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25.07.08: Atheismus in der Diskussion
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Passend zu unserer Tagung "Muss der 'wahre' Naturwissenschaftler Atheist sein?" habe ich für Sie ein paar Presseberichte zusammen gefasst, die lesenswert sind, aber nicht unbedingt meine Meinung wiedergeben. Sehen Sie selbst.
- Zenit: Interview mit Pater Thomas Williams LC - idea: Theologie gegen Evolutionstheorie - Die Tagespost: Norbert Bolz zum Naturalismus - idea: EKD und Atheisten gegen Evangelikale?
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Zenit: Interview mit Pater Thomas Williams LC
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In dem Interview der Online-Zeitschrift "Zenit - Die Welt von Rom as gesehen" vom 10. Juli wird Pater Thomas Williams LC zu seinem Buch befragt, das sich gegen die neue Welle atheistischer Bücher richtet, das hierzulande bekannteste von Richard Dawkins. Williams Offensive wendet sich unter anderem gegen die Bestreitung der Vereinbarkeit von Religion und Wissenschaft bzw. Vernunft. Die Behauptung der Atheisten, die Religion sei wissenschaftsfeindlich, sieht Pater Williams als "abgedroschenes Ammenmärchen". Man wird jedoch einräumen müssen, dass die Unterstellung der Wissenschaftsfeindlichkeit nicht auf die militanten Atheisten beschränkt (Dawkins: "Ich bin ein Gegner der Religion. Sie lehrt uns, damit zufrieden zu sein, dass wir die Welt nicht verstehen", Klappentext des Buches "Der Gotteswahn"), sondern sehr viel weiter verbreitet ist. Selbst der interdisziplinär aufgeschlossene Evolutionsbiologe Nico Michiels stellte auf unserer Tagung die Religion in eine irrationale Ecke (Michiels: Wissen und Weltanschauung, Folie 17). In dem Interview greift Pater Williams damit ein zentrales Anliegen von Papst Benedikt XVI. auf. Dieser hat schon früh vor einem derart ausufernden Evolutionismus wie bei Dawkins gewarnt, der keine andere Rationalität als die eigene gelten lässt und den Glauben ins Private, Subjektive, Beliebige, ja Irrationale abgeschiebt. Als Papst plädiert er – z. B. in der viel diskutierten Regensburger Rede – gegen die "Beschränkung der Vernunft auf das im Experiment Falsifizierbare" und für die "Ausweitung unseres Vernunftbegriffs". Schließlich sei Theologie die "Frage nach der Vernunft des Glaubens". Wir sind der Forderung nach der Ausweitung unseres Vernunftbegriffs auf der Tagung nachgegangen (siehe Beinert: Der erweiterte Vernunftbegriff - Über das Verhältnis von Glaube und Wissen). Williams selbst argumentiert im Interview auch historisch: Die Naturwissenschaft sei "aus dem fruchtbaren Boden der christlichen Kultur herausgewachsen". Zudem seien einige der größten Wissenschaftler der Geschichte Christen gewesen. Dem Vorwurf, Religion bewirke nur Schlechtes, begegnet Williams mit empirischen Studien, wie sie auch auf unserer Tagung bei dem Religionswissenschaftler Blume eine wichtige Rolle gespielt haben (Blume, Die Biol-Logik des Glaubens). Dass die Vernünftigkeit des Glaubens kein neuzeitlich-sekundäres Programm darstellt, sondern biblisch begründet ist, belegt für Williams ein Zitat aus dem Petrusbrief: "Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt" (1 Petr 3,15).
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idea: Theologie gegen Evolutionstheorie
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Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Warnung vor dem "neuen Atheismus" in dem evangelikalen Organ idea vom 2. Juli ginge in die gleiche Richtung wie das Plädoyer des Papstes für einen erweiterten Vernunftbegriff. So kritisierte bei einer Veranstaltung der Publizist Alexander Kissler (Der aufgeklärte Gott - Wie die Religion zur Vernunft kam) "den Vernunft-Begriff der 'neuen Atheisten', der nur das anerkenne, was sich im Experiment beweisen lasse". Die Übereinstimmung mit dem Papst dürfte aber spätestens dann aufhören, wenn der Philosoph Daniel von Wachter behauptet: "Wenn die Evolutionstheorie wegbräche, wäre das ein starkes Argument für die Existenz Gottes". Ein gefährlicher Schachzug. Denn damit spielt er den attackierten neuen Atheisten natürlich ungewollt in die Hände, die den Spieß sofort umdrehen und kontern werden: Wenn sich die Evolution bewährt (hat), ist das ein starkes Argument gegen Gott! Diesem Standardargument des "neuen Atheismus" kann man nur begegnen, wenn man nicht den gleichen Fehler wie die Atheisten begeht, die immer wieder den Gegensatz von Evolutionstheorie und Theologie behaupten. Die Vereinbarkeit von Evolutionstheorie und Theologie plausibel zu machen ist dabei nicht nur ein strategischer Vorteil, sondern aus theologischen Gründen geradezu zu fordern. So macht der evangelische Theologe Niels Henrik Gregersen unmissverständlich klar, dass Gott zur Evolution nicht in einem win-lose-Verhältnis, sondern in einem win-win-Verhältnis steht (Gregersen: Gott, Selbstorganisation und Evolution). Und der EKD-Text 94 (Weltentstehung, Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube in der Schule) hält fest: "Die Theologen lernten es durchaus, mit den neuen Erkenntnissen zu leben und dennoch die Überzeugung vom Schöpferwirken Gottes festzuhalten" (S. 12). Aber von dieser Schrift hält idea ohnehin nicht viel (siehe unten)!
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Die Tagespost: Norbert Bolz zum Naturalismus
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Die Tagespost vom 24. Juli bringt zu unserem Thema den bekannten Medientheoretiker Norbert Bolz ins Gespräch. Nach Bolz geben sich die modernen Atheisten zwar aufgeklärt, sie hätten den Glauben aber nur scheinbar hinter sich gelassen: Sie bräuchten den Glauben an die Nichtexistenz Gottes. In den Bestseller-Atheisten sehe Bolz "Symptome dafür, von einer neuen Religiosität herausgefordert zu werden". Gott werde lediglich von "Dem Menschen" ersetzt. Wissenschaft werde zur Erlösung: "Denn wenn der Atheist Richard Dawkins und verschiedene Hirnforscher Gott nur als kulturellen Virus bezeichnen, von dem sich Menschen anstecken lassen, dann kann dieser Naturalismus nur die Entlastung von Schuld und Verantwortung bedeuten" - so Alexander Riebels Bolz-Darstellung. Religion brauche sich vor dem "rein konstruktivistischen Selbstverständnis" der Wissenschaft nicht zu fürchten, zumal mit dem Wissen auch das Nichtwissen wachse, "und somit der Glaubensbedarf". Abgesehen von der sich hier andeutenden unseligen Identifikation von Glaube und Nichtwissen (die ja dem oben diskutierten Zueinander von Glaube und Vernunft in die Quere kommt), scheinen sich bei Bolz interessante Thesen über die neue Religiosität der neuen Atheisten zu finden.
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idea: EKD und Atheisten gegen Evangelikale?
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Schauen wir in der polarisierten Debatte noch einmal an das andere Ende der Konfliktzone. Laut idea-Bericht vom 19. Juli fühlen sich die bibeltreuen Evangelikalen von einem Bündnis der EKD mit den Atheisten bedroht. Hintergrund sei die Kooperation einiger Vertreter der EKD mit der Kasseler „Arbeitsgemeinschaft Evolutionsbiologie im Verband Biologie, Biowissenschaften & Biomedizin“, die in der Tat in klarer Frontstellung zum Kreationismus steht. Der Kritik sind konkret der Weltanschauungsbeauftragte der württembergischen Landeskirche, Hansjörg Hemminger, und die Orientierungshilfe der EKD „Weltentstehung, Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube in der Schule“ ausgesetzt. Dieser Schrift wird Deismus vorgeworfen: "Die Autoren nähmen an, Gott habe das Universum zwar am Anfang erschaffen, sich danach jedoch zurückgezogen; die weitere Entwicklung (Evolution) des Lebens gehe ohne göttliche Einflussnahme vonstatten" - so formuliert idea die Position Michael Seebers von der Partei Bibeltreuer Christen. Man braucht in der kritisierten Schrift – die ich nachdrücklich empfehlen möchte – nicht lange zu suchen, um den Vorwurf als unhaltbar zurückzuweisen. Der Wortlaut der Schrift spricht für sich selbst:
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Beispielhaft ist die Sicht Martin Luthers in seiner Auslegung des Ersten Artikels im Kleinen Katechismus. Luther denkt – ganz auf der Linie der biblischen Texte – von der Aktualität des göttlichen Schaffens her. Würde Gott nicht hier und jetzt schöpferisch wirken, so müsste die Welt vergehen, „wo er nicht anfängt, da kann nichts sein noch werden, wo er aufhört, da kann nichts bestehen“. Wir können hier nicht schematisch zwischen Schöpfung und Erhaltung unterscheiden, die Erhaltung der Welt durch Gott realisiert sich als aktuelles Schaffen in einem nicht einfach als abgeschlossen zu betrachtenden Prozess (creatio continua). Ähnlich hat Johannes Calvin den Hauptton auf das heutige Handeln Gottes und sein Wirken in der Gegenwart gelegt, wenn er das Geschaffensein der Welt durchdachte. (EKD Texte 94, S. 10) |
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