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Lenzen: Natürliche und künstliche Intelligenz

NATÜRLICHE UND KÜNSTLICHE INTELLIGENZ - Einführung in die Kognitionswissenschaft
Manuela LENZEN

Reihe "Einführungen", ISBN 3-593-37033-6, 163 Seiten, EUR 12.90. Campus-Verlag Frankfurt (Mai 2002)

Die Erforschung des menschlichen Geistes ist eines der spannendsten Unternehmen der Wissenschaft. Die Kognitionswissenschaft erforscht nicht nur abstrakte intellektuelle Leistungen wie etwa das Schachspiel, sondern die ganze Palette der Intelligenz: Sprache, Gedächtnis, Lernen, Wahrnehmung und Bewegung, neuerdings auch Emotionen und Bewusstsein. Diese Einführung bietet eine übersichtliche Darstellung der Entwicklung sowie der zentralen Probleme und Lösungsstrategien dieser neuen Disziplin. (amazon.de)




Autorenportrait: Manuela Lenzen

Manuela Lenzen studierte Philosophie in Bochum und Bielefeld. Als freie Wissenschaftsjournalistin schreibt sie unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau und Die Zeit.




Der Verlag über das Buch

Das Gehirn ist ein Computer, der Geist sein Programm...

Der menschliche Geist ist eines der spannendsten Gebiete der Wissenschaft. Manuela Lenzen bietet eine übersichtliche Einführung in jene junge Disziplin, die kognitive Vorgänge als ein Daten verarbeitendes System begreift: die Kognitionswissenschaft.

Wie funktioniert das Denken? Wie die Wahrnehmung, die Erinnerung, die Sprache? Was ist Wissen? Diese Fragen faszinierten schon die Philosophen der griechischen Antike. Mitte des 20. Jahrhunderts inspirierte der Computer zu einem neuen erfolgreichen Ansatz, diese schwer greifbaren Phänomene zu erforschen: Man begann kognitive Prozesse als Prozesse der (mentalen) Datenverarbeitung zu verstehen.

In den Anfängen der Kognitionswissenschaft wurde das menschliche Gehirn als eine Art Computer und der Geist als die dazugehörige Software betrachtet. Auch wenn dieses noch recht einfache Modell inzwischen weiter entwickelt wurde, so lieferte es doch die Basis für Versuche, kognitive Leistungen künstlich zu erzeugen. Es ermöglichte das für die Kognitionswissenschaft charakteristische Wechselspiel zwischen natürlicher und künstlicher Intelligenz.

Vom Computermodell des Geistes über Versuche mit humanoiden Robotern bis zur sozialen Kooperation von Menschen und Maschinen – Manuela Lenzen bietet in ihrer Einführung eine übersichtliche Darstellung der Entwicklung sowie der zentralen Probleme, Lösungsstrategien und Grenzen dieser neuen Disziplin.




Rezension von Gottfried Kleinschmidt

Im Zentrum der Kognitionswissenschaft steht die "Künstliche Intelligenz" (KI). Ein wichtiges Forschungsfeld ist die Wechselbeziehung zwischen Computer und Gehirn. Daher beschäftigt sich die Autorin auch ausführlich mit dem "Turingtest" . Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Fachwissen, Bildungswissen und Weltwissen. Unter Berücksichtigung der Forschungen von Damasio u.a. kommt man zu dem Schluß, dass Intelligenz nicht nur im Kopf
sitzen muss. Die Wechselwirkungen und Wechselbeziehungen zwischen Neocortex,
Limbischem System und Stammhirn spielen eine wichtige Rolle. Im abschließenden Kapitel beschäftigt sich M. Lenzen mit den Herausforderungen für die Kognitionswissenschaft. Die entscheidenden Stichworte sind: das Sozialverhalten, die Emotionen, das Bewusstsein und das Computermodell des Geistes.

Das Literaturverzeichnis weist eine Dreigliederung auf: Einführende und
weiterführende Literatur sowie Fachzeitschriften, Kongresse und Internetadressen. Hilfreich sind auch die Kurzbiographien der im Text erwähnten Experten der Kognitionswissenschaft. Die vorliegende "Einführung" will die zentralen Probleme und Lösungsstrategien der noch "jungen und neuen Disziplin" übersichtlich darstellen und philosophisch-anthropologisch kommentieren.

Die zusammenfassende Würdigung der "Einführung in die Kognitionswissen-schaft" erlaubt nur einige Hinweise auf markante Aussagen. Es wird somit weder Vollständigkeit angestrebt, noch kann Systematik erreicht werden. Ein wichtiges Feld der Kognitionswissenschaft ist "die Suche nach den Algorithmen des Geistes". An mehreren Stellen des Textes wird die Beziehung zwischen Geist und Gehirn erörtert. Ebenso wichtig ist das ungelöste Geist-Leib-Seele-Problem. Hier erfolgt ein Hinweis auf K.Poppers "Drei-Welten-Theorie". Die Frage: "Worin dokumentiert sich die Sprache des Geistes?" ist\sehr schwer zu beantworten. Die Autorin zitiert an dieser Stelle vor allem Jerry Fodors Theorie. Ebenso kompliziert ist die Beschäftigung mit Expertensystemen. Es gibt universelle und problemspezifische Lösungsstrategien, analytische, synthetische, fallorientierte, modellorientierte und erfahrungsorientierte Systeme. Diese Strategien und Systeme werden in der "Einführung" nur erwähnt, aber nicht erläutert. An mehreren Textstellen wird in Verbindung mit der Kritik am Computermodell des Geistes auf die Unterschiede zwischen Syntax und Semantik hingewiesen. Dabei zeigt sich, dass das "Computermodell des Geistes" ein Paradox ist. Ein vielfach diskutiertes Problem der Kognitionswissenschaft ist die Frage nach der Intentionalität des Handelns und das Problem des Bewusstseins. Zum Handeln gehört ein Ziel-, Zweck-, Folge- und Planungsbewusstsein! Verfügt der Computer über diese Bewusstseinsformen? Kann man beim Computer zwischen "Bewusstsein" und "Selbstbewusstsein" unterscheiden?

Eine klassische Grundannahme der Kognitionswissenschaft lautet: Kognitive Prozesse sind Prozesse der Datenverarbeitung, mentale Repräsentationen sind ihre Daten. Diese Grundannahme wird allerdings aus der Sicht der System-und Komplexitätstheorie problematisiert. In Verbindung mit Fraktalen und Mandelbrotdiagrammen spielt auch die Iteration eine entscheidende Rolle. Die Kognitionswissenschaft erhält damit eine biologische und evolutionstheoretische Komponente. Der Computerexperte Rodney Brooks (MIT-Cambridge) beschäftigt sich neuerdings mit der Herstellung "menschenähnlicher" (humano-ider) Roboter. An dieser Stelle weist die Autorin auf die Entstehung "künstlichen Lebens" hin. Offen ist allerdings, ob damit die "Stufen zum Leben" und die "Hyperzyklentheorie" (Manfred Eigen) gemeint sind. Am Schluss räumt die Verfasserin ein, dass die Kognitionswissenschaft inzwischen so umfassend und komplex geworden ist, dass kaum noch das ganze Gebiet zu erfassen ist. Aus dieser Sicht ergeben sich für eine Neuauflage der vorliegenden "Einführung" einige Anregungen. Der bereits zitierte Rodney Brooks hat sich in seinem neuen Buch "Menschmaschinen" mit der Erschaffung des Menschen durch die Zukunftstechnologien beschäftigt (2002). Die Frage "Können Ameisen denken?" hängt nach Auffassung von GRUSE/ DEAN und RITTER eng mit der Entdeckung der Intelligenz (vgl. C.H. Beck Verlag München 1998) zusammen. Ebenso unbeantwortet scheint noch immer die Frage zu sein "Wie der Geist in die Materie kommt?" und damit scheinen gewisse Rätsel unseres Bewusstseins zusammenzuhängen (vgl. Colin McGINN, Verlag C.H. Beck, München 2001). Hervorzuheben ist, dass mit der Kognitionswissenschaft noch viele unbeantwortete philosophisch-anthropologische Fragen verknüpft sind. Diese werden mit der Annäherung an die Biologie und Evolutionstheorie immer deutlicher und gravierender!





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