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03.03.09: Versöhnung der Gegensätze
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Unter der Überschrift "Versöhnung der Gegensätze" berichtet Judith A. Sägesser über eine Abendveranstaltung der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit Christian Kummer SJ über den "Fall Darwin". Der Artikel beginnt mit Pierre Teilhard de Chardins Merksatz: "Gott macht, dass die Dinge sich machen", der in der Tat den Vortrag Kummers zutreffend zusammen fasst. Der Merksatz hält fest, dass die Evolution "autonom" abläuft und Gott nicht wie ein Handwerker eingreift und an die Stelle innerweltlicher Ursachen tritt. Damit ist auch ein Konkurrenzverhältnis von Theologie und Evolutionsbiologie ausgeschlossen. Nur vor diesem Hintergrund erscheinen evolutions-kritische Randbemerkungen des Artikels im rechten Licht. Präziser konnte Kummer seinen Standpunkt im jüngsten Buch entfalten, das ich an anderer Stelle besprochen habe. Eine multimediale Dokumentation der Abendveranstaltung liegt ebenfalls vor.
Mit freundlicher Genehmigung geben wir den Wortlaut des Artikels der Stuttgarter Zeitung vom 2. März wieder.
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Versöhnung der Gegensätze
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Darwin contra Schöpfungsglaube Hohenheim. "Wie viel ist die Theorie von Charles Darwin wert?", fragt Christian Kummer. Der Philosoph fragt es beim Vortrag in Hohenheim - und in seinem neusten Buch. "Evolutionstheorie contra Schöpfungsglaube" ist dessen Untertitel.
Von Judith A. Sägesser
"Gott macht, dass die Dinge sich machen", das hat Pierre Teilhard de Chardin, ein französischer Philosoph, einst gesagt. Für Christian Kummer ist das die Formel, die Theologen und Naturwissenschaftler miteinander versöhnt - dann, wenn sie sich wieder einmal darüber streiten, wie Evolution eigentlich funktioniert. Für Kummer steht fest: An beiden Weltsichten ist etwas Wahres dran; die eine kann nicht ohne die andere. Ein Grund dafür, dass er so denkt: "Ich vereine beide Wissenschaften in meiner Person." Christian Kummer leitet das Institut für naturwissenschaftliche Grenzfragen zur Philosophie und Theologie an der Hochschule für Philosophie in München. Er hat Theologie, Philosophie und Biologie studiert. Sein neustes Buch heißt "Der Fall Darwin - Evolutionstheorie contra Schöpfungsglaube". Am vergangenen Freitag hat er bei der katholischen Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Hohenheim über seine Gedanken zu diesem Thema gesprochen. 2009 ist das Darwin-Jahr. Der britische Naturforscher Charles Darwin ist vor 200 Jahren geboren. Die Debatte, was seine Evolutionstheorie leisten kann, ist in den vergangenen Wochen hochgekocht. Darwin behauptet, dass sich Lebewesen zwangsläufig perfektionieren. Diejenigen, denen das gelingt, bestehen fort, sie setzen sich gegen Schwächere ihrer Art durch. "Survival of the fittest" ist der Satz aus dem Biologieunterricht, der bei vielen hängen geblieben sein müsste. Darwins Überlegungen gelten gemeinhin als revolutionär. Allerdings sind sie nicht unumstritten. Das Wissenschaftsmagazin "Science" schreibt, dass nur 40 Prozent der Amerikaner die Darwin-Theorie für wahr halten. Und auch die Europäer zweifeln. Einzig in Island, Dänemark, Schweden und Frankreich sind die Menschen zu 80 Prozent auf der Linie Darwins. Deutschland liegt mit 70 Prozent im Mittelfeld. "Ich zweifle nicht an der Richtigkeit von Darwins Theorie", sagt Christian Kummer, "aber ich muss Kritikern gegenüber gleichzeitig zugeben, dass die Mehrzahl evolutionsbiologischer Rekonstruktionen empirisch wenig belastbar ist". Kummer leuchtet vor allem nicht ein, weshalb Lebewesen unvermeidlich die Vervollkommnung anstreben. Dafür habe Darwin keine stichhaltigen Argumente. Eebenso lückenhaft findet Kummer die Weltsicht der Kreationisten. Dass es einen Gott geben soll, der Lebewesen formt, einem Handwerker gleich, überzeugt ihn nicht. "Da muss ich meine Vorbehalte anmelden." Eine Katze unterscheidet sich von einem Stuhl. Der Stuhl war ein Holzstück, bevor ein Schreiner ein Sitzmöbel daraus gezimmert hat. Die Katze lässt sich weder nähen noch gestalten noch kleben. Sie ist. "Es muss zwei Arten von Materie geben." Auf der einen Seite alles Unbelebte. Auf der anderen Seite das Belebte, das Beseelte - das für Naturwissenschaftler nicht komplett Fassbare. Kummer sieht im Metaphysischen die Lösung der scheinbaren Gegensätzlichkeit von theologischem Schöpfungsglauben und Evolutionstheorie. Er fragt: "Welche Prinzipien muss ich annehmen, um die Wirklichkeit in einem möglichst wenig eingeengten Sinn zu erklären?" Unabhängig davon, was Gesellschaften glauben und schlüssig finden, in der heutigen Zeit dominieren die Naturwissenschaftler in der Regel. Die Theologen ziehen sich zurück, ihnen bleibt letztlich, die Alternative zu Formeln und Diagrammen zu bieten. "Naturwissenschaftler halten dieses Alternativangebot in der Regel für überflüssig", sagt Kummer. "Es ist hier wie mit der Musik: Wer mag, darf sie betreiben, aber wer nicht mag, dem geht ohne sie nichts ab." Das muss sich seiner Meinung nach ändern.
Christian Kummer: Der Fall Darwin - Evolutionstheorie contra Schöpfungsglaube. Pattloch Verlag, 303 Seiten, 19,95 Euro.
02.03.2009 - aktualisiert: 02.03.2009 06:01 Uhr
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