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15.06.11: Kontingenz oder das Andere der Vernunft

Kurt Wuchterl

Kontingenz oder das Andere der Vernunft - Zum Verhältnis von Philosophie, Naturwissenschaft und Religion

Stuttgart : Franz Steiner 2011

300 Seiten
ISBN-10: 3515098577
ISBN-13: 978-3515098571

In seinem neuen Buch will Kurt Wuchterl zeigen, dass der Begriff der Kontingenz zur Lösung vieler Probleme zwischen Naturwissenschaft, Philosophie und Religion beitragen kann.







Kontingenz: -bewältigung -anerkennung -begegnung

Ausgangspunkt ist der Mensch als das Wesen, das Kontingenz erfahren kann (Bewusstsein eines Sinndefizits) und darauf antworten muss. Nicht immer kann die Antwort in der Kontingenzbewältigung bestehen, die letztlich die Kontingenz zum Verschwinden bringt. Daneben muss es notwendig eine Kontingenzanerkennung geben, die durchaus auch von Atheisten und Agnostikern geteilt werden kann. Religion geht nun über die Anerkennung der Kontingenz hinaus in Richtung Kontingenzbegegnung, indem sie annimmt, dass jenseits der Grenze nicht das Nichts absoluter Dunkelheit ist, sondern ein Ort der Begegnung mit einem sich zeigenden Anderen. Dabei kommen die Grenzen der Vernunft in den Blick und das religiöse Sprechen von dem ganz anderen wird präzisiert – mit gewisser Annäherung an die negative Theologie.




Grenzüberschreitungen

Die Ausführungen beziehen sich dabei kritisch u.a. auf den Erklärungsanspruch Stephen Hawkings, dessen totale naturwissenschaftliche Kontingenzbewältigung als illegitim hingestellt wird. Aber auch dem zu würdigenden Versuch Dieter Hattrups, einen unauflösbaren Zufallsrest als „echten Zufall“ und Einfallstor der Freiheit auszuweisen, begegnet Wuchterl skeptisch, sofern Hattrup zu sehr in innerwissenschaftliche Diskussionen eingreife und damit in die Nähe eines Lückenbüßergottes gerate.




Fazit

Jenseits von Grenzüberschreitungen der einen wie der anderen Seite versucht Wuchterl in seinem neuen Buch, "durch Aufweis der Grenzen der Vernunft den religiösen Glauben auch in einer von Wissenschaften und säkularem Denken bestimmten Zeit als mögliche und verantwortungsvolle Verhaltensweise in die menschliche Erfahrungswelt einzuordnen" [Einleitung, S. 9]

[Text der Einleitung]




Zum Autor

Prof. Dr. Kurt Wuchterl ist seit 1981 außerplanmäßiger Professor für Philosophie an der Universität Stuttgart.
Wuchterl studierte Mathematik, Philosophie und Physik, promovierte bei H.-G. Gadamer und D. Henrich. 1966 erhielt Wuchterl den Preis der Aristotelian Society London für eine Arbeit über phänomenologische Grundlagen der Mathematik. Ab 1970 philosophische Lehraufträge in Konstanz und Stuttgart. 1975 habilitierte Wuchterl in Sprachphilosophie und Logik an der Universität Stuttgart. Mitarbeit in der Philosophielehrer-Ausbildung in Baden-Württemberg, Mitglied der Lehrplankommissionen für Philosophie an Gymnasien und an der Universität Stuttgart.




Prof. Dr. Kurt Wuchterl hält religiöse und säkulare Vernunft für verträglich.

Bezüge und Vertiefungen

Hattrup: Darwins Zufall "Freiheit" schien mit Darwin vertrieben worden zu sein. Löst man ihn aber vom newtonschen Weltbild, wird aus ihm geradezu ein Freiheitskämpfer.

15.09.10: Hawkings Feuilleton-Atheismus "Der große Entwurf" von Stephen Hawking maßt sich "eine neue Erklärung des Universums" an und will mit naturwissenschaftlichen Mitteln "auf die letzten Fragen des Seins" eine Antwort geben. Die Provokation und Polarisierung spiegelt sich im Presseecho.

02.11.: "Gott ist Schöpfer" muss verneint werden! Verabschiedet sich Andreas Benk von Gott als Schöpfer, wenn er behauptet, dass "die Aussage, 'Gott ist Schöpfer' sofort wieder verneint, zurückgenommen werden muss"?

05.08.10: Verborgene Natur und verborgener Gott Der Naturwissenschaftler steht letztlich vor der verborgenen Natur, der Theologe vor dem verborgenen Gott. Haben beide Erkenntnisweisen eine analoge Struktur, sind die verborgenen "Wirklichkeiten" gar ontologisch verwandt? Eine Tagungsdokumentation.





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