05.10.10: Gentest am Embryo: PID in der Diskussion
Am 6. Juli 2010 sprach der Bundesgerichtshof einen Arzt frei, der nach künstlicher Befruchtung Embryonen vor deren Einpflanzung einem genetischen Test unterzog, einer Präimplantationsdiagnostik (PID). Die Pressemitteilung des BGH titelte damals: "Die Präimplantationsdiagnostik zur Entdeckung schwerer genetischer Schäden des extrakorporal erzeugten Embryos ist nicht strafbar". Der Fall löste - wie zu erwarten - in der Öffentlichkeit und im Spiegel der Presse (siehe Presseschau) eine heftige Kontroverse aus, und Befürchtungen wie "Dammbruch" und "Eugenik" ließen nicht lang auf sich warten. Um eine Übersicht über das breite Feld der Argumente, Kontexte und Hintergründe zu gewinnen, hat die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart die PID in einem aktuellen Fenster und mit einem interdisziplinär zusammen gesetzten Podium diskutiert.
Für die Physikerin Lisa Randall ist das Großartige an der Wissenschaft gerade ihre Unordnung. Wissenschaftler sind nicht im Besitz einer geoffenbarten Wahrheit, sondern müssen selber herausfinden, was die Welt im Innersten zusammenhält. Das ist nach Randall der große Unterschied zwischen Religion und Wissenschaft: Wissenschaftler kennen die Antworten nicht. Sie müssen sie suchen. Ein interessantes Gespräch, auch über die Kathedralen und Glaubenssätze der Physik. -al
Die Fachzeitschrift Science verkündet in ihrer jüngsten Ausgabe: »Analytisches Denken fördert den religiösen Unglauben.« Das klingt, so Ulrich Schnabel, intuitiv erst einmal einleuchtend. Die Vernunft als natürliche Gegnerin des Glaubens ? das ist seit gut dreihundert Jahren das Leitmotiv aller Aufklärer und Religionskritiker. Er zeigt zum Glück aber auch: mit Religionskritik darf man es sich nicht zu einfach machen. Sonst sitzt man nur den intuitiven Vorurteilen seiner Ratio auf. - al