend eine andere Australopithecinen-Art und "könnte so die Herkunft dieser Gattung zu entschleiern helfen". hhp
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 | 2010/04/08: New Hominid Species, Au. Sediba, Discovered in South Africa - NYTimes.com |
| Ein Tag vor der Veröffentlichung in "Science" weiß die New York Times bereits von dem südafrikanischen Sensationsfund Australopithecus sediba zu berichten. Gefunden wurde ein Junge und eine Frau mit einer Mischung aus primitiven und fortgeschrittenen anatomischen Merkmalen. Nach dem Teamleiter könnte der Fund eine Verbindung von Australopithecus zu Homo erectus, ein direkter Vorfahre von homo sapiens, darstellen; möglicherweise aber auch ein Seitenzweig, der nicht zum homo sapiens führt. Auch Wissenschaftler, die nicht zum Team gehören, werten den Fund als "bedeutenden Fortschritt in der frühen Fossilgeschichte der Hominiden". hhp
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 | 2010/03/24: Researchers Identify Possible New Human Group With DNA From Bone - New York Times |
| Der sibirische hominide Fossilfund schreibt den Stammbaum des Menschen neu. Aus einer übersichtlichen Grafik werden die Verzweigungen des neuen Fundes, des Neandertalers und des modernen homo sapiens im Vergleich zum homo erectus und des kürzlich entdeckten homo floresiensis genauso deutlich wie die unterschiedlichen Auswanderungswellen aus Afrika. Der Artikel betont aber erneut, dass erst die Analyse der Kern-DNA Klarheit darüber schaffen kann, ob es sich tatsächlich um eine neue Menschenart handelt. hhp
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 | 2010/03/26: Is this a new species of human being? - Guardian |
| Der Artikel fragt, ob der Sibirische Menschenfund unsere Sicht der menschlichen Evolution transformieren wird. In der Tat zeige die Geschichte des Verständnisses der Hominisation, dass der jeweilige Stand des Wissens in wenigen Jahrzehnten auf den Kopf gestellt werden kann. Der vorliegende Fall wirft ein neues Licht auf die großen Auswanderungswellen, von denen man bisher 3 annahm: Die Auswanderung des Homo erectus, die des Neandertalers und die des modernen Menschen. Nun kommt offenbar ein vierter großer Exodus hinzu. Für DNA-Experte Terry Brown ist dieses Bild noch zu einfach: "Der Marsch aus der Wiege der Menschheit könnte viel eher eine permanente Wanderbewegung sein". Was darüber hinaus zu denken gibt, ist der verblüffende Fundort. Hier müssen offenbar alle drei Arten koexistiert haben. Lebten sie in Frieden oder Krieg? Warum sind zwei von drei Arten ausgestorben? Könnte auch die überlebende Art aussterben? hhp
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 | 2010/03/29: Drei Menschenarten In trauter Nachbarschaft - Welt online |
| Der Artikel begrüßt mit einem Familienfoto unserer entfernten Verwandten. Eine Stelle ist jedoch nur als Silhouette dargestellt: Platz für die sibirische Neuentdeckung, für die der Artikel auch schon einen Artnamen parat hat: Homo denisovensis - wenn sich denn die Vermutung einer neuen Art durch Analyse der Kern-DNA bestätigen lässt. hhp
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 | 2010/03/25: Francisco Ayala wins the Templeton Prize - beliefnet |
| Rod Dreher, Öffentlichkeitsarbeiter bei Templeton, berichtet ausführlich über die Preiszusage an F. Ayala, dessen Rede in Auszügen wiedergegeben wird. Ayalas Grundeinstellung wird dabei deutlich: Wissenschaft und Glaube sind keine Gegensätze, sondern zwei unterschiedliche Zugangsweisen zur Welt. Zu Konflikten komme es nur bei illegitimen Grenzüberschreitungen. In seiner Publikation "Darwin's Gift" wirft Ayala Dawkins einen Kategorienfehler vor, wenn dieser alles Wissen außerhalb der Grenzen der Wissenschaft als minderwertig oder verdächtig ansehe. Eine wissenschaftliche Weltsicht sei "hoffnungslos unvollständig", da sie Wert- und Sinnfragen gar nicht umfassen könne. Das Buch attackiert gleichermaßen Intelligent Design (ID), in wissenschaftlicher, aber auch theologischer Hinsicht. Dreher vermutet, dass die Dawkins- und ID-Vertreter mit der Preisvergabe nicht glücklich sein werden; Reaktionen von dort will er in seinen Blog aufnehmen. Also: Erneut vorbeischauen. hhp
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 | 2010/03/25: Biologist Wins Templeton Prize - New York Times |
| Der kurze Beitrag stellt als Kern-These Ayalas heraus, dass sich die Reiche von Religion und Wissenschaft nicht vermischen dürfen. Beispiele für solche Vermischungen seien gegeben, wenn Wissenschaftler folgern, es gäbe keinen Gott, oder wenn Kreationisten übernatürliche Interventionen zur Erklärung evolutionären Wandels einführten. Ayalas "Darwin's Gift" beschreibe die Evolutionstheorie als Hilfe, die Koexistenz von Übeln und einem guten und allmächtigen Gott zu erklären. hhp
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 | 2010/03/25: Hoch dotierter Templeton-Preis an Ayala - Bieler Tagblatt |
| Als meines Wissens erste deutschsprachige Zeitung berichtet das Bieler Tagblatt von der gestrigen Verleihung des Templeton Preises 2010 an den Genetiker und Evolutionsbiologen Francisco J. Ayala. Der Preis sei ihm zuerkannt worden, weil er "energisch gegen die Entzweiung von Wissenschaft und Religion kämpft". Gleichzeitig distanziere sich Ayala auch von Kreationismus und Intelligent Design (ID). Die Grausamkeiten der Natur ließen sich nach Ayala nicht mit einer intelligenten Schöpung vereinbaren. Dieses Argument gegen ID wurde gestern in der Tat so von Ayala vorgetragen, dürfte den Kreationismus aber nur bedingt treffen. Der geht ja davon aus, dass die "intelligente Schöpfung" nachträglich durch den Sündenfall des Menschen pervertiert wurde, wodurch die Übel in die Welt kamen. hhp
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 | 2010/03/24: Der Alien von Altai: Der kleine Finger der Evolution - Wissen - ZEIT ONLINE |
| Wer sich lieber in deutscher Sprache über den fossilen Frühmenschen informieren will, wird in der Zeit fündig. Auch dieser Artikel von Ulrich Bahnsen stellt heraus, dass der sibirische Fund weder dem Neantertaler noch dem modernen Menschen entspricht. Offenbar ging die Verbreitung der Gattung Homo in mehr Ausbreitungswellen vor sich, als bisher angenommen. Fakt ist jedenfalls, dass die Ausbreitungswelle des homo sapiens sämtliche anderen Formen verdrängt hat. Bahnsen zitiert Ian Tattersall vom Naturkundemuseum in New York: "Der Mensch ist etwas Besonderes. Und etwas sehr Gefährliches". hhp
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 | 2010/03/24: Fossil finger points to new human species - Nature |
| Der von russischen Forschern gefundene fossile Fingerknochen fand zunächst keine Beachtung, bis ein deutsches Forscherteam eine DNA-Analyse vornahm. Die Überraschung war groß, als diese sich weder mit dem Neandertaler noch mit dem modernen Menschen deckte. Die Befunde deuten darauf hin, dass es sich um eine bisher unbekannte Menschenart handelt, die lange vor den uns bekannten Verwandten aus Afrika ausgewandert ist. So könnte es sein, dass nicht nur der Neandertaler und homo sapiens, sondern mehrere verschiedene eiszeitliche Menschenarten koexistierten. Da die Vergleiche auf mitochondrialer DNA beruhen, raten manche bzgl. weiter reichender Schlüsse noch zur Zurückhaltung. Erst die Entschlüsselung des Gesamtgenoms wird Klarheit bringen und die Vergabe eines formellen Namens erlauben. Svante Pääbo, Koautor der Studie, ist fasziniert von der Möglichkeit, dass molekulare Analysen paläontologisch nutzbar sind: "Wir stehen gerade am Anfang von vielen faszinierenden Entwicklungen". hhp
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 | 2010/03/22: Epigenetics, a confused muddle in the media - Sciblogs |
| Der Bioinformatiker Grant Jacobs pflegt seit mehr als 6 Jahren "Epigenetik" als Schwerpunkt und kann so glaubwürdig die im Guardian veröffentlichte Darwinismuskiritk von O. Burkeman (s.u.) entkräften. Burkemans Hauptfehler sei es, ohne hinreichende Sachkenntnis die eigene Meinung in den Vordergrund zu stellen statt die Sichtweisen einschlägiger Experten wiederzugeben. Dabei suggeriere er, die neuen epigenetischen Erkenntnisse seien vor der Allgemeinheit verborgen worden. Jacobs stellt dagegen, dass die Epigenetik DAS Trendthema der letzen 5-6 Jahre ist, auch wenn es aufgrund der Vorläufigkeit noch nicht in Lehrbüchern Eingang gefunden hat. Jacobs stellt den Unterschied zwischen den Genen selbst und ihrer Regulation durch Epigenetik in den Vordergrund und weist damit Burkemans Formulierung, die Umwelt spiele eine Rolle in der SCHAFFUNG von Merkmalen, zurück. Nach Jacobs schaffen epigenetische Effekte keine neuen Eigenschaften, sondern sie verändern nur den Gebrauch bestehender Gene. hhp
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 | 2010/03/19: Worst science journalism of the year: Darwin completely wrong (again) - Blog: Why evolution is true! |
| Wer sich traut, als Nicht-Biologe die Evolutionstheorie zu hinterfragen, fängt sich leicht Prügel ein. So dauerte es nur ein paar Stunden, bis der Guardian-Artikel von Burkeman (s.u.) als "schlechtester Wissenschaftsjournalismus des Jahres" etikettiert wurde. Der Blogger, Jerry A. Coyne, kennt als Professor für Umwelt und Evolution freilich die epigenetische Kritik. Aber "diese dünnen Befunde sollen anscheinend die moderne Evolutionstheorie als falsch erweisen". Dagegen wendet Coyne ein, dass "in nahezu all diesen Beispielen die Veränderungen in ein oder zwei Generationen verschwunden sind und so den evolutionären Wandel nicht dauerhaft beeinträchtigen können". Gegen die Warnung (Burkemans und Fodors), die Selektionstheorie eben doch nicht als so einfach hinzustellen, schärft Coyne ein: "Sie IST einfach - das ist eine ihrer Schönheit". hhp
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 | 2010/03/19: Why everything you've been told about evolution is wrong - The Guardian |
| Die Angriffe auf die Selektionstheorie scheinen zuzunehmen. Oliver Burkeman führt einige selektionskritische Befunde an. Vor allem die Durchbrüche im jungen Feld der Epigenetik ließen die vermeintliche Einfachheit der beiden elementaren Säulen der Selektionstheorie, zufällige Mutation und filternde Selektion, fragwürdig erscheinen lassen. Wenn erworbenes Verhalten und Umwelt genetischen Einfluss auf die Nachkommen hat (durch An- und Abschalten von Genen), sei sogar Lamarck ein Stück weit rehabilitiert. So sieht sich der Autor in einem Boot mit Fodors Darwinkritik, die er zwar nicht ganz nachvollziehen kann, die er aber versteht als "wichtige Warnung an alle von uns, die die natürliche Selektion zu verstehen glauben". hhp
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 | 2010/03/09: Psychologie: Vom Nutzen der Schwermut - Medizin - Wissen - FAZ.NET |
| Jonah Lehrer fragt sich, wie sich die weite Verbreitung der Depression mit der Evolutionstheorie vereinbaren lässt. Da eine Depression kaum die "reproduktive Fitness" steigert, hätte sie sich im Sinne darwinscher Gesetzmäßgikeiten nicht durchsetzen dürfen. Es sei denn, sie dient einem "geheimen Zweck". Dieser evolutionspsychologische Versuch, mentale Eigenschaften selektionstheoretisch zu erklären, führt zu dem Befund, dass Depression offenbar mit Weisheit und analytischer Weltbeschreibungskompetenz einhergeht - nach dem Motto "Trauer macht schlauer". Ist das soziobiologisches "Storytelling" oder genetisches Trittbrettfahren, das die Darwinismuskritiker Fodor und Piatelli-Palmarini stark machen? Die mögliche Koppelung der Depressionsgene an kognitive Vorzüge sollte schon mehr als vage Spekulation sein, wenn daraus handfeste therapeutische Konsequenzen folgen und der evolutionspsychologisch orientierte Psychiater Thomson seltener Antidepressiva verschreibt. hhp
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 | 2010/03/03: Die treibende Kraft der Evolution - wissenrockt.de |
| Wieder ein Angriff auf die Selektionstheorie? Forscher von der Uni Liverpool glauben jedenfalls nachweisen zu können, dass die Evolution stärker durch zwischenartliche Interaktion als durch Anpassung an die Umwelt vorangetrieben wird. Evolvieren Bakterien und Viren in gegenseitigem Wettrüsten gemeinsam, ist die Evolutionsgeschwindigkeit größer als ohne solches Wettrüsten. Die Forscher sehen dies als experimentelle Bestätigung der sog. Red-Queen-Hypothese an, die das Wettrüsten konkurrierender Organismen beschreibt. hhp
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 | 2010/02/11 - Neurowissenschaften: Hirngespinste - ZEIT ONLINE |
| Sitzt die Spiritualität hinter dem Ohr, im hinteren Scheitellappen des Gehirns? Forscher der Universität Udine konnten zeigen, wo im Gehirn der Eindruck von Transzendenz entstehen kann. In der Entdeckung eines solchen »Transzendenzareals« sehen sie aber nicht Gottes Fingerzeig, sondern ein Ergebnis der Evolution. Dies führt zu der bekannten Debatte über den evolutionären Nutzen von Religion, der in dem kurzen Artikel aber leider nicht Thema ist. - al
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 | 2010/02/22: "What Darwin Got Wrong": Taking down the father of evolution |
| Ein Interview mit Jerry Fodor über dessen Buch "What Darwin Got Wrong" stellt noch einmal die Radikalität seiner Darwinismuskritik heraus: "Man sieht - auch ohne Gott - wie sich die Darwinische Geschichte als radikal falsch herausstellen könnte ... da falsche Voraussetzungen gemacht wurden", so Fodor. Als ein Argument taucht die bereits mehrfach erwähnte interne Koppelung unterschiedlicher Merkmale auf, die es unmöglich macht, zu entscheiden, ob das Merkmal von der Selektion begünstigt wurde oder nur ein Trittbrettfahrer ist. Zur Illustration führt Fodor das Züchtungsexperiment an, das Füchse durch Auswahl domestizieren konnte. Dabei veränderten sich unerwarteter Weise eine Reihe anderer Merkmale, die offenbar intern korreliert waren. Dumm für Fodors Argumentation ist nur, dass sich dasselbe Beispiel bei Richard Dawkins in dessen "Greatest Show on Earth" zwanglos in die Selektionstheorie integrieren lässt. hhp
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 | 2010/02/17 - Religion versus Evolution: Wie die Sünde in die Welt kam - SPIEGEL ONLINE |
| Woher kommt die Moral, und woher die Sünde? Ist es nur die Suche nach einem Grund für alles, die den Mensch zum Glauben bringt, wie der Evolutionsbiologe Pascal Boyer annimmt? Oder seine Autoritätsgläubigkeit Grund der Religion, wie Richard Dawkins sagt? Vielleicht hängen Moral und Religion aber auch gar nicht zsuammen. Andere Stimmen halten Moral für das Ergebnis der jeweiligen evolutionären Situation einer Gesellschaft, die Evolutionstheorie alleine erkläre aber nur ein allgemeines Kooperationsangebot. Theologen wie Wolfgang Achtner betonen den unerklärbaren Mehrwert der Feindesliebe. Der Artikel präsentiert eine breite Palette interessanter Mutmaßungen zum Thema. - al
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 | 2010/02/14: New critique intends to rebut Darwin's ideas - The Boston Globe |
| Der bekannte Wissenschaftsphilosoph Michael Ruse hält Fodors und Piattelli-Palmarinis "What Darwin Got Wrong" für ein "äußerst ärgerliches Buch". Statt aktuelle Diskussionen der Evolutionstheoretiker zu rezipieren, führten die Autoren richtungslose Rundumschläge gegen den Darwinismus durch. Als Hauptattacken gegen die natürliche Selektion führten die Autoren ins Feld, dass erstens die Lebensentwicklung den selbstorganisierenden physikalischen und chemischen Zwängen unterliege und dass zweitens selektionsnegative Merkmale überleben, die selbst gar nicht überlebensförderlich sind, sondern lediglich an überlebensförderliche Merkmale gekoppelt sind (Trittbrettfahrer). Beide Argumente - so Ruse - seien evolutionstheoretisch längst bekannt und mit dem Darwinismus durchaus verträglich. Ruses Verdacht ist, dass die Autoren - obwohl stolz bekennende Atheisten - die Relativierung des Menschen genauso wenig ertragen können wie die verachteten Christen, dieses aber nicht offenlegen. hhp
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 | 2010/02/06: What Darwin Got Wrong by Jerry Fodor and Massimo Piattelli Palmarini - The Guardian |
| "Kein noch so mächtiges Filter kann der Grund für das sein, was durch es hindurchfließt". In diesem Vergleich mit der natürlichen Selektion als Filter bringt Mary Midgley, die der Guardian als "Englands führende Geißel wissenschaftlicher Anmaßung" bezeichnet, die Darwinismuskritik Fodors und Piattelli-Palmarini auf den Punkt. Mit ihnen bestreitet Midgley zwar nicht die Existenz des äußeren Faktors "Selektion", wohl aber dessen privilegierte Stellung innerhalb anderer auch innerer Ursachen. Mit den Autoren spricht die Rezensentin von einer "Masse an internen Einschränkungen, die erfüllt sein müssen, bevor überhaupt ein Phänotyp der äußeren Selektion 'angeboten' werden kann". hhp
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 | 2010/02/05: What Darwin Got Wrong and What Fodor and Piattelli-Palmarini Finally Get Right - David Berlinski |
| David Berlinski, Fellow am Discovery Institute, findet es ermutigend, dass Fodor und co den Schneid zur Darwinismuskritik haben, auch wenn diese etwas spät komme. Kein Argument indes sei neu, andere hätten sie bereits vorgebracht - nicht zuletzt Berlinski selbst, der auch die Analogie Darwin - Skinner seit mehr als 15 Jahren angemahnt habe.
Bestürzend findet Berlinski die Reaktion auf Fodor und Piatelli-Palmarini. Die Kommentare auf ihren Artikel demonstrierten "mit unfehlbarem Eifer die charakteristische Gesinnung der darwinischen Community gegenüber Kritik", sprich: deren Immunisierungsstrategien. hhp
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 | 2010/02/08: What Darwin Got Wrong: Intelligent Design Proponents Welcome Fodor and Piattelli-Palmarini - Discovery Institute |
| Fodors und Piatelli-Palmarinis Darwinismuskritik gießt erwartungsgemäß auch Wasser auf die Mühlen des Intelligent Desing. Spät seien die Autoren zur "Darwin-Zweifler-Party" dazugestoßen, dennoch aber willkommene Teilnehmer, heißt es beim Discovery Institute (DI). Noch willkommener sind die Partygäste, weil sie "durch und durch materialistische Wissenschaftler" sind. Das kommt den frommen Intelligent Designern insofern wie gerufen, als die "typischen Materialisten" eigentlich zu den "glühendsten Verfechtern" der natürlichen Selektion gehören. Das könne sich nun mit diesem Buch Fodors ändern, hofft das DI. hhp
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 | 2010/02/07: Kritik (an Fodor u.a.) aufgeschoben, nicht aufgehoben - Criticism deferred, but building - pharyngula |
| Wenn Kritik am Neodarwinismus laut wird, findet man ganz sicher bei P. Z. Myers, Biologieprofessor und vehementer Kritiker von ID, Kreationismus und co, die gepfefferte Gegenkritik. Klar, dass ihm Buch und unten besprochener Artikel von Fodor u.a. nicht entgangen sind. Deren Versuch, die natürliche Selektion als totgeweiht hinzustellen, sei eine "haarsträubende Behauptung". Dies noch mit evolutionärer Entwicklungsbiologie (Evo-Devo, Myers eigenes Arbeitsgebiet) untermauern zu wollen, bringt Myers Geduldsfass zum überlaufen. Er hat "die Schnauze voll" (noch milde übersetzt) von Leuten, die "Evo-Devo als Ersatz statt Ergänzung zur modernen Evolutionstheorie missbrauchen". Dem Ärger ist erst einmal Luft gemacht, aber auch die inhaltliche Richtung angedeutet, die Myers demnächst breiter entfalten will. Man darf gespannt sein! hhp
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 | 2010/02/03: Survival of the fittest theory: Darwinism's limits - opinion - New Scientist |
| Die Kognitionswissenschaftler Jerry Fodor und Massimo Piattelli-Palmarini fassen in diesem Artikel ihr darwinkritisches (aber dezidiert nicht kreationistisches) Buch "What Darwin Got Wrong" zusammen. Ihrer Meinung nach ist die meiste neodarwinistische Literatur "erschreckend unkritisch", und ein wissenschaftlich üblicher methodologischer Skeptizismus fehle erstaunlicherweise.
Der Haupteinwand der Autoren gegen den derzeitigen Neodarwinismus bezieht sich auf die Dominanz der "natürlichen Selektion" und damit der äußeren Faktoren. Die Autoren setzen Darwin in Analogie zu Skinner, dessen Behaviourismus ebenfalls auf innere (hier: innerpsychische) Faktoren zur Erklärung verzichtete. So wie Skinners Theorie heute als unzureichend erkannt wurde, so bedürfe auch die natürliche Auslese notwendig der Ergänzung durch interne Faktoren. Damit wollen die Autoren auch den "schleichenden imperialistischen Tendenzen" der Selektionstheorie, denen selbst die Theologie nicht entgehe, gegensteuern. hhp
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 | 2010/01/04: Konkurrenz für Gott - Spiegel |
| Die synthetische Biologie macht es möglich: in Laboren entstehen künstliche Gene. Wer weiß, eines Tages auch künstliches Leben? Für die Biologen erfüllte sich damit ein alter Traum. Bekommt Gott vom Menschen Konkurrenz? Was der Artikel nicht erwähnt: Im angelsächsischen Bereich gibt es bereits auch in der Theologie Ansätze, den Menschen als "geschaffenen Mit-Schöpfer" zu sehen. Wo er Recht hat: Es bleibt die Angst, dass der Mensch in seiner Hybris Dämonen weckt, die er nicht mehr zu zähmen vermag. - al
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 | 2010/01/12: Observatory - Neanderthal Decorative Shells Found in Southeastern Spain - New York Times |
| Neandertaler galten bisher - im Unterschied zum modernen Menschen - als unfähig zu symbolischem Denken. Nun haben Archäologen in Spanien solide Anzeichen für den Gebrauch von Muscheln zu dekorativem und symbolischem Zweck gefunden. Sie dienten offenbar dazu, anderen zu zeigen, wer man war; sozusagen "sozial wieder erkennbare Personalausweise". Insofern haben sich der frühe moderne Mensch und der Neandertaler "in gleicher Weise verhalten soweit wir Informationen besitzen, um dies abzuschätzen" - folgert Joao Zilhao der Universität Bristol, England. hhp
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 | 2010/01/12: Evolution: Spie ein Vulkan die Götter aus? - DiePresse.com |
| Es ist trendy, Religion evolutionstheoretisch neu zu entdecken. So auch bei einer neuen These, die das Rätsel angeht, dass der moderne Mensch den Neandertaler verdrängt hat. Danach ließ ein Vulkanausbruch vor 73 tsd. Jahren den Überlebensvorteil von Religion zutage treten: Gläubige haben eine kooperative Innen-, aber eine aggressive Außenmoral - was dem Neandertaler zum Verhängnis wurde. Zu Recht hält der Autor des Artikels die These für reichlich spekulativ, zumal auch der Neandertaler religiös gewesen sein mag. hhp
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 | 2009/12/09: Hans Kessler: Evolution und Schöpfung in neuer Sicht: Die Kirche der Gottlosen röstet Kartoffeln mit Kohlendioxid - Sachbuch - Feuilleton - FAZ.NET |
| Meine positive Besprechung des neuen Buches von Hans Kessler (siehe "Rezensionen") findet ihre Bestätigung durch Eckhard Nordhofen in der FAZ. Das Buch sei "die Ernte einer zwanzigjährigen kompetenten Befassung mit den Naturwissenschaften", die Stärke bestehe in der wissenschaftstheoretisch sauberen Unterscheidung der jeweiligen Diskurse und der Verurteilung unsauberer Vermischungen. Bei allem Lob für Kessler merkt man dem Rezensenten dennoch den Ärger darüber an, dass ein solches Buch im Jahr 2009 überhaupt nötig ist, wo doch die Alternative Bibel oder Wissenschaft seit mindestens 50 Jahren erledigt ist, angefangen mit dem Einsatz der modernen Bibelhermeneutik vor 200 Jahren. Man mag dies bedauern, aber auch zum Anlass nehmen, eine moderne Schöpfungstheologie wie Kesslers "enttemporalisiertes Konzept" gegen zahlreiche naive Zerrbilder eines Schöpfergottes zur Geltung zu bringen, die nicht nur an den fundamentalistischen Rändern der großen Kirchen zu finden sind. hhp
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 | 2009/12/08: Boom! Hok! A Monkey Language Is Deciphered - New York Times |
| Eine Forschergruppe um Klaus Zuberbühler, Schottland, hat die Sprache der Campbell-Meerkatze entschlüsselt. Sie besteht aus 6 Arten von Rufen mit je eigener Bedeutung. Sie können die Rufe aber auch zu einer Botschaft ganz eigener Bedeutung kombinieren. Damit besitzen sie eine primitive Form von Syntax, die bisher als ausschließlich menschliche Fähigkeit klassifiziert wurde. Zusätzlich kann die Bedeutung durch Suffixe variiert werden. Das Lautsystem sei - so die Forscher - "das komplexeste Beispiel von 'Proto-Syntax' in tierischer Kommunikation, das bisher bekann ist". - hhp
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 | 2009/11/23: Interview: Happy birthday, Evolutionstheorie - Medienmagazin pro: Gesellschaft |
| Siegfried Scherer, Professor für Mikrobielle Ökologie und Mitautor des umstrittenen "evolutionskritischen Lehrbuchs", räumt in einem Interview ein, dass Darwin auch aufgrund seiner wissenschaftlichen Einsichten zum Agnostiker wurde. Scherer hält aber dagegen, dass Carl von Linné ähnliche biologische Gegebenheiten nicht vom Glauben abgebracht hätten - für Scherer ein Hinweis darauf, wie unterschiedlich biologische Daten weltanschaulich gedeutet werden können. Wissenschaftlich gesehen hält Scherer daran fest, dass die ungelösten Probleme im Bereich der Makroevolution keine Randfragen darstellen. Unmissverständlich stellt er aber klar, dass diese Probleme keinen Beweis für Schöpfung bilden, sondern zunächst nur Wissenslücken sind. Scherer: "Es ist unbekannt, ob sie durch zukünftige Forschung geschlossen werden können oder nicht". Insofern sind sie theologisch unbrauchbar: "Der ewige Gott wohnt nicht in den Wissenslücken zeitgebundener menschlicher Theorien". hhp
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 | 2009/11/30: Evolution im Zeitraffer - Tagesspiegel |
| Der Biologe Axel Meyer hat Glück und kann der Evolution bei Ihrer Arbeit zusehen. Sein Forschungsobjekt, Buntbarsche, evolvieren in rasantem Tempo. Im afrikanischen Viktoriasee entstand jedes Jahrtausend eine Art, für Meyer ist dies "Evolution im Zeitraffer". In einem nicaraguanischen Kratersee leben erst seit 100 Jahren Buntbarsche, die sich bereits morphologisch, aber (noch) nicht genetisch zu unterscheiden beginnen. Man scheint hier live miterleben zu können, wie aus einer Art gerade zwei Arten werden. Wieder ein Argument mehr gegen die kreationistische Behauptung, Artbildung sei noch nie beobachtet worden. hhp
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 | 2009/11/24: Dawkins on evolution - cnn |
| Richard Dawkins diskutiert mit Max Foster von CNN die Kontroverse Evolution vs. Kreationismus. Im Blick auf die Neuauflage von Darwins "Über den Ursprung der Arten" durch den Kreationisten Ray Comfort entgegnet Dawkins: "Sollte je eine Widerlegung der Evolutionstheorie zustande kommen, dann durch einen seriösen Wissenschaftler und nicht durch einen Idioten". hhp
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 | 2009/11/24: Biologe Steve Jones im Interview: "Der Sex wird gewinnen" - Frankfurter Rundschau |
| Die FR veröffentlich zum 150. Jubiläum von 'The Origin of Species' ein Interview mit dem britischen Biologen Steve Jones, der dieses Jahr sein viertes Buch über Charles Darwin herausbrachte. Darwin ist für Jones "der erstaunlichste Kerl, der je gelebt hat" und Jones nennt 'Die Entstehung der Arten' "das Buch eines Genies". Seiner Meinung nach ist heutzutage die Evolution des Menschen vorläufig beendet, denn es findet keine natürliche Selektion durch frühzeitigen Tod mehr statt, so dass schlechte Gene weitervererbt werden. Die körperliche Entwicklung des Menschen ist - im Gegensatz zur kulturellen Entwicklung - auf Steinzeitniveau stehen geblieben. In gentechnischen Veränderungen des Erbgutes sieht Jones jedoch kein Problem; er stellt fest, dass Sex zu viel Spaß mache als dass er durch Reagenzglasbefruchtungen ersetzt werden könne. sh
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 | 2009/11/20: Die Evolution im Paradies - Hamburger Abendblatt |
| An der Universität Münster entsteht das erste "Institut für Theologische Zoologie" an einer deutschen Hochschule. Der Seminarleiter Rainer Hagencord, Priester, Biologe und Philosoph will mit den Studenten interdisziplinär arbeiten. Erkenntnisse aus der Evolutionstheorie Darwins, aber auch aus der Gen- und Hirnforschung sollen in Beziehung gesetzt werden zum biblischen Schöpfungsglauben - nicht als unversöhnliche Gegensätze, sondern auf der Suche nach einer "angemessenenen theologischen Reaktion auf die Forschungsergebnisse der jüngsten Zeit". So stellen sich angesichts der engen genetischen Verwandschaft von Mensch und Tier neue Fragen zum Verhältnis des Menschen als "Krone der Schöpfung" zu Tieren und Pflanzen. "Der Mensch begnügt sich auch längst nicht mehr damit, Tiere und Pflanzen zu nutzen: Er greift durch Vertreibung, Ausrottung, Zucht und mit immer feineren Veränderungen des Erbguts in die Evolution ein."
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 | 2009/11/16: Darwinism, through a Chinese lens - Guardian |
| Am dritten Tag der internationalen Darwin Konferenz in Alexandria versucht Riazat Butt dem hinduistischen Kreationismus auf die Spur zu kommen, nachdem dieser in einem Vortrag erwähnt worden war. Leider findet sie niemanden, der ihr kompetent Auskunft erteilen kann. Stattdessen erfährt sie etwas über den Einfluss Darwins auf die chinesische Kultur und dass Darwinismus benutzt wurde, um chinesischen Nationalstolz aufzubauen und Mao den Weg zu ebnen. Außerdem sind japanische und einige hinduistische Traditionen sehr einfallsreich bei der Interpretation ihrer traditionellen Philosophie und so gelingt es dort besser, Evolution zu akzeptieren. sh
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 | 2009/11/15: Evolution's classroom crisis - Guardian |
| Der Fokus des zweiten Tages der Darwin Tagung in Alexandria liegt nach Riazat Butt, Guardian-Korrespondentin für religiöse Angelegenheiten, auf der Akzeptanz von Evolution in Bildungseinrichtungen. Viele Studenten und Lehrer in muslimischen Ländern und den USA lehnen Evolution ab. Saouma Boujaoude führt diese Ablehnung auf ein eingeschränktes Verständnis von Beweisen und Wissenschaft zurück; dies sei kaum verwunderlich, wenn man die fehlenden Bildungsinvestitionen und den Mangel an wissenschaftlichem Engagement betrachte. Anti-westliche Gefühle und verschwimmenden Grenzen von Evolution und Säkularismus erschwerten die Akzeptanz. Islamischer Kreationismus ist laut Nidhal Guessom ein unscharfes Mosaik von Ideen und keinesfalls gleichzusetzen mit dem amerikanischen. Michael Roberts hält die Auseinandersetzung mit dem Kreationismus für wichtig, denn wenn er in Regierungen an Auftrieb gewänne, würde Wissenschaft und Forschung behindert werden. sh
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 | 2009/11/14: Egypt's Darwin debates - Guardian |
| In dieser Woche findet in Alexandria eine internationale Konferenz zu Darwins Vermächtnis statt, bei der mehr als 150 Wissenschaftler über Evolution diskutieren sollen; Religion spielt in diesem Zusammenhang auch eine große Rolle und so berichtet Riazat Butt, die Guardian-Korrespondentin für religiöse Angelegenheiten, täglich von dieser Konferenz. Einig scheinen sich alle Redner des ersten Tages darüber zu sein, dass Religion und Evolution durchaus vereinbar sind. Eugenie Scott, vom NCSE, hebt hervor, dass Naturwissenschaft zwar viel erklären könne, aber auch Grenzen habe und die (Nicht-/) Existenz Gottes nicht beweisen könne. Sie lehnt ab, dass Naturwissenschaft durch den religiösen Filter betrachtet und mit Religion verwechselt wird. Butt beobachtet, dass Diskussion auf dieser Konferenz bisher weitgehend fehlt und Evolutionsgegner nicht involviert werden. sh
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 | 2009/11/13: Migration is spreading creationism across Europe, claims academic - Guardian |
| Der britische Wissenschaftler Michael Reiss, Professor am Institut für Bildung in London, Anglikanischer Pastor und ehemaliger Direktor für Bildung der Royal Society ist davon überzeugt, dass Migration zu einem Anstieg von kreationistischen Überzeugungen in Europa führe und als ein aktuelles britisches und gesamteuropäisches Phänomen angesehen werden müsse. Verstärkt würden besonders junge Leute Evolution ablehnen, besonders wenn sie aus muslimischen oder fundamental-christlichen Elternhäusern kämen. Die Vorstellung, Evolution und Religion seien unvereinbar, sei nach wie vor weit verbreitet. Reiss musste im letzten Jahr seinen Posten als Direktor für Bildung der Royal Society aufgeben, nachdem er vorgeschlagen hatte, dass Kreationismus im Biologieunterricht diskutiert werden solle, wenn auch nur um zu beweisen, dass er keine wissenschaftliche Basis habe. sh
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 | 2009/11/14: The Evolution of the God Gene - The New York Times |
| Nicholas Wade kommt bei der Frage, warum religiöses Verhalten in Gesellschaften aller Entwicklungsstufen in allen Teilen der Welt vorkommt, zu der Erkenntnis, dass Religion von natürlicher Selektion bevorzugt worden sei, weil sie alle Kennzeichen von entwickeltem Verhalten trage. Er stellt allerdings fest, dass diese Erkenntnis weder für Atheisten noch für Gläubige bedrohlich oder hilfreich sein sollte, denn weder beweise noch widerlege sie die Existenz von Göttern. Stattdessen wirft Wade die Frage auf, ob diese evolutionäre Perspektive auf Religion nicht für Entspannung zwischen Religion und Naturwissenschaft sorgen könne, da Religion als entwickelter Instinkt gesehen werden könne, dessen konstruktive Rolle anerkannt werden müsse. Religion verdiene daher weder Schuldzuweisungen noch Lob, denn wenn man Religion als soziales Bindemittel betrachtet, sind es die Gesellschaft und ihrer Führer, die dieses Mittel zum Guten oder Schlechten führen. sh
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 | 2009/11/02: Creationism, Minus a Young Earth, Emerges in the Islamic World - The New York Times |
| Kreationismus ist auch in der islamischen Welt auf dem Vormarsch, berichtet Kenneth Chang in diesem Artikel der NYT. Im Gegensatz zur christlichen Bewegung gibt es jedoch kaum Young-Earth Kreationisten, da der Koran zwar auch die Schöpfung der Welt in 6 Tagen beschreibt ? allerdings mit dem Zusatz, dass ein Tag metaphorisch für tausend Jahre steht. Das bedeutet jedoch nicht, dass Evolution komplett mit dem Islam vereinbar ist, denn die Evolution des Menschen lehnten viele Muslime ab. Die Debatte um Evolution gewinnt in vielen muslimischen Ländern durch bessere Bildung zunehmend an Bedeutung. Doch eine Umfrage des Evolution Education Research Centers der McGill University, Montreal ergab, dass die Akzeptanz von Evolution je nach Land und Schule stark variiert. Interessant ist dabei, dass besonders Muslime in westlichen Ländern zu den Young-Earth Kreationisten gehören, obwohl diese Bewegung eine fundamental-christliche ist. sh
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 | 2009/11/09: A birthday present for Darwin - The Guardian |
| In seinem Kommentar zum Thema Evolution in Grundschulen stellt Andrew Copsor fest, dass dies nicht nur das ideale Geburtstaggeschenk für Darwin sei, sondern auch eine wichtige Waffe gegen die Ignoranz von ID. Es gibt laut Copsor zwei Gründe warum man ID bevorzuge: 1. religiöse Überzeugungen, die die Anerkennung der Beweise verbiete oder 2. Unwissenheit. In einer Gesellschaft, die so schwindend-religiös sein wie England, sei es unmöglich zu glauben, die meisten Leute, die Evolution nicht akzeptierten, seien von Ideologie statt von Ignoranz geleitet, deshalb sei Bildung das beste Mittel. Leider gebe es noch zwei weitere Faktoren, die das öffentliche Verständnis von Evolution behinderten. Zum einen sei die menschliche Neigung, nach einem Zweck zu suchen, hinderlich, zum anderen würden Kinder mit kreationistischen Vorstellungen bombardiert. Diesen Faktoren könne der neue Lehrplan nun früh entgegen treten und englische Schulen an die Spitze des Evolutionsunterrichts stellen. sh
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 | 2009/11/08: Scientists win place for evolution in primary schools - The Guardian |
| In Großbritannien wird das Thema Evolution auf den Entwurf eines neuen Lehrplans für Grundschüler gesetzt werden, nachdem 25 Wissenschaftler ? unter ihnen natürlich Richard Dawkins ? ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck gebracht hatten, dass "eine der wichtigsten Vorstellungen, die der Biologie zugrunde liegt" in dem vorherigen Entwurf ignoriert wurde. Die Schulministerin Diana Johnson sagte, ursprünglich sein Evolution als Teil des Bereichs von Wissenschaft und Technik vorgesehen gewesen, im neuen Entwurf werde das Thema jetzt nun explizit erwähnt. Die Ergebnisse einer Beratung von Lehrern, Eltern, der Öffentlichkeit, Experten und anderen Interessierten zum Thema Evolution in der Grundschule werden bald veröffentlicht werden. sh
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 | 2009/11/05: San Clemente Company Plays Key Role in Search for Missing Link - San Clemente Times |
| Um der Frage nachzugehen, wann und warum der aufrechte Gang evolvierte, nutzte man eine "LifeModeler" Software, die bisher bei Hüft- und Knietransplantaten medizinischen Einsatz fand und komplizierte Bewegungen simulierte. Zusammen mit Owen Lovejoy speiste man das Programm mit dem Skelett von Ardipithecus ramidus, fügte Muskeln hinzu und simulierte die Bewegung Ardis. Die Kernfrage war, wie ein Fuß mit einem frei beweglichen großen Zeh Äste greifen und ebenso effizient laufen kann. In dieser Hinsicht erwies sich Ardi als echte Übergangsform. Die Ergebnisse sind übrigens im Discovery Channel ausführlich dokumentiert: http://dsc.discovery.com/tv/ardipithecus/ardipithecus.html. hhp
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 | 2009/11/04: Scientist Genie Scott's Last Word to Creationist Ray Comfort: There You Go Again - God and Country |
| Scott ist aufgefallen, dass der vermeintlich ungekürzten Darwin-Ausgabe Comforts immer noch ein entscheidendes Diagramm und die Epigraphe von Bacon und Whewell fehlen. Scott hätte dabei ruhig erwähnen können, dass das Whewell-Zitat wohl nicht zufällig unterdrückt wird: Whewell nimmt an, "dass Ereignisse nicht durch isolierte Eingriffe einer göttlichen Macht verursacht werden, in jedem Einzelfall angewandt, sondern durch die Einrichtung allgemeiner Gesetze" - was so gar nicht in die kreationistische Denke passt. Den Einwand Comforts, die ständigen Revisionen der Wissenschaft mache diese unglaubwürdig, lässt Scott nicht gelten: "Die Fähigkeit, Erklärungen im Lichte neuer Informationen zu revidieren, ist eine Stärke, keine Schwäche der Wissenschaft". So auch im Falle Ardipithecus, dessen Fund zwar Details revidiere, aber einen gemeinsamen Vorfahre von Mensch und Schimpanse nicht bestreite. Auch als Kreationist könne man die Stärke der Evolutionstheorie anerkennen - siehe Todd Wood. - hhp
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 | 2009/11/02: Ray Comfort Responds to Genie Scott on Creationist 'Origin of Species' - God and Country |
| Als Antwort auf Scott sichert Comfort zu, dass die Darwinausgabe, die in einer Auflage von 170000 Kopien (!) an Studenten verteilt wird, den gesamten Text des "Origin" enthalten werde. Immerhin. Das Folgende ist eine Sammlung von typischer Evolutionskritik, zusammen zu fassen unter "irreduzierbare Komplexität" und "Fehlen von Übergangsformen". In diesem Zusammenhang gerät auch der von Scott bemühte gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse in die Kritik. Es sei gerade die Entdeckung von Ardipithecus gewesen, welche die bisherige "Annahme, wir hätten uns aus uralten schimpansenähnlichen Kreaturen entwickelt, als ganz und gar falsch" erwiesen habe. Da hat er Recht! Aber Scott hat gar nicht behauptet, dass der gemeinsame Vorfahr schimpansenähnlich war, nur, dass es einen solchen gegeben hat. Und Scotts Aussage, "mehr Fossilien werden mehr Details bringen", dreht Comfort strategisch um: "Sie haben die Fossilien also immer noch nicht!" Mal gespannt, was Genie morgen dazu sagt. hhp
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 | 2009/10/30: Eugenie Scott about How Creationist 'Origin' Distorts Darwin - God and Country |
| Der Kreationist Ray Comfort gibt eine antievolutionäre Version von Charles Darwins "On the Origin of Species" heraus, die im November an Colleges verteilt werden soll. Eugenie Scott (siehe unsere RSNG-Tagung 2009) kritisiert, dass der Comfort-Version des "Origin" nicht weniger als 4 entscheidende Kapitel sowie Darwins Vorwort fehlten, darunter - wen wundert es - "Darwins stärkste Beweise für Evolution". Auch Darwins Entgegnung auf das vermutete Fehlen evolutionärer Übergangsformen im 9. Kapitel "sind interessanterweise in Comforts Version nicht enthalten". Scott benennt Beispiele für "Serien von klaren Übergangsformen" einschließlich der "wunderbaren Fossilreihe, die zum Homo sapiens führt". Für Scott ist der Fossilbefund so beeindruckend (sie erwähnt auch den neuen Fund "Ardi" und den gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Schimpanse), dass die "Umrisse der menschlichen Evolution unter Experten nicht ernsthaft in Frage gestellt werden". hhp
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 | 2009/10/30: Bibel kapert Biounterricht - Evolution oder Schöpfung? - Gesellschaft-Nachrichten - news.de |
| Der Artikel berichtet von einer (wohl älteren, 2006 durchgeführten) Umfrage des BBC wonach 22% für den Kreationismus, 17% für ID votierten. Diese sollten für 43% neben der darwinistischen Evolutionstheorie einen Platz "im Schulunterricht" erhalten. Die Bildunterschrift spricht indes vom "Einzug der Schöpfungsgeschichte ins naturwissenschaftliche (!) Klassenzimmer" - was einen grundsätzlichen Unterschied darstellt. In Deutschland habe sich nur die hessische Kultusministerin Karin Wolff "für eine Aufnahme der Kreationistenmodelle in den Schulunterricht ausgesprochen". Falsch: Wolff sprach nicht von Kreationismus, sondern von Schöpfungslehre; sie sprach von Biologieunterricht, nicht von Schulunterricht. Es wird nicht sauber zwischen Bio, Reli, Schule, vor allem aber nicht zwischen Kreationismus und moderner Schöpfungslehre unterschieden. Der Artikel ist sichtlich bemüht, aber völlig überfordert, Klarheit zu schaffen. hhp
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 | 2009/10/29: ''Im Wallenstein ist auch kein Platz für Schiller'' - Charles Darwin und die Evolution - sueddeutsche.de |
| "Evolution ist keine Gefahr, sondern ein Segen für die Theologie": Beide sind nicht etwa unvereinbar wie Kreationisten, Naturalisten, aber auch "der unselige Artikel Kardinal Schönborns" behaupten. Christian Kummer setzt dagegen auf Teilhard de Chardin und seine ontologisch verbindende Formel "Schöpfung durch Evolution". In dieser Denke macht der Schöpfer nicht Kreaturen, sondern verleiht Kreativität; "er macht, dass die Dinge sich machen". Dabei ist er nicht der Chef, der delegiert und dann in die Chefetage entschwindet; er ist der gegenwärtige, "Anteil nehmende Chef". Kummer hält sich hier zurück, die Immanenz Gottes (gegenwärtiger Chef) gegen seine Transzendenz (Chefetage) auszuspielen - anders als in seinem Buch, wo die Chefetage pantheistisch leer bleibt (Der Fall Darwin, 2009, 190). Dennoch enthalte dieser "Schöpfungsplan" für Schönborn wohl zuviel Eigenaktivität, wenn "in der Kosmologie kein Platz mehr für Gott" ist. Aber: "Im Wallenstein ist auch kein Platz für Schiller"! hhp
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 | 2009/10/28: Friedemann Schrenk im Porträt: Fünf Kilometer pro Generation - Frankfurter Rundschau |
| Die kurze Biografie des bekannten Paläoanthropologen Friedemann Schrenk beginnt bei dessen früher Begeisterung für Fossilien und macht Station bei dem ältesten Fund aus der Gattung "homo", der einem Mitarbeiter Schrenks geglückt ist. Funde sind für Schrenk verschlüsselte "Nachrichten aus der Vergangenheit", zu deren Entschlüsselung das jeweilige Weltbild "eine riesige Rolle" spiele. Wer an Drachen glaubt, interpretiert ein Wollnashorn eben als Lindwurm, wie im Mittelalter geschehen. Welches Weltbild ist heute prägend, fragt sich Schrenk. Mit Kreationismus und einem intelligenten Designer kann Schrenk wenig anfangen, dazu sei das Design zu unausgereift, wie unser falsch sitzender Kopf und die Überkreuzung von Luft- und Speiseröhre zeige. Allerdings: "Er habe keine Ahnung, ob es irgendwo einen Gott gibt oder irgendeine Kraft". hhp
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 | 2009/10/21: Darwin, Laplace, and "God of the Gaps" Reasoning - Science and the Sacred |
| Darwins Theory ist weniger eine Anfrage an die Existenz Gottes als vielmehr eine Herausforderung für die Argumentation mit dem Lückenbüßergott. Darwin habe für die Biologie diegleiche Bedeutung wie Laplace für die Physik. Laplace bestritt nicht die Existenz Gottes, wohl aber schloss er die Lücken, die Newton noch als Gottesbeweis zuließ. So verhalte es sich auch mit Darwin: Evolution ist kein Argument gegen Gott, sie schließt aber die Erklärungslücke des komplexen Designs, eine Lücke, die viele als Gottesbeweis missbraucht haben. hhp
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 | 2009/10/20: Biologie macht erst seit Darwin Sinn - Echo Online |
| Mathias Orgeldinger berichtet von zwei Darwin-Ausstellungen und konzentriert sich auf deren Auseinandersetzung mit dem Kreationismus. Dabei unterlaufen dem Autor schwer wiegende Fehler. So sei "der Kreationismus eine Weltanschauung, nach der das Universum und das Leben ... von einem übernatürlichen Wesen erschaffen wurde" - dann wäre auch das Christentum kreationistisch - Gott bewahre! Die katholische Kirche vertrete eine "theistische Evolution" mit einem "Schöpfergott, der zuweilen steuernd eingreift" - falsch! Von einem solchen Lückenbüßergott hat sich die Kirche längst verabschiedet. Zufall und Ziel seien für Theologen "Gegensätze" - falsch! Die Internationale Theologenkommission stellte 2004 klar, dass "wahre Kontingenz in der geschöpflichen Ordnung nicht unvereinbar ist mit der zielgerichteten göttlichen Vorsehung". Wie sonst bei den Neo-Atheisten üblich wird hier Christentum mit Kreationismus undifferenziert gleichgesetzt, um es damit umso leichter über Bord werfen zu können. hhp
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 | 2009/10/15: Education in the Arab world - Economist.com |
| Unter dem Titel "Nachzügler versuchen aufzuholen" berichtet ein Beitrag u.a. über den beklagenswerten naturwissenschaftlichen Bildungsstand in der Arabischen Welt. Aufhänger ist der Hominidenfund Ardipithecus ramidus, der zu einigem Umdenken der Evolutionsbiologen geführt hat (allerdings nicht im Blick auf eine frühere Abspaltung des menschlichen Stammbaumastes, wie der Economist fälschlich behauptet). In der arabischen Welt führte der Fund erwartungsgemäß zu Schlagzeilen wie "Amerikanische Wissenschaftler entlarven Darwin" oder "Ardi widerlegt Darwins Theorie": ein Rückschlag für den westlichen Materialismus und ein Triumph für den Islam. Die hohe religiöse Bildung gehe auf Kosten der naturwissenschaftlichen, und seit einiger Zeit ist die Rückweisung der Evolutionstheorie durch Umfragen belegt, von denen der Artikel einige benennt. hhp
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